Dossierbild Afrika – Länder und Regionen

27.5.2009 | Von:
Stefan Mair
Annette Weber

Horn von Afrika und Ostafrika

Uganda

Von Stefan Mair

Als die Briten Uganda 1893 als Protektorat in ihr Kolonialreich eingliederten, galt es ihnen als Perle Afrikas. Die landschaftliche Schönheit Ugandas und die Fruchtbarkeit des Landes berechtigten zu dieser Annahme. Sie verleitete aber auch dazu, die tief greifenden Spaltungen zu übersehen, die das Land durchzogen. Dazu gehörte der Gegensatz zwischen den vier traditionellen Königreichen des Landes und den politisch eher lose organisierten restlichen Volksgruppen. Vor allem die größte der Monarchien, Buganda, nutzten die britischen Kolonialherren, um das Land indirekt und damit kostengünstig zu verwalten. Hinzu kamen Gegensätze zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern, zwischen den unterschiedlichen sozialen Schichten innerhalb der Monarchien und zwischen Protestanten, Katholiken und Muslimen. Schon bald nach der Unabhängigkeit des Landes 1962 löste der erste Präsident, Milton Obote, die Königreiche auf und ging in der Folgezeit mit großer Brutalität gegen politische Opponenten vor. Er wurde 1971 durch den berüchtigten Diktator Idi Amin gestürzt, der aus dem politisch an den Rand gedrängten Norden des Landes stammte. Die physische Gewalt gegen oppositionellen Widerstand nahm unter seinem Regime ungeahnte Ausmaße an: Schätzungen zu Folge kamen bis zu 500 000 Bürger und politische Gegner zu Tode. Mit der Unterstützung tansanischer Truppen wurde Amin 1979 gestürzt und Milton Obote kehrte nach einem sehr umstrittenen Wahlsieg 1980 an die Macht zurück. Doch herrschte Obote kaum weniger diktatorisch als Idi Amin und stärkte dadurch unter anderem die Rebellenbewegung Yoweri Musevenis, die Obote 1985 aus dem Amt vertrieb.

Museveni reklamiert berechtigterweise für sich, die Wiedergeburt des Ende der 1980er Jahre völlig darnieder liegenden Landes eingeleitet zu haben. Er stellte in weiten Teilen Ugandas Frieden und Sicherheit wieder her, auch wenn es ihm nie gelang, eine Rebellion im Norden niederzuschlagen. Mit Unterstützung der Entwicklungshilfe konnte die Infrastruktur wieder aufgebaut werden, und eine marktfreundliche Wirtschaftspolitik schuf die Voraussetzungen für einen anhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Musevenis Regierungsführung galt lange als weitgehend entwicklungsorientiert. Gleichzeitig verspürte er wenig Neigung, seine Machtausübung demokratischer Kontrolle zu unterwerfen. Er stellte sich erst 1996 Präsidentschaftswahlen. Parlamentswahlen fanden zwar statt, doch war den Parteien die Beteiligung daran sowie jegliche andere politische Aktivität verboten. Dennoch erfreute sich Museveni großer Beliebtheit bei westlichen Entwicklungshilfegebern, die in anderen afrikanischen Ländern zeitgleich nachdrücklich auf demokratische Reformen gedrängt hatten.

Dies war zum einen der Überzeugung geschuldet, dass ein frühzeitiges Drängen auf politischen Wettbewerb das Land nach den langen Jahren des Bürgerkriegs erneut destabilisieren würde. Zum anderen wurde Uganda als wichtiger regionaler Stabilitätsanker, aber auch als Partner bei der Eindämmung des radikal-islamischen Regimes im benachbarten Sudan betrachtet. Die grundsätzlich positive Einschätzung der Amtsführung Musevenis begann sich erst zu ändern, als er Anfang der 1990er Jahre ruandische Rebellen unterstützte, und wurde stark beschädigt, als er sich später auf der Seite Ruandas am Bürgerkrieg in der DR Kongo beteiligte. Museveni, der diese Intervention damit rechtfertigte, dass sich nur so die Grenzregion stabilisieren ließe, geriet nunmehr in Verdacht, regionale Machtgelüste zu befriedigen und sich an den Ressourcen des Nachbarlandes bereichern zu wollen. In der Folge des Kongo-Krieges geriet Museveni verstärkt international unter Druck, nachdem ihm heimische Kritiker bereits zuvor sein Festhalten an der Macht vorgeworfen hatten. Sollte Museveni nicht dazu in der Lage sein, einen demokratischen Machtwechsel zu akzeptieren, läuft er Gefahr, seinen Erfolg, die Wiedergeburt Ugandas, aufs Spiel zu setzen und eine erneute Destabilisierung verantworten zu müssen.


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Rund 885 Millionen Menschen leben in 54 afrikanischen Staaten. Auf dem Kontinent gibt es über 3.000 Bevölkerungsgruppen und mehr als 2.000 Sprachen. Das Dossier präsentiert Afrika gestern und heute und beleuchtet die Perspektiven zukünftiger Entwicklungen.

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