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Wie Medien genutzt werden und was sie bewirken


8.6.2011
Massenmedien sind die wichtigste Informationsquelle der Menschen. Sie haben viele unterschiedliche Wirkungen auf die Gesellschaft. Einige kann man als positiv, andere muss man als negativ betrachten.

Ein afghanischer Mann liest eine Zeitung mit den Nachrichten über die Wahlergebnisse auf einem Marktplatz in Kabul, Afghanistan.Ein afghanischer Mann liest eine Zeitung mit den Nachrichten über die Wahlergebnisse auf einem Marktplatz in Kabul, Afghanistan. (© AP)

Mediennutzung " Medienwirkungen



Mediennutzung

Jeder Deutsche nutzt durchschnittlich täglich zehn Stunden Medien, davon achteinhalb Stunden die tagesaktuellen Medien Fernsehen, Radio, Zeitung und Internet (2010). 1980 lag das Medien-Zeitbudget noch unter sechs Stunden. In den 1990er-Jahren hat besonders das Fernsehen an Bedeutung gewonnen: Sahen die Bundesbürger 1980 knapp zwei Stunden fern, sind es derzeit über drei Stunden.

In den vergangenen Jahren hat das Internet die Medienszene umgewälzt: Vor 1998 war nicht einmal jeder zehnte Deutsche online. Mittlerweile gehen zwei von drei Deutschen zumindest gelegentlich ins Internet. Fast alle Jüngeren sind online (14 bis 19 Jahre: 98 %, 20 bis 29 Jahre: 95 %), und auch in den mittleren Altersgruppen surft, mailt und chattet die Mehrheit. Lediglich bei den Über-60-Jährigen ist nur eine Minderheit online (27 %), doch auch das ändert sich im Augenblick.

Gleichzeitig stürzen Tageszeitungen in der Publikumsgunst ab: Lasen 1990 noch 71 Prozent der Deutschen eine Zeitung, waren es 2010 nur noch 44 Prozent " Tendenz weiter sinkend. Bücher hingegen erleben eine Renaissance: Las 1995 ein Bundesbürger im Durchschnitt noch 15 Minuten pro Tag ein Buch, waren es 2010 21 Minuten.

Mediennutzung in Deutschland 2010Mediennutzung in Deutschland 2010
Die einzelnen Medien haben individuelle Nutzungsprofile im Tagesablauf: Während Tageszeitungen morgens gelesen werden, das Radio ebenfalls morgens und während des gesamten Arbeitstages als Nebenbei-Medium läuft, gehört der Abend dem Fernsehen und neuerdings dem Internet. Die Primetime, also die Zeit mit den meisten Nutzern, liegt beim Internet zwischen 19 und 20 Uhr, und damit direkt vor der Primetime des Fernsehens. Das Internet hat sich vom Arbeits-Medium zum Freizeit-Medium gemausert.

Medien im Tagesablauf von 12-19 JahrenMedien im Tagesablauf bei Jugendlichen von 12-19 Jahren
Unterschiede in der Mediennutzung:

Lange hieß es, Frauen seien seltener online als Männer. Das trifft über fast alle Altersgruppen hinweg immer noch zu. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen ist der Geschlechterunterschied allerdings mittlerweile völlig verschwunden. Wohl aber interessieren sich Frauen und Männer teilweise für unterschiedliche Anwendungen: Während Männer mehr surfen, spielen und sich Musik, Spiele und Filme herunterladen, chatten Frauen etwas mehr und tummeln sich häufiger in den sozialen Netzwerken wie Facebook, studiVZ, schuelerCC und MySpace.

Je höher Bildung und Einkommen, desto höher der Anteil der Internet- und Zeitungsnutzer. Auch die derzeitige Buch-Renaissance findet überwiegend in dieser Gruppe statt. Umgekehrt liegt der tägliche Fernsehkonsum bei den so genannten bildungsfernen Gruppen deutlich höher.

Kinder und Jugendliche sehen weitaus weniger fern als Erwachsene. Während drei- bis 13-Jährige anderthalb Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen, sind es bei den Über-65-Jährigen viereinhalb Stunden!

Positive Wirkungen " Medienfunktionen

Die Medien erbringen wichtige Funktionen für unsere Demokratie. Nur die wenigsten Ereignisse finden in unserer unmittelbaren Umgebung statt, so dass wir auf Nachrichtenmedien angewiesen sind: Nachrichtensendungen und -magazine in Fernsehen und Radio, Tages- und Wochenzeitungen, Magazine und journalistische Online-Nachrichten. Zuletzt haben auch Berichte von Bürgern im Internet an Bedeutung gewonnen, so zum Beispiel als iranische Bürger über die Situation in ihrem Land in Blogs oder in anderen sozialen Netzwerken Auskunft gaben. Dennoch gilt: Fast alles, was wir über die Welt wissen, erfahren wir in den Medien.

Lebenslanges Lernen und politische Beteiligung:

Nach der Schule sind Medien die wichtigste Quelle für lebenslanges Lernen und für politische Bildung. Diese umfasst nicht nur Lehrbuchwissen über den Aufbau der staatlichen Institutionen, sondern auch persönliche Erfahrungen zu den tatsächlichen Abläufen politischer Entscheidungsprozesse. Welche Befugnisse der Bundespräsident laut Grundgesetz hat, lernt man in der Schule. Welche Rolle er tatsächlich spielt, versteht man erst durch die Beobachtung des täglichen Geschehens " also durch Mediennutzung.

Besonders das Internet gilt als großer Hoffnungsträger. Man müsse nur dafür sorgen, so die Annahme, dass alle Menschen Anschluss ans Internet haben. Dann führt die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Informationen zu einem Wissens- und Bildungsschub, der die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft erhöht und die Demokratie fördert. Das Internet gilt mittlerweile auch als wichtige Plattform für die aktive politische Beteiligung der Bürger (Partizipation).

Diese Hoffnungen erfüllen sich unter zwei Bedingungen: Die Bürger brauchen die nötige Medienkompetenz, sie müssen also wissen, in welchen Medien sie welche Informationen finden, und sie müssen sich zumindest ansatzweise für politische und gesellschaftliche Themen interessieren. Ansonsten entsteht eine Negativ-Spirale: Je weniger die Menschen politische Abläufe verstehen, desto politikverdrossener sind sie.

Welche Themen sind für die Gesellschaft relevant?:

Durch ihre Berichterstattung vermitteln die Medien einen Eindruck davon, welche politischen und gesellschaftlichen Themen aktuell von Bedeutung sind (Medien-Agenda). Damit beeinflussen sie, welche Themen die Menschen wichtig finden (Agenda-Setting). Das Wissen der Bevölkerung um relevante Themen ist für die Demokratie unverzichtbar. Denn nur wenn die Bürger die aktuellen Problemlagen kennen, können sie auch diejenigen Parteien wählen, denen sie die Lösung dieser Probleme am ehesten zutrauen.

Interessanterweise bewerten Menschen Politiker, die sie hinsichtlich eines aktuell dominanten Themas für besonders erfolgreich halten, insgesamt positiver. Die Medien-Agenda prägt also auch die Bewertungskriterien, nach denen Politiker beurteilt werden (Priming-Effekt). Wenn beispielsweise der Klimawandel auf der öffentlichen Agenda zu einem bestimmten Zeitpunkt ganz oben steht und eine Regierung in diesem Themenfeld wenig geleistet hat, bekommt sie in den Meinungsumfragen generell niedrigere Zustimmungswerte.


Ein weiterer Effekt ist die Integrationsfunktion der Medien. In unserer pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft leben Gruppen unterschiedlichster Herkunftsländer, Sprachen und Lebenshintergründe oft isoliert nebeneinander her und sie kennen einander kaum. Die Medien liefern Inhalte, die fast alle kennen (z. B. eine wichtige Fußball-Übertragung), und Themen, die alle betreffen (z. B. die kommende Bundestagswahl). Daraus leitet sich die Hoffnung ab, dass gemeinsame Medienthemen eine gemeinsame bundesdeutsche Identität fördern und zur Integration beitragen. Besonders augenscheinlich wird diese Funktion bei Fußball-Weltmeisterschaften und den Public Viewing-Veranstaltungen in Großstädten, bei denen teilweise mehrere Tausend Menschen gemeinsam ein Spiel auf Großleinwänden verfolgen.

Nachrichtenmedien bringen auch die Stimmungen und Erwartungen innerhalb der Bevölkerung öffentlich zum Ausdruck. Deshalb sind Medien für Parteien und Politiker neben Meinungsumfragen die wichtigste Möglichkeit, um die öffentliche Meinung kennenzulernen und ihre Politik " tatsächlich oder nur symbolisch " daran auszurichten. Besonders die Bild-Zeitung thematisiert häufig die Befindlichkeiten des "kleinen Mannes auf der Straße". Mittlerweile kann man auch in den sozialen Netzwerken dem Volk "aufs Maul schauen", wenn man die dortigen Meinungsäußerungen betrachtet.

Politische Beeinflussung:

Im Wahlkampf versuchen Politiker, mit Live-Auftritten beispielsweise auf Marktplätzen oder in Bierzelten Bürgerinnen und Bürger anzusprechen und zu überzeugen. Wichtiger, weil massenattraktiver sind natürlich TV-Interviews und Talk-Shows, Websites und die sonstige Berichterstattung. Auch hier bemüht sich die Politik, die Menschen mit ihren Themen und Lösungsvorschlägen zu erreichen und zu überzeugen. Überzeugen meint zweierlei: die Festigung der Zustimmung innerhalb der eigenen Anhängerschaft (Meinungsverstärkung) und das Überzeugen von Bürgern mit ursprünglich anderer Meinung (Meinungsveränderung).

Tatsächlich können Medien zwar bestehende Meinungen verstärken, eine echte Meinungsveränderung allein durch die Berichterstattung kommt hingegen selten vor. Das liegt an der menschlichen Angewohnheit, solche Medien bzw. Nachrichten zu bevorzugen, die der eigenen Meinung entsprechen, und andere Medien zu meiden (selektive Mediennutzung).

Echte Meinungsänderungen finden eher im persönlichen Gespräch statt. Denn im Dialog kann jede Seite direkt auf die Gegenargumente der anderen Seite reagieren. Außerdem nehmen Menschen andere Menschen, die sie kennen und mit denen sie in direktem Kontakt stehen, in der Regel als vertrauenswürdiger wahr. Die Medien dagegen " dort ganz besonders politische Akteure und Werbung " unterliegen einem Manipulationsverdacht: Da die Bürger dort ständig mit Beeinflussungsversuchen rechnen, sind sie misstrauischer und lassen sich schwerer überzeugen.

Häufig kommt es zu einem Zweistufenfluss der Kommunikation: Auf der ersten Stufe verbreiten die Massenmedien Informationen an Meinungsführer und andere Bürger; Meinungsveränderungen finden auf dieser Stufe kaum statt. Die Meinungsführer sind meinungsstarke Personen, die von anderen Menschen zu bestimmten Themen um Rat gebeten werden und diese dann " zweite Stufe " durch persönliche Kommunikation überzeugen können. Diese Idee machen sich auch Aufklärungskampagnen zu Nutze. AIDS-, Drogen-, Alkohol- oder Nichtraucher-Kampagnen setzen darauf, dass nicht nur die Werbeplakate und Spots selber, sondern auch Meinungsführer ihre Umgebung in die gewünschte Richtung beeinflussen.

Was denken die Anderen?

Die Artikulationsfunktion der Medien ermöglicht nicht nur Politikern einen Einblick in die öffentliche Meinung, sondern auch den Bürgern selbst. Menschen lassen sich in ihrer Meinungsbildung stark von der Meinung Anderer beeinflussen.

Den größten Einfluss hat das direkte Umfeld. Was in der eigenen Familie, im Freundeskreis, unter Bekannten, Mitschülern und Kollegen gesagt wird, prägt die eigene Meinung an stärksten. Das geht so weit, dass Menschen ihre Meinung nicht äußern, wenn sie denken, ihr Umfeld sei mehrheitlich anderer Meinung, da sie sich nicht isolieren wollen. Auch die in den Medien dargestellte und in den sozialen Netzwerken sichtbare Bevölkerungsstimmung wirkt in diese Richtung.

Die jüngst verstorbene Meinungs- und Medienforscherin Elisabeth Noelle behauptete, dass es durch die Möglichkeit, mittels der Medien zu erfahren, was die Anderen denken, zu einer Schweigespirale kommen kann: Die Gruppe mit der Minderheitsmeinung verstummt in der öffentlichen Debatte immer mehr und wirkt dadurch noch kleiner, als sie ohnehin ist. Diese Schweigespirale ist nur zu durchbrechen, wenn die Minderheit ihre Meinung laut und vernehmlich in der Öffentlichkeit äußert. Tatsächlich hat Elisabeth Noelle mit diesen Erkenntnissen mehrere CDU-Kanzlerkandidaten erfolgreich im Wahlkampf beraten (zuletzt Helmut Kohl).

Quellentext

Interessenunterschiede in der Online-Nutzung

[...] Um besser zu verstehen, wer welche Art von Nachrichten aus welchen Gründen wie auswählt, rezipiert, kommentiert, weiterverbreitet " oder eben ignoriert ", müssen wir genauer zwischen einzelnen Nutzergruppen, Nutzungssituationen und Nutzungskontexten unterscheiden.
Drei Online-Zeitungen überflogen, acht Mails beantwortet, den Kontostand geprüft, ein Bahnticket gebucht, auf dem Weg zum Bahnhof zwei SMS geschrieben, eine Mailbox-Nachricht abgehört, auf dem Bahnsteig per Smartphone die Zugverbindung geprüft, die Wettervorhersage abgerufen, eine Excel-Tabelle geprüft und weitergeleitet, vier PDFs geöffnet, die Branchennews durchgesehen. Eine solche (hyper-)aktive mobile Multikanal-Mediennutzung kommt nur bei ganz bestimmten Personengruppen vor. Sie ist in erster Linie abhängig von Branche, Beruf und Position. In dem genannten Beispiel jongliert eine 45-jährige Juristin einer weltweit tätigen Unternehmensberatung täglich per Blackberry und Notebook mit einem Vielfachen mehr an Nachrichten als ihre 14-jährige vermeintlich SMS-süchtige Tochter.
Die Kids lieben ihr Handy. Und das hat vor allem entwicklungspsychologische Gründe. Es ist in der Regel ihr erstes eigenes Informations- und Kommunikationsgerät, ein kleiner Schritt in die Erwachsenenwelt und vor allem der heiße Draht zu den Freunden, die im Zuge der Ablösung vom Elternhaus zum Lebensmittelpunkt werden. Nachrichten aus dem Freundeskreis bringen Abwechslung, Freude, Lebendigkeit; nicht einmal nachts will man das verpassen.
Ganz anders geht es jenen Erwachsenen, die von dringenden geschäftlichen Anfragen und Aufgaben rund um die Uhr überflutet werden. Das ist teils Symptom ungünstiger Mediennutzung, teils aber auch Folge überhöhter Arbeitslast und übertriebener Leistungsansprüche. [...] Ein vernünftiger Umgang mit Multitasking ist in beiden Fällen eine Herausforderung: Bekanntlich muss Schulkindern ebenso wie Führungskräften das zeitweilige Beiseitelegen der Geräte im Unterricht oder Meeting ausdrücklich auferlegt werden. [...]
Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 zeigt große Unterschiede im Online-Nachrichtenverhalten der beiden aktivsten Onliner-Gruppen, den "Jungen Wilden" und den "Zielstrebigen Trendsettern". Die beiden Gruppen stehen zusammen für knapp 18 Prozent aller Befragten, die das Internet nutzen. Die "Jungen Wilden" sind durchschnittlich 23 Jahre alt, zu 65 Prozent männlich. Von ihnen gehen noch 42 Prozent in die Schule oder sind noch in der Ausbildung. Sie tragen wenig Verantwortung, verbringen ihre Freizeit gern draußen, mit der Clique und suchen nach spannenden und aufregenden Aktivitäten. Sie besitzen die neuesten elektronischen Geräte, nutzen Videos und Spiele online, sind aber desinteressiert an den meisten Themen. Lediglich für Sport interessieren sie sich mehr als der durchschnittliche Onliner.
Ihre Online-Nachrichten beziehen sie über Portale wie GMX, web.de, T-Online oder msn.de. Zudem lesen sie bild.de. Sie leiden weder unter Informationsüberflutung noch zeigen sie sich nachrichtensüchtig. Vielmehr beschränken sie sich auf einen kleinen, oberflächlichen Ausschnitt des Nachrichtenangebots.
Ganz anders verhalten sich die im Durchschnitt 30-jährigen "Zielstrebigen Trendsetter". Die Hälfte ist weiblich, hat Abitur oder studiert und ist berufstätig. Sie sind aktiv in ihrer Freizeit und aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien. Außerdem haben sie ein breites Interessen-Spektrum inklusive sozialem und politischem Engagement. Sie nutzen neben den genannten Portalen auch professionelle Nachrichten-Websites von Zeitschriften wie Spiegel Online oder überregionalen Zeitungen wie faz.net, zeit.de sowie von öffentlich-rechtlichen Anstalten wie der ARD.
[...] Die Gruppe der Bürgerjournalisten (und Bürgerpaparazzi) ist jedoch klein. Die ARD/ZDF-Onlinestudie berichtet 2009 von je vier Prozent Wikipedianern und Bloggern, sechs Prozent aktiven Video- und zehn Prozent Foto-Community-Mitgliedern. [...]

Nicola Döring, "Info-Junkies und andere Mythen", in: message 2/2010 S.20ff.




Negative Medienwirkungen

Die Liste der öffentlich diskutierten negativen Medienwirkungen ist lang: Die Rede ist von übergewichtigen und sozial isolierten Kindern und Jugendlichen, die den ganzen Tag vor dem Fernseher, Computer oder der Spielkonsole sitzen. Manche werfen den Medien vor, zur Desinformation oder Verdummung der Gesellschaft beizutragen. Dieser Vorwurf ist wissenschaftlich nicht haltbar " zu unterschiedlich gehen einzelne Menschen mit Medien um. Ernster zu nehmen sind Befürchtungen, die verzerrte Mediendarstellung der Wirklichkeit führe zu einem verschobenen Weltbild mit weitreichenden Folgen:

  • Extrem schlanke Models im Fernsehen und in Magazinen lösen Essstörungen bei Heranwachsenden vermutlich nicht alleine aus, sie können eine bestehende Neigung aber sehr wohl verstärken.
  • Die im Internet auch für Kinder leicht zu findenden pornografischen Inhalte verändern sexuelle Vorstellungen und Praktiken und können die Zufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben verringern.
  • Gewalt in Filmen und Computerspielen kann eine entsprechende Neigung junger Menschen oder ihre Toleranz gegenüber gewalttätigem Verhalten erhöhen. Besonders das ständige Einüben von Gewalt als Problemlösungsstrategie beispielsweise in Ego-Shootern gilt als bedenklich.
  • Besonders dramatisch ist der "Werther-Effekt" " nach dem gleichnamigen Briefroman von Goethe: Nach Medienberichten über einen spektakulären Suizid finden sich vereinzelte Nachahmer. Diese befinden sich meist in einer ähnlichen Situation wie das mediale "Vorbild".
  • Die in der Werbung und in Unterhaltungsmedien gezeigten Konsumwelten beeinflussen unser aller Konsumverhalten. Wäre das nicht so, würden deutsche Unternehmen nicht jährlich 30 Milliarden Euro für Werbung ausgeben. Dass dieses Konsum- und Wegwerfverhalten negative ökologische und soziale Effekte mit sich bringt, liegt auf der Hand.

Quellentext

Pro und Contra Facebook

Die Nutzerin
Marie, Schülerin, 14 Jahre: Ich habe angefangen mit Schüler-VZ, das war noch in der Grundschule, Anfang 6. Klasse. Da haben wir uns einfach unterhalten, wie am Telefon, nur schriftlich. Meine Mutter hat geguckt, was ich für Fotos reinstelle. Sie wollte nie, dass man mich erkennt.
Irgendwann sind immer mehr Freunde zu Facebook gewechselt. Ich musste einfach mit. Meine Eltern haben gemeckert, Facebook sei so unsicher. Aber ich schreibe da ja nicht meine Adresse rein! Und auf meinen Fotos sehe ich ganz normal aus, wie auf der Straße. Ich gehe jeden Tag auf Facebook. Wenn wir verreist sind, und das nicht möglich ist, ärgere ich mich. Ich schreibe Freunden und stelle Fotos rein. Das geht viel schneller als per E-Mail. Man kann sich auch mit mehreren gleichzeitig unterhalten. Wenn ich bei anderen auf der Pinnwand jemanden erkenne, dann adde ich denjenigen.
Ich habe bei Facebook nur Freunde, die ich wirklich kenne oder von Erzählungen. Wenn ich einen Musiker oder eine Band auf Facebook finde, die ich mag, kann ich anklicken, dass sie mir gefällt. "74 718 Personen gefällt das" steht zum Beispiel bei Werder Bremen, meinem Lieblings-Fußballverein.

Die Verweigerin
Amrai Coen, Journalistin, 23 Jahre: Warum ich nicht bei Facebook bin? Weil ich nicht wissen will, welche Farbe die Unterhose meines Cousins hat, wer sich heute Abend einen schlechten Film anguckt oder gerade auf Mallorca ist. "Facebook ist Stasi auf freiwilliger Basis", hat mal ein Kabarettist gesagt " und es stimmt.
"Dir Facebook zu erklären, ist wie einem Blinden die Farbe zu erklären", sagte eine Freundin gestern zu mir. Egal ob Unbekannte auf Feiern oder Freunde " viele fühlen sich angegriffen, wenn ich sage, dass ich nicht bei Facebook bin. Sie müssen mir dann erklären, was toll daran ist: "Da triffst du Leute wieder, zu denen du sonst keinen Kontakt mehr hättest." Anne aus der Grundschule? Paul vom Rugby? Zu diesen Leuten will ich gar keinen Kontakt haben! Sie interessieren mich nicht, sie wären Zeitverschwendung. Das Internet raubt mir jeden Tag viele Stunden. Ich bin überfordert mit Nachrichten, SMS, E-Mails. Noch mehr Gedankenmüll bei Facebook hielte ich nicht aus.
"Leben ohne Facebook ist wie Leben ohne Handy" " das höre ich einmal die Woche. Sogar meine Mutter hat einen Account. Ich bin oldschool, na und? Friends haben, den Status updaten, jemanden adden, der "I like"-Button " ich will diese Wörter nicht in den Mund nehmen, ich finde sie eklig.

Frankfurter Rundschau vom 17. November 2010




Für viele Medienwirkungen gibt es bestätigende Daten. Allerdings ist vor einfachen Schuldzuschreibungen zu warnen. Denn eines zeigen alle Studien: Medien allein können bestenfalls bestehende Einstellungen oder Neigungen verstärken. Als alleiniger Auslöser kommen sie nicht in Frage. Ungleich wichtiger sind individuelle Eigenschaften und soziale Phänomene wie dauerhafte Frustration, Überforderung, Einsamkeitsgefühle und ein schwieriges familiäres oder soziales Umfeld.

Quellentext

Digital Natives

[...] Laura (alle Namen der Jugendlichen von der Redaktion geändert) [...] ist zwölf Jahre alt. Sie gehört zur Generation der Digital Natives, der digitalen Eingeborenen: junge Menschen, die mit dem Internet aufwachsen. Denen es selbstverständlich scheint, dass jeder Mensch ein Handy besitzt, dass man Zeitungen, wenn überhaupt, am Bildschirm liest und nach den Lösungen der Hausaufgaben googelt. Die Mehrheit dieser jungen Internetnutzer ist Mitglied bei einem sozialen Netzwerk, bei StudiVZ, MySpace oder Facebook. Die Zehn-, Zwölf- oder Vierzehnjährigen bewegen sich im Netz so selbstverständlich wie auf dem Schulhof. Es ist ein weiter aufregender Raum, den sie ganz allein erkunden können, ein Paralleluniversum, in dem sie das Gefühl haben, unter sich zu sein. Und in dem sie meistens ganz auf sich gestellt sind.
Mit 1,9 Millionen Nutzern ist Jappy eines der kleineren sozialen Netzwerke, doch die Plattform ist vor allem bei jüngeren Nutzern beliebt. Viele Freunde von Laura haben sich dort ein Profil erstellt. Auch Johanna, Lauras beste Freundin. Sie ist 13 Jahre alt und schon fast zwei Jahre Mitglied. [...] Aufgebaut ist das Jappy-Netzwerk wie eine Kontaktbörse. Bereits die Startseite verweist auf Profile anderer Nutzer, sortiert nach Alter und Geschlecht. Johannas Profil gibt Auskunft über ihre Hobbys, ihre Haarfarbe und Figur. Es ist für jedermann einsehbar. Sie hat mehrere Fotos auf ihre Seite geladen: Johanna im Bikini am Strand, Johannas kleiner Bruder im Garten und die Bilder von der letzten Klassenfahrt. Viel Spaß mache ihr Jappy, sagt Johanna, man könne sich dort wunderbar die Zeit vertreiben.Genau das ist das Geschäftsprinzip. Je länger die Nutzer bleiben, desto interessanter sind sie für die Werbekunden von Jappy; damit verdient die Firma ihr Geld. Deshalb belohnt sie die User für die Zeit, die sie online verbringen " mit "Erfahrungspunkten" (EPs). Wer viele Punkte hat, erhält einen höheren "Rang", und wer einen hohen Rang hat, bekommt jede Woche "Credits", eine virtuelle Währung, für die die User ihren Onlinefreunden "Geschenke" kaufen können, digitale Kuscheltiere oder blinkende Herzen. Wer den höchsten Rang und die teuersten Geschenke hat, der ist der Größte. [...]
Manchmal allerdings gebe es auch diese seltsamen Nachrichten, sagt Johanna. Fremde Männer schrieben ihr dann "komisches Zeug", zu ihrem Bikini-Foto zum Beispiel. Ihren Freundinnen passiere das auch ab und zu. Cyber-Grooming lautet das Fachwort für sexuelle Anmache im Internet [...]. Wie verbreitet das Grooming ist, zeigt ein Selbstversuch: Wer sich als 14-jähriges Mädchen bei Jappy anmeldet, wird innerhalb weniger Stunden mit eindeutigen Anfragen konfrontiert. Männer um die 40 fragen nach sexuellen Vorlieben, schlagen Telefongespräche vor oder schicken Nacktfotos.
Und das sind keine Einzelfälle. Ein großer Teil der 9- bis 16-Jährigen hat bereits unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht, zeigt eine jüngst veröffentlichte EU-Studie (EU Kids Online): Sie werden mit Pornographie konfrontiert, mit unerwünschten sexuellen Nachrichten und Bildern, mit Cyber-Mobbing oder dem Missbrauch persönlicher Daten. Und zwar genau auf den Seiten, die so konstruiert sind, dass Kinder dort möglichst viel Zeit verbringen.
[...] Ähnlich verstörende Erfahrungen machen viele Jugendliche mit dem Internetmobbing. Lauras Freund Simon erinnert sich noch gut an die Zeit, als er sich in der Community auf die Seite einer Freundin geschlagen hatte und in der Folge von einer ganzen Gruppe im Netz beschimpft wurde. Da standen dann Bilder mit Gewaltszenen auf seiner Profilseite und Ausdrücke, die er lieber nicht wiederholen möchte. "Ich habe ganz schön viele Leute auf meiner Blockier-Liste", lacht er heute.
Lehrer und Eltern bekommen von all dem selten etwas mit: Laut EU-Studie haben über die Hälfte der Eltern jener Kinder, die schon einmal verletzende oder sexuelle Onlinenachrichten bekommen haben, nichts davon gewusst. Die Digital Natives lernen früh, dass sie ganz auf sich gestellt sind. Ihre Eltern und Lehrer gehören einer Generation an, die nicht mit Computer und Internet aufgewachsen ist. Ihnen fehlen oft selbst grundlegende Informationen über die neuesten Onlineentwicklungen und darüber, wie sich Kinder im Netz verhalten.
[...] Viele Eltern [...] informieren sich nur sporadisch darüber, wo genau sich die Jugendlichen im Netz aufhalten und was sie dort tun. Damit jedoch schieben sie den Internetkindern ganz allein die Verantwortung für ihr Onlinehandeln zu. Dass die damit überfordert sein könnten, dass ihnen so abstrakte Begriffe wie Datenschutz oder Privatsphäre wenig sagen, das wissen die Eltern vielleicht gar nicht. Oder sie machen es sich nicht klar. Und so klicken sich die Digital Natives durchs Netz, sammeln blinkende Herzchen, bekommen Post von fremden Männern und fallen manchmal übereinander her. Nachmittags um halb drei in deutschen Kinderzimmern.

Friederike Schröter, "Allein auf dem virtuellen Pausenhof", in: Die Zeit Nr. 47 vom 18. November 2010




klicksafe-Tipps für Jugendliche

Du findest, das lnternet ist "ne verdammt großartige Sache, weißt aber manchmal nicht, wie du mit den vielen lnformationen und Möglichkeiten, die das WWW bietet, zurecht kommen sollst? Außerdem bist du ab und zu verunsichert darüber, wie viel du in Chats und Foren über dich erzählen darfst? Und du hast auch schon Sachen im lnternet gesehen, die dich beunruhigt haben? Wir haben zu diesen und anderen Themen ein paar Tipps zusammengestellt, die dich zu einem echt fähigen Netzspezialisten machen! Dein klicksafe-Team

  1. Triff dich niemals alleine mit Menschen, die du im Chat, in einer Social Community oder per Instant Messenger kennen gelernt und noch nie zuvor gesehen hast. Du kannst einfach nicht wissen, wer die Person vor dem anderen Bildschirm ist, mit der du gerade in Kontakt bist. Die 13-jährige Lisa kann in Wirklichkeit der 60-jährige Dietmar oder der 17-jährige Alex sein. Wenn du dich mit einem fremden Menschen treffen möchtest, nimm immer einen Erwachsenen mit. Weitere Infos gibt es unter www.chatten-ohne-risiko.netwww.chatten-ohne-risiko.net !
  2. Verhalte dich fair im lnternet.Es ist nicht in Ordnung, jemanden zu beleidigen, indem man falsche oder fiese Sachen über diese Person in Foren, Chats oder per SMS verbreitet. Auch peinliche oder brutale Filme, die per Handy aufgenommen und auf Videoportale wie YouTube gestellt werden, sind alles andere als lustig. Solltest du selbst schon mal so etwas erlebt oder mitbekommen haben " der Fachausdruck dafür ist "Cyberbullying" ", dann trau dich und sprich mit jemandem (z. B. deinen Eltern, Lehrern, ") darüber. Du hast auch die Möglichkeit einer Anzeige, denn es ist strafbar, andere gezielt fertigzumachen. Infomaterial zu Cyberbullying findest du unter www.servicebureau.de/publication.php
  3. Gib nie deine persönlichen Daten (Name, Adresse, Telefonnummer, Fotos oder Passwörter) im lnternet weiter. Oft weiß man nicht, was mit ihnen passiert. Wenn du dir aber zum Beispiel ein Profil in einer Community wie z. B. schülerVZ einrichten willst, dann stelle das Profil auf jeden Fall so ein, dass nur deine Freunde es anschauen können. Wichtig: Achte immer darauf, was du im weltweiten Netz von dir preisgibst. Du solltest auch deine Eltern darüber informieren, dass du in einer Social Community Mitglied bist. Es gibt auf solchen Portalen auch spezielle Infoseiten für deine Eltern
  4. Sei misstrauisch gegenüber Behauptungen, die du im Netz findest.Ins Internet kann jeder etwas rein schreiben und das muss nicht immer richtig sein. Man sieht oft nicht, woher die Informationen stammen oder wer sie eingestellt hat. Das größte und beliebteste Online-Nachschlagewerk www.wikipedia.de liefert viele interessante Informationen, sei aber auch hier kritisch. Oftmals hilft es, Informationen aus dem Internet mit Büchern zu vergleichen, die das gleiche Thema behandeln. Erst dann kannst du dir sicher sein, dass die Infos wahr sind und sie zum Beispiel für die Schule verwenden. Gute Suchmaschinen und Links findest du unter www.klicktipps.net
  5. Angebote im lnternet, die toll und kostenlos ausschauen, können richtig viel Geld kosten. Stell dir vor, du hast im Internet eine Webseite mit tollen Hits, Displays oder Klingeltönen fürs Handy entdeckt. Plötzlich sollst du deine Handynummer eingeben. Pass hier unbedingt auf: Den Preis sieht man oft gar nicht, weil der ganz klein irgendwo steht. Auch bei Abonnements für Hausaufgabenseiten musst du vorsichtig sein und am besten einen Erwachsenen dazuholen.
  6. Öffne nie E-Mails und Anhänge, wenn du nicht weißt von wem sie stammen oder welchen lnhalt sie haben. Am besten du löschst sie sofort. So genannte Spam-Mails, die von Fremden an dich geschickt werden, weil sie deine E-Mailadresse irgendwo im Netz gefunden haben, können problematische Inhalte haben: Sie wollen dich zum Kauf eines Produktes verleiten, deine persönlichen Daten ausspionieren oder aber sie beinhalten Viren, die deinen Computer beschädigen.
  7. .Kostenloses Herunterladen von Musik und Filmen ist oft nicht erlaubt,im CD-Geschäft muss man ja auch für die neueste Platte bezahlen und legale Downloadportale wie z. B. itunes, musicload, etc. im Internet kosten Geld. Wenn du also auf ein kostenloses Angebot stößt, sei zunächst einmal misstrauisch, denn nicht rechtmäßig erworbene Musik, Filme usw. zu besitzen ist strafbar. Warum es erlaubt ist, seine Lieblings-CD für eine Freundin zu kopieren, es aber verboten ist, einen Film mit derselben Musik zu unterlegen und ihn online zu stellen oder welche Downloadportale ok sind, erfährst du auf der Seite www.irights.info
  8. Wenn du also Fotos oder Videos, auf denen andere Menschen zu sehen sind, in Online Communities oder auf Videoportale stellen willst, frage sie vorher, ob du das darfst. Jeder Mensch hat ein "Recht am eigenen Bild", was bedeutet, dass sein Foto nur mit seiner Erlaubnis veröffentlicht werden darf. Dasselbe gilt auch für geschützte "Inhalte" (genauer: Werke von anderen, wie beispielsweise Musikstücke, Filme, Texte, Grafiken und vieles mehr). Wenn du die einfach unerlaubt verwendest, kann das richtig teuer werden. Mehr Infos unter www.irights.info
  9. Wenn dir beim Surfen etwas komisch vorkommt,du z. B. im Internet auf eine Seite mit Bildern und Texten stößt, die dir Angst machen oder unangenehm sind, dann sprich bitte unbedingt mit einem Erwachsenen, dem du vertraust und zeige ihm die Seiten. Dieser kann dann weiterführende Schritte einleiten, indem er solche Seiten den Internetbeschwerdestellen www.jugendschutz.net oder www.internetbeschwerdestelle.de meldet.





 

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