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Orientierung im Medienalltag

17.4.2018 | Von:
Prof. Dr. Uwe Hasebrink

Leitmedium Internet?

Prof. Dr. Hasebrink beim Zukunftslabor digital der bpb 2018 (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung)

1. Ausgangsüberlegungen

Über Zukunft zu sprechen …
bedeutet nicht, sie mehr oder weniger gut „vorherzusagen“, sondern einen Zielhorizont zu konstruieren, der dem Handeln in der Gegenwart eine Richtung gibt. Im Sinne von Utopien als anstrebenswerten Szenarien oder im Sinne von Dystopien als zu vermeidenden Szenarien. Ausgangsfrage: Wie wird Zukunft sozial konstruiert?
Welche Akteure beteiligen sich daran? Mit welchen Leitideen?
Und mit welchen Kommunikationsformen?

Internet und Gesellschaft

Ist das Internet das Leitmedium?
Nein - „Das“ Internet ist kein statisches und der Gesellschaft äußerliches Phänomen, das „von außen“ die gesellschaftliche Entwicklung anleitet.
Ja – in dem Sinne, dass das Internet als symbolischer Verweis auf den derzeitigen allgemeinen Wandel der Medienumgebung und dessen Verflechtung mit gesellschaftlichem Wandel verstanden wird.
Konkretisierte Ausgangsfrage:
Wie wird Zukunft im Hinblick auf den Zusammenhang von medialem und gesellschaftlichem Wandel sozial konstruiert?

2. Trends medialen Wandels und ihr Zusammenhang mit gesellschaftlichem Wandel

Der mediale Wandel wird durch folgende Entwicklungen geprägt und hat vielfältigen Durchschlag auf den gesellschaftlichen Wandel:
  • Differenzierung
  • Konnektivität
  • Omnipräsenz
  • Innovationsdichte
  • Datafizierung
Die negativen Zuschreibungen bestätigen sich dabei nicht wie am Beispiel der Nutzung sozialer Medien gezeigt wird. Verbreitete Einschätzungen: Soziale Medien dominieren die Informationsnutzung. Durch Personalisierungsalgorithmen verengen sich individuelle Informationsrepertoires, es entstehen „Filterblasen“ und „Echokammern“. Dadurch kommt es zu zunehmender Fragmentierung und damit zum Verlust der Grundlage für öffentliche Kommunikation.

Untersuchungen des Hans-Bredow-Instituts HBI bestätigen dies nicht. Repräsentative Telefonbefragung des HBI in Deutschland im Jahr 2011: Frage: „Was sind für Sie die drei wichtigsten Informationsquellen, wenn Sie sich eine Meinung über ein politisches Thema bilden wollen?“ Meistgenannte Antworten der 14- bis 29-Jährigen: Tagesschau (28%), spiegelonline.de (12%), Google (11%), web.de (9%), n-tv (8%), Facebook (8%), BILD (7%). 2016 ist die Informationsnutzung sogar noch differenzierter:
TV ist für mehr als die Hälfte die wichtigste Nachrichtenquelle (51 %), Leichter Anstieg bei Online (26 %), Leichte Rückgänge bei Radio und Print, Anstieg des Internets in allen Altersgruppen mit Ausnahme der 18- bis 24-Jährigen (52 %), Anstieg TV bei 18- bis 24-Jährigen von 24 % auf 33 %.

Für Social Media als genutzte, wichtigste und einzige Quelle für Nachrichten ergibt sich: 31 Prozent verwenden soziale Medien als Nachrichtenquelle, 7 Prozent bezeichnen sie als wichtigste Quelle, 2 Prozent verwenden soziale Medien als einzige Quelle für Nachrichten. Auch unter den 18- bis 24-Jährigen nutzen lediglich 2,8 Prozent soziale Medien als einzige Quelle.

Wichtigstes Motiv zur Nutzung von Social Media als Nachrichtenquelle ist die Möglichkeit, einfach auf eine Vielzahl von Quellen zugreifen zu können.
Die Gesamtgruppe derer, die Social Media als Nachrichtenquelle heranziehen, ist stärker an Nachrichten interessiert als der Bevölkerungsdurchschnitt. Aber: Diejenigen, die Social Media als Hauptquelle oder gar als einzige Quelle angeben, sind deutlich weniger interessiert als der Durchschnitt.
Hasebrinks Fazit: Die Zukunft des Internets und seiner Rolle für die Gesellschaft wird durch Zukunftsszenarien geprägt, die in gesellschaftlichen Diskursen verhandelt werden. Wichtiger als die Frage, wie die Zukunft aussehen wird, ist daher die Frage, welche Akteure sich mit welchen Interessen und mit welchen Kommunikationsformen an der Konstruktion dieser Zukunft beteiligen – und welche nicht.
Hasebrinks belegt, dass die digitale Zukunft gestaltet werden muss, gestaltet werden kann und fordert damit zum gesellschaftlichen Diskurs auf.


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Literatur:

Hepp, Andreas; Hasebrink, Uwe (2017): Kommunikative Figurationen. Ein konzeptioneller Rahmen zur Erforschung kommunikativer Konstruktionsprozesse in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung. In: Medien & Kommunikationswissenschaft 65(2), S. 330-347.
Hölig, Sascha; Hasebrink, Uwe (2017): Reuters Institute Digital News Survey 2017 – Ergebnisse für Deutschland. Hamburg: Hans-Bredow-Institut [online verfügbar: www.hans-bredow-institut.de ].

Weitere Informationen

https://www.hans-bredow-institut.de/de

https://www.hans-bredow-institut.de/de/mitarbeiter/uwe-hasebrink


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