Dossierbild Afrika – Länder und Regionen
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Südliches Afrika: Wirtschaftspotenziale und soziale Herausforderungen


27.5.2009
Die Apartheid, ein später Übergang zur Unabhängigkeit und Bürgerkriege sind historische Charakteristika des südlichen Afrika. Die Region verfügt über gute wirtschaftliche Voraussetzungen, leidet aber im Vergleich zum übrigen Afrika am meisten unter der Immunseuche Aids.

Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela vor dem ersten Rugby-Testspiel zwischen Südafrika und Wales in Pretoria, Südafrika, Samstag 26. Juni 2004.Nelson Mandela hat als Gründungsvater des "neuen Südafrika" geholfen, die Nation zu einen. Der aktuelle Präsident Zuma nutzt den "Mythos Mandela". (© AP)

Einleitung



Von Stefan Mair

Zur Region des südlichen Afrika zählen üblicherweise Angola, Sambia, Malawi, Mosambik, Namibia, Botsuana, Simbabwe, Südafrika, Swasiland und Lesotho sowie die Inselstaaten Madagaskar und Mauritius. Der größte Teil des südlichen Afrika ist Hochland, das zum Teil hervorragende Bedingungen für den Ackerbau und damit auch für eine exportorientierte Landwirtschaft bietet, überwiegend aber aus Buschland, Wüsten und Halbwüsten besteht. Zudem gilt das südliche Afrika als eine der Regionen, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sein werden. Schon in den vergangenen 20 Jahren gab es gehäuft klimabedingte Dürren, die in einigen Ländern der Region zu Nahrungsmittelkrisen führten. Das südliche Afrika ist reich ausgestattet mit mineralischen Rohstoffen, insbesondere Öl in Angola, Kupfer in Sambia, verschiedenen Eisenerzen und Schwermetallen in Simbabwe und Südafrika sowie Gold und Diamanten.

Überblick: Südliches AfrikaÜberblick: Südliches Afrika
Die ältere Geschichte des südlichen Afrika ist von zwei großen Einwanderungswellen geprägt: die sich über Jahrhunderte hinziehende Einwanderung der Bantu, die circa 500 v. Chr. begann, und die Einwanderung der Europäer seit Mitte des 2. Jahrtausends. Diese zweite Einwanderungsbewegung verlief in mehreren Schüben und ist noch heute von großer Bedeutung für gesellschaftliche und politische Konflikte in der Region. Bereits um 1500 begannen Portugiesen im heutigen Angola und in Mosambik Versorgungslager für ihre Schiffe, Handelsposten und Sklavenforts zu errichten. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts siedelten vor allem Niederländer am Kap der Guten Hoffnung, zu denen sich bald auch zahlreiche Deutsche, französische Hugenotten und andere Europäer gesellten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts strömten britische Einwanderer nach Südafrika. Sie verdrängten die so genannten Buren, Nachfolger der ursprünglich niederländischen, deutschen und französischen Einwanderer, zunächst nach Norden und unterwarfen sie dann im Burenkrieg von 1901/02. Mitte des 20. Jahrhunderts wanderten schließlich viele Portugiesen nach Angola und Mosambik ein.

Für die Entwicklung des südlichen Afrika bedeuteten die Besiedlung und Kolonialisierung durch Europäer zweierlei: Zum Ersten eine gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Dominanz der europäischen Siedler über die afrikanischen Volksgruppen, die sich in Südafrika, Rhodesien (dem heutigen Simbabwe) und Namibia in Apartheidsystemen verfestigte. Zum Zweiten hielten die Kolonialmächte - besonders die Portugiesen - relativ lange an ihrem Besitz fest, was blutige Befreiungskriege zur Konsequenz hatte. Angola und Mosambik wurden erst 1975, Rhodesien 1980 und Namibia 1989 unabhängig. Ein Ende erreichten die Apartheidkonflikte, die das südliche Afrika polarisierten, erst 1994, als in Südafrika eine afrikanische Mehrheitsregierung die Macht übernahm. Obwohl auch die Apartheidkonflikte in Simbabwe und Namibia außerordentlich blutig verliefen, erregte der Konflikt in Südafrika die weitaus größte öffentliche Aufmerksamkeit. Dies hing nicht nur mit der Bedeutung Südafrikas, dem nach Bevölkerungsgröße und Wirtschaftskraft weitaus wichtigsten Land der Region zusammen, sondern auch mit dem Ausgreifen der Auseinandersetzungen weit über die eigenen Landesgrenzen. Da die Gegner des Apartheidsystems ihre Rückzugsgebiete in Sambia, Angola, Mosambik und Simbabwe hatten, attackierte Südafrika diese Länder immer wieder. Besonders stark mischte es sich in die Bürgerkriege Angolas und Mosambiks ein, die unmittelbar nach deren Unabhängigkeit ausbrachen. In beiden Konflikten unterstützte Südafrika die als prowestlich geltenden Rebellengruppen im Kampf gegen ihre Regierungen.

Damit ist neben dem Apartheidkonflikt und der späten Dekolonisierung ein weiteres historisches Charakteristikum der Region genannt: lange andauernde Bürgerkriege. Angola litt ganze 27 Jahre, von 1975 bis 2002, unter gewaltsamen Auseinandersetzungen, die schätzungsweise 500 000 Tote forderten. Diesen stand der von 1975 bis 1992 währende Bürgerkrieg in Mosambik kaum nach. In Rhodesien erstreckten sich die innerstaatlichen Kämpfe von 1971 bis 1979. Auch die Apartheidkonflikte in Namibia und Südafrika nahmen zeitweilig bürgerkriegsähnliche Züge an. Alle hier genannten Kriege waren eng verwoben mit dem Ost-West-Konflikt. Die sozialistischen Regierungen Angolas und Mosambiks betrachteten ihre Länder als Teil des Sowjetblocks. Zeitweise kämpften auf Seiten der angolanischen Armee bis zu 60 000 Kubaner. Entsprechend galt die Unterstützung, die Südafrika den angolanischen und mosambikanischen Rebellen gewährte, als Verteidigung westlicher Interessen. Dies erklärt zum Teil den lange Zeit sehr nachsichtigen Umgang des Westens mit dem südafrikanischen Apartheidsystem.

Bürgerkriege und Apartheidkonflikte brachten in vielen Ländern der Region Befreiungsbewegungen an die Macht, die nach ihrer Einschätzung diesen politischen Erfolg zum Großteil dem bewaffneten Kampf zu verdanken hatten. Dies gilt vor allem für Angola, Mosambik und Simbabwe, in geminderter Form auch für Namibia und Südafrika. Sind Befreiungsbewegungen erst einmal an der Macht, reklamieren sie für sich aufgrund ihrer historischen Errungenschaften eine besondere Legitimität, die sie in Gegensatz zu demokratischen Prinzipien treten lässt. Ein prominentes Beispiel ist Simbabwe. Dort galt Präsident Robert Mugabe in den 1980er Jahren als einer der wenigen demokratisch legitimierten Vorzeigepolitiker des Kontinents. Eine Mischung aus selbst verschuldeter wirtschaftlicher Krise, wachsendem gesellschaftlichem Widerstand und zunehmendem Druck von außen brachte ihn in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit in die Defensive, aus der er sich durch Landenteignungen und gewaltsames Vorgehen gegen Oppositionelle zu befreien suchte. Mittlerweile liegt das einst wirtschaftlich und politisch vielversprechende Land völlig darnieder. Mugabe und seine engere Gefolgschaft haben in der Krise immer wieder deutlich gemacht, dass es für sie als Repräsentanten der Befreiungsbewegung völlig inakzeptabel wäre, die durch hohe Verluste und Verzicht errungene Macht in Folge einer Wahlniederlage abzugeben. So dauerte es fast ein Jahr bis Mugabe im Februar 2009 - unter innen- wie außen-politischem Druck - den Gewinner der letzten Wahl, Morgan Tsvangirai, zum Premier von seinen Gnaden ernannte.

Im Gegensatz dazu war Sambia 1991 eines der ersten Länder, nicht nur in der Region, sondern in ganz Afrika, das sich von dem bis dahin gängigen Einparteiensystem verabschiedete. Der langjährige Präsident Kenneth Kaunda ließ zuerst mehrere Parteien zu und dann Wahlen abhalten, die er prompt verlor. Ähnliches passierte in Malawi, Lesotho und Madagaskar, wo Anfang 2009 allerdings gewaltsame Proteste den gewählten Präsidenten in die Flucht schlugen. In Mosambik gelang es der Regierung, den demokratischen Druck in eigene Wahlsiege umzuwandeln, in Angola scheiterte eine erste Wahl 1992, und erst 2008 wurde die Mehrheit der angolanischen Regierungspartei durch eine Wahl bestätigt. In Namibia wurde das Apartheidsystem unmittelbar nach der Unabhängigkeit in ein Mehrparteiensystem umgewandelt, in dem die ehemalige Befreiungsbewegung in den beiden Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit ungefähr drei Viertel der Parlamentssitze kontrollierte. Gleiches war bis zu den Wahlen im Jahr 2009 in Südafrika der Fall. Botsuana und Mauritius wiederum zählen zu den wenigen langjährigen und stabilen Demokratien in Afrika. Diese relativ positive Gesamtbilanz demokratischer Fortschritte in der Region wird allerdings nicht nur durch die autoritären Ausreißer Simbabwe und Swasiland, die einzige absolute Monarchie Afrikas, getrübt. Vielmehr sind die Demokratien des südlichen Afrika mehrheitlich sehr fragiler Natur und leiden nach wie vor unter strukturellen Defiziten: Korruption und Klientelismus, begrenzte staatliche Handlungsfähigkeit und schwache Institutionen, Dominanz der Exekutive über Legislative und Judikative sowie kaum ausbalancierte Parteiensysteme.

Neben diesen überwiegend politischen Kennzeichen des südlichen Afrika gibt es jeweils ein soziales und ein wirtschaftliches, das die Region deutlich von anderen in Afrika unterscheidet. Das südliche Afrika ist global am stärksten von HIV/Aids-Infektionen betroffen. Obgleich die weltweit verbreitete Seuche relativ spät in der Region ankam, galten 2005 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Simbabwes, 24 Prozent Botsuanas, 17 Prozent Sambias, 14 Prozent Malawis und 18 Prozent Südafrikas als infiziert. Nachdem die Regierungen es lange Zeit an Entschlossenheit bei der Aids-Bekämpfung hatten fehlen lassen, sind allerdings seit wenigen Jahren deutliche Erfolge bei der Bekämpfung der Seuche und der Behandlung Infizierter zu erkennen. Dennoch hat beispielsweise in Simbabwe HIV/Aids wesentlich dazu beigetragen, dass die Lebenserwartung von knapp 60 Jahren im Jahr 1990 2007 auf deutlich unter 40 Jahre zurückgegangen ist und das jährliche Bevölkerungswachstum 2006 nur bei einem Prozent lag.

Quellentext

Aids in Swasiland

[...] Das zweitkleinste Land Afrikas, ein Königreich, das man an einem Nachmittag durchqueren kann. [...] Swasiland hat die höchste HIV-Rate der Welt, 39 Prozent tragen die Krankheit in sich. [...] Südlich der Sahara sind insgesamt elf Millionen Kinder durch die Epidemie Waisen geworden [...].
Beim Anflug präsentiert sich das Krisengebiet als gleichgültige Idylle. Von Johannesburg kommend, streift die kleine Propellermaschine über eine Postkartenlandschaft, ein afrikanisches Berner Oberland mit Terrassenfeldern. [...] In Mbabane, der kleinen Hauptstadt, herrscht Einkaufstrubel. [...] Was hatte man erwartet? Abgezehrte Gestalten, Leichen am Straßenrand? [...]
Swasiland ist eine absolute Monarchie. [...] Lange hat der kleine Potentat die heraufziehende Katastrophe in seinem Land ignoriert. Die Verantwortungslosigkeit an der Spitze paarte sich mit ängstlichem, tabubehaftetem Schweigen aufseiten der Untertanen. 1999 begann das große Sterben, doch es vergingen noch einmal kostbare Jahre, bis endlich 2005 Aufklärung in großem Stil einsetzte.
Nun richtete die Regierung einen Nationalen Notstandsrat ein, [...] sein bescheidenes Büro neben einer Tankstelle wurde zum Bezugspunkt für die Minderheit der Kompetenten, Engagierten im Land, auch für die ausländischen Helfer. [...] Ihre Vision: bis 2015 die Epidemie besiegen. Ein traditioneller Swasi-Speer ist das Symbol der Kampagne, ihre Losung: "Eine Nation im Krieg gegen Aids!"
Aber wo ist die Front in diesem Krieg? Wo sind die Kranken, die Toten? Und wo ist die Trauer?
Die Suche führt hinaus aus der Stadt. Wer stirbt, stirbt auf dem Land. Wenn sich die Krankheit nicht mehr verbergen lässt, wenn sie ihr letztes Stadium erreicht, dann gehen auch die Städter dorthin, wo sie einmal hergekommen sind. Kehren zurück auf ihre homesteads zwi-schen den grünen Hügeln, wo das Gras schnell über die frischen Gräber wächst. [...] So sind es nicht Friedhöfe, deren Ausmaß den Swasis vor Augen führt, was mit ihnen passiert - es sind die Kinder, hungrige, verwahrloste, gefährdete Kinder. [...] Thembi Tsabedze rührt mit einem Stock durch den Maisbrei. [...]. Auf dem Feuer steht ein schwarzer Kessel, zwei, drei Stunden muss der Brei kochen. Es sind 39 Portionen, 39 Waisenkinder aus der Umgebung essen hier jeden Tag. [...] Der schwarze Topf auf dem qualmenden Feuer ist ein Symbol notdürftiger Hoffnung. Durch ganz Swasiland zieht sich eine Spur dieser Töpfe, sie sind alle identisch, groß, schwarz und schwer, Unicef hat sie geliefert. Mehr als 400 Töpfe sollen es sein - simpelste Essensstationen für 33 000 Waisen.
Thembi Tsabedze kommt nun schon seit drei Jahren, kocht ehrenamtlich, jeden Tag das Gleiche, diesen Brei; es ist nichts anderes da. [...] Thembi Tsabedze steht um 4.30 Uhr mit der Sonne auf, dann kocht sie erst für die eigene Familie, [...]. Ab neun Uhr ist sie an der Lehmhütte, schleppt mit ein paar anderen Frauen erst einmal 25 Liter Wasser heran, die Wasserstelle ist zwei Kilometer entfernt. [...]
Niemand dankt diesen Frauen. Sie bekommen keinen Cent vom Staat und meistens nicht einmal Anerkennung von ihren Ehemännern; mancher holt sich sogar eine neue Frau - weil ihn die Hüterin der Waisen vernachlässige. Und manchmal ist die Gemeinde neidisch, weil für die schwarzen Töpfe Säcke mit gespendetem Maismehl vom Welternährungsprogramm kommen. [...]
Neighbourhood-Care-Point, diesen glanzvollen Namen gab Unicef dem schwarzen Topf, der Feuerstelle und dem gespendeten Sack Maismehl - also der Idee, die Waisen dort zu versorgen, wo sie leben, in der Gemeinde, der Nachbarschaft. [...] Nur ist es meistens nicht die Nachbarschaft, nicht die ganze Gemeinde, die sich verantwortlich fühlt, es sind ausschließlich Frauen.
[...] Zu den ärmsten Ländern Afrikas zählt das kleine Königreich keineswegs - obwohl zwei Drittel der Swasis tatsächlich sehr arm sind und von weniger als einem Dollar am Tag leben. Und die Besitzenden sind nicht nur eine winzige Clique, sondern etwa zehn Prozent der Bürger: die städtische Mittel- und Oberklasse sowie die Creme der verzweigten Königsfamilie. [...]
König Mswati III. steht noch immer über dem Gesetz. Er und sein regierender Clan haben es verstanden, ihren Machterhalt in den Mantel von Kultur und Tradition zu hüllen - und im Ausland wurde lange akzeptiert, dass jeglicher Wandel nur langsam kommen dürfe. Heute nimmt sich die Regierungspolitik der Aids-Krise zwar an, doch der verschwenderische Lebensstil des Königs bleibt sakrosankt.
Und es ist nicht der König allein. Die gesamte Kaste der Wohlhabenden hat in diesem inbrünstig christlichen Land nicht einmal eine Kultur der Mildtätigkeit entwickelt. Obwohl alle, die lesen können, die hohe Infektionsrate kennen, schützt sie eine Art kollektiver Blindheit vor der Wahrnehmung der Realität.
[...] Der Kern der Krise lässt sich noch genauer fassen: Patriarchat, König, Kirche - ein fataler, todbringender Dreierbund. Der polygame König lebt ein Ideal von Männlichkeit vor: viele Frauen! Jungfrauen! Doch die traditionelle Mehrfach-Ehe kann sich kaum ein Swasi mehr leisten: Eine einzige Ehefrau kostet bereits 15 Rinder Brautpreis. Dem königlichen Vorbild an Virilität zu folgen bedeutet also Fremdgehen, Gelegen-heitssex, notfalls Vergewaltigen. Die Kirchen haben sich mit der Polygamie arrangiert - obwohl in den Gottesdiensten die Frauen genauso in der Überzahl sind wie in den HIV-Veranstaltungen. Doch allmählich keimt Kritik. [...]

Charlotte Wiedemann, "Das Land der Waisen", in: DIE ZEIT Nr. 31 vom 26. Juli 2007


Das südliche Afrika ist darüber hinaus die wirtschaftlich weitaus stärkste Region des Kontinents. Das liegt vor allem an Südafrika, das mit seiner diversifizierten Industriestruktur, mit seiner weit entwickelten Landwirtschaft, insbesondere aber mit seinem florierenden Bergbausektor circa ein Drittel des kontinentalen Bruttoinlandsprodukts stellt. Namibia und Botsuana verzeichnen für afrikanische Länder relativ hohe Durchschnittseinkommen, die im Wesentlichen auf dem Export von Rohstoffen beruhen. In den vergangenen Jahren haben auch Mosambik und Sambia deutliche Fortschritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung gemacht. Angola ist mittlerweile vor Nigeria der wichtigste Erdölproduzent Afrikas.

Die Region könnte unter positiven weltwirtschaftlichen Vorzeichen, und wenn sie sich wirtschaftlich stärker integrieren würde, der attraktivste und dynamischste Markt und Produktionsstandort Afrikas sein. Entsprechend wird im südlichen Afrika der regionalen Integration zumindest rhetorisch hohe Bedeutung beigemessen. Das wichtigste Organ dieser Integration ist seit 1992 die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC/Southern African Development Community). Als Südafrika 1994 beitrat, sah man sich dem Ziel, eine wirtschaftliche und politische Union im südlichen Afrika zu schaffen, einen entscheidenden Schritt näher. Seither ist die Bilanz eher enttäuschend. Bei der Reform ihrer Institutionen und der Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums hinkt die SADC ihrem eigenen Zeitplan weit hinterher. Das liegt einmal an der ökonomischen Kluft zwischen Südafrika und den restlichen SADC-Mitgliedern, zum Anderen an der Furcht, von Südafrika politisch dominiert zu werden.

Eine erfolgreiche regionale Integration würde das internationale Gewicht des südlichen Afrika stark erhöhen. Bisher basiert es fast ausschließlich aus der hervorgehobenen Rolle, die Südafrika in internationalen Organisationen und Foren als einer der wenigen gewichtigen Staaten Afrikas mit einer demokratisch legitimierten Regierung spielt. Dieses positive Bild Südafrikas und die überwiegend positive Wahrnehmung der Region insgesamt, die allein durch die Vorgänge in Simbabwe negativ getrübt wird, bergen die Gefahr, dass die Vielschichtigkeit der Herausforderungen im südlichen Afrika ausgeblendet wird.




 

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