Dossierbild Afrika – Länder und Regionen

27.5.2009 | Von:
Stefan Mair
Andreas Mehler
Gerhard Seibert
Denis M. Tull

Zentralafrika: schwache Staatlichkeit und grenzüberschreitende Kriege

Äquatorial-Guinea

Von Gerhard Seibert

Das im Golf von Guinea gelegene Äquatorial-Guinea ist das einzige spanischsprechende Land Afrikas und zählte nach UN-Schätzungen 2007 etwa 501 000 Einwohner. Die Gesamtfläche von 28 051 Quadratkilometern umfasst Mbini (früher Rio Muni; 26 003 Quadratkilometer) auf dem Festland, die Inseln Bioko (2007 Quadratkilometer) mit der Hauptstadt Malabo und Annobón (18 Quadratkilometer) sowie die kleinen Küsteninseln Elobeys und Corisco, wobei letztere auch von Gabun beansprucht wird. Wichtigste Bevölkerungsgruppen sind die Fang aus Mbini, die 80 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, und die auf Bioko einheimischen Bubi und von befreiten Sklaven abstammenden Fernandinos. 1778 trat Portugal das Gebiet an Spanien ab, das auf Bioko ab 1858 eine Plantagenwirtschaft errichtete. Die Kolonisierung Rio Munis, das seit 1885 spanisches Protektorat war, begann erst 1926.

Kurz vor der Unabhängigkeit am 12. Oktober 1968 wurde Francisco Macías Nguema, ein Fang, zum Präsidenten gewählt. Er errichtete eine der gewalttätigsten Diktaturen Afrikas. Zehntausende von Regimegegnern wurden ermordet, und ein Drittel der Bevölkerung floh ins Ausland. Nigerianische Plantagenarbeiter wurden vertrieben, und die auf Kakao und Kaffee basierende Wirtschaft kam zum Erliegen. 1979 wurde Macías Nguema von Teodoro Obiang, dem Chef der Nationalgarde, gestürzt und hingerichtet. Obiang gehört zu dem Esangui-Clan aus Río Muni, der die politische Macht monopolisiert und den Sicherheitsapparat kontrolliert. Der von Obiang geleitete Oberste Militärrat war weniger brutal, regierte jedoch weiterhin diktatorisch, und Menschenrechtsverletzungen sowie Korruption blieben an der Tagesordung. 1987 gründete Obiang die Staatspartei Partido Democrático de Guinea Ecuatorial (PDGE), die im Jahr darauf die Parlamentswahlen mit 99,2 Prozent der Stimmen gewann. 1989 liess sich Obiang mit 99 Prozent der Stimmen zum Präsidenten wählen. Bei weiteren "Fassadenwahlen' 1996 und 2002 wurde er im Amt bestätigt.

Das 1991 formell eingeführte Mehrparteiensystem gewährt dem auf sieben Jahre gewählten Präsidenten weitgehende exekutive Macht. Seit 1993 finden Mehrparteienwahlen statt, die von Unregelmäßigkeiten begleitet und deren Resultate von der Opposition angefochten wurden. Das auf fünf Jahre gewählte Parlament wird von der von Obiang geleiteten PDGE kontrolliert. Wichtigste lokale Oppositionspartei ist die Convergência para la Democracia Social (CPDS). Im spanischen Exil aktive Oppositionsparteien sind untereinander zerstritten. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2008 gewann die PDGE 99 Sitze, während auf die CPDS ein Sitz entfiel. In der Amtszeit Obiangs kam es zu mehreren Putschversuchen, zuletzt 2004 durch ausländische Söldner. Während Obiang weiterhin autokratisch regiert, hat sich die Menschenrechtssituation leicht gebessert.

Zwei Drittel der Landwirtschaft beruhen auf Subsistenzwirtschaft. Die Kakaoproduktion auf Bioko fiel 2005 auf 2000 Tonnen, beschäftigt jedoch die meisten einheimischen Arbeiter. Seit der Entdeckung von Offshore-Öl 1990 dominiert der Ölsektor die Wirtschaft, die seither hohe Wachstumsraten verzeichnet. Das Land ist Afrikas sechstgrößter Ölexporteur. Die Ölförderung stieg von 6000 Barrel täglich im Jahr 1996 auf 394 000 Barrel täglich im Jahr 2007. Gleichzeitig stieg der Anteil des Ölsektors am BIP von 18 Prozent 1995 auf 89 Prozent 2004. Das BIP pro Kopf nahm statistisch von 16 350 US-Dollar (2004) auf 32 195 US-Dollar (2008) zu (laut EIU März 2009). Tatsächlich blieb jedoch bisher die Mehrheit der Bevölkerung vom Ölreichtum ausgeschlossen. Profitiert haben dagegen die korrupten Machthaber und ihre Familien, die ihre Macht konsolidieren konnten. 1985 wurde das Land Mitglied der CFA-Zone. Seit 2006 ist China (29 Prozent) vor den USA (21 Prozent) der wichtigste Ölimporteur des Landes.


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Rund 885 Millionen Menschen leben in 54 afrikanischen Staaten. Auf dem Kontinent gibt es über 3.000 Bevölkerungsgruppen und mehr als 2.000 Sprachen. Das Dossier präsentiert Afrika gestern und heute und beleuchtet die Perspektiven zukünftiger Entwicklungen.

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