Unternehmen und Produktion
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Von der Selbstversorgung zum Weltmarkt


7.3.2007
Schon vor über 10000 Jahren begannen die Menschen, sich in ihrem wirtschaftlichen Handeln zu spezialisieren. Zunehmende Arbeitsteilung und technologische Fortschritte brachten seitdem enorme Produktivitätssteigerungen und unterschiedlichste Unternehmensformen hervor.

Während des Krieges arbeiteten Frauen in Bereichen, die als typische Männerarbeitsplätze galten.Während des Krieges arbeiteten Frauen in der Fabrik. (© Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel.)

Einleitung



Vor mehr als 10 000 Jahren sorgten die Menschen als Sammler und Jäger umherziehend selbst für ihren eigenen Lebensunterhalt, indem sie sich von Wild, Fischen, Körnern, Kräutern und Früchten nach dem Rhythmus der Natur ernährten. Waren die Bestände der Natur an ihrem Aufenthaltsort erschöpft, mussten sie weiterziehen. Durch die "Erfindung" des Ackerbaus in der Jungsteinzeit - die Neolithische oder erste wirtschaftliche Revolution vor 10 000 Jahren zunächst in Kleinasien, dann in China und Mexiko - konnten die Menschen sich niederlassen, ihre Äcker bestellen und Haustiere halten. Damit begann das geplante und organisierte Wirtschaften, die Menschen spezialisierten sich, und die ersten Berufe entstanden. Da sich durch die Spezialisierung von einzelnen Gütern mehr herstellen ließ als zum Leben nötig war, aber nicht alle Menschen die Güter herstellten, die sie benötigten, entwickelte sich der Handel zwischen verschiedenen Gruppen und schließlich auch zwischen unterschiedlichen Ländern und Regionen. Mit der Entwicklung neuer Verarbeitungsmethoden in der Bronzezeit (Ende des 3. Jahrtausends vor bis Beginn des 1. Jahrtausends nach Chr.) konnten Metalle geschmolzen und Lebensmittel haltbar gemacht werden. So wurde auch ein längerer Transport der Produkte möglich, und die Menschen mussten sich nicht mehr dort niederlassen, wo sie direkt die natürlichen Rohstoffe vorfanden. 4000 v. Chr. entstanden die ersten befestigten Städte - ebenfalls in Kleinasien.

Geldwirtschaft

Wenn aber nun immer mehr Menschen immer mehr Waren tauschten, hätte jeder immer genau den finden müssen, der das Produkt anbot, das er selbst brauchte, während er selbst wiederum das Produkt anbot, das der andere benötigte - und das selbstverständlich in der Menge, über die sich beide einig werden konnten. Statt eines solchen umständlichen Prinzips Ware gegen Ware wählten die Menschen Umwege. Sie verständigten sich auf Waren, die gegen alle anderen getauscht werden konnten. So dienten in der Vergangenheit Salz, Rinder, Kaurimuscheln, Felle oder auch Gold und Silber als Geld. Mit der Erfindung der Münzprägung circa 700 v. Chr. wurde der Handel erheblich erleichtert. Münzen hatten den Vorteil, dass sie nicht verdarben, leicht transportierbar und vor allem auch teilbar waren. Die Erfindung der Schrift 4000 v. Chr. durch die Sumerer ermöglichte es den Kaufleuten, die Vereinbarungen über zu liefernde Leistungen und die dafür erforderlichen Gegenleistungen als Verträge festzuhalten, aber erst die Römer regelten ab 450 v. Chr. die Beziehungen der Menschen durch das Privatrecht und ahndeten Vergehen durch das Strafrecht.

Die erwirtschafteten Überschüsse schufen Freiräume, um sich kulturellen, musischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten zu widmen, die bis dahin zum Überleben nicht dringend erforderlich waren. Zugleich stellte sich aber auch die Frage, wer der rechtmäßige Eigentümer der Überschüsse war. Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) vermutete, dass die Gesellschaft besser vorankäme, wenn jeder für das seinige sorge. Das Privateigentum galt ihm als Basis der Freiheit. Seine Hoffnung, dassdas Privateigentum Konflikte mindern könnte, trogallerdings. Denn mit denunterschiedlichen Erträgen gingen nicht nur Neid und Missgunst einher. Auch Diebstahl, Betrug, Plündereien und Krieg gedeihen bei ungleichen Lebensbedingungen, die vielfach als ungerecht erlebt werden, ebenso wie bei existenziellen Nöten.

Das Ende des römischen Weltreichs führte auch zu einem starken Rückgang des florierenden Handels zwischen den Ländern. Im frühen Mittelalter entwickelten sich zahllose autarke Einzelwirtschaften, die den Güterbedarf auf den Marktplätzen regelten. Hier trafen sich die Handwerker, die sich in den Städten des Hochmittelalters zu Zünften zusammenschlossen. Sie legten nicht nur Preise und Mengen unabhängig von der Nachfrage fest, sondern bestimmten auch darüber, wer das Handwerk ausüben durfte. So sicherten sie zwar ihre eigene Existenz, standen aber auch Neuerungen eher kritisch gegenüber.

Merkantilismus

Seit dem 16. Jahrhundert griffen die Staatslenker einiger europäischer Mächte massiv in den Wirtschaftsprozess ihrer Länder ein, um die Steuereinnahmen und Goldreserven zu erhöhen. So förderte Jean Baptiste Colbert (1619-1683), Finanzminister König Ludwigs XIV. von Frankreich, die Entstehung von Manufakturen, in denen die Handwerker in großer Zahl zusammengefasst wurden. Sie konnten so wesentlich mehr Produkte erstellen, als jeder für sich alleine erarbeitet hätte, auch wenn sie letztlich nur auf ihre Muskelkraft angewiesen waren. Preise, Mengen und Qualitäten wurden durch die staatliche Wirtschaftspolitik vorgegeben. Vermehrte Steuereinnahmen versetzten die absolutistischen Herrscher in die Lage, stehende Heere aufzubauen und teure Kriege zu führen, und dienten außerdem dazu, einen wachsenden Verwaltungsapparat zu bezahlen sowie das verschwenderische Leben an den Fürstenhöfen zu finanzieren. Da Staatseinnahmen Vorrang hatten vor der Güterversorgung des Landes, wurde der Export gefördert, der Import aber massiv behindert. Dieses Wirtschaftssystem, bekannt als Merkantilismus (von lat. mercari, Handel treiben), war in Europa bis ins 18. Jahrhundert vorherrschend. Für den Wirtschaftshistoriker und Nobelpreisträger Douglass C. North bewirkten vor allem die Fortschritte in der Militärtechnik die Ausdehnung der Staaten, die nun gezwungen waren, Eigentumsrechte zu vergeben und politische Zugeständnisse zu machen, um sich ein funktionstüchtiges Militärwesen zu schaffen.

Industrielle Revolution

Mit der Erfindung der Dampfmaschine durch den Schotten James Watt 1765 konnten Fabriken entstehen, in denen durch Dampfkraft angetriebene Produktionsmaschinen ein Vielfaches dessen erzeugten, was zuvor durch Handarbeit möglich gewesen war. Mit dem aufziehenden Industriezeitalter, das sich in Europa und den USA im Verlauf des 19. Jahrhunderts vollends durchsetzte, entstand ein immenser Bedarf an Kapital, aber gleichzeitig wurde auch ein großes Kapitalangebot geschaffen. Daher rührt auch der Begriff des Kapitalismus, der im deutschsprachigen Raum erstmals in den Schriften von Karl Marx belegt ist und eine arbeitsteilige Produktion mit bürgerlichem Privateigentum an den Produktionsmitteln bezeichnet. Die meisten Unternehmer, die neue Produkte oder neue Maschinen auf den Markt bringen wollten - wie etwa Glühbirnen und Elektrogeräte (Thomas Alva Edison), optische Geräte (Carl Zeiss), Motoren (Gottlieb Daimler, Karl Benz), die Massenfertigung von Autos (Henry Ford), konnten den immensen Kapitalbedarf weder allein durch ihr Eigenkapital noch durch Fremdkapital bewältigen. Sie gründeten Aktiengesellschaften, die den Vorteil hatten, das Eigenkapital zu erhöhen, da sich viele Menschen als Aktionäre bei geringem Risiko am industriellen Wachstum beteiligen konnten, während der ursprüngliche Privateigentümer im Falle des Ruins auch mit seinem gesamten Privatvermögen haften musste. So schufen die neuen Unternehmen im Industriezeitalter neue, aber auch wesentlich günstigere Produkte, die handwerkliche Produktionen verdrängten und den ehemaligen Produzenten die Existenzgrundlage nahmen. Dies ging jeweils so lange gut, bis sie durch eine andere Innovation bei Produkten oder Produktionsprozessen selbst zerstört wurden. Mit den neuen Kapitalgesellschaften entwickelte sich während der Industrialisierung die Trennung von Eigentum und Führung: Die Aktionäre wurden die Eigentümer des Unternehmens, während angestellte Manager dessen Führung übernahmen.

Die Gewinne aus der Spezialisierung nach der industriellen Revolution führten zu einem beispiellos hohen Lebensstandard der westlichen Welt, gleichzeitig wuchsen aber auch die Folgekosten der Spezialisierung. Diese Spannung zwischen den Spezialisierungsgewinnen und ihren Folgekosten bezeichnet Douglass C. North als Ursache für die Herausbildung wirtschaftlicher Strukturen und ihres Wandels, aber gleichzeitig auch als Kern der modernen Probleme politischer und wirtschaftlicher Leistung. Heute existieren Zweifel, ob sich das bisherige Wirtschaftswachstum, das zu beispiellosen Innovationen und einer noch vor 100 Jahren unvorstellbaren Güterversorgung geführt hat, fortsetzen lässt. Der harte internationale Standortwettbewerb erzwingt technologische und arbeitsorganisatorische Produktivitätsfortschritte, die vor allem einfache Tätigkeiten überflüssig werden lassen, derweil ein angemessenes, Beschäftigung sicherndes Wachstum kaum in Sicht ist und auch an ökologische Grenzen stößt. Doch betrachten wir zunächst die Funktion und die Auswirkungen eines Grundphänomens aller wirtschaftenden Gesellschaften: Arbeitsteilung und Spezialisierung.



 

Dossier

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Arbeitsmarktpolitik ist in der Bundesrepublik Deutschland eines der wichtigsten Politikfelder überhaupt. Sie ist einerseits "wahlentscheidend" und greift andererseits tief in die individuellen Belange der Bürger ein. Das Dossier stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik, die Ziele und die Akteure, die gesetzlichen Grundlagen und die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor. Weiter...