Entwicklung und Entwicklungspolitik
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Glossar


9.6.2005
Abkommen von Cotonou
Gegenüber seinem Vorläufer, dem Lomé-Abkommen, verfügt das Kooperationsabkommen von Cotonou aus dem Jahr 2000 zwischen der EU und den AKP-Staaten über eine längere Laufzeit (insgesamt zwanzig Jahre bei einer Überprüfung der Vertragsbedingungen alle fünf Jahre) und eine stärkere konditionale Ausrichtung der Zusammenarbeit, die an die Erfüllung der Kriterien der good governance geknüpft wird.

Agenda 21
Schlussdokument der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro (auch bekannt als "Rio-Gipfel", "Weltklimakonferenz" oder "Erdgipfel"). Als ein Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert beinhaltet die Agenda 21 Maßnahmen zur Umsetzung der in der Rio-Deklaration festgelegten ökologischen Rechte und Pflichten der Menschen, allerdings auf dem unverbindlichen Niveau einer reinen Absichtserklärung.

AKP-Staaten
Mit diesen Staaten in Afrika (A), in der Karibik (K) und im Pazifik (P) unterhält die EU im Rahmen der Lomé-Abkommen (ab 2000 Abkommen von Cotonou) besondere Beziehungen in den Bereichen Wirtschaft und Entwicklungsfinanzierung.

Autozentrierte Entwicklung
Ursprünglich aus dem Bereich der Dependenztheorien stammende Entwicklungsstrategie, die statt der Einbindung in die Weltwirtschaft auf die eigenen binnenwirtschaftlichen Kräfte eines Landes vertraut. Indem die lokal vorhandenen materiellen und menschlichen Ressourcen optimal genutzt werden, soll es bislang peripheren Staaten (Entwicklungsländern) gelingen, die bestehenden Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen.

AwZ
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der für Entwicklungspolitik zuständige Fachausschuss des Deutschen Bundestages.

Blockfreie Staaten / Bewegung der Blockfreien
1961 gegründeter, lose organisierter Zusammenschluss von über 100 Staaten, überwiegend aus Afrika, Asien und Lateinamerika, aber auch Europa. Angesichts der die internationale Politik lange prägenden Blockkonfrontation im Zeichen des Ost-West-Konflikts haben sich die Mitglieder auf eine unabhängige, auf friedliche Koexistenz gegründete, "blockfreie" Außenpolitik verpflichtet. Internet: www.nam.gov.za

BMZ
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das für die Entwicklungszusammenarbeit zuständige Ministerium des Bundes. Internet: www.bmz.de

Brain Drain
Begriffspaar zur Beschreibung der Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte aus Entwicklungsländern in die Industrieländer zum Nachteil der Entwicklungsländer, da sie die Ausbildungskosten tragen, aber nicht vom Wissen und Können der Fachkräfte profitieren.

Brandt-Kommission
Mit Experten aus Industrie- und Entwicklungsländern sowie dem Altbundeskanzler Willy Brandt als Vorsitzendem besetzte Kommission, die unter dem offiziellen Titel "Unabhängige Kommission für Internationale Entwicklungsfragen" (auch "Nord-Süd-Kommission") 1980 ihren ersten Abschlussbericht vorlegte. Der Bericht betonte die gemeinsamen Interessen der Industrie- und Entwicklungsländer, hatte aber geringe praktische Wirkung. In einem weiteren Bericht des Jahres 1982 beschäftigte sich die Kommission mit Fragen der Ernährungssicherheit und Verschuldung.

Brundtland-Kommission
Einberufen von den Vereinten Nationen und unter Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin, Gro Harlem Brundtland, erarbeitete die "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" (auch "Brundtland-Kommission") 1987 ihren wegweisenden Bericht "Unsere gemeinsame Zukunft". Darin heben die Experten aus Nord und Süd die gegenseitige Abhängigkeit von Umwelt und Entwicklung sowie die gemeinsame Verantwortung von Industrie- und Entwicklungsländern in diesen beiden Bereichen hervor. Sie trugen damit maßgeblich zur Erarbeitung des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung (engl.: sustainable development) bei, das zu einem neuen Leitbild der Entwicklungszusammenarbeit avancierte.

DAC
Development Assistance Committee. Der Entwicklungshilfeausschuss der OECD zählt die wichtigsten bilateralen Geberstaaten von Entwicklungshilfe zu seinen Mitgliedern. Neben der Gewinnung von statistischem Datenmaterial für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit gehört auch die regelmäßige Evaluierung der entwicklungspolitischen Maßnahmen seiner Mitgliedstaaten zu seinen Aufgaben ebenso wie die Erarbeitung von Strategien und Konzeptionen zu entwicklungspolitischen Themen und die Veröffentlichung von Jahresberichten. Internet: www.oecd.org

DED
Deutscher Entwicklungsdienst. Der DED ist der größte deutsche Personalentsendedienst. Er ist in mehr als 40 Partnerländern in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig und hat u.a. folgende Aufgaben: Er entsendet berufserfahrene und engagierte Fachkräfte in Entwicklungsländer, die in Projekten und Programmen staatlicher und privater Organisationen vor allem ausbildend, beratend und planend tätig sind. Der DED ist eine gemeinnützige Gesellschaft mbH. Internet: www.ded.de

Dependenztheorien
Die unter dem Sammelbegriff der Dependenztheorie zusammengefassten Entwicklungstheorien sehen die Hauptursache der Unterentwicklung peripherer Gebiete (Entwicklungsländer) in ihrer Abhängigkeit (Dependenz) von den Zentren (Industrieländern) und somit in äußeren Faktoren. Insbesondere die Einbindung der Entwicklungsländer in eine Weltwirtschaft, die durch die industrialisierten Staaten dominiert wird und allein zu deren Gunsten gereicht, verhindere eine eigenständige und erfolgreiche Entwicklung der unterentwickelten Länder. Einige Autoren der Dependenztheorien leiten daraus die Empfehlung an die Entwicklungsländer ab, sich von den Prozessen der Weltwirtschaft abzukoppeln und im Sinne einer autozentrierten Entwicklung eigene Wege zu gehen. In der Bundesrepublik gewannen die ursprünglich in Lateinamerika Mitte der 1960er Jahre entworfenen dependenztheoretischen Konzepte in den 1970er Jahren ihre größte Aufmerksamkeit.

Direktinvestitionen
Wirtschaftliche Tätigkeit von Inländern im Ausland, die die Neugründung oder den Erwerb von Unternehmen im Ausland ebenso umfasst wie die Beteiligung an bereits bestehenden ausländischen Unternehmen.

Entwicklungsdekaden
Seit 1961 haben die Vereinten Nationen den Beginn eines jeden neuen Jahrzehnts mit der Verkündung von Globalzielen begonnen, welche in Form konkreter Daten und Werte Zielvorgaben für die gewünschte Weiterentwicklung der Entwicklungsländer vorgeben. Auch wenn die entwicklungspolitischen Anstrengungen den propagierten Ansprüchen der jeweiligen Entwicklungsdekaden meist nicht gerecht werden konnten und die Erfolge hinter den Erwartungen zurück blieben, trugen die Vorgaben zu einer Orientierung nationaler wie internationaler Entwicklungspolitik an gemeinsamen Zielen bei. Die letzte Entwicklungsdekade trat 1991 in Kraft.

Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) (auch "Kapitalhilfe")
Durch die Bereitstellung von Kapital zu günstigen Bedingungen sollen die Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden, ihre wirtschaftliche und soziale Situation zu verbessern. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik ist die FZ dem Volumen nach das bedeutendste Instrument (siehe auch Personelle Zusammenarbeit und Technische Zusammenarbeit).

GATT
General Agreement on Tariffs and Trade; Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen. Im Rahmen dieses internationalen Abkommens vereinbarten die Vertragsparteien seit 1948 in verschiedenen, über mehrere Jahre verteilten Verhandlungsrunden die schrittweise Senkung von Zöllen und Handelshemmnissen. Bis zu seinem Übergang in die neu gegründete WTO im Jahre 1995 war das GATT somit das zentrale Vertragswerk zur Aushandlung von Regeln für den Welthandel.