IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Maximilian Felsch

Die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern

Wechselnde Erfolge in den Nahostkriegen, 1956 bis 1973

Als Folge des Krieges von 1948 verschwand das Mandatsgebiet Palästina von der politischen Landkarte. Das Westjordanland und Ost-Jerusalem wurden von Jordanien besetzt und später annektiert, während der Gazastreifen nun von der ägyptischen Armee verwaltet wurde. Durch die Aufteilung der palästinensischen Gebiete erhielten viele palästinensische Araber die israelische bzw. jordanische Staatsbürgerschaft. Die Flüchtlinge von 1948 blieben staatenlos. Zu ihrer Versorgung schufen die Vereinten Nationen 1948 das Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), das bis heute für die Grundversorgung der Flüchtlinge sowie ihrer Nachkommen in Jordanien, Syrien, dem Libanon, dem Westjordanland und dem Gazastreifen zuständig ist.

Anstelle der Palästinenser wurden nun die arabischen Staaten die zentralen Akteure des Konflikts mit Israel. Insbesondere Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser wurde in den 1950er-Jahren zum wichtigsten Gegenspieler Israels und zugleich zum Hoffnungsträger einer panarabischen (d. h. gesamtarabischen) Bewegung. Fester Bestandteil der ägyptischen Staatspropaganda war das Ziel der Zerstörung Israels, das als Produkt des westlichen Imperialismus dargestellt wurde. Nassers größter Erfolg war die Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft 1956. Bis dahin war sie im Besitz Großbritanniens und Frankreichs gewesen und galt als verhasstes Symbol westlicher Beherrschung Ägyptens. Den anschließenden Angriffskrieg seitens Großbritanniens und Frankreichs, an dem Israel sich beteiligte (zweiter Nahostkrieg), überstand Nasser erfolgreich, was ihm einen Heldenstatus bei vielen Arabern bescherte.

In dieser Zeit erstarkte auch der palästinensische Widerstand gegen Israel und es bildeten sich verschiedene Guerillagruppen, die Anschläge auf israelische Ziele verübten. Mit ägyptischer Unterstützung und auf Beschluss der Arabischen Liga schlossen sich 1964 in Kairo die meisten dieser Gruppierungen zur Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO zusammen. Sie verstand sich fortan als Vertreterin des palästinensischen Volkes, fungierte aber zunächst eher als Handlanger arabischer Regime.

In den 1960er-Jahren nahmen die Spannungen im Nahostkonflikt weiter zu und insbesondere die Staaten Ägypten und Syrien mobilisierten ihre Armeen. In Erwartung eines arabischen Angriffskriegs begann Israel 1967 eine militärische Offensive gegen seine arabischen Nachbarstaaten und bereitete ihnen eine vernichtende Niederlage. In nur sechs Tagen zerstörte die israelische Luftwaffe in diesem dritten Nahostkrieg die Armeen Ägyptens und Syriens und Israel besetzte große Gebiete: neben dem ägyptischen Sinai und den syrischen Golanhöhen auch die ursprünglich palästinensischen Gebiete des Westjordanlands, Ost-Jerusalems und des Gazastreifens. Dort übernahm eine israelische Militärverwaltung die Regierungskontrolle. Ost-Jerusalem wurde 1980 annektiert.

Für die Araber war die Niederlage im dritten Nahostkrieg traumatisch und ließ die Palästinenser erkennen, dass sie in ihrem Bestreben nach nationaler Selbstbestimmung nicht mehr auf die arabischen Staaten bauen konnten. Sie nahmen daher den Kampf gegen Israel wieder selbst in die Hand. Mit finanzieller Unterstützung arabischer Staaten wurde die PLO zu einer schlagkräftigen Miliz und zum wichtigsten Gegenspieler Israels. Ihren Vorsitz übernahm 1969 Jassir Arafat, Chef der 1959 in Kuwait gegründeten palästinensischen Befreiungsbewegung Fatah.

In Israel war die Stimmung nach dem Sechstagekrieg und infolge der enormen Landgewinne geradezu euphorisch. Nicht wenige träumten nun davon, das gesamte biblische Land Israel (Erez Israel) vereinen zu können, ohne den Palästinensern einen eigenen Staat zugestehen zu müssen. Religiös motivierte Zionisten gründeten die Siedlerbewegung, die durch eine strategische Besiedlung des Westjordanlandes und des Gazastreifens unveränderliche Fakten schaffen wollte und stetig Zulauf fand. Auch der Arbeiterzionismus hatte schon das Siedlungsprojekt unterstützt. Spätestens ab 1977, als der rechtsgerichtete Likud an die Macht kam, erfuhren die Siedler dann starke Unterstützung seitens der israelischen Regierung. Die Siedler beriefen sich auf ihr vermeintlich gottgegebenes Recht auf Judäa und Samaria – die biblischen Namen für das Westjordanland – sowie auf den Gazastreifen. Mit jedem Ausbau des Siedlungswerks verringerten sich die Aussichten auf einen palästinensischen Staat.

Um ihre 1967 verlorenen gegangenen Gebiete zurückzuerlangen, griffen Ägypten und Syrien am 6. Oktober 1973 Israel an – der Überraschungsangriff begann an Jom Kippur, Israels höchstem Feiertag. Die Angreifer erzielten zunächst rasche territoriale Gewinne. Obwohl Israel ihnen schließlich eine Niederlage beibrachte, war der vierte Nahostkrieg ein politischer Erfolg der arabischen Staaten, denn er erschütterte Israels Nimbus der Unbesiegbarkeit.