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20.9.2017 | Von:
Lennart Schuchaert

Filterblase

Die Teilnehmenden erfahren, dass Filterblasen im digitalen als auch im analogen Leben allgegenwärtig sind, sie aber gerade im Hinblick auf das Internet die Möglichkeit haben, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen und auszuprobieren. Grundsätzlich gilt: Über den Tellerrand schauen.

Zielgruppe: Jugendliche ab 12 Jahrenetwa 45 Minuten (1.+2. Teil) – 90 Minuten (1.+2.+3. Teil)

Das Bild zum PlanspielFilterblase (© Public Domain, Pixabay)


Downloads:
PDF-Icon Filterblase Anleitung
Ziel:
Die TN erfahren, dass Filterblasen im digitalen, als auch im analogen Leben allgegenwärtig sind, sie aber gerade im Hinblick auf das Internet die Möglichkeit haben, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen und auszuprobieren. Grundsätzlich: Über den Tellerrand schauen.<

1. Spüren

Ziel:
Die Teilnehmenden spüren, durch welchen Automatismus Themen oder Meinungen entstehen, wenn entsprechende Faktoren gleichgeschaltet werden und wie schwer es ist, neue Inhalte in eine geschlossene Gruppe einzubringen.


Methode:
Die Gruppe teilt sich in Jungen und Mädchen auf und stellt sich jeweils in einem Kreis zusammen. Die TN erhalten die Aufgabe, sich über ein Thema zu unterhalten, welches sie alle - oder die große Mehrheit - interessierte (ggf. müssen Impulse - keine Themenvorschläge! - in die jeweiligen Kreismitten gelegt werden). Nach einer kurzen Zeit wird einer Person aus jedem Kreis auf die Schulter getippt. Diese Personen müssen nun ihre Plätze tauschen (es steht nun ein Junge bei den Mädchen und andersherum). Sie dürfen sich nicht am Gespräch beteiligen, sondern hören einfach nur dem Gesagten zu.

Idee: Ggf. können die Personen einen Impuls mit in seine/ihre Gruppe nehmen.

ggf. das Experiment wiederholen, dass alle die Chance haben, in den jeweils anderen Kreis hinein zu hören.

Achtung: Es hat sich gezeigt, dass diese Methode vor allem bei jüngeren Jugendlichen funktioniert, da diese häufiger noch über sehr unterschiedliche Themen sprechen und wenig Interesse an den Thematiken des anderen Geschlechts haben (Schminken, Fußball, Sport, Klamotten usw.). Bei Älteren oder jüngeren Erwachsenen weichen diese Themen auf oder verlagern sich. br/>



Fragen:
  • Über welche Themen habt ihr in euren Runden gesprochen?
  • Wie habt ihr euch dabei gefühlt?
  • Wie war es für die Personen, die Einblicke in den jeweils anderen Kreis hatten?
  • In welchen Gruppen seid ihr? Welche fallen euch ein? (Z.B. Elternhaus, Familie, Schulklasse, Sportverein, Musik, INTERNET (Facebook, WhatsApp)).

2. Verstehen

Ziele:
  • Die Teilnehmenden verstehen, wie Filterblasen entstehen und wachsen.
  • Dass Inhalte immer mindestens einen kleinsten, gemeinsamen Nenner haben, dieser aber auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist.
  • Es kann bereichernd sein, andere Sichtweisen wahrzunehmen und sich in diese hineinzuversetzen (Empathie).

Methode:


Jeder TN wählt einen farbigen Luftballon (rot, gelb, grün, blau usw., jedoch nicht mehr als vier Ballons jeder Farbe) und einen Edding. In den Luftballon wird einmal kräftig hineingeblasen (Achtung: Nicht verknoten). Jeder schreibt zwei Begriffe, Gefühle o.ä. auf seinen Ballon, die mit der Farbe des Luftballons assoziiert werden (Gelber Ballon: Zitrone, Sonne / Roter Ballon: Feuer, Lippen / usw.). Anschließend wird ein weiteres Mal in den Ballon geblasen und weitere zwei Begriffe werden ergänzt. Dieser Schritt wiederholt sich ein drittes Mal. Jetzt wird der Ballon verknotet. Nun sollten sich sechs Begriffe auf jedem Ballon befinden.
  • Die Teilnehmenden sollen sich nun in den Farben ihrer Ballons zusammenstellen und sich über ihre Begriffe austauschen. (Warum sind dir gerade diese Begriffe im Hinblick auf die Farbe eingefallen? usw.).
  • Anschließend ergänzen die Teilnehmenden die Begriffe der Anderen die auf dem eigenen Ballon fehlen. Am Ende haben alle die gleichen Begriffe auf ihrem Ballon.
  • Abschließend sollen sich die Teilnehmenden in Gruppen zusammentun, indem jede Farbe einmal vertreten sein muss. Sie sollen sich erneut über ihre Begriffe austauschen.Gibt es Gemeinsamkeiten? Finden sich ähnliche oder gleiche Worte auf dem Ballon? Warum? usw.).>
    Anschließend kommen alle im Plenum zusammen.

Transfer:
Wisst ihr was eine "Filterblase" ist? (Die Jugendlichen wissen es, oder wissen es nicht. Trifft ersteres zu, kann gemeinsam die Bedeutung erarbeitet werden, ansonsten erklären).


Bedeutung:
  • Farbiger Luftballon = Interessen (In diesem Fall ist es das Interesse an der Farbe des Ballons)
  • Begriffe = Interessengebiete / Zusammenhänge (die den gemeinsamen Nenner "Farbe" haben)
  • Fragen:
    • Häufigster Begriff in jeder Gruppe?
    • Gab es Überschneidungen zu anderen Gruppen? (Natürlich nicht, weil...)
    • Wie kann ich aus meiner Filterblase entkommen?
    • ...
    Uns alle eint, der Ballon als solcher. Wir sind alle Teil dieser Welt. Es liegt an uns, sowohl die analoge als auch die digitale Welt mitzugestalten.

    3. Ausprobieren / Chance geben

    Ziel:
    • die Teilnehmenden sollen neue und/oder ungewöhnliche Dinge in der „analogen“ Welt ausprobieren, um ihren Horizont zu erweitern.
    Methode Im Folgenden sollen die Teilnehmenden an unterschiedlichen Aktionen neue Dinge ausprobieren. Es geht nicht darum, dass sie ein neues Hobby o.ä. finden, sondern viel mehr um das Ausprobieren an sich. Mögliche (niederschwellige) Aktionen könnten sein:
    • Nagel mit einen Hammer in einen Baumstamm schlagen
    • Einen Knopf annähen
    • Eine Schallplatte auflegen
    • Luftballons modellieren
    • Jonglieren
    • Origami
    • Sudoku
    • Löten
    • Klassische Musik
    • ...
    Die Liste lässt sich sicherlich unendlich erweitern... Viel Spaß an dieser Stelle.


    Nach Abschluss dieser Phase ist eine Reflektion des Erlebten wichtig. Dabei geht es darum, was die Teilnehmenden gelernt haben. Primär geht es darum, Dinge einfach einmal auszuprobieren und ihnen eine Chance zu geben – nicht sie von vornerein abzulehnen. Fragen zur Anregung könnten sein.

    • Was habt ihr so nicht erwartet?
    • Was habt ihr euch einfacher oder schwieriger vorgestellt?
    • Gab es etwas, was ihr schon kantet?
    • Was war neu?
    • Was nehmt ihr mit?
    • ...
    Viel Spaß mit dieser Methode. Ich würde mich über Kritik, Anregungen und Erfahrungen freuen.

    Bremen, den 19. September 2017

    Diakon Lennart Schuchaert
    Gemeindepädagoge (B.A.) und Sozialarbeiter (B.A.)

    Bremische Evangelische Kirche
    Evangelische Jugend Bremen
    Osterdeich 87, 28205 Bremen
    lennart.schuchaert@kirche-bremen.de


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