Vorurteile

13.1.2006 | Von:

Türkische Minderheit in Deutschland

Integrationsprobleme

Bis heute gelten die Türken als die am schwersten zu integrierende Bevölkerungsgruppe. Einer Umfrage von 2002 zufolge lehnen 39 Prozent der Ostdeutschen und 28 Prozent der Westdeutschen Türken als Nachbarn ab. Gegenüber 1996 stieg die Abneigung um fast zehn Prozent. Dieser Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen zeigt, dass das langjährige Zusammenleben von Türken und Deutschen in den alten Bundesländern die soziale Distanz verringert hat, wenn auch die Ablehnung sehr hoch bleibt.

Eines der größten Probleme für die türkische Minderheit wie für die deutsche Mehrheit ist die Erziehungs- und Bildungssituation der jungen Türken. Immer noch verfügen manche türkischen Kinder nicht über ausreichende Sprachkenntnisse, um dem deutschen Schulunterricht folgen zu können. Die Folge sind fehlende Schulabschlüsse, die wiederum eine erfolgreiche berufliche Eingliederung erschweren. Daraus entstehen soziale Probleme, die eine weiter gehende Integration verhindern. Die Aufstiegschancen junger Türken hängen damit auch wesentlich von der Toleranz und Offenheit des Elternhauses ab. Türkische Kinder, deren Familien sich weit gehend vom deutschen Umfeld abschotten, haben deutlich schlechtere Bildungschancen. Ein Umdenken in der Schulpolitik, mehr Deutschunterricht in den Kindergärten, aber auch für die Eltern, insbesondere für die Mütter, sind dringend erforderlich. Stärker berücksichtigt werden sollte auch die Geschichte und Kultur des Herkunftslandes - über beides wissen deutsche Kinder kaum Bescheid -, die Zweisprachigkeit der Kinder und die Tatsache, dass sie durch ihre konfliktreichen Sozialisationsbedingungen oftmals sozusagen zwischen allen Stühlen sitzen.

Sozialleistungen

Ein weit verbreitetes Vorurteil betrifft den angeblichen Missbrauch von Sozialleistungen. 43 Prozent der deutschen Bevölkerung stimmen der Aussage zu: Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen. Wie in jeder Bevölkerungsgruppe trifft dies sicherlich auf Einzelne zu. Problematisch ist jedoch der Rückschluss auf die gesamte Gruppe. Über 500.000 türkische Arbeitnehmer entrichteten 2003 neben den selbstständigen Unternehmern Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und haben sich damit einen rechtlichen Anspruch auf Renten und andere Sozialleistungen erworben. Hinzu kommt, dass Millionen von ausländischen Arbeitskräften in den 1950er und 1960er Jahren in die Sozialversicherungen einbezahlten, ohne zunächst deren Leistungen in Anspruch zu nehmen. Nicht zuletzt diese Zahlungen der ausländischen Arbeitnehmer ermöglichten einen großzügigen Ausbau des Sozialstaates. Staatlichen Leistungen bei der Sozialhilfe und Arbeitslosenversicherung stehen deutliche Mehreinnahmen bei der Kranken- und Rentenversicherung gegenüber.

Asylbewerber: Kurdische Flüchtlinge

Von den türkischen Arbeitsmigranten einschließlich ihrer Familien und Nachkommen müssen die Asylbewerber aus der Türkei unterschieden werden. 2003 stellten über 6000 Türkinnen und Türken einen Asylantrag, von denen 80 Prozent kurdische Flüchtlinge waren. Nach Einschätzung der Bundesregierung leben etwa 500.000 Kurdinnen und Kurden in Deutschland. Bis Ende der 1990er Jahre erfuhr der Kampf der Kurden um ihre Unabhängigkeit zwar öffentliches Interesse. Obwohl die kurdischen Immigranten vor Vertreibung, Verfolgung und Krieg aus der Türkei flohen, wurden sie jedoch keinesfalls vorurteilsfrei aufgenommen.

Viele Deutsche befürchteten damals, Deutschland könne zum Bürgerkriegsschauplatz des türkisch-kurdischen Konfliktes werden. Kurdische Flüchtlinge leiden oftmals unter den Hausdurchsuchungen der deutschen Polizei, die bei vielen Kurden Verbindungen zur kurdischen Befreiungsorganisation PKK vermutet.