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Tipps zur digitalen Selbstverteidigung

aus dem Vortrag von Markus Beckedahl vom 25.04.2017 im Medienzentrum der bpb in Bonn

Der Gründer von netzpolitik.org, Markus Beckedahl, analysiert in seinem Video-Icon Vortrag die aktuellen Debatten rund um die Themen Big Data und Datenschutz. Darin nennt er 10 konkrete Tipps, die durch ihre Anwendung auch ohne Vorkenntnisse und großen Aufwand zu mehr individueller digitaler Sicherheit beitragen können. Hier finden Sie die verschriftlichen 10 Tipps kurz und prägnant im Überblick:

Markus Beckedahl bei der re:publica 2017Markus Beckedahl ist ein netzpolitischer Aktivist und Journalist aus Berlin. Er hat 2002 den Blog Netzpolitik.org gegründet: einer der bekanntesten deutschsprachigen Blogs in dem Themen der Informationsgesellschaft behandelt werden; wurde 2014 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Beckedahl ist für die 2007 von ihm zusammen mit Spreeblick gegründete Konferenz re:publica verantwortlich. (© picture-alliance/dpa)

1. Die Notwendigkeit der Herausgabe eigener Daten kritisch hinterfragen

Hinterfragen: Welche Informationen sind für die jeweilige Anmeldung wirklich relevant? Benötigt ein E-Mail-Anbieter z.B. die Information des privaten Wohnsitzes?
Das "entscheidende Datum" ist meist das eigene Geburtsdatum: Nur in offiziellen Dokumenten angeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Max Mustermanns mit demselben Geburtsdatum gibt ist nicht so hoch wie die Wahrscheinlichkeit mehrerer Max Mustermanns in derselben Stadt. Wichtige Daten nur dann herausgeben, wenn wirklich notwendig! Im Zweifel persönliche Daten verändern.

Tipp:
  • Leichte Dreher in den eigenen Daten, einzelne Buchstaben auslassen oder ergänzen. Damit lassen sich Daten nicht mehr so leicht miteinander verknüpfen.
  • Veränderter Namen wie z.B. 'Max Musterman' oder veränderte Adresse
  • Verändertes Geburtsdatum, z.B. der besten Freundin oder des besten Freundes

2. Alternative Browser, Ad Blocker, Anti Tracking Tools verwenden

Kostenlose Dienste finanzieren sich meist durch die Sammlung und Weitergabe von Daten.
Eine Webseite, die sich über Werbung finanziert, schickt Daten an alle dort werbeschaltenden Unternehmen weiter. Identisches Prinzip bei kommerziellen Browsern wie "Google Chrome".

Tipp:
  • Browser "Firefox": von einer NGO getragen, Open Source und nicht kommerziell
  • Ad Blocker verhindern Werbeanzeigen
  • "Privacy Badger" ist ein Beispiel für ein Anti Tracking Tool

3. Das "s" in https:// steht für Sicherheit

Passwort auf unverschlüsselter Seite, also http:// ohne "s" kann theoretisch von Dritten mitgelesen werden. Internetaktivität kann demnach leicht überwacht werden. Problematisch vor allem für Seiten auf denen man Passwörter eingibt.

Tipp:
4. Immer Software-Updates machen

Veraltete Software und Betriebssysteme sind anfälliger für Sicherheitslücken. Die übergroße Mehrheit der Updates sind Sicherheits-Updates.

Tipp:
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass aufgedeckte Sicherheitslücken durch Updates geschlossen werden, ist sehr groß.

5. Keine unnötigen Datenspuren hinterlassen

Smartphone, Tablet oder Laptop nur dann mitnehmen, wenn die Geräte wirklich benötigt werden.
Ohne Smartphone in der Tasche können z.B. keine Bewegungsdaten aufgezeichnet werden.

Tipp:
6. Kameras bekleben
Kameras an Laptops, Smartphones oder Tablets können zur Überwachung der Nutzer missbraucht werden. Selbst Zuckerberg überklebt seine Kamera. Dies sollte Warnung an alle User kamerafähiger Geräte sein.

Tipp:
  • Kameralinse z.B. mit einem Post-It oder Klebepunkt zukleben.
  • Mikrofone der Geräte überkleben. (Allerdings ist dabei weniger gut zu verifizieren, ob eine Überklebung wirklich vor dem unerlaubten Abhören schützt.)

7. "Kostenlose" Angebote bezahlen wir mit unseren Daten - lieber geringen Geldbetrag für Datensicherheit aufwenden

Messenger-, Mail- oder Suchmaschinenanbieter vom europäischen Markt sind empfehlenswert, denn sie unterliegen europäischem Datenschutz;

Beachte:
Nicht nur europäische Niederlassung, sondern nur die Ansässigkeit garantiert für tatsächlichen Rechtschutz!

a) Messengerdienste
"Whatsapp" konnte durch Datenschutzverstöße groß werden, beispielsweise durch unerlaubte Telefonbuch-Einsicht der Nutzercommunity. Die Information darüber, wer mit wem wie häufig kommuniziert besitzt höheren Informationsgehalt als die inhaltliche Information, welche verschlüsselt ist. Verschlüsselungen schützen also nicht vor Datenmissbrauch!

Tipp:
  • "Threema" - keine Werbung, Schweizer Unternehmen, kostet 1,99 € einmalig
  • "Signal" - von Edward Snowden empfohlen, Open Source, kostenlo
  • "Wire" - speziell für Videokonferenzen eine Skype Alternative, kostenlos
b) Mailanbieter
Mail-Anbieter, die kostenfrei sind, haben ein Interesse an den User-Daten. Ihr Geschäftsmodell basiert auf der Nutzung der Daten, um zielgerichtete Werbung zu schalten. Es lohnt sich auch bei der Auswahl eines Mail-Anbieters auf Datenschutz zu achten und man sollte bereit sein, einen niedrigen Kostenbeitrag zu zahlen, um die eigenen Daten zu schützen. In Deutschland ist der Anbieter "Posteo" der bekannteste Mail-Anbieter, der seinen Kunden einen datenschutzfreundlichen und werbefreien Service anbietet.

Tipp:
  • "Posteo" - datenschutzfreundlicher Service, ca. 1,00 € pro Monat
  • "Mailbox" - datenschutzfreundlich, ca. 1,00 € pro Monat
c) Suchmaschinen
Knapp 93 Prozent der deutschen Internet-User nutzen "Google" als ihre favorisierte Suchmaschine. Dadurch manifestiert sich die Monopolstellung von Google, wobei der Konzern mit den Suchanfragen der User stetig Daten sammelt und kommerziell verwertet. Als Alternativen zu Google empfehlen sich solche Suchmaschinen, deren Server auf europäischem Boden stehen und damit dem europäischen Datenschutzrecht unterliegen. Zudem bieten datenschutzfreundliche Suchmaschinen wie "Startpage" oder "Duckduckgo" bereits heute eine gute Alternative für die Recherche im Netz. Suchmaschinen lernen durch die Anfragen. Weiter verbessern können sich diese Alternativen daher nur, wenn sich die Zahl ihrer Suchanfragen erhöhen.

Tipp:
  • "Startpage" - bezeichnet sich selbst als "die diskreteste Suchmaschine der Welt" und speichert kein Nutzerprofil. Man muss daher die Suchbegriffe selbst vollständig eingeben.
  • "Duckduckgo" - niederländischer Anbieter

8. Mit anonymer IP Adresse surfen

Wozu? Beispielsweise um Geoblocking zu umgehen: Wenn man im Ausland auf eine inländische Mediathek zugreifen möchte, ist der Zugang meist gesperrt.

Tipp:
  • "Virtual Private Netzworks – VPN"
  • verschiedene Anbieter, kosten zwischen 3-4,00 € im Monat, auch über offenes WLAN zugänglich, bauen einen Tunnel auf, ähnlich wie "Tor"
  • "Tor" Browser
  • ein modifizierter Firefox Browser: bietet Zugang zum Darknet. Nutzen auch Journalisten, um in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit nicht in Gefahr zu geraten.

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Darknet-Debatte

Das anonymisierte Surfen im Darknet ist umstritten. In zwei Beiträgen diskutiert "Die Netzdebatte" der bpb einerseits die Gefahren des Darknets durch die Nutzung von Kriminellen und andererseits die Notwendigkeit digitaler Anonymität für eine kritische journalistische Berichterstattung in vielen Staaten. Prof. Dr. Arndt Sinn beschreibt das Darknet als "Paradies für Kriminelle" , während Christian Mihr das Darknet in seinem Debattenbeitrag als "Geschützten Raum gegen Überwachung und Selbstzensur" diskutiert.

9. Das Recht auf Datenauskunft nutzen

Laut Bundesdatenschutzgesetzt hat man das Recht auf Datenauskunft bei Unternehmen. In vielen Fällen existiert sogar das Recht der Löschung personenbezogener Daten, sofern man dieses bei Unternehmen vorbringt. Insbesondere Werbetreibende sind zur Auskunft darüber verpflichtet, wie sie an Kontaktdaten gelangt sind, wenn sie danach gefragt werden.

Tipp:
  • Mustervorlagen zur Einforderung von Datenauskünften bzw. Datenlöschung finden sich bei den Verbraucherzentralen der Länder sowie den Datenschutzbeauftragten.

10. Freifunk Communities bilden

Menschen schließen sich zusammen und teilen ihr WLAN. Für die Erstellung eines Freifunk-Netzwerks ist technische Expertise erforderlich. Beitritt zu Freifunk jedoch vergleichsweise einfach; von digitaler Infrastruktur vor Ort abhängig.

Tipp:
  • Offene, dezentrale Netzwerke auf lokaler Ebene machen in ihrer Vielzahl eine Gesamtüberwachung schwieriger. Infos unter freifunk.net

Aktuelle Debatten und Strategien zur digitalen Selbstverteidigung

Alle Tipps von Markus Beckedahl für eine digitale Selbstverteidigung zum Nachverfolgen in der Videoaufzeichnung seines Vortrags vom 25.04.2017 ab Minute 01:11:58

Jetzt ansehen

Aktuelle Debatten und Strategien zur digitalen Selbstverteidigung

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Übersicht

Tools zur Verschlüsselung

Viele Daten, die online verschickt werden, können mitgelesen werden – von Dienst-Anbietern, Hackern oder Geheimdiensten. Digitale Spuren, die bei der Internetnutzung automatisch hinterlassen werden, sind nachvollziehbar und auswertbar. Das "SIN-Studio im Netz" hat in einer Broschüre Tipps und hilfreiche Tools zusammengestellt, die bei der Verschlüsselung von Daten und Absicherung eigener Geräte unterstützen sollen.

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Sensible Daten - Die Kunst der Überwachung

Die zweisprachige Konferenz "Sensible Daten – Die Kunst der Überwachung" in München befasste sich vom 20. bis 22. Januar mit Fragen der (digitalen) Überwachung der Gesellschaft. Hier finden Sie die Audio-Aufzeichnugen einiger Teile der Veranstaltung und Video-Interviews mit Expertinnen und Experten.

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"Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Die wahre Macht der Datensammler"

Markus Morgenroth ist Informatiker, Berater zu Datenschutzfragen - und Autor des Bestesellers „Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Die wahre Macht der Datensammler“. Zu seinem gleichnamigen Workshop bei den Bonner Gesprächen hat er vorab einige Fragen zu den Gefahren unbegrenzeter Datensammlung im Netz beantwortet.

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Dossier

Datenschutz

Was bedeutet Datenschutz? Wie ist er gesetzlich geregelt? Was steckt hinter den Begriffen informationelle Selbstbestimmung und Privatsphäre? Wie können persönliche Daten im Internet geschützt werden? Das Online-Dossier Datenschutz klärt über Hintergründe auf und gibt praktische Handlungsanleitungen zum Thema.

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Der Amokläufer von München tötete neun Menschen mit einer Waffe, die er über das Darknet gekauft hatte. Es ist menschlich, aus der ersten Emotion heraus eine starke Regulierung dieses vermeintlich rechtsfreien Raumes zu fordern. Bei näherer Betrachtung sind Orte digitaler Anonymität, wie sie das Darknet bietet, allerdings essenziell für eine demokratische Gesellschaft: Für Journalisten und ihre Informanten sind sie mitunter die einzige Möglichkeit, gesellschaftliche Missstände aufzudecken.

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[1 Kommentar Letzter Kommentar vom 14.03.2017 20:38]

Im Darknet kann man so ziemlich alles kaufen, was man nicht kaufen können sollte: Drogen, Waffen, kriminelle Dienstleistungen aller Art. Für die Ermittler ist es schwer bis unmöglich dagegen vorzugehen. Prof. Dr. Arndt Sinn fordert daher, dass Sicherheitsbehörden die dort verwendeten Verschlüsselungsmethoden endlich knacken.

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[1 Kommentar Letzter Kommentar vom 27.03.2017 03:02]

Ein Schnappschuss mit dem besten Freund, die anstehende Geburtstagsparty und dann noch dieser klasse Kinofilm. Das muss man mit seinen Freunden teilen! Kostet ja auch kaum mehr als einen Klick – und oft auch kaum einen Gedanken, etwa: Wer hat eigentlich Zugang zu meinen Daten, wozu werden sie weiterverwendet und wie lange sind sie im weltweiten Netz verfügbar? Und vor allem: Wie kann ich meine Daten schützen? Unsere Autorin Jenni Roth gibt in unserem Leitfaden eine kurze Übersicht!

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