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Orientierung im Medienalltag

17.4.2018 | Von:
Dr. Ulrich Zierahn

Ende der Arbeit?

Dr. Ulrich Zierahn beim Zukunftslabor digital der bpb 2018 (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung)

17.4.1979 Der Spiegel: „Die Experten sind in zwei Lager gespalten. Die einen behaupten, dass die Flut schnell ansteigt und in 20 Jahren 80 Prozent der Arbeitsplätze vernichtet. Die anderen sind der Ansicht, dieses Ergebnis werde erst später erreicht.“
03.9.2016 Der Spiegel: „Demnach arbeiten 47 Prozent der Beschäftigten in den USA in Berufen, die in den nächsten 10 bis 20 Jahren mit einiger Wahrscheinlichkeit automatisiert werden können.“

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), Mannheim hat 2017 und 2018 folgende Forschungsfragen gestellt: Wie viele Arbeitsplätze sind automatisierbar?
Welche Folgen hat das für Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne? [1]

Zierahn analysiert die unterschiedliche Methodik in den vieldiskutierten Untersuchungen der Automatisierungspotentiale. Eine der bekanntesten von Frey/Osborne, 2016 basiert auf der Extrapolation der Automatisierbarkeit für alle Berufe und auf berufsbasierten Tätigkeitsdaten, wobei das statistische Modell Automatisierungspotential mit berufliche Tätigkeiten gleichsetzt. Das ZWE dagegen verwendet bestehende berufsbasierte Automatisierbarkeits-Abschätzungen. Dabei setzt das statistische Modell Automatisierungspotential und Job-basierte Tätigkeiten gleich: Multipler Imputation-Ansatz wegen Berufs- vs. Job-Ebene.

Frey/Osborne ermitteln mit ihrer Methode ein Automatisierungspotenzial von über 45 %. Das ZEW kommt mit der Extrapolation der Automatisierbarkeit für alle Jobs unter Verwendung des Modells und Job-basierter Tätigkeitsdaten bei fünf Untersuchungen zu einem Automatisierungspotenzial von 8 bis 14 %.

Warum? Das Automatisierungspotential darf nicht mit (möglichen) Beschäftigungseffekten verwechselt werden, begründet Zierahn. Gründe sind:
Langsame Diffusion von Technologien, z.B. 2013 betrug der Anteil der Produktionsmittel unter Einsatz von 1.0/2.0 Technologien noch 85,9 %, 2023 wird er bei 78,8 % erwartet. Flexibilität von Beschäftigten, die Tätigkeiten innerhalb der Berufe haben sich elementar geändert (bis zu 15 %), Schaffung neuer Jobs, zum Tätigkeitswandel kommt die geänderte Produktnachfrage, die ebenfalls neue Jobs schafft (bis zu 7 %).
Dabei ergeben sich Beschäftigungseffekte durch Zunahme von analytischen und interaktiven Tätigkeiten von über 9 % und Abnahme von kognitiver Routine von 5 %. Daraus ermittelt das ZEW in drei unterschiedlichen Technologie-Szenarien positive Gesamtbeschäftigungseffekte von 2016 – 2021 zwischen 1,4 und 1,8 %.

Fazit von Dr. Zierahn: Die Frage ist nicht wie viele, sondern welche Jobs?

Kernergebnisse
  • Langsame, aber sich beschleunigende Verbreitung von 4.0 Technologien
  • Wachsende technologische Kluft in der deutschen Betriebslandschaft
  • Schwach positive Gesamtbeschäftigungseffekte der Digitalisierung
  • Starke Struktureffekte auf Berufs- und Branchenebene
  • Wachsende Beschäftigungs- und Lohnungleichheit
  • Mobilität hilft den Arbeitskräften, hat aber kaum Beschäftigungseffekte
  • 4.0 Technologien haben in der mittleren Frist eher investiven Charakter
  • Politikimplikationen
  • Neue Technologien fördern
  • Fachkräfteengpässe adressieren
  • Mobilität erhöhen

PDF-Icon Präsentation zum Download

Weitere Informationen

http://www.zew.de/de/team/uzi/

Fußnoten

1.
Vgl. Arntz/Gregory/Zierahn (2018): Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit: Makroökonomische Auswirkungen auf Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Löhne von morgen, Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF), Mannheim.

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