Japan 255

5.4.2002 | Von:

Wirtschaftliche Strukturen

Außenwirtschaft

Wirtschaft JapansWirtschaft Japans
Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 5,1 Billionen US-Dollar im Jahre 1995 ist Japan heute die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt hinter den USA. Gemeinsam erwirtschafteten beide Staaten circa 40 Prozent des weltweiten BIP-(Bruttoinlandsprodukt-)Gesamtaufkommens (zum Vergleich: auf Deutschland entfallen circa 8 Prozent)

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Mit einem Beitrag zum Welthandelsaufkommen von knapp 8 Prozent gehört das Land gleichzeitig hinter den USA (circa 14 Prozent; EU insgesamt circa 37,5 Prozent) zu den wichtigsten Teilnehmern an der Weltwirtschaft. Die Abhängigkeit des Landes vom Außenhandel liegt zwar mit circa 8 Prozent erheblich unter derjenigen fast aller anderen Industrienationen (USA: circa 9 Prozent; Deutschland: circa 20 Prozent). Allerdings ist die Exportabhängigkeit einiger wichtiger Industriesparten in Japan relativ hoch.

Die wichtigsten Handelspartner

APECAPEC
Seit 1945 sind die USA unangefochten an der Spitze der japanischen Handelspartner mit circa einem Viertel des gesamten japanischen Handelsvolumens. 1995 belief sich der Wert des gemeinsamen Handels auf 196267 Milliarden US-Dollar. Dabei erzielte Japan einen - politisch problematischen - Überschuß in Höhe von 45451 Milliarden US-Dollar. Neben den USA gehören die Staaten Ostasiens zu den wichtigsten Partnern im Handel. Deutschland, als größter einzelner Handelspartner Japans in der EU, nimmt bei den Importen wie bei den Exporten erst Rang sieben ein.

ExportabhängigkeitExportabhängigkeit
Der Handel mit den achtzehn Staaten der APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation, Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation) in Nordamerika, Chile, Argentinien, Australien und in Ostasien hat in den vergangenen Jahren an Gewicht für die japanische Außenwirtschaft gewonnen. 1995 entfielen insgesamt 74 Prozent der japanischen Exporte und 67,1 Prozent der japanischen Importe auf diesen intraregionalen Handel. Demgegenüber scheinen die Staaten der EU für den japanischen Außenhandel leicht an Bedeutung zu verlieren.

Besonderheiten der Handelsstruktur

Global-KapitalGlobal-Kapital
Japan hat sich seit 1945 in einem sehr raschen Tempo von einem "industrialisierten Agrarland" zu einem modernen Hochtechnologiestaat entwickelt. Erst Anfang der siebziger Jahre verlor das Land seinen Status als Entwicklungsland nach OECD-Standard. Die Stufen dieser raschen Entwicklung lassen sich anhand des Wandels nachvollziehen, den die Struktur des japanischen Außenhandels während der vergangenen fünfzig Jahre durchlaufen hat. Die Exporte der Leichtindustrie (Textil- und chemische Industrie) machten 1960 noch circa ein Drittel der Gesamtausfuhren aus, während die technologieintensive Sparte "Maschinen und Ausrüstungen" nur auf circa ein Viertel kam. 1993 hat sich der Anteil der arbeitsaufwendigen Textilexporte dagegen auf 2,3 Prozent reduziert, während etwa drei Viertel der Exporte auf "Maschinen und Ausrüstungen" entfallen.

Kernkraftwerke weltweitKernkraftwerke weltweit
Auch innerhalb der einzelnen Warengruppen zeigt sich heute eine Spezialisierung auf technologieintensive Produkte. So entfällt heute beispielsweise etwa ein Viertel der Exporte der japanischen Textilindustrie auf synthetische Faserstoffe. Das hohe technologische Niveau der japanischen Industrie zeigt sich im internationalen Vergleich auch bei den Patentanmeldungen. So konnte Japan im Technologiehandel 1993 einen leichten Gewinn verbuchen und lag bei der Anmeldung internationaler Patente hinter den USA und Deutschland weltweit an dritter Stelle.

Die Massenproduktion einiger weniger Produkte, die aufgrund einer hohen Stückzahl billig auf den Weltmärkten angeboten werden können, gehört heute nicht mehr zu den Schwerpunkten der Strategie der japanischen Industrie. Die Breite der Produktpalette der japanischen Exporte ist mit denen anderer Industriestaaten vergleichbar, wie sich am Beispiel der Warengruppe Maschinen und Ausrüstungen zeigt, die zwei Drittel der gesamten Exporte ausmacht.

Allerdings entfällt auf die Produkte der Automobilindustrie - Fahrzeuge und Fahrzeugteile - mit circa 27 Prozent aller japanischen Exporte der Warengruppe "Maschinen und Ausrüstungen" ein erheblicher Anteil der Gesamtexporte. Auffällig ist, daß die Importe von Fahrzeugen im Falle Japans erheblich unter denen vergleichbarer anderer Industrienationen liegen.

Die Struktur der japanischen Importe weist dagegen noch deutliche Spuren des raschen Tempos der wirtschaftlichen Entwicklung Japans auf. Der Anteil der Fertigprodukte an den Gesamtimporten, ein wichtiges Indiz für einen freien Marktzugang für ausländische Anbieter, liegt in Japan mit knapp über 50 Prozent noch erheblich unterhalb des Durchschnitts der übrigen Industrienationen von 75 Prozent bis 80 Prozent. Allerdings sind die Importe aus Europa zu 85 Prozent, die aus den USA zu 62 Prozent Fertigwaren. Der hohe Anteil an nichtverarbeiteten oder halbverarbeiteten Gütern läßt sich zum Teil aus der hohen Importabhängigkeit Japans bei lebenswichtigen Rohstoffen erklären. Etwa ein Fünftel der Einfuhren entfallen auf minerale Brennstoffe. Etwa 16 Prozent der Gesamtimporte sind Nahrungsmittel, wobei auf Fisch und Meeresfrüchte, die wichtigsten Eiweißlieferanten der japanischen Speisekarte, bereits 6 Prozent entfallen - aus dem Fang in japanischen Gewässern ist aufgrund von Überfischung der Bedarf nicht mehr zu decken.

Importabhängigkeit Japans bei wichtigen Rohstoffen in Prozent:
  • Erdöl: 99,6%
  • Eisenerz: 100%
  • Nickel: 100%
  • Kohle: 100%
  • Aluminium: 99,2%
  • Sojabohnen: 96,2%
  • Kupfer: 98,8%


Japanische Direktinvestitionen

Gegen Ende der achtziger Jahre ist ein wachsendes Interesse japanischer Investoren an Direktinvestitionen ins Ausland festzustellen. Das Gros der japanischen Direktinvestitionen ging in die USA (1993: 42 Prozent der gesamten getätigten Auslandsdirektinvestitionen Japans). Europa lag mit 19,8 Prozent an zweiter Stelle vor Asien mit 15,7 Prozent. Tendenziell ist seit 1993 eine gewisse Verschiebung der japanischen Investitionsaktivitäten in Richtung Ostasien erkennbar.

Insbesondere in den Boom-Jahren 1989 bis 1991 wurde sehr viel Kapital im Ausland angelegt. Japanische Auslandsinvestitionen flossen vor allem in die Bereiche Immobilien (1989: 14,1 Milliarden US-Dollar), verarbeitende Industrie (16,2 Milliarden US-Dollar) und Finanz- und Versicherungswesen (15,4 Milliarden US-Dollar). Besonders medienträchtig war der Erwerb des Rockefeller-Centers im Zentrum von New York. Doch solche spektakulären Investitionen führten binnen weniger Jahre ins finanzielle Desaster. In Japan brauchten viele Unternehmen in der 1992 einsetzenden Rezession dringend Kapital. Gleichzeitig sanken in den USA die Immobilienpreise und der Wert des Yen stieg gegenüber dem Dollar drastisch an. So waren die US-Anlagen japanischer Investoren nach Yen berechnet in nur zwei bis drei Jahren erheblich im Wert gesunken.

Langfristig von großer Bedeutung sind die Auslandsinvestitionen im verarbeitenden Sektor. Sie werden durch die Verlagerung japanischer Produktionsstätten ins Ausland verursacht, die seit Beginn der neunziger Jahre in rasantem Maße zugenommen hat. Japans Großkonzerne, die bisher im internationalen Vergleich einen sehr niedrigen Internationalisierungsgrad aufwiesen, passen sich auch in diesem Punkt langsam den internationalen Standards an. Schätzungen gehen davon aus, daß der Anteil der Auslandsproduktion am gesamten Output bei japanischen Großkonzernen von 18,4 Prozent im Jahre 1995 auf 26,8 Prozent im Jahr 2000 steigen wird (zum Vergleich: USA im Jahre 1992: 31,6 Prozent).

So bietet Japan Mitte der neunziger Jahre das Bild einer fast "normalen" modernen Industrienation. Die Exportindustrie wird allmählich ihre Bedeutung als Motor wirtschaftlichen Wachstums abgeben. Der Grad der internationalen Verflechtungen ihrer Wirtschaft wird zunehmen. Bereits heute stammt ein wachsender Teil der in Japan verkauften Haushaltselektronik und Automobile aus japanischen Produktionsstätten im Ausland.