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Kalter Krieg von 1945 bis 1989

20.3.2014

Vietnam-Krieg



Die Weiterführung von Johnsons Sozialprogrammen und des Abbaus von Rassendiskriminierung scheiterte letztlich an einem außenpolitischen Ereignis, dem Vietnam-Konflikt, der den gesellschaftlichen Konsens auseinanderbrechen ließ. Wie seine Vorgänger glaubte Johnson fest an die Richtigkeit der Eindämmungsstrategie, der Dominotheorie und an die Demonstration militärischer Stärke. Als Anfang August 1967 zwei US-amerikanische Kriegsschiffe aus nach wie vor ungeklärter Ursache von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurden, ließ Johnson deren Stützpunkte bombardieren. Kurz danach gab der Kongress dem Präsidenten mit der Gulf of Tonkin-Resolution quasi eine Blankovollmacht für militärische Operationen in Vietnam. Dies markierte den Höhepunkt der sogenannten imperialen Präsidentschaft mit weitreichenden Machtbefugnissen und hatte fatale Folgen. Von nun an entschied Johnson allein über die weiteren Kriegshandlungen und informierte dabei die Öffentlichkeit nur unzureichend. Die Truppenpräsenz wurde innerhalb von drei Jahren verzwanzigfacht: von 23 000 im Jahre 1964 auf 475 000 Ende 1967. Doch weder die Bodentruppen noch der Einsatz aufwändiger Technologie und neuer chemischer Kampfstoffe ermöglichten es den beharrlich optimistischen Militärs, den Widerstandswillen der Nordvietnamesen zu brechen.

In den USA selbst formierte sich dagegen eine wachsende Protestbewegung, die sich mit Teilen der Bürgerrechtsbewegung zusammenschloss und hauptsächlich aus Jugendlichen und Studenten bestand. Deren größte Organisation, die Students for a Democratic Society (SDS), zählte Ende der 1960er-Jahre über 100 000 Mitglieder. Ihre Aktionen wie das öffentliche Verbrennen von Einberufungsbefehlen und die Organisation von Demonstrationen zugunsten der Ziele Nordvietnams und der Dritten Welt allgemein gelangten über das Fernsehen in alle amerikanischen Haushalte. Tägliche Bilder von heimkehrenden Särgen gefallener US-Soldaten – circa 23 000 bis 1969 – unterminierten das Vertrauen in Johnsons Beteuerung, dass der Sieg bald zu erringen sei. Als die kommunistischen Angreifer in der Tet-Offensive vom 30. Januar 1968 bis nach Saigon und dort sogar bis an die US-Botschaft vordringen konnten, schwand die Siegeszuversicht, und es kam zu Verhandlungen beider Seiten in Paris. Ende März 1968 kündigte Johnson die Beendigung der Bombardierung Nordvietnams an und erklärte seinen Verzicht auf eine weitere Präsidentschaftskandidatur.

Johnsons Amtszeit endete mit einem starken Prestigeverlust der USA, ausgelöst durch den Vietnam-Krieg. Dieser hatte enorme Ressourcen verschlungen und die Armutsbekämpfung sowie die Sozialprogramme ausgebremst. Allerdings gab es Teilerfolge: So konnte die Quote der am Existenzminimum lebenden Personen von 1960 bis 1970 auf 12,6 Prozent gesenkt und damit nahezu halbiert werden; bei Afroamerikanern sank sie von 55 auf circa 31 Prozent.
Dennoch war das Land tief gespalten und verunsichert; große Bevölkerungsteile sehnten sich nach Ruhe, Ordnung und Beendigung des Krieges. Genau diese Themen griff der Republikaner Richard M. Nixon (1969-1974) während des Präsidentschaftswahlkampfes 1968 auf, womit er sich gegen seinen demokratischen Gegner Hubert Humphrey durchsetzen konnte. Der zunächst chancenreichste Anwärter auf die Präsidentschaft, Robert F. Kennedy, ein jüngerer Bruder des früheren Präsidenten, war wenige Monate vor der Wahl einem Attentat zum Opfer gefallen.
Mit Nixon zog ein vorrangig an der Außenpolitik interessierter Präsident ins Weiße Haus. Zusammen mit seinem Sicherheitsberater und späteren Außenminister Henry A. Kissinger galt er als Begründer einer außenpolitischen Neuorientierung, die mit den Mitteln der Realpolitik ein weltweites Mächtegleichgewicht anstrebte.

Innenpolitisch distanzierte sich Nixon von Johnsons Reformplänen, zeigte Skepsis hinsichtlich der Rassenintegration und sprach in seinen Reden insbesondere die Mittelschicht – die "schweigende Mehrheit" – an, die seines Erachtens schon immer für "Recht und Ordnung" eingetreten sei und Protestdemonstrationen ablehne. Parallel zu diesen Entwicklungen erreichte die jugendliche Hippie-Protestbewegung ("make love, not war"), die im Gegensatz zu den Studentenorganisationen weniger an ideologischen Fixierungen interessiert war, ihren Höhepunkt mit dem Woodstock-Festival im August 1969, an dem über 400 000 Zuschauer teilnahmen. Die Dynamik der Anti-Kriegsbewegung hielt derweil an: Im November 1969 demonstrierten 250 000 Menschen in Washington, D. C. Das Bekanntwerden des My-Lai-Massakers vom März 1968, bei dem US-Soldaten etwa 300 vietnamesische Zivilisten brutal ermordet hatten, löste kurz erneute Unruhen aus und sorgte für internationale Entrüstung. Als Nixon im April 1970 US-Truppen in Kambodscha einmarschieren ließ, wurde deutlich, dass der Krieg in Indochina noch andauern würde. An vielen Universitäten kam es daraufhin zu Ausschreitungen, die bei einem Einsatz der Nationalgarde an der Kent State University in Ohio sogar vier Todesopfer forderten.
Obwohl die erste Mondlandung der Apollo-Astronauten Neil Armstrong und Edwin (Buzz) Aldrin am 21. Juli 1969 internationalen Prestigegewinn beschert hatte, überschattete der Vietnam-Krieg alle Bereiche der amerikanischen Innen- und Außenpolitik und stellte den moralischen Führungsanspruch der USA grundsätzlich infrage.