IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Christine Hesse

Editorial

Im Frühjahr 2018 feiert Israel den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Wer das Land besucht, ist fasziniert von seiner Schönheit, von seinen Menschen und vom pulsierenden Leben seiner Städte. Überrascht wird er feststellen, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern , der in der medialen Öffentlichkeit Deutschlands so oft die Schlagzeilen dominiert, wenn vom Staat Israel die Rede ist, im Alltag seiner Bewohnerinnen und Bewohner keineswegs die dominierende Rolle zu spielen scheint.

Bei näherer Betrachtung erweist sich allerdings, dass dieser Konflikt durchaus einen prägenden Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausübt. Um Israel besser zu verstehen, ist es deshalb hilfreich, die wechselvolle Geschichte des Landes zu kennen.

Dieser Annahme wurde bei der Konzeption dieser Themenausgabe Rechnung getragen. Die ersten drei Kapitel zeichnen die Geschichte Israels und des Nahostkonflikts nach und beleuchten sie aus verschiedenen Perspektiven: Das erste Kapitel ist dem Zionismus gewidmet und schildert die von ihm inspirierte und von äußerem Druck getriebene jüdische Besiedlung Israels vom späten 19. Jahrhundert bis zur Staatsgründung 1948.

Das Folgekapitel weitet den Zeitraum der Betrachtung über 1948 hinaus bis zur Gegenwart und richtet den Fokus auf die Beziehungen zwischen der meist arabischen Bevölkerung Palästinas und den jüdischen Einwanderern, die sich zu dem bis heute andauernden Konflikt zuspitzten.

Das dritte Kapitel nimmt die arabischen Länder der Region mit in den Blick. Während sich Israel seit seiner Gründung existenziellen Gefährdungen durch wiederholte militärische Angriffe der Nachbarstaaten ausgesetzt sah, hat es sich den kulturellen Einflüssen der Nahostregion weit geöffnet.

Die anschließenden Beiträge bieten ebenfalls historische Exkurse, legen jedoch den Schwerpunkt auf die Betrachtung der israelischen Gegenwart. Eröffnet werden sie durch eine Darstellung der rechtlichen und politischen Grundlagen des Staates Israel. Sie greift die laufenden Debatten auf, die um dessen "jüdischen und demokratischen" Charakter kreisen, und leitet damit zum nächsten Beitrag über, der sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Staat und Religion beschäftigt.

Herausforderungen an den inneren Zusammenhalt stellt auch die "Mosaikgesellschaft", die in Israel aus der Einwanderung von Menschen unterschiedlichster Kulturkreise entstanden ist. Verbindend wirken unter anderem der Dienst in der Armee und die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland in der Schoah. Gleichzeitig spiegelt sich das breite gesellschaftliche Spektrum in großer kultureller Vielfalt wider. Beispiele bieten hier die Medienlandschaft, die Literatur und die Musik.

Die Einwanderung, ihre Herausforderungen und Chancen, haben nicht zuletzt auch das Wirtschaftsleben beeinflusst. Die Hightech-Industrie des Landes hat durch sie entscheidende Impulse erfahren. Die Eindämmung sozialer Verwerfungen bleibt allerdings eine politische Aufgabe.

Ebenso wie im wirtschaftlichen Bereich muss Israel auch bei den internationalen Beziehungen den Gegebenheiten des Nahostkonflikts Rechnung tragen. Wirtschaftliche Kooperation und Sicherheitserfordernisse erfolgen eher in zwischenstaatlicher Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnerländern außerhalb der Region, zu denen – trotz der schweren historischen Belastungen – auch und nicht zuletzt Deutschland zählt.

Christine Hesse