Titelbild Bevölkerungsentwicklung
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Geschichte der Bevölkerungswissenschaft


23.12.2011
Die Bevölkerungswissenschaft nahm ihren Aufschwung im 18. Jahrhundert mit Kontroversen um die Tragfähigkeit der Erde. Zum ersten Mal wurde der Zusammenhang zwischen der Höhe der Geburtenrate und materiellen Lebensbedingungen diskutiert. Im 19. Jahrhundert dominierten biologische und ökonomische Leitideen, Mitte des 20. Jahrhunderts empirisch-statistische.

Thomas Robert Malthus war britischer Ökonom und wurde durch seine Bevölkerungstheorie bekannt.Thomas Robert Malthus war einer der ersten Bevölkerungswissenschaftler. Mathus' Bevölkerungsgesetze griff Charles Darwin in seiner Evolutionstheorie auf. (© Public Domain)

Einleitung



Die Bevölkerungswissenschaft besteht aus vier großen Fachgebieten, aus der Theorie der Fertilität, der Mortalität und der Migration sowie aus Theorien, die die Struktur des Bevölkerungsbestandes zum Gegenstand haben. Die moderne Bevölkerungswissenschaft ist von der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen mehreren Fachdisziplinen geprägt. Aus der Zusammenarbeit entstehen Teildisziplinen wie etwa Bevölkerungsökonomie, Bevölkerungssoziologie, Bevölkerungsstatistik, Bevölkerungsmathematik, Bevölkerungsgeografie, historische Demografie, medizinische Demografie und Bevölkerungsökologie.

Die Anfänge der Bevölkerungswissenschaft reichen wie die vieler anderer Wissenschaften bis in die griechische und römische Antike zurück. Auch die modern anmutenden Diskussionen um den Bevölkerungsrückgang durch die niedrige Fertilität einschließlich ihrer Interpretation als egoistisches Verhalten der jungen Generationen sind nicht erst in unserer Zeit aufgetreten, wie das folgende Zitat des griechischen Historikers Polybios aus dem 2. Jahrhundert vor Christus zeigt:

"In der Zeit, in der wir leben, ist in ganz Griechenland die Zahl der Kinder, überhaupt der Bevölkerung in einem Maße zurückgegangen, dass die Städte verödet sind und das Land brachliegt, obwohl wir weder unter Kriegen von längerer Dauer noch unter Seuchen zu leiden hatten [...] weil die Menschen der Großmannssucht, der Habgier und dem Leichtsinn verfallen sind, weder mehr heiraten noch, wenn sie es tun, die Kinder, die ihnen geboren werden, großziehen wollen, sondern meist nur eins oder zwei, damit sie im Luxus aufwachsen und ungeteilt den Reichtum ihrer Eltern erben, nur deshalb hat das Übel schnell und unvermerkt um sich gegriffen. Wenn nur ein oder zwei Kinder da sind und von diesen das eine der Krieg, das andere eine Krankheit hinwegrafft, bleibt natürlich Haus und Hof verwaist zurück, und die Städte, ebenso wie ein Bienenschwarm, werden allmählich arm und ohnmächtig." (zitiert nach Bernhard Felderer, Wirtschaftliche Entwicklung bei schrumpfender Bevölkerung, Berlin u. a. 1983, S. 128).

Die Entwicklung des bevölkerungswissenschaftlichen Denkens lässt sich stark verkürzt und vereinfacht in folgende Etappen gliedern: In der griechischen Antike beginnt die Auseinandersetzung mit bevölkerungswissenschaftlichen Fragen durch den Philosophen Platon in "Der Staat" und "Die Gesetze". Von ihm stammen modern und aktuell anmutende Schilderungen des Umweltproblems, der Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Entwaldung, Überweidung, Bodenerosion und anderen ökologischen Problemen. Auch die Idee der Menschenzüchtung durch eine gezielte staatliche Beeinflussung der Gattenwahl bei der Eheschließung und durch eine Art behördliche Regulierung der Zeugung und Kinderaufzucht sind schon in der griechischen Klassik und nicht erst im Rassismus des 19. und 20. Jahrhunderts ein Thema: "Es müssen [...] die besten Männer so häufig wie möglich den besten Frauen beiwohnen [...] und die Kinder der ersteren müssen aufgezogen werden, die anderen nicht [...]." (Platon, Der Staat, Sämtliche Dialoge, Bd. V, übersetzt von Otto Apelt, Hamburg 1988, S. 192).




 

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