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16.1.2017 | Von:
Isabel Zorn

Wieviel App-Lenkung verträgt die Medienpädagogik? Zum Verhältnis von Technikbildung und Medienbildung in der datafizierten Gesellschaft

In ihrem Vortrag erläutert Isabell Zorn mögliche Auswirkungen von Datenerhebung, -verarbeitung und -speicherung in einer "datafizierten Gesellschaft" für Privatsphäre, Demokratie, Freiheit und Bildung und nähert sich der Frage, warum dennoch digitale Angebote, wie sogar wenig rechtskonforme Apps vermarktet und genutzt werden.




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Digitale Medien liefern praktischerweise Informationen, Arbeitserleichterungen und Ergebnisse auf Knopfdruck. Im Hintergrund sammeln digitale Technologien jedoch Daten über unsere Handlungen und Recherchen, verarbeiten diese Daten und erstellen damit neue Informationen.

Der Vortrag analysiert die subjektzentrierte Argumentationsfigur, "persönlich nichts zu verbergen" zu haben und entwickelte daraus gesellschaftstheoretische Perspektiven sowie Zusammenhänge zu Diskursen der (Medien-) Bildungstheorie. Implikationen für Medienbildung und Technikbildung sowie die sich ergebenden Anforderungen und Potentiale für bildend Tätige wurden diskutiert.

Software wird demnach als Teil von Gesellschaft aufgefasst. Die Referentin betonte, dass Technik, die vorhanden ist, auch genutzt werde und somit sowohl subjektbezogene als auch gesellschaftsbezogene Bildungsaufgaben damit verbunden sind. Diese umfassen nicht nur IT-Kenntnisse, sondern insbesondere auch eine weitgefasste, gesellschaftliche Aspekte aufgreifende Medienbildung. Besondere Herausforderungen werden in der Analyse und Vermittlung von Kritikfähigkeit hinsichtlich der Filterbubble, also IT-gelenkter Meinungsbildung, gesehen ("nicht alles, was benutzt wird, entspricht der Wahrheit, dennoch zeigt es Wirkung").

Wichtig sei zudem – nicht nur, aber besonders auch für Heranwachsende – die Wahrung offener freier Räume zum Experimentieren mit Lebensstilen, Identitäten, Ideen. Zusätzlich gelte es dem Social Engineering und der "Kodifizierung gesellschaftlicher Verhältnisse" durch Bildung entgegenzutreten. Die zunehmende Ungleichheit hinsichtlich digitaler Medien (zuletzt belegt durch die DGI-Studie), gelte es dringend durch Medienbildung auszugleichen, hierfür sei die Dagstuhl-Erklärung, die Medienbildung und Informatische Bildung verknüpft, eine wichtige Voraussetzung. Weiterhin wird rund um das Thema viel Forschungsbedarf gesehen.

Die rasante Entwicklung erfordert dringend bildungspolitisches Handeln, denn "keine Auseinandersetzung ist keine Option!"