Dossierbild IZPB Massenmedien

8.6.2011 | Von:
Markus Behmer
Christoph Bieber
Klaus Goldhammer
Gerd Hallenberger
Sonja Kretzschmar
Annika Sehl
Hermann-Dieter Schröder

Wo Medienmenschen arbeiten: Internet, Pressewesen, Rundfunk

Geschichte und System des Rundfunks in der Bundesrepublik Deutschland

Der Begriff Rundfunk bezeichnet die Veranstaltung und Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen, die für die Öffentlichkeit und zum zeitgleichen Empfang bestimmt sind. In der Anfangszeit des Rundfunks war damit allein die drahtlose Übertragung gemeint. Heute sind auch Programme einbezogen, die nur per Kabel oder über das Internet übermittelt werden.

Vom staatsfernen Monopol zum dualen System

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Westdeutschland eine Rundfunkordnung geschaffen, die vor einem direkten Durchgriff der Regierung auf die Programmgestaltung geschützt ist. Für die Rundfunkräte als Aufsichtsgremien der regionalen Rundfunkanstalten ist eine pluralistische Zusammensetzung mit Interessenvertretern von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden, Wohlfahrtsverbänden und anderen gesellschaftlich bedeutenden Gruppen vorgesehen. Strittig ist, ob dabei nicht die Parteien zu viel Einfluss haben und damit die Unabhängigkeit der Rundfunkanstalten gefährdet ist.

Duales RundfunksystemDuales Rundfunksystem
Eine Finanzierung des Rundfunks durch Werbeeinnahmen kam in der Nachkriegszeit angesichts der damaligen wirtschaftlichen Lage kaum in Betracht. Wichtigste Finanzquelle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist die Rundfunkgebühr, die unterschieden wird in Grundgebühr und Fernsehgebühr. Besonders mit der Einführung des Fernsehens war dieser Unterschied bedeutsam, denn das Fernsehen hat sich in der Zeit von 1953 bis 1970 erst nach und nach durchgesetzt und dabei immer neue Gebührenzahler gewonnen; auch eine begrenzte Hörfunk- und Fernsehwerbung kam hinzu. Dadurch konnte in dieser Zeit ein Ausbau des Programmangebots durch das ZDF, die Dritten Programme, die Einführung des Farbfernsehens und die Ausweitung der Sendezeiten finanziert werden. Ab 1970 hat es dann immer wieder Gebührenerhöhungen gegeben, um einerseits Preissteigerungen auszugleichen und andererseits zusätzliche Aufgaben zu finanzieren.

Mit dem Wachstum der Werbewirtschaft stiegen die Chancen für die Finanzierung ganzer Rundfunkprogramme durch Werbung und das Interesse an der Möglichkeit, auch als privatwirtschaftliches Unternehmen Rundfunk zu veranstalten. 1984 begann der Betrieb privater Fernsehveranstalter, 1985 wurde das erste private Hörfunkprogramm ausgestrahlt.

Neben den zwölf öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit fast 29 000 Beschäftigten gibt es 188 private Fernseh- und 174 Hörfunkanbieter mit zusammen mehr als 18 000 Mitarbeitern, die um die Aufmerksamkeit des Publikums konkurrieren. Die Einnahmen der Rundfunkanstalten liegen bei 8,6 Milliarden Euro, die der privaten Veranstalter bei 7,4 Milliarden. Von der Zeit, die die Zuschauer vor dem Fernseher verbringen, entfallen derzeit 43 Prozent auf öffentlich-rechtliche und 57 Prozent auf private Veranstalter. Beim Hörfunk wird die Reichweite gemessen, es wird also gefragt, wie viele der Befragten an einem Tag welche Programme gehört haben. Die Programme der Rundfunkanstalten erreichen täglich knapp 37 Millionen Hörerinnen und Hörer, die der privaten Anbieter über 29 Millionen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stehen hier vor einem strategischen Dilemma: Wenn sie ihre Programmstruktur auf den Wettbewerb mit den privaten Programmen ausrichten, gefährden sie womöglich die rechtliche Legitimation für die Gebührenfinanzierung ihrer besonderen Aufgabe. Wenn sie aber zu sehr Minderheitsinteressen bedienen, gefährden sie ihre Reichweite und damit die Akzeptanz für die Gebührenfinanzierung.

Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich an seinem Programmauftrag (Information, Bildung, Unterhaltung, Beratung) orientieren soll und die dafür notwendigen Finanzmittel in erster Linie durch Rundfunkgebühren erhält, wird der private Rundfunk von kommerziellen Unternehmen betrieben, die darauf achten, dass sie Gewinne erzielen und sich dafür auf Aktivitäten konzentrieren, für die es zahlungsbereite Kundinnen und Kunden gibt. Bei werbefinanzierten Programmen kommt es also darauf an, ein Publikum zu erreichen, das die Werbespots tatsächlich sieht und möglichst zu der Zielgruppe gehört, die das beworbene Produkt nutzen und bezahlen kann " wer kein Geld ausgeben kann, ist für die Werbetreibenden kaum von Interesse. Beim Pay TV bedarf es einer direkten Zahlungsbereitschaft, und das heißt vor allem, dass der angebotene Inhalt erstens attraktiv und zweitens nicht frei zugänglich ist. Zu den geeigneten Angeboten gehören insbesondere Sportübertragungen und aktuelle Kinofilme. Bei öffentlichen Veranstaltungen von allgemeinem Interesse haben Fernsehveranstalter das Recht auf eine unentgeltliche Kurzberichterstattung, so dass die Berichterstattung nicht völlig exklusiv beim Pay TV ausgestrahlt werden kann.

Daten zum dualen Rundfunksystem in DeutschlandDaten zum dualen Rundfunksystem in Deutschland
Langfristiger Ausbau der Übertragungswege

Seit der Einführung des Rundfunks vor 90 Jahren wurden die Übertragungskapazitäten stetig vermehrt. Zu den Hörfunk-Frequenzbändern Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle kam ab 1949 schrittweise die Ultrakurzwelle für die kleinräumige Versorgung hinzu. Auch die Fernsehübertragung, die 1952 in Deutschland wieder den regelmäßigen Betrieb aufgenommen hatte, wurde ausgebaut. Seit 1984 werden Kabelanlagen für die Übertragung zusätzlicher Fernseh- und Hörfunkprogramme verwendet, weil im Kabel auch Frequenzbereiche für den Rundfunk genutzt werden können, die bei der drahtlosen Verbreitung für andere Anwendungen reserviert sind. Als Übertragungsweg dient seit 1989 auch der Direktempfang von geostationären Rundfunksatelliten; Vorreiter und Marktführer ist dabei das luxemburgische Unternehmen SES ASTRA.

Mit der Digitalisierung wird die Übertragungskapazität noch besser genutzt, und es können im gleichen Frequenzbereich mehr Hörfunk- und Fernsehprogramme übertragen werden. Das terrestrische Fernsehen wurde bis 2008 auf DVB-T (Digital Video Broadcast " Terrestrial) umgestellt, und statt fünf oder sechs sind nun mancherorts mehr als 30 Fernsehprogramme über die Antenne zu empfangen. Weil aber die meisten Haushalte heute mit Kabel- oder Satellitenempfang ausgestattet sind, nehmen die privaten Fernsehveranstalter die Sendekosten für DVB-T nur in dicht besiedelten Gebieten in Kauf. Beim Satellitenfernsehen soll die analoge Übertragung 2012 eingestellt werden. Beim Kabelfernsehen wurde in vielen Gebieten zusätzlich die digitale Informationsübertragung eingeführt. Dadurch können die zunächst nur zur Informationsverteilung konzipierten Kabelnetze nun auch für Telefon und Internet-Kommunikation genutzt werden. Lediglich beim terrestrischen Hörfunk hat sich eine digitale Empfangstechnik in Deutschland noch nicht am Markt durchsetzen können.

Charakteristika des öffentlich-rechtlichen und des privaten RundfunksCharakteristika des öffentlich-rechtlichen und des privaten Rundfunks
Gesetzliche Regulierung des Rundfunks

In Deutschland gilt der Rundfunk in erster Linie als kulturelle Angelegenheit. Deshalb ist es Aufgabe der Länder, die Rechtsgrundlagen für den öffentlich-rechtlichen wie für den kommerziellen Rundfunk zu schaffen. Sie tun dies durch Gesetze für einzelne Länder und durch Staatsverträge mehrerer oder aller Bundesländer. Es ist aber schon mehrfach das Bundesverfassungsgericht angerufen worden, um zu prüfen, ob ein Landesgesetz den Vorgaben des Grundgesetzes entspricht. Die Rundfunkgesetze und der Rundfunkstaatsvertrag werden immer wieder verändert und der aktuellen Entwicklung angepasst.

Programmangebote im FernsehenProgrammangebote im Fernsehen
Für die Regulierung des Rundfunks ist auch die Europäische Union von Bedeutung, denn mit dem Auftreten privater Anbieter kann man die Rundfunklandschaft auch als einen Markt unter dem Aspekt des wirtschaftlichen Wettbewerbs betrachten. Aus der Sicht der Europäischen Kommission sind die Rundfunkgebühren eine Art staatliche Beihilfe, die den Markt beeinflusst und deshalb nur eingeschränkt zulässig ist.


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