Kampf um die Menschenrechte
Der Weg von der Idee der Menschenrechte bis zu ihrer Formulierung, Verbreiterung und Ausgestaltung in der Praxis war lang und keineswegs gradlinig. Menschenrechte mussten immer gegen Widerstände erkämpft werden.
Als Vorsitzende der UN-Menschenrechtskommission war Eleanor Roosevelt maßgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt. Hier ist sie mit einem Poster der Deklaration in spanischer Sprache zu sehen. (© UN Photo)Einleitung
Immer wieder haben sich einzelne Gruppen, Schichten und Völker gegen Benachteiligung und Unterdrückung gewehrt oder erhoben, ohne sich auf ein fundiertes Widerstandsrecht stützen zu können. In diesen Auseinandersetzungen entwickelte sich aus dem Rückblick betrachtet die Menschenrechtsidee wie ein Mosaikbild, dessen Steine räumlich und zeitlich getrennt gesetzt werden können und - solange sie nicht zu einem Ganzen vereinigt sind - von begrenzter Wirkung bleiben. Wenn wir im Zeitraffer das nachvollziehen, was über Jahrhunderte an verschiedenen Orten und für bestimmte Menschen erkämpft wurde, so bedeutet das, nur Meilensteine auf dem kürzesten Wege zu den großen Menschenrechtserklärungen herauszugreifen und Rückschläge und Nebenstraßen außer Acht zu lassen.
Befreiung des Individuums
Das Mittelalter kannte noch keine persönlichen Freiheiten für alle, sondern nur gemeinsame Rechte für einzelne Stände. Diese Privilegien wurden "von oben" gewährt und "nach unten" meist sorgsam verteidigt. In diesem Rahmen ist auch die berühmte Magna Carta Libertatum von 1215 zu sehen, die englische Barone ihrem König abgetrotzt haben. Diese "Große Urkunde der Freiheiten" wurde später zum Grundstein des englischen Verfassungsrechtes umgedeutet. In Wirklichkeit bot sie noch keinen Ansatz für eine demokratische Entwicklung, da in ihr hauptsächlich geltendes Lehensrecht verbrieft wurde. Doch enthielt die Urkunde bereits den zukunftsweisenden Satz: "Kein freier Mann soll verhaftet oder eingekerkert oder um seinen Besitz gebracht oder geächtet oder verbannt oder sonst in irgendeiner Weise ruiniert werden [...], es sei denn auf Grund eines gesetzlichen Urteils."
Diese wichtige Bindung der Staatsgewalt an Recht und Gesetz, die freilich noch nicht jedermann zugute kam, fand schließlich in der "Habeas-Corpus-Akte" (lat. nach dem Anfang aller Haftbefehle: habeas corpus, "du sollst den Körper haben") von 1679 ihre folgerichtige Erweiterung. Fortan sollte jeder Untertan der englischen Krone vor willkürlicher Verhaftung geschützt sein und das Recht besitzen, eine richterliche Überprüfung der Zulässigkeit seiner Verhaftung zu verlangen. Jener bedeutende Rechtssatz zum Schutz der persönlichen Freiheit des Einzelnen wurde im Kampf des englischen Parlaments mit einer absolutistischen Königsherrschaft gewonnen.
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