IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Daniel Mahla

Jüdisch und demokratisch? Religion und Staat in Israel

Wer ist Jude?

Weitere Kontroversen, die den Staat Israel seit seiner Gründung begleiten, entzünden sich an der Frage, wie die Zugehörigkeit zum Judentum definiert wird. Besondere Dringlichkeit erhält diese Frage durch das 1950 verabschiedete "Rückkehrgesetz", das es jeder Person jüdischer Herkunft gestattet, nach Israel einzuwandern und die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dieses Gesetz verdeutlicht außerdem die Schwierigkeit der Trennung von religiösen und ethnischen Komponenten im Judentum.
Scheinbar einfache "religiöse" Fragen können weitreichende Auswirkungen haben, wie etwa auf die Staatsbürgerschaft. Nach einer Erweiterung des Gesetzes von 1970 darf demnach einwandern, wer mindestens einen jüdischen Großelternteil hat oder mit einer Person verheiratet ist, die selbst unter das Rückkehrgesetz fällt. Außerdem können Personen von diesem Recht Gebrauch machen, die in einer vom Staat anerkannten Konversion zum Judentum übergetreten sind. Das waren lange Zeit nur solche nach orthodoxem Ritus durchgeführte Konversionen. Nach Abkommen mit den liberalen Strömungen des Judentums in den USA können mittlerweile aber auch über deren Institutionen konvertierte Personen einwandern.

Einzelfälle sorgten jedoch immer wieder für hitzige Diskussionen. 1962 etwa beantragte der als polnischer Jude geborene Daniel Rufeisen die israelische Staatsbürgerschaft. Rufeisen hatte sich während der Schoah in einem Kloster versteckt, war zum Christentum übergetreten und mittlerweile Mönch geworden. Der oberste Gerichtshof verwehrte es ihm, unter dem Rückkehrgesetz einzuwandern, mit der Begründung, dass er mittlerweile zu einer anderen Glaubensrichtung übergetreten sei. Die Knesset verabschiedete bald darauf einen Zusatz zum Rückkehrrecht, der eben solche Fälle ausschloss.

Im Unterschied zum Rückkehrgesetz ist nach den jüdischen Religionsgesetzen nur Jude, wer eine jüdische Mutter hat oder zum Judentum konvertiert ist. Demnach sind einige derer, die unter dem Rückkehrgesetz nach Israel einwandern, religionsgesetzlich nicht jüdisch. Dies führt zu vielen Problemen und Diskriminierung, etwa wenn solche Personen keine jüdischen Partner heiraten können, da sie von den religiösen Gerichtshöfen nicht akzeptiert werden. Seit den 1990er-Jahren wird darüber in Israel eine teils emotionale Diskussion geführt, denn im Zuge der Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion kamen mehrere hunderttausend Menschen ins Land, die religionsrechtlich nicht als Juden anerkannt sind.

Für Reibungen sorgt auch immer wieder das Verhältnis Israels zu den liberalen religiösen Strömungen. Diese sind im Land selbst zwar schwach, genießen aber vor allem in den USA großen Einfluss. Da nur die Orthodoxie offiziell vom Staat anerkannt wird, erhalten liberale Institutionen wenig bis keine staatliche Unterstützung. Ein symbolträchtiges Beispiel für diese Spannungen ist der Streit um die Abhaltung von liberalen Gottesdiensten an der Klagemauer. Da in liberalen Gottesdiensten Männer und Frauen gemeinsam und gleichberechtigt beten, stoßen diese an der Klagemauer auf vehementen Widerstand orthodoxer Autoritäten. In diesen Konflikten geht es über die religiösen Aspekten hinaus auch um die Frage nach dem Verhältnis zwischen Israel und dem amerikanischen Judentum bzw. jüdischen Gemeinden weltweit.

Wie religiös sehen sich die erwachsenen jüdischen Isrealis? In ProzentWie religiös sehen sich die erwachsenen jüdischen Isrealis? In Prozent.