IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Guy Katz

Wirtschaftliche Grundzüge und Entwicklungen

Einschnitte durch den Jom-Kippur-Krieg und die Ölkrise

Zwei Ereignisse haben in den 1970er-Jahren in Israel Spuren hinterlassen: der Jom-Kippur-Krieg 1973 und die darauf folgende Ölkrise. Die "wirtschaftlichen Kosten" dieses Krieges sind schwer zu bewerten. Sie ergaben sich aus der Notwendigkeit, Waffen und Ausrüstung zu kaufen und einen erheblichen Teil der Erwerbsbevölkerung monatelang für den Militärdienst zu mobilisieren.

Der Verteidigungshaushalt erreichte seinen Höhepunkt Mitte der 1970er-Jahre, als er mehr als 30 Prozent des BIP ausmachte, verglichen mit 20 Prozent in der Vorkriegsperiode. Im Vergleich dazu überschreitet das langjährige Mittel der Verteidigungshaushalte europäischer Länder in relativen Friedenszeiten nicht mehr als fünf Prozent von deren BIP, in den USA sind es etwa zehn Prozent. In Israel wurde ein signifikanter Teil dieser Belastung durch Zuschüsse und Darlehen der US-Regierung gedeckt.

Die Ölkrise 1973 wurde durch ein Öl-Embargo der arabischen OAPEC, der "Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten" ausgelöst. Mit der Einstellung der Lieferungen sollten die Verbündeten Israels im Jom-Kippur-Krieg wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden; die Folgen hiervon erreichten in der Konsequenz auch Israel. Die Ölpreise stiegen kurzfristig rasant an und verteuerten spürbar die Produktionskosten. Diese Teuerung traf den globalen Handel ebenso wie israelische Exporte und löste im Land eine Wirtschaftskrise aus.

Das Stabilisierungsprogramm des Likud

1977 gewann Menachem Begin die Wahlen und sein rechtsgerichteter Likud dominierte die Regierung. Die bisher zentralisierte und staatlich kontrollierte Volkswirtschaft sollte nun revidiert, privatisiert und liberalisiert werden. Diese Aufgabe gelang nur bedingt, ihr Erfolg manifestierte sich erst Jahrzehnte später. Mit Beginn der Umstrukturierung trat Israel in eine Ära dreistelliger Inflationsraten ein, in eine sogenannte Hyperinflation, die bis Ende der 1980er-Jahre anhielt. Einige erfolglose Stabilisierungsversuche der Politik verschärften das Problem, im Jahr 1984 erreichte die Inflation das Rekordniveau von 450 Prozent. Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation wurde durch den Absturz der staatlich regulierten Bankaktien im Jahr 1983 noch verstärkt.

Erst im Jahr 1985, nach einem neuerlichen Regierungswechsel und einer Koalition zweier großer Parteibündnisse von links und von rechts, konnten der Finanzminister Yitzhak Modai und Ministerpräsident Shimon Peres ein wirtschaftliches Stabilisierungsprogramm realisieren. Es beinhaltete Maßnahmen wie die gezielte und zentralisierte Steuerung der Währung und der Wechselkurse, Einsparungen bei staatlichen Ausgaben und einen Stopp der Gehaltssteigerungen in gemeinsamer Initiative mit den Gewerkschaften. Die Maßnahmen waren so erfolgreich, dass sie anderen Ländern als Modell dienen sollten. Das Hauptziel wurde erreicht und die Inflation fiel sukzessive um 20 Prozent pro Jahr, bis sie nach etwa zehn Jahren einen einstelligen Wert erreichte.