Auf der Robert-Schuman-Parade in Warschau wird die EU-Flagge getragen.
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 Pfeil rechts

Das internationale Engagement der EU


16.4.2012
Nahm man Europa lange Jahre als außenpolitischen Zwerg wahr, treten die EU-27 mittlerweile über ihre Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) als globaler Akteur auf. Wichtige Pfeiler des internationalen Profils der Union sind die Außenhandels- und Entwicklungspolitik.

Die EUFOR-Mission in Bosnien-Herzegowina ist mit dem Einsatz von 6300 Soldaten die bis dahin größte militärische Operation der EU. Ein deutscher Soldat erhält das Missions-Abzeichen Ende 2004.Die EUFOR-Mission in Bosnien-Herzegowina ist mit dem Einsatz von 6300 Soldaten die bis dahin größte militärische Operation der EU. Ein deutscher Soldat erhält das Missions-Abzeichen Ende 2004. (© picture alliance / AP Photo )

Einleitung



Die Präsenz der Europäischen Union auf der Weltbühne ist so vielschichtig und facettenreich wie das internationale Geschehen selbst. Sie zeigt sich auf den großen internationalen Konferenzen ebenso wie im diplomatischen Alltagsgeschäft. Die EU zeigt Flagge, wenn es darum geht, Menschenrechtsverletzungen in China anzuprangern, humanitäre Hilfe für Erdbebenopfer zu leisten, ein zerstörtes Land beim Wiederaufbau zu unterstützen oder über eine militärische Intervention Sicherheit und Stabilität in einem Land oder einer Region herzustellen - zum Beispiel auf dem Westlichen Balkan seit 2003. Sprach man in den 1970er-Jahren noch selbstverständlich und zu Recht von Europa als einem außenpolitischen Zwerg, so kann das Profil der EU heute zutreffend als das eines "globalen Akteurs" beschrieben werden. Allerdings ist dieses Profil nicht einfach zu erfassen.
Wie sich die EU in einer bestimmten Situation international präsentiert, hängt von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren ab: Welche außenpolitischen Herausforderungen werden von der EU und ihren Mitgliedstaaten als eine Bedrohung empfunden, auf die es gilt, mit einer gemeinsamen europäischen "Stimme" zu reagieren? Welchen Anspruch erhebt die EU für sich selbst, auf die politische und wirtschaftliche Lage in anderen Staaten Einfluss zu nehmen? Welche Erwartungen haben Drittstaaten an die EU in Bezug auf politische, wirtschaftliche und finanzielle Hilfe? Über welche rechtlichen Kompetenzen verfügt die EU, um international tätig werden zu können? Bis zu welchem Grad sind die EU-Mitgliedstaaten überhaupt bereit, sich in sensiblen Bereichen wie der Sicherheits- und Verteidigungspolitik von "Brüssel" vertreten zu lassen? Schließlich gilt es zu bestimmen, wer die außenpolitischen Akteure auf europäischer Ebene sind, welche Ziele sie verfolgen und welche Instrumente ihnen zur Verfügung stehen.