Internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen

10.11.2017 | Von:
Heribert Dieter

Internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen in der öffentlichen Diskussion

Die Intensivierung des grenzüberschreitenden Güter- und Kapitalverkehrs lässt die Welt immer näher zusammenrücken. Der hohe Grad an Verflechtung hat positive wie negative Auswirkungen, die in vielen Ländern kontrovers diskutiert werden.

Blick auf einen Demonstrationsszug. Die Menschen halten Transparente und weiß-rote Schilder, auf denen die Wörter TTIP und CETA durchgestrichen sind.Freihandelsabkommen der EU wie die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) mit den USA oder das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) mit Kanada sollen wechselseitige Handelshemmnisse beseitigen. Intransparente Aushandlungsprozesse und Ängste vor dem Verlust nationaler Standards trieben immer wieder besorgte Bürgerinnen und Bürger auf die Straße. Protestkundgebung in Brüssel am 20. September 2016 (© picture-alliance/dpa, Thierry Roge)

Chancen und Risiken der Globalisierung

Internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen, ihre Stabilität und ihre Zuverlässigkeit sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung in Deutschland, Europa und weltweit. Der hohe Grad an Verflechtung mit anderen Volkswirtschaften in Handel und Kapitalverkehr, der häufig als Globalisierung ( – siehe Glossar) bezeichnet wird, ermöglicht einerseits Wohlstand und Beschäftigung, führt aber andererseits immer wieder zu Krisen. Phasen der Euphorie – etwa der vor wenigen Jahren gefeierte Aufstieg der Schwellenländer – werden dann abgelöst von Situationen, die Anlass zu Besorgnis geben. Besonders dramatisch war die schwere Finanzkrise in den USA 2008/09, die in eine weltweite Wirtschaftskrise mündete.
Warenexporte 2015, in Mrd. US-DollarWarenexporte 2015, in Mrd. US-Dollar (© Bergmoser + Höller Verlag AG, Zahlenbild 681133 )

Streit um politische Weichenstellungen

Die Frage nach einer angemessenen, also möglichst stabilen und effizienten Gestaltung der internationalen Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen bewegt seither verstärkt die politische Diskussion in vielen Ländern und auch in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Themen diskutiert, die mit den internationalen Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen zusammenhängen. Dazu gehören die Finanzkrisen in Europa, aber auch die anhaltenden Erfolge Deutschlands im Export von Gütern. Leidenschaftlich streiten die Menschen hierzulande etwa über die Vor- und Nachteile von Freihandelsabkommen wie die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP. Zugleich sind die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen für die Einkommens- und Vermögensverteilung sehr umstritten. Viele fragen sich, ob nicht nur einige wenige Unternehmen vom internationalen Handel und Kapitalverkehr profitieren, während zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Im Jahr 2016 haben die Präsidentschaftswahlen in den USA und das Votum der britischen Wählerinnen und Wähler für den Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) die Debatte um die Zukunft der internationalen Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen weiter angeheizt. Im US-Wahlkampf wurde kein Thema so intensiv diskutiert, wie die Fragen, wer von der Globalisierung profitiert habe oder wer zu den Benachteiligten gehöre, die sich um ihr Recht auf Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entwicklung gebracht sehen.

Dabei wirkt das Thema Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen auf den ersten Blick sehr kompliziert. Es hat den Anschein, als ob etwa die Ursprünge der Schuldenkrisen in einigen europäischen Ländern kaum noch zu verstehen seien. Zum besseren Verständnis verhilft dann möglicherweise die Frage nach den Nutznießern: Wer profitiert von einzelnen Politiken, wem schaden sie? Wer hat einen wirtschaftlichen Vorteil aus der liberalen Wirtschaftsordnung, und wer muss Nachteile in Kauf nehmen? Diese Fragen werden im Laufe der folgenden Darstellung immer wieder gestellt werden.