Volksrepublik China
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Bildung und Forschung


2.3.2006
Bildung genießt in China traditionell hohen Stellenwert als Voraussetzung sozialen Aufstiegs. Obwohl die öffentlichen Ausgaben dafür niedrig sind, hat China den Ehrgeiz, bei Forschung und Technik Weltniveau zu erreichen.

Buchhandlung in Peking.Buchhandlung in Peking. (© AP)

Bildungswesen im Zeitenwandel



Das staatliche Bildungswesen im kaiserlichen China bis 1911 diente der Auswahl geeigneter Anwärter für öffentliche Aufgaben. Bildung wurde als ganzheitlicher Prozess in gesellschaftlicher, ethischer und politischer Perspektive verstanden. Der Gelehrte war moralisches Vorbild, Quelle von Wissen und Autorität in praktischen Entscheidungen. Dieses Verständnis von Bildung weist spezialisiertem Wissen, Technik und Künsten einen nachgeordneten Stellenwert zu.

Das Studium identischer Inhalte schuf ein Reservoir an gemeinsamen kulturellen Bezugspunkten. Diese Grundausrichtung stabilisierte den zentralistischen Staat. Sie sorgte, trotz einiger Brüche, über viele Jahrhunderte für seine Stabilität und Erneuerung, vor allem durch den Gedanken des sozialen Aufstiegs und der "Herrschaft der Besten" ("Meritokratie"). Das traditionelle Bildungssystem scheiterte im 19. Jahrhundert an seiner formalistischen Erstarrung. Es fand keine Antwort auf den Imperialismus europäischer Mächte, die China mit aggressivem Handel und überlegener Technologie herausforderten.

Nach dem Fall des Kaiserreiches 1911 öffnete sich das Bildungswesen und orientierte sich, vor allem während der Zeit der Republik von 1912 bis 1949, an den Prinzipien der Wissenschaft und Demokratie. Dadurch sollte China in die Moderne geführt werden und mit den führenden Mächten Europas und Nordamerikas Schritt halten können. Insbesondere erwarteten die Reformer eine Steigerung der technischen Fähigkeiten, die Mobilisierung der Produktivkräfte und den Aufbau einer humanen Gesellschaft.

Unter Mao Zedong lebten Teile der Bildungstradition zunächst fort, ergänzt durch die Lehre des Marxismus-Leninismus. Mit der Kulturrevolution ab 1966 vollzog sich allerdings ein drastischer Einbruch. Mehrere Jahre lang blieben Schulen und Universitäten geschlossen, Lehrkräfte, Intellektuelle, kurz alle Angehörigen der geistigen Elite wurden verfolgt. In den "zehn verlorenen Jahren" von 1966 bis 1976 verpasste eine ganze Generation ihre Bildungschancen.

Aktuelle Situation

Seit 1976 etablierte sich wieder eine bildungsfreundlichere Politik. Heute durchläuft Chinas Bildungspolitik erneut einen tief greifenden Wandel. Dieser ist durch marktwirtschaftliche Reformen und den teilweisen Rückzug von Staat und Ideologie geprägt.

1996 wurde eine Schulpflicht von neun Jahren eingeführt, die jedoch bis heute nicht landesweit greift. Viele drei- bis sechsjährige Kinder besuchen einen kostenpflichtigen Ganztageskindergarten. Siebenjährige treten in die sechs Jahre dauernde Grundschule ein. Vom 13. bis zum 15. Lebensjahr dauert die Unterstufe der Mittelschule (= Sekundarschule). Der Unterricht erfolgt in Ganztagsschulen. Ungefähr ein Drittel der Schülerinnen und Schüler besteht anschließend die Aufnahmeprüfung zur dreijährigen Oberstufe (= Sekundarschule II). Danach beginnt ein vier- bis fünfjähriges Studium zum Bachelor oder ein zwei- bis dreijähriges Fachhochschulstudium. Ein Medizinstudium dauert fünf Jahre. Für den Graduiertenabschluss braucht man zusätzlich drei Jahre.

Schülerinnen und SchülerSchülerinnen und Schüler
Wichtige Steuerungsinstrumente im Bildungssystem sind standardisierte Aufnahmeexamen. Die Auswahlkriterien wurden 1977 im Zeichen der "Vier Modernisierungen" revidiert, um den schnellen Aufbau der Landwirtschaft, der Industrie, der Verteidigung sowie von Wissenschaft und Technik zu erreichen. In der neueren Bildungspolitik werden politische Tugenden technischen und sprachlichen Fertigkeiten nachgeordnet.

Quellentext

Schulischer Leistungsdruck

Morgens um halb sechs beginnt für You Jianing der Tag. Eine Stunde fährt die 14-jährige Pekingerin mit dem Bus von ihrem Zuhause, einer grauen Hochhausanlage außerhalb der vierten Ringstraße, zur Schule in die Stadt. Mit ihren Mitschülern putzt sie erst das Klassenzimmer und bereitet sich dann kurz auf den Stoff des Tages vor. Um 7.30 Uhr ist Unterrichtsbeginn. You lernt fünf Stunden am Morgen und vier bis fünf Stunden am Nachmittag. Mathe, Chinesisch, Physik, Chemie, Englisch. Abends um sechs oder sieben kommt das Mädchen nach Hause. "Dann mache ich Hausaufgaben, aber nicht länger als drei Stunden", erzählt sie. Um zehn oder elf fällt das Mädchen erschöpft ins Bett.
You Jianing ist keine Ausnahme. Weil Millionen chinesische Familien davon träumen, ihre Kinder auf eine Universität zu schicken, herrscht an den Schulen ein knallharter Leistungsdruck. "Um auf eine gute Universität zu kommen, müssen die Kinder auf eine gute Oberschule. Und um dorthin zu kommen, müssen sie auf eine gute Mittelschule, und vorher auf eine gute Grundschule", sagt der Soziologe und Rektor der Pekinger Limai Schule, Fang Xuanchu. "Das ist ein böser Kreislauf." Der Wettkampf beginnt oft schon im Kindergarten, wenn Pädagogen die Kinder für Aufnahmeprüfungen zur Grundschule trimmen. [...] An der Wand von Yous kleinem Zimmer, in das gerade einmal ein Schülerschreibtisch und ihr Fahrrad passen, hängen Karteikarten mit englischen Redewendungen. "Damit kann ich mir die Wörter besser merken", erklärt das Mädchen mit dem hübschen, schmalen Gesicht, das die Haare zum Pferdeschwanz bindet. Auch abends nach der Schule trägt sie ihre Schuluniform, einen blau-weißen Trainingsanzug.
Ende der siebziger Jahre führte Chinas Regierung die Ein-Kind-Politik ein. Eine Folge ist, dass sich heute in vielen Familien der gesamte Ehrgeiz auf den einzigen Sohn oder die einzige Tochter überträgt. You würde später gerne mal auf der Fudan-Universität in Shanghai studieren, erzählt sie. Um dorthin zu kommen, muss sie am Ende ihrer Schulzeit mit Millionen anderen aus ihrem Jahrgang an einer Aufnahmeprüfung für die Universität teilnehmen, dem gefürchteten "gao kao". Die Auslese ist hart. Nur die Hälfte aller Prüflinge erhält einen Studienplatz. Um auf eine der Prestigeuniversitäten in Peking oder Shanghai zu gelangen, deren Abgänger die besten Jobs in der Wirtschaft oder der Regierung ergattern, brauchen die Schüler die höchsten Punktzahlen. [...] "Punkte, Punkte - das ist die Lebensquelle der Schüler", lautet ein Spruch an Chinas Schulen. You kennt den Prüfungsdruck. Im kommenden Jahr wird sie an einem Test teilnehmen, der darüber entscheidenwird, auf welche Oberschule sie in Zukunft geht. "Nummer 80 ist gut, aber auch Nummer Vier oder Nummer Zwei", sagt You. Die Ziffern sind die Nummern der staatlich-geförderten Schlüsselschulen in Peking. You weiß, dass nur die Besten auf die Eliteschulen kommen, die als Eintrittsticket zu den guten Universitäten gelten. "520 Punkte brauche ich". Maximal werden bei den Prüfungen zur Oberschule 570 Punkte vergeben. Wenn sie es nicht schafft? Dann müsse die Familie 30 000 Yuan zahlen, sagt Mutter Yang Hong. Soviel koste die Aufnahmegebühr zu einer der besseren Pekinger Oberschulen. Umgerechnet 3000 Euro - für viele Pekinger ist das mehr als ein Jahresgehalt.
Für You besteht das Leben deshalb aus Pauken. "Meistens reicht der Samstag nicht, um alle Hausaufgaben zu machen", erzählt sie. Wenn sie Glück hat, bleiben ihr am Sonntag manchmal zwei, drei Stunden, um Badminton zu spielen oder sich mit ihrenFreundinnen zu treffen. [...] Für viele junge Chinesen ist der Druck zu groß. Ärzte und Lehrer schlagen Alarm, weil die Zahl der psychischen Erkrankungen und Störungen bei Schülern steigt. [...]

Harald Maass, "Lebenslanger Kampf", in: Frankfurter Rundschau vom 15. November 2005


Das Hochschulsystem in China umfasst insgesamt etwa 1050 Einrichtungen, darunter 190 Universitäten. Die Zulassung wird rigide gesteuert. Insgesamt werden pro Jahrgang circa elf Prozent der 18- bis 22-jährigen Bewerberinnen und Bewerber an Universitäten und 15 Prozent an anderen Hochschulen aufgenommen. 31 Universitäten haben Fernstudiengänge für eine weitere Million Studienanfänger eingerichtet. Seit 1990 hat sich die Anzahl der Absolventen von 614 000 auf 2,8 Millionen im Jahre 2004 mehr als vervierfacht. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler und der Studierenden stieg seit 1985 um etwa ein Drittel auf 321 Millionen in 2001. Derzeit studieren 2,1 Millionen Studentinnen und Studenten aus China im Ausland, bis 2020 soll die Zahl auf 5,8 Millionen anwachsen. Im staatlichen Interesse liegt es, durch rückkehrende Studierende Kompetenz ins Land zu holen (brain gain) und Kooperationen mit internationalen Universitäten zu etablieren. Dafür wird geduldet, dass eine beträchtliche Zahl nicht zurückkehrt (brain drain). Die politischen Vorgaben nach dem 10. Fünfjahrplan (2001-2005) betonen lebenslanges Lernen, Erwachsenenbildung und die Fähigkeit des Einzelnen, durch kreative Leistungen die Innovationsrate des Landes zu erhöhen. China will auf dieser Grundlage zu einer international wettbewerbsfähigen Wissensgesellschaft aufsteigen.

Quellentext

Trend zum Auslandsstudium

Ungefähr jeder vierte Auslandsstudent der Erde ist Chinese, melden die offiziellen Pekinger Medien nicht ohne Stolz. China stellt das größte Kontingent an jungen Leuten, die nicht im Land ihrer Geburt und ihrer eigenen Sprache studieren. [...]
Erst im Dezember 1978 hat die Regierung es erlaubt, an fremden Hochschulen zu studieren. In die USA durften 52 nicht mehr ganz junge Qualifizierte ausreisen, der jüngste war 36, der älteste 49 Jahre alt. Andere gingen nach Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan und Kanada, zusammen etwas mehr als 800. Es war ein Anfang nach dreißig Jahren Abschottung, von der allerdings die "sozialistischen Bruderstaaten" nicht betroffen waren.
Inzwischen ist die Millionengrenze längst überschritten. Und längst überwiegt die Gruppe derjenigen, die ihren Aufenthalt in fremden Ländern selbst finanzieren; in den frühen achtziger Jahren haben staatliche Instanzen und Unternehmen - "Arbeitseinheiten" - noch über 90 Prozent der Auslandsstudenten ausgesucht und ihnen das Studium bezahlt.
Das Zahlenverhältnis hat sich inzwischen genau umgekehrt, wie die Beijing Rundschau anmerkt. Das Durchschnittsalter der Studierenden ist merklich gesunken. [...]
Die Motive für ein Auslandsstudium sind vielfältig. Die Staatsführung ist dringend daran interessiert, Fachkräfte für die wirtschaftliche Entwicklung zu gewinnen, die technische und ökonomische Kenntnisse, Fremdsprachenkenntnisse und internationale Kontakte vorweisen. Sie will den Standard der eigenen Universitäten durch auslandserfahrene Lehrkräfte anheben.
Sie bemüht sich, politische Führungspositionen mit im Ausland gebildeten Akademikern zu besetzen. Das ist allerdings nicht neu; die so genannte "Dritte Generation" der Staatsführung seit etwa 1990 bestand zu einem großen Teil aus Absolventen sowjetischer Hochschulen, überproportional Experten der Wasserwirtschaft und des Staudammbaus.
Viele Oberschul-Absolventen, welche die strengen Aufnahmeprüfungen der Eliteuniversitäten nicht bestehen, gehen lieber ins Ausland, als dass sie sich bei Hochschulen minderen Ansehens nochmals bewerben. Dabei handelt es sich meist um die Nachkommen reich gewordener Eltern, des so genannten neuen oberen Mittelstandes, um den die Partei wirbt und den sie an sich bindet. Diese jungen Leute sind - wieder laut Beijing Rundschau - "überzeugt, dass das Studium fortgeschrittener Technologien im Ausland ihnen helfen kann, Karriere zu machen", und zwar außerhalb der staatlich organisierten Laufbahnen.
Doch sehr viele bleiben im Ausland. Nach der Repression des Jahres 1989, die besonders die jungen Intellektuellen traf, entschieden sich viele dafür, nicht heimzukehren. Der Trend ist erst vor rund vier Jahren umgekehrt. Im Jahr 2000 sind erstmals mehr als zehntausend Auslandsstudenten nach China zurückgekommen, 2003 schon über 20 000, insgesamt seit dem Beginn der Öffnung etwa jeder Vierte. [...]
Der Umweg über das Ausland, bevorzugt das englischsprachige, erhöht die Chancen. Und wer ihn finanzieren kann, wird nach der Heimkehr zu den Stützen der Gesellschaft gehören. [...]

Karl Grobe, "Chinesen im Ausland", in: Frankfurter Rundschau vom 15. November 2005


Trotz beachtlicher Steigerungsraten liegen die öffentlichen Ausgaben für Bildung mit nur 3,4 Prozent des BIP auf dem Niveau der am wenigsten entwickelten Länder (Indonesien: zwei Prozent, Nordkorea: 4,2 Prozent nach UNESCO 2001). Zugleich etabliert sich der private Bildungssektor als zweites Standbein der Bildung. Hier setzt China auf Kommerzialisierung und Internationalisierung. Der nichtstaatliche Anteil hat von 1991 bis 2002 ein Drittel der Ausgaben für Bildung erreicht. Er wird von Firmen, gesellschaftlichen Organisationen und Privatpersonen aufgebracht. Dieser Sektor profitiert auch von der Bereitschaft privater Haushalte der Mittel- und Oberschicht, ihren Kindern eine gute Bildung zu finanzieren.

Insgesamt ist der Bildungsgrad der chinesischen Bevölkerung noch niedrig. Die Volksbefragung von 2003 hat ergeben, dass 32,7 Prozent nur über den Bildungsstand der Grundstufe verfügen und dass nicht mehr als 16,7 Prozent über die 9. Klasse hinaus eine Schule besucht haben. Die neunjährige Schulpflicht ist noch nicht landesweit durchgesetzt. Hierfür sind die erheblichen sozialen Unterschiede zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung sowie infrastrukturelle Probleme der unterentwickelten Regionen verantwortlich. Zwar hat der Analphabetismus 1990 bis 2002 von rund 16 auf neun Prozent abgenommen, aber die Analphabetenrate auf dem Lande war 2003 mehr als doppelt so hoch wie die in den Städten (11,5 gegenüber 5,4 Prozent). Der Anteil bei den Frauen liegt mit 16 Prozent deutlich über dem der Männer (fünf Prozent). Hohe Bildungsdefizite bestehen auch bei den über 60- und den unter 15- jährigen.


Wissenschaftsförderung



Forschung und Entwicklung auf Weltniveau sollen Chinas Modernisierung voran bringen. Seit es 1986 erstmals aufgelegt wurde, wird das staatliche "863" oder "Fackel"-Programm immer weiter ausgebaut und ergänzt. Es fördert besonders die Grundlagenforschung zu Schlüsseltechnologien, die zur Verbesserung der Lebensqualität oder zur Innovation beitragen sollen. An diesem Programm haben bis 2001 mehr als 3000 Institute mit 20 000 Forschern teilgenommen.

Die Kommunistische Partei stellte 1995 die Weichen für eine Strukturreform von Wissenschaft und Technik nach Maßgabe der "sozialistischen Marktwirtschaft". Probleme der Gesellschaft wie Bevölkerungskontrolle, Ernährung, Gesundheit und Umweltschutz sollen nunmehr "wissenschaftlich" gelöst werden.

Die Nationale Stiftung für Naturwissenschaften (NNSFC) hat vom Wissenschaftsministerium einen Großteil der Aufgaben der Forschungsförderung übernommen. Die Stiftung ist nach Grundsätzen des Wettbewerbs aufgebaut, wird von internationalen Fachleuten beraten und zeigt sich weitgehend frei von direkter politischer Einflussnahme. 1999 verfügte die NNSFC über einen Etat von etwa 100 Millionen Euro, der jedes Jahr um 20 Prozent wächst. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählt die Förderung von Nachwuchsforschern und unterentwickelten Regionen in Zentral- und Westchina. Außerdem wird der Austausch von Forschern (Gastwissenschaftlern) mit anderen Ländern unterstützt. Herausragende Ergebnisse wurden bereits mit der Entschlüsselung des Reisgenoms, dem Beitrag Chinas zur Entschlüsselung des Humangenoms, in der Forschung zu Insektiziden, Arzneien, Impfstoffen und der Wirkung traditioneller chinesischer Medizin vorgelegt. Weitere Schwerpunkte bilden Nanotechnologie (Forschung und Konstruktion in sehr kleinen Strukturen - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter) und physikalische Materialforschung. Seinen Anspruch als globale Forschungsmacht untermauerte China 2003 mit dem ersten "Taikonauten" (Bezeichnung der internationalen Medien für chinesische Raumfahrer) im Weltall.

China wirbt mit besonderen Standortfaktoren um internationale Zusammenarbeit. Es bietet großzügige Rahmenbedingungen auch für international umstrittene Forschung, etwa in den Lebenswissenschaften, Humangenetik und Stammzellforschung. So ist die verbrauchende Erforschung menschlicher Embryonen bis zum 14. Lebenstag erlaubt. Niedrige Personalkosten für gut qualifizierte, hoch motivierte Arbeitskräfte bilden zusammen mit einigen Forschungsinstituten von Weltrang ein starkes Potenzial für die künftige Entwicklung. Weltberühmt ist beispielsweise das Huada-Genomforschungs-Zentrum in Beijing, dem die Entschlüsselung des Reisgenoms gelang.

Die chinesische Regierung ermutigt private Kapitalgeber zur Forschungsfinanzierung und fördert unternehmerische Strukturen von Forschungsinstituten. Als Schwächen des chinesischen Forschungssystems gelten unterentwickelte Kontroll- und Überwachungsmechanismen bei der Umsetzung von Gesetzen und Richtlinien und eine bislang unzureichende Verankerung in der Gesellschaft. Den wissenschaftlichen Eliten wird in China große gesellschaftliche Verantwortung zugewiesen. Wichtige flankierende bildungspolitische Maßnahmen bleiben jedoch aus. Besonders fehlt es an einer Förderung potenziell kritischer Bildungsformen. Die Sozial- und Geisteswissenschaften werden von der Modernisierung der Natur- und Ingenieurswissenschaften abgekoppelt. In der einseitigen Ausrichtung auf Technologie und Eliten, ohne entsprechende intellektuelle Wurzeln und Vermittlungsmechanismen in der Gesellschaft, liegen mittelfristige Konfliktpotenziale.

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