Kirche in Deutschland
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Stellung in der modernen Gesellschaft


4.8.2009
Der seit 1919 gehegte, aber in der Weimarer Republik nie verwirklichte Plan zur Bildung einer evangelischen Nationalkirche wurde 1933 völlig diskreditiert, als die Nationalsozialisten die Wahlen zu einer ersten Nationalsynode nutzten, um die Landeskirchen weitgehend gleichzuschalten.

Eine Pastorin bereitet mit einem Helfer das Abendmahl für rund 80.000 Besucher des Abschlussgottesdientes des Evangelischen Kirchentages 2007 in Köln vor.Eine Pastorin bereitet mit einem Helfer das Abendmahl für rund 80.000 Besucher des Abschlussgottesdientes des Evangelischen Kirchentages 2007 in Köln vor. (© ddp/AP)

Institutionelle Grundlagen

Evangelische Landeskirchen: Der seit 1919 gehegte, aber in der Weimarer Republik nie verwirklichte Plan zur Bildung einer evangelischen Nationalkirche wurde 1933 völlig diskreditiert, als die Nationalsozialisten die Wahlen zu einer ersten Nationalsynode nutzten, um die Landeskirchen weitgehend gleichzuschalten. Der Plan wurde danach nicht wieder aufgenommen. Stattdessen knüpfte man nach 1945 wieder an das alte landeskirchliche System an, das nunmehr durch einen Zusammenschluss auf nationaler Ebene, die "Evangelische Kirche in Deutschland" (EKD) überwölbt wurde, der in seinem Selbstverständnis bis heute nicht endgültig geklärt ist. Die EKD wird von einem Rat unter einem Ratspräsidenten (derzeit, bis Oktober 2009, Prof. Dr. Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) im Zusammenwirken mit einer einmal jährlich tagenden Synode geleitet. Damit wurde die konfessionelle und territoriale Zersplitterung der derzeit 22 evangelischen Landeskirchen nicht überwunden.

Die Evangelische Kirche in Deutschland - EKDDie Evangelische Kirche in Deutschland - EKD
Die staatskirchenrechtlichen Entwicklungen in der DDR hatten 1969 unter dem Druck der Verhältnisse zur Gründung des "Bundes der evangelischen Kirchen in der DDR" (BEK) und somit zur faktischen Abspaltung der Kirchen auf dem Territorium der DDR von der EKD geführt. Nach der Wiedervereinigung löste sich der BEK 1991 auf, und die alten Verhältnisse wurden wiederhergestellt. Freilich hatten die Bemühungen um Entkirchlichung im real existierenden Sozialismus in der Bevölkerung der DDR tiefe Spuren hinterlassen, die immer noch nachwirken.

In neuerer Zeit sind in den evangelischen Kirchen zunehmende Anzeichen dafür zu entdecken, dass man sich auf theologischer wie auf administrativer Ebene auf Gemeinsamkeiten besinnt. Schon seit den 1960er Jahren hatte es Bemühungen gegeben, in Lehrfragen zwischen den evangelischen Kirchen lutherischer und reformierter Tradition Übereinstimmung zu erzielen (etwa in der so genannten Arnoldshainer Konferenz). Parallel dazu verpflichtete sich eine große Zahl insbesondere lutherischer und reformierter Kirchen aus ganz Europa im Jahr 1973 in Leuenberg bei Basel zur gegenseitigen Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft (so genannte Leuenberger Konkordie). Daraus entstand die "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" mit derzeit 105 Kirchen. Die lehrmäßigen Differenzen zwischen den Kirchen der Reformation dürfen seither als weitgehend überwunden gelten.

Diese Rückbesinnung auf die reformatorischen Grundlagen bei gleichzeitiger theologischer Weiterarbeit, aber auch zunehmende finanzielle Probleme und andere Gründe haben schließlich im Jahr 2003 zur Entstehung der "Union evangelischer Kirchen" (UEK) innerhalb der EKD geführt. Ihre Grundordnung basiert auf einem gemeinsamen Verständnis des Evangeliums und der Sakramente von Taufe und Abendmahl, weshalb sich die UEK - unbeschadet der fortdauernden kirchlichen Selbstständigkeit ihrer Mitglieder - als Kirche versteht und eine weitergehende Einheit der EKD anstrebt.

Ob diese gelingen wird ist derzeit noch offen, nicht zuletzt deshalb, weil die verwirrende Zahl von Zusammenschlüssen auf unterschiedlichen Ebenen eine Kirchenbürokratie hervorgebracht hat, die ein erhebliches Beharrungsvermögen aufweist. Der vom Rat der EKD im Sommer 2006 durch das Impulspapier "Kirche der Freiheit" angestoßene Reformprozess "Kirche im Aufbruch" könnte zunächst zu einer Konzentration der Zahl der Landeskirchen führen. So fordert das Impulspapier, es solle im Jahr 2030 statt derzeit 22 Landeskirchen nur noch acht bis zwölf geben, "die an den Grenzen der großen Bundesländer orientiert sind und jeweils nicht weniger als eine Million Kirchenmitglieder haben".

Katholische Kirche: Auf katholischer Seite steht der Fülle der evangelischen Kirchen ein weitgehend zentralistisches System gegenüber: Die 27 deutschen Bistümer sind in sieben Kirchenprovinzen gegliedert mit den Erzdiözesen Bamberg, Berlin, Freiburg, Hamburg, Köln, München und Freising sowie Paderborn. Ihre Struktur ist durch den weltweit gültigen Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983 geordnet.

Die Katholische Kirche in DeutschlandDie Katholische Kirche in Deutschland
Als nationales Gremium fungiert die Deutsche Bischofskonferenz, die laut Statut "zum Studium und zur Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, zu gegenseitiger Beratung, zur notwendigen Koordinierung der kirchlichen Arbeit und zum gemeinsamen Erlass von Entscheidungen sowie zur Pflege der Verbindung zu anderen Bischofskonferenzen" dient. Sie wird durch einen Vorsitzenden (derzeit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg) geleitet.

Da die ostdeutschen Bischöfe nach dem Mauerbau nicht mehr an der Bischofskonferenz teilnehmen konnten, gab es in der DDR zeitweise eine separate "Berliner Ordinarienkonferenz" (seit 1976 "Berliner Bischofskonferenz"). 1990 vereinigten sich beide Gremien wieder.

Die Spannungen zwischen nationalkirchlichen und ultramontanen (das heißt nach Rom ausgerichteten) Tendenzen innerhalb des deutschen Katholizismus, die vor allem im 19. Jahrhundert die Beziehungen zu den deutschen Staaten erheblich belasteten, sind zwar nicht völlig verschwunden, aber doch deutlich abgeklungen. Gleichwohl muss man sich klar machen, dass die katholische Kirche seit jeher in viel stärkerem Maße global denkt als der Protestantismus und insofern die Lage im deutschen Katholizismus oft durch Entwicklungen beeinflusst wird, die außerhalb der Landesgrenze ihren Ursprung haben. So wächst der Katholizismus in anderen Weltteilen, während er in Europa zurückgeht. Dies kann nicht ohne Auswirkungen auf die Politik der Kurie bleiben. Die Diskussionen über die Möglichkeit der Wahl eines afrikanischen Papstes beim letzten Konklave sind hierfür ein Beispiel.

Auch das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) reagierte auf globale Entwicklungen. Seine Einsichten und Ergebnisse hatten Auswirkungen auf die gesamte katholische Christenheit und sorgen seither auch unter den Katholiken Deutschlands für Diskussionsstoff. In den Beschlüssen dieses Konzils wurde eine deutliche, so bisher nicht dagewesene Öffnung der katholischen Kirche zur Welt und zu den Chancen und Herausforderungen der modernen Zeit vollzogen.
  • Für das Gros der Katholikinnen und Katholiken machte sich dies unter anderem durch die Liturgiereform bemerkbar. In deren Folge wurde die lateinische (tridentinische) Messe weitgehend abgeschafft und die jeweilige Landessprache im Gottesdienst eingeführt. Die Reform brachte eine Abkehr vom Hochaltar und die Einführung des frei stehenden "Volksaltars" mit sich, an dem der Priester nunmehr die Messe zu den Gottesdienstbesuchern hingewandt zelebriert, wodurch der Gemeinschaftscharakter stärker hervortreten soll.
  • Außerdem wurde die Mitsprache von Laien gestärkt. Sie konnten nun in den neu eingerichteten (beratenden) Pfarrgemeinderäten und verstärkt auf anderen Ebenen der Kirchenadministration mitwirken; dadurch wuchs auch der Einfluss des "Zentralkomitees der deutschen Katholiken" (ZdK), das den repräsentativen Zusammenschluss der in der katholischen Kirche in Deutschland aktiven Laien darstellt (derzeitiger Präsident Prof. Dr. Hans Joachim Meyer).
  • Darüber hinaus entspannte sich das Verhältnis zu den anderen Konfessionen und Religionen, vor allem zum Judentum, zunächst merklich.
Diese Aufbruchstimmung wurde indessen noch während der Amtszeit Papst Pauls VI. (1963-1978) durch weithin als konservativ empfundene Maßnahmen gedämpft, ein Trend, der sich unter Pauls Nachfolgern Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (seit 2005) noch verstärkte.
  • Hierzu zählten unter anderem offizielle Verlautbarungen wie die Enzyklika Humanae Vitae (1968) Pauls VI., in der die Empfängnisverhütung durch Kontrazeptiva ("Pille") und jede Form von Abtreibung abgelehnt wurden, eine Lehre, die auch Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Evangelium Vitae (1995) bekräftigte.
  • Ebenso führte und führt die Besetzung von Bischofsstühlen mit konservativen Kirchenführern - wie etwa in Köln im Jahre 1988 - zu erheblichen Auseinandersetzungen in den betroffenen Diözesen.
  • Schließlich hat die weitgehende Wiederzulassung der lateinischen Messe nach dem Messbuch von 1962 durch Benedikt XVI. im Jahre 2007 für erhebliche Unruhe unter deutschen Katholiken gesorgt. Die damit einhergehende Wiederzulassung der Karfreitagsliturgie mit der problematischen Fürbitte für die Juden (die mittlerweile überarbeitet wurde) hat zudem das Verhältnis zum Judentum getrübt.
  • Dieses Verhältnis wurde Anfang 2009 einer erneuten Belastungsprobe unterzogen, als Benedikt XVI. die auch in Deutschland vertretene Priesterbruderschaft St. Pius X., deren Bischöfe, angeführt von Erzbischof Marcel Lefebvre, 1988 exkommuniziert worden waren, wieder in die Sakramentsgemeinschaft aufnahm, während gleichzeitig führende Vertreter der Bruderschaft offen antisemitische Ansichten vertraten. Dabei kam es unter anderem zu einer öffentlichen Intervention von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Benedikt zu einer Klarstellung aufforderte, dass eine Leugnung des Holocaust nicht geduldet werde.

Quellentext

Holpriger Weg - die Verbesserung des katholisch-jüdischen Verhältnisses

Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Holocaust leitete die Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil [...] ab 1962 grundlegende Reformen ein, die das christlich-jüdische Verhältnis neu definierten [...]. Innerhalb dieses Konzils wurde im Oktober 1965 auch die Erklärung "Nostra Aetate" ("In unserer Zeit") verabschiedet, die das Verhältnis der Kirche zu den nicht christlichen Religionen in einer "fast totalen Kehrtwendung" - so umschrieb es später Kardinal Karl Lehmann - neu fasste. So sprach die Erklärung die Juden vom Vorwurf des Jesusmordes frei, insofern als es hieß, "obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen". Dieser Vorwurf - für Jesu Tod verantwortlich zu sein - war oft der Grund und die Rechtfertigung für jahrhundertelange, auch durch die Kirche induzierte Judenverfolgung, Inquisition und Pogrome gewesen. Auch dürfe "man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern". Schließlich heißt es: "Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben." [...]
Mit der Erklärung "Nostra Aetate", die die Juden vom Vorwurf des Christusmordes freisprach, begann eine Zeit deutlich größerer Toleranz und Akzeptanz gegenüber den Juden. Die Kirche änderte Liturgie und Lehre und bemühte sich, dem Antisemitismus auch in den eigenen Reihen ein Ende zu bereiten.
[...] Im Februar 2008 veröffentlichte der Papst eine Fürbitte für die Juden in der wieder aufgewerteten tridentinischen Karfreitagsliturgie. Darin wird ausgedrückt, dass Juden nur durch Jesus Christus zum Heil gelangen könnten. Dies führte zu Irritationen im christlich-jüdischen Dialog, [...].
Mittlerweile [...] haben sich Kirchenvertreter und Rabbiner erfolgreich um einen neuen Schulterschluss bemüht, einschließlich eines klaren Bekenntnisses zur "Nostra Aetate" als eine "abgrundtiefe Ablehnung des Antisemitismus, ganz gleich, wie er daherkommt, und ein dezidiertes Ja zu den jüdischen Wurzeln des Christentums [...]", so P. Norbert Hofmann, der Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum am päpstlichen Einheitsrat, Mitte Februar in einem "Radio Vatikan"-Interview. Auch Papst Benedikt XVI. fand deutliche Worte, indem er bei einem Treffen mit jüdischen Spitzenvertretern die Leugnung des Holocausts als untragbar und inakzeptabel bezeichnete [...]. Für das Verhältnis der Kirche zum Judentum bleibt die Erklärung "Nostra Aetate" nicht nur ein Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung - sondern auch Wegmarke für den weiteren Weg in die Zukunft.

Katja Behling, "Das Bekenntnis zu ,Nostra Aetate`", in: aufbau. Das jüdische Monatsmagazin, 75. Jg., Nr. 4, April 2009, S. 16ff.



Im ökumenischen Dialog mit dem Luthertum hatte es im Jahre 1999 - trotz erheblicher Proteste vor allem von Seiten evangelischer Theologieprofessoren - durch die Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung" zwischen Lutherischem Weltbund und katholischer Kirche einen wichtigen Schritt zur Überwindung der seit der Reformation strittigen dogmatischen Fragen gegeben. Seither sind aber die offiziellen ökumenischen Kontakte zwischen den Protestanten und Rom deutlich abgekühlt, nicht zuletzt auch deshalb, weil die katholische Seite auf ihrer Auffassung beharrt, die Kirchen der Reformation könnten nicht "Kirchen" genannt werden, da sie "die apostolische Sukzession im Weihesakrament" nicht besäßen und ihnen deshalb "ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins" fehle (so in dem Schreiben der Glaubenskongregation "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" vom 29. Juni 2007). Die Lehre von der apostolischen Sukzession in ihrer römischen Form, das heißt unter Anerkennung der Vorrangstellung des Papstes als Nachfolger des Apostels Simon Petrus, aufgrund derer der Papst die höchste Lehrautorität in dogmatischen Fragen beansprucht, ist den Protestanten schlechterdings unannehmbar.

Diese Vorbehalte aus Rom konnten auf nationaler Ebene durch die guten Kontakte zwischen EKD und Bischofskonferenz teilweise abgemildert werden, belasten aber die ökumenischen Beziehungen bis hinunter auf Gemeindeebene schwer.

Sonstige Kirchen: Die nicht landeskirchlich organisierten Gemeinschaften fasst man häufig unter dem (irreführenden) Begriff der "Freikirchen" zusammen. Zu ihnen zählen diejenigen Kirchen, die direkt oder indirekt aus dem so genannten linken Flügel der Reformation hervorgegangen sind, indem sie über die ethischen und kirchlichen Forderungen der Lutheraner und Calvinisten hinausgingen (zum Beispiel Mennoniten, Baptisten), ferner die Abspaltungen von Rom wie die Alt-Katholische Kirche oder von den Landeskirchen wie die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche und schließlich die Pfingstkirchen.

Die im Einzelnen sehr unterschiedlichen Freikirchen sind oft durch eine Haltung gekennzeichnet, die die Bibel im Wortsinn als unbezweifelbar ansieht und der historisch-kritischen Bibelforschung, wie sie an theologischen Fakultäten betrieben wird, distanziert gegenübersteht. Einige Kirchen wie etwa die Mennoniten sind einem strengen Pazifismus verpflichtet und lehnen zum Beispiel den Dienst an der Waffe ab; viele praktizieren eine Erwachsenentaufe. In Gruppen wie den Pfingstkirchen wird eine ausgeprägte Jesusfrömmigkeit gepflegt, die charismatische Züge trägt. So kann sich etwa in der öffentlichen Gebetsansprache eines Gemeindemitglieds die Gegenwart des Heiligen Geistes offenbaren (Zungenreden). Einige Gruppierungen lehnen die Evolutionslehre zugunsten des biblischen Schöpfungsberichts ab und pflegen ein konservatives Ehe- und Familienbild (Enthaltsamkeit vor der Ehe; Ablehnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften). Es gibt dabei zahlreiche Überschneidungen zu evangelikalen Gruppierungen innerhalb der Landeskirchen wie etwa dem Liebenzeller Gemeinschaftsverband. Die evangelikalen Christen sind im Verband der Deutschen Evangelischen Allianz organisiert.

Insgesamt spielen die Freikirchen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Dies ist insbesondere für die aus den USA stammenden Pfingstkirchen bemerkenswert, die sich in anderen Regionen wie Lateinamerika, aber auch in Teilen Asiens und Afrikas derzeit teilweise explosionsartig entwickeln.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Dass dies in Deutschland anders ist, dürfte auch mit der geordneten Beziehung von Staat und Kirche zu tun haben, von der beide Seiten profitieren. Dieses Verhältnis wurde und wird durch das Staatskirchenrecht geregelt. Dazu zählen zum einen das Grundgesetz und zum anderen die Staatskirchenverträge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte das Grundgesetz unmittelbar an die Weimarer Verfassung an. Es garantiert in Art. 4 die Glaubens- und Gewissensfreiheit und eine ungestörte Religionsausübung. Dementsprechend darf niemand wegen seines Glaubens oder seiner religiösen Anschauungen benachteiligt, aber auch nicht bevorzugt werden (Art. 3 [1]; Art. 33 [3]). Die bereits erwähnten Bestimmungen der Art. 136-139 und 141 der Weimarer Verfassung wurden wörtlich in Art. 140 des Grundgesetzes übernommen. Art. 7 bestimmt den Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen und räumt den Eltern das Recht ein, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen. Der Unterricht ist "in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften" zu erteilen. Art. 7 [4] ermöglicht auch die Einrichtung von kirchlichen Schulen, freilich unter der Aufsicht des Staates.

Daneben gibt es für jedes einzelne Bundesland Verträge zwischen dem Staat und den Kirchen, die meist den Bestand der theologischen Fakultäten und die Religionslehrerausbildung an staatlichen Schulen regeln.