IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Stephan Stetter
Jenny Hestermann

Die internationalen Beziehungen Israels

JENNY HESTERMANN

Deutsch-israelische Beziehungen

Erste Kontakte bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen

Nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 gab es zunächst nur sehr zögerliche Kontakte zur Bundesrepublik Deutschland, die 1949 als westdeutscher Teilstaat aus dem 1945 untergegangenen Deutschen Reich hervorgegangen war. Angesichts des Völkermords, den die Deutschen an den europäischen Juden begangen hatten, sprachen sich Teile der Regierung und der Gesellschaft Israels dafür aus, Deutschland und alles Deutsche komplett zu boykottieren. Da jedoch die Bundesrepublik Deutschland (genauso wie übrigens auch der ostdeutsche Teilstaat, die Deutsche Demokratische Republik, DDR) die Rückkehr in die internationale Gemeinschaft anstrebte und Israel sich um die Aufnahme darin bemühte, ließen sich im Dienste dieser Anliegen Kontakte auf Dauer nicht vermeiden.

Der Staat Israel hatte zu Beginn der 1950er-Jahre kaum wirtschaftliche Ressourcen und Infrastruktur, er war dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Von der DDR war eine solche Hilfeleistung nicht zu erwarten, denn der ostdeutsche Teilstaat begriff sich als antifaschistisch und damit historisch unbelastet von der Verantwortung für den Völkermord. Daher sah seine Regierung sich nicht in der Verpflichtung, eine historische Schuld auszugleichen. Im Rahmen des Ost-West-Konfliktes ordnete sich die DDR dem von der Sowjetunion dominierten Ostblock zu. Damit stellte sie die Beziehungen zu den Israel feindlich gesonnenen arabischen Staaten in den Vordergrund. Die Beziehungen zwischen der DDR und Israel blieben daher auch bis 1985 marginal bis ablehnend.

Luxemburger Abkommen 1952: Die Bundesrepublik Deutschland, die Teil des westlichen Lagers war, zeigte sich dagegen nach langen, kontroversen Debatten im Bundestag und ablehnenden Reaktionen, vor allem aus dem konservativen Lager, zur Unterstützung für Israel bereit. Im Jahr 1951 kam es zu ersten Verhandlungen über weitreichende Entschädigungszahlungen an Israel sowie an den World Jewish Congress als Vertreter des jüdischen Volkes.

In Israel formierten sich heftige Proteste dagegen, "Blutgeld" vom Nachfolger des NS-Staates anzunehmen und sich damit dessen Schuld quasi abgelten zu lassen. Dass dieser Anspruch von deutscher Seite aus tatsächlich bestand, drückt sich im deutschen Wort "Wieder-gut-machung" aus. Tatsächlich bedeuteten die Entschädigungszahlungen jedoch kein Abgelten von Leben, sondern standen für eine Art Ausgleichsvergütung: Die Vermögenswerte, die den verfolgten Juden individuell geraubt worden waren, sollten nunmehr in anderer Form an das jüdische Kollektiv zurückerstattet werden – dies war durchaus noch kein erster Schritt zur Versöhnung.

Am 10. September 1952 unterzeichneten beide Seiten in Luxemburg einen Vertrag. Das "Luxemburger Abkommen" regelte Zahlungen und Güterlieferungen von Deutschland an Israel über einen Zeitraum von zwölf bis 14 Jahren. Insgesamt drei Milliarden DM erhielt Israel als dringend benötigte Aufbauhilfe – und die Bundesrepublik gewann im Gegenzug moralische Rückendeckung für eine Wiederaufnahme in die internationale Gemeinschaft. Als positiver Nebeneffekt entstand in Israel ein Markt für deutsche Produkte, die auch nach Auslaufen des Abkommens weiter nachgefragt und importiert wurden.

Einfluss des Ost-West-Konflikts: Diplomatische Beziehungen wurden jedoch zunächst nicht aufgenommen. Hauptsächlich lag dies daran, dass der Ost-West-Konflikt die internationale Politik überlagerte und die Staatenwelt im Rahmen des Kalten Krieges in zwei ideologische Lager spaltete. Die Bundesrepublik fürchtete im Falle diplomatischer Beziehungen zu Israel negative Reaktionen der mit Israel verfeindeten arabischen Staaten, eine Aufkündigung ihrer Beziehungen zur Bundesrepublik und eine Anerkennung der DDR. Letzteres zu verhindern war jedoch das Anliegen der im Jahr 1955 formulierten "Hallstein-Doktrin": Mit ihr beanspruchte die Bundesrepublik, international als alleinige Vertreterin des deutschen Volkes anerkannt zu sein und so eine deutsche Wiedervereinigung in der Zukunft nicht zu gefährden.

Als 1957 eine öffentliche Aufforderung Israels zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen erging, vereinbarte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß mit Shimon Peres, dem Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, einen Ausgleich in Gestalt geheimer Waffenlieferungen. Im Oktober 1964, nach sieben Jahren, kamen diese Lieferungen an die Öffentlichkeit. Um der Entrüstung aus der arabischen Welt zu begegnen, entschloss sich Bundeskanzler Ludwig Erhard, die Waffenlieferungen einzustellen und Israel den gewünschten Botschafteraustausch anzubieten.

Für Israels Bemühungen um internationale Anerkennung war das ein wichtiger Schritt. Zugleich galt ihm das wirtschaftlich wie politisch immer mächtiger werdende Deutschland auch als Tor zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die sehr pragmatische israelische Regierungspolitik entsprach jedoch nicht den Gefühlen der Bevölkerung, die noch nicht bereit war, ein offizielles Verhältnis zu Deutschland aufzunehmen. Wütende Proteste gegen den ersten Botschafter der Bundesrepublik, Rolf Pauls, dem man auch seine Vergangenheit als Offizier in der deutschen Wehrmacht vorwarf, waren die Folge.