Dossierbild Afrika – Länder und Regionen

Editorial

27.5.2009
Christine HesseChristine Hesse
Afrikas Vielfalt sprengt alle Dimensionen: Auf einem Kontinent von über 30 Millionen Quadratkilometern mit unterschiedlichsten Klima- und Vegetationszonen lebten 2008 circa 967 Millionen Menschen, gegliedert in mehrere tausend Ethnien sowie etwa zweitausend eigenständige Sprachgruppen, territorial verteilt auf 53 Staaten.

Diese Staaten wiederum präsentieren sich in Flächenausdehnung, Bevölkerungszahl, naturräumlicher Gestaltung, Ressourcenausstattung und Regierungssystem äußerst heterogen: Dem Flächenstaat Sudan (2,5 Millionen Quadratkilometer) stehen kleinräumige Länder wie Gambia (11 300 Quadratkilometer) gegenüber. Das dicht besiedelte Nigeria ist mit rund 148 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, während in Mauretanien auf größerer Fläche nur 3,3 Millionen leben. Auch die natürlichen Ressourcen sind unterschiedlich verteilt: Senegal muss seine Einkünfte vornehmlich aus Fischerei und Phosphatvorkommen erzielen, während die Demokratische Republik Kongo reich an Gold, Kupfer, Erzen und Diamanten ist. Selbst innerhalb eines Landes treffen Gegensätze aufeinander. So ist Kenias Nordosten immer wieder von Dürre bedroht, während der grüne Südwesten unter anderem den Teeanbau ermöglicht. Das Spektrum der Regierungssysteme variiert von Monarchien (Marokko, Swasiland) über autokratische Systeme (Äquatorial-Guinea, Sudan) zu Demokratien (etwa Südafrika, Ghana und Mali). Daneben gibt es Länder, in denen der Staat jegliche Macht verloren hat, wie Somalia, die Zentralafrikanische Republik und die DR Kongo.

Schon aus dieser Gegenüberstellung wird deutlich, dass pauschale Aussagen der differenzierten Realität Afrikas nicht gerecht werden, speziell dann, wenn sie Ursachen und Hintergründe für bestimmte Erscheinungen wie schwache Staatlichkeit, Bürgerkriege, Entwicklungsdefizite und Armut ausblenden.

Angesichts dieser Ausgangssituation wirkt es geradezu vermessen, den Kontinent auf dem knappen Raum von Heftausgaben zu behandeln. Als Kompromiss hat die Redaktion sich entschlossen, Afrika wie bereits 1999 und 2001 erneut zwei Hefte zu widmen. Damals waren sie geographisch geteilt in Afrika südlich (Heft Nr. 264) und nördlich der Sahara (Heft Nr. 272). Jetzt stellen zwei aufeinander folgende Heftausgaben zunächst Regionen und ausgewählte Länder Afrikas vor, um den Kontinent dann im zweiten Ansatz nach Schwerpunktthemen zu betrachten.

Das vorliegende Heft gliedert Afrika in fünf geographische Großräume, die jeweils in einem einführenden Kapitel in ihren wesentlichen Entwicklungen und Besonderheiten überblicksartig vorgestellt werden. Die Einteilung in Nord-, West- und Zentralafrika, das Horn von Afrika plus Ostafrika sowie das südliche Afrika entspricht der Zuordnung, welche die Afrikanische Union - der Zusammenschluss der unabhängigen afrikanischen Staaten - selbst vorgenommen hat. Jedem dieser Überblickskapitel folgen Analysen zu Ländern, die innerhalb der jeweiligen Region einen Sonderstatus einnehmen oder deren Charakteristika in beispielhafter Weise konkretisieren.

Aus der individuellen Herangehensweise der hier versammelten Expertinnen und Experten ergibt sich ein facettenreiches Bild, das den Schwerpunkt auf die historische Entwicklung und auf die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation der jeweils behandelten Staaten legt.

Dem entspricht der Kartenteil, der neben einer physischen Darstellung und einer doppelseitigen Wirtschaftskarte die territoriale und politische Entwicklung Afrikas seit der Kolonialzeit aufgreift.

In der Gesamtheit ergibt sich ein Überblick, der Kenntnisse über die Regionen und einzelne Länder Afrikas vermittelt, ihre Entwicklungswege und ihren Entwicklungsstand aus ihrer Geschichte und ihren spezifischen Gegebenheiten erklärt und ihre Zukunftsperspektiven beleuchtet. Es ist ein Ausgangspunkt, der nach dem Wunsch der Redaktion die Neugier auf die Vielfalt Afrikas wecken soll.

Christine Hesse



 

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