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Lernparcours des jfc Köln

13.3.2018 | Von:
jfc Medienzentrum

Wo wird Datenanalyse angewendet?

(3) Anwendungsfelder

Ergebnisse von Datenanalysen werden in immer mehr Bereichen bei der Entscheidungsfindung genutzt. Das nennt man Algorithmic Decision Making (ADM-Prozesse). Vielfach sind wir geneigt, statistische Verfahren und ihre scheinbar objektiven Ergebnisse zu akzeptieren. Doch liefern die Algorithmen keine objektive Information, sie arbeiten nicht selbstbestimmt, sondern sind Werkzeuge, die Ziele, Konzepte, Interessen und Vorannahmen der Auftraggeber/ Programmierer umsetzen. Solche Intentionen und Vorannahmen können durchaus zu Diskriminierungen führen, bzw. haben diese zum Ziel.

Ergebnisse von Datenanalysen werden in immer mehr Bereichen bei der Entscheidungsfindung genutzt. Das nennt man Algorithmic Decision Making (ADM-Prozesse). Vielfach sind wir geneigt, statistische Verfahren und ihre scheinbar objektiven Ergebnisse zu akzeptieren. Doch liefern die Algorithmen keine objektive Information, sie arbeiten nicht selbstbestimmt, sondern sind Werkzeuge, die Ziele, Konzepte, Interessen und Vorannahmen der Auftraggeber/ Programmierer umsetzen. Solche Intentionen und Vorannahmen können durchaus zu Diskriminierungen führen, bzw. haben diese zum Ziel. Datenanalysen gibt es in unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären, Staat, Privatwirtschaft oder Wissenschaft, wo unterschiedliche Normen und Ziele wirken.

Kommerzielle Nutzung

Daten und Algorithmen sind Privatbesitz
Euro IconEuro (© jfc)


„Wenn Du nicht zahlst bist Du das Produkt und nicht der Kunde!“ Es sind die kommerziellen Anbieter, die das Internet, die BDA Anwendungen entwickelt und groß gemacht haben. Die enormen Gewinne treiben die Entwicklung weiter. Die größten Unternehmen der Welt sind hier entstanden.

Ziele und Produkte:
  • Personalisierte Werbung / Dienste, Kundenbindung
  • Identifikation von relevanten Lebensereignissen /Interessen
  • Suchmaschinen
  • Orga Social Media Dienste
  • Partnerbörsen
  • Navigation mit Augmented Reality
  • Bewerbungsverfahren, Lernprognosen...
  • Automatische Texte, Journalismus
  • Echtzeitübersetzung
Im kommerziellen Bereich sind BDA und ADM Kapital und Geschäftsgeheimnis, eigens von Firmen entwickelte Werkzeuge, auf die ein Besitzanspruch erhoben wird.


Nutzung durch den Staat

Verwaltung, Kriminalitätsprophylaxe und Überwachung
Staat IconStaat (© jfc)


Das Normale wird abgebildet, Verwaltung ist vernetzt, Abweichler können erkannt werden, Missbrauch eingeschlossen:

  • Identifikation von Personen:
    Zugehörigkeit zu Geschlecht, Alter, sozialen, kulturellen Milieus, Einstellungen, politische, religiöse Orientierungen...
  • Rolle des Einzelnen in Netzwerken
  • potenziell kriminelle Gruppen, Einzelpersonen oder Orte mit erhöhtem Risiko von Straftaten
  • Gruppen und Personen, die zur politischen Opposition gehören, Wählergruppen, „Staatsfeinde“, Terroristen, risikoreiche Autofahrer, Suchtkranke etc.
  • Social Scores (Anreizsysteme für gesellschaftlich nützliches Verhalten) können direkt oder indirekt eingeführt werden
  • Open Data, direkte Demokratie/ Beteiligungsverfahren werden möglich
Staatliche Stellen können Bürgerinteressen umsetzen aber auch autoritäre Herrschaft realisieren. Datenanalysen geben ihnen mächtige Instrumente an die Hand.


Vermessung des Körpers

Individualisierung von Verantwortung
Herz IconHerz (© jfc)


Datensammlung rückt an den Körper und die Psyche heran und erfasst massenhaft Körperdaten. Weareables, Fitnesstracker (auch in Smartphones und Kopfhörern) und medizinische Geräte liefern Körperdaten:

  • Herzfrequenz
  • Stimme
  • Atmung
  • Zuckerwerte
  • Blutdruck
  • Schlafverhalten
  • Ess- und Bewegungsverhalten etc.
Das erlaubt es, Krankheitsrisiken wie z.B. Übergewicht, Parkinson, Epidemien aber auch Gesundheitsverhalten, Alter oder Schwangerschaft zu erkennen und das gesundheitsbezogene Verhalten zu kontrollieren. Weniger leistungsfähige Menschen könnten diskriminiert werden.

Große Datenmengen - oft mit brisanten personenbezogenen Inhalten - werden im Medizinsystem gesammelt und ausgewertet.

Das wirft viele ethische Fragen auf: Inwieweit darf ein Bilderkennungsverfahren entwickelt werden, das Homosexuelle erkennt?


Vermessung der Natur

Wem gehören die Daten und das Wissen über die Natur?
Natur IconNatur (© jfc)


Ein großes Potenzial für Prognosen von Naturereignissen, das Verständnis von ökologischen Zusammenhängen, des Aufbaus lebender Organismen und der DNA bietet die Auswertung z.B. von:
  • Klima-, Wetterdaten
  • Daten über Tier- und Pflanzenpopulationen
  • Daten aus der industriellen Landwirtschaft
  • Auswertungen von Satellitenaufnahmen
  • Seismografen
  • Daten aus Meeresbiologie und Bioforschung
Diese Möglichkeiten bieten große Chancen für wissenschaftlichen Fortschritt, aber auch für die totale Unterwerfung und Neukonstruktion der Natur.

Das Patentieren von Gensequenzen oder optimierten Lebewesen zeigt, dass eine in Daten aufgelöste Natur zu Privatbesitz und zur Spielwiese werden könnte.


Kontrolle von Technik

Steuerung, Prophylaxe und Überwachung
Technik IconTechnik (© jfc)


Immer mehr technische Geräte sind vernetzt und digital gesteuert:

  • Kameras, Mikrophone, Weareables
  • Smart-home
  • Internet der Dinge
  • Industrie 4.0
  • Verkehr: computergestütztes Fahren, Flugverkehr, Nahverkehr
  • Energiemanagement
  • Navigation, Wetterstationen, GPS
  • Drohnen, Satelliten, militärische Anwendungen
Enorme Möglichkeiten ergeben sich, um unsere kultivierte, technisierte Umgebung genau zu steuern und menschliche Arbeitskräfte zu unterstützen. Das beinhaltet jedoch Risiken, Menschen zu ersetzen.

Diese Systeme werden anfällig für Cyber-Kriminalität und Geheimdienste. Die Abhängigkeit von störungsfreier Elektrizität und Vernetzung steigt. Arbeitsplätze werden verloren gehen. Es entsteht eine Welt, in der immer öfter Maschinen enscheiden.


SprechblaseSprechblase (© jfc)

BIG DATA ...



Die Anwendungsbereiche wachsen.






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Definition Scoring

„Beim Scoring erfolgt die zahlenmäßige Bewertung einer Eigenschaft einer Person durch die mathematisch statistische Analyse von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit, um ihr zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Das bedeutet, einer Person wird ein individueller Scorewert als Ausdruck eines bestimmten für sie vorhergesagten Verhaltens zugeordnet.

Scoring basiert dabei auf der Annahme, dass bei Vorliegen bestimmter vergleichbarer Merkmale anderer Personen ein ähnliches Verhalten vorausgesagt werden kann. So kann es auf der Basis schon weniger Daten zu einer Person – wie der Adresse – zu Risikoeinschätzungen kommen.

Diese Einschätzung kann sich auf ganz verschiedene Bereiche menschlichen Verhaltens beziehen: auf die zukünftige Arbeitsleistung, auf die Vorhersage kriminellen Verhaltens oder zur Prognose des Gesundheitszustands.

Am häufigsten und bekanntesten ist das Scoring hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person eine Rechnung zahlen oder einen Kredit zurückzahlen wird, wie es zum Beispiel die Schufa macht.

Heute stehen neben den Informationen der Auskunfteien weit mehr Quellen zur Verfügung, um individuelle Risikoprofile und somit individuelle Preise für Kunden zu erstellen. So wertet etwa der Versicherer Axa Global Direct nach eigenen Angaben ca. 50 Variablen aus, um daraus die individuelle Prämie zu ermitteln – darunter Browser-Cookies, das Einkaufsverhalten oder Einträge bei Facebook.“


(Vgl. Heuer/Tranberg, 2013, S. 120, zit. nach klicksafe.de)

Die Vermessung des Menschen schafft neue Normen

  • Psychometrie mittels Datenanalyse
    Mit Daten aus dem Konsumverhalten, sozialer Vernetzung, Bewegungsverhalten, Mimik, Tippverhalten, Stimme, Gesundheitsdaten, etc. entstehen Persönlichkeitsprofile (Big 5), Prognosen über Belastbarkeit, psychische Stabilität, Partnerwahl, sexuelle und politische Orientierung, und mehr.
  • Neue Normen und Gefahr von Diskriminierung
    Durch diese Vermessung und Selbstvermessung entstehen neue Normen, die oft nicht hinterfragt werden. Warum sollen wir genau 10.000 Schritte gehen? Es besteht die Gefahr, dass der/ die Einzelne diszipliniert wird, Verantwortung individualisiert und Solidarmodelle unterminiert werden.
  • Diskriminierung von Personengruppen sind leicht möglich
    Anders eingesetzt könnten solche Techniken aber auch genutzt werden, um Gesundheitsbelastung in Innenstädten durch Abgase auch ohne Affentests nachzuweisen!
  • Social Score
    Viele Verhaltensdimensionen können zu einem „Social Score“ zusammengefasst werden, der ausweist, wie nützlich jemand für die Gesellschaft ist. In China wird das bereits getestet, z.B. in Rongcheng, einer Stadt im äußersten Osten Chinas mit einer Million Einwohnern. (Vgl. http://www.taz.de/!5480926/)

Methoden:
  • Start-Up in Datarryn
    Das BIG DATA Business Planspiel. Für 8-60 Personen, ab 14 Jahre.
  • Bubblesort
    Spiel zu Sortieralgorithmen im Themenpaket "Was ist ein Algorithmus?"
  • Filterblase
    Ein spielerischer Einstieg in das Thema Datenfluss und -speicherung.
  • Big Datapoly
    Nach dem Vorbild des Monopoly-Brettspiels ein Spiel aus der digitalen Zukunftswerkstatt.


Video:


Publikation

Arbeitshilfe für die Jugendarbeit

Das jfc Medienzentrum Köln hat eine kostenlose Arbeitshilfe für die Jugendarbeit zum Thema Big Data entwickelt. Sie behandelt grundlegende Fragen zum Thema, stellt praktische Methoden für die Jugendarbeit vor und verschafft einen Überblick über weitere Informationen rund um das Thema.

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Übersicht

Tools zur Verschlüsselung

Viele Daten, die online verschickt werden, können mitgelesen werden – von Dienst-Anbietern, Hackern oder Geheimdiensten. Digitale Spuren, die bei der Internetnutzung automatisch hinterlassen werden, sind nachvollziehbar und auswertbar. Das "SIN-Studio im Netz" hat in einer Broschüre Tipps und hilfreiche Tools zusammengestellt, die bei der Verschlüsselung von Daten und Absicherung eigener Geräte unterstützen sollen.

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Datenbank

Medienkompetenz-Datenbank

Die Medienkompetenz-Datenbank bietet einen Überblick über die Vielfalt an länderübergreifenden, überregionalen und regionalen Angeboten zur Förderung der digitalen Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es ist eine systematische Sammlung von nachhaltigen institutionalisierten nicht kommerziellen Angeboten, deren erklärtes Ziel es ist, Medienkompetenz als Kernkompetenz zu fördern.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Überwachung, Tracking, Datenschutz

Alarmismus, antiamerikanische Reflexe, Paranoia oder berechtigte Angst vor der Aushöhlung des Rechtsstaats und der Übermacht technisch hochgerüsteter Geheimdienste? Die Debatte zum Thema Überwachung und Datenschutz ist kompliziert. Netzdebatte vergleicht Positionen, erörtert Hintergründe und diskutiert Perspektiven.

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Viktor Mayer-Schönberger bei den Bonner Gesprächen 2016

Viktor Mayer-Schönberger, der weltbekannte Wissenschaftler und Autor mehrerer Grundsatzwerke zu "Big Data" führte bei den Bonner Gesprächen mit seiner faszinierenden Vortragsweise in das herausfordernde Thema ein.

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einfach Internet

einfach Internet: Online-Leitfäden in einfacher Sprache

Teilhabe mit Medien für alle. Die "Internet-Leitfäden in einfacher Sprache" sind für alle Menschen, die noch wenig Erfahrung mit dem Internet gemacht haben: Die ersten Schritte ins Netz, Facebook, YouTube, WhatsApp selbständig nutzen. Einfache Sprache soll dabei helfen, Informationen besser zu verstehen.

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Dossier

Die Politik des Suchens

Beherrschen Suchmaschinen nicht nur Märkte, sondern auch unser Denken? Am Beispiel von Google untersucht das Dossier deren Bedeutung und innere Systematik. Es diskutiert angemessene Reaktionen in Gesellschaft, Gesetzgebung und Politik sowie von Verbraucherseite.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Internet der Dinge

In ziemlich naher Zukunft werden die Dinge unseres Alltags miteinander kommunizieren und uns das Denken abnehmen. Unser Haus regelt dann selbstständig Wärme und Strom, unser Auto erkennt seinen Fahrer und lenkt uns autonom zur Arbeit. Wie das unser Leben gravierend verändern wird, zeigt der Schwerpunkt „Internet der Dinge“ auf Netzdebatte.

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Mediathek

Evgeny Morozov: Big Data and You

Vortrag und Diskussion in englischer Sprache mit Evgeny Morozov in der neuen Staffel der Reihe Die Neue Weltbühne der Bundeszentrale für politische Bildung am 07.10.2013 in Berlin.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Wer regiert das Netz?

Seit den Anfängen des Internets wird viel und gerne darüber diskutiert, wer im Netz das Sagen hat. Wer regelt den Zugang zum Netz? Wer bestimmt die Spielregeln? Im Schwerpunkt "Wer regiert das Netz" blickt Netzdebatte auf die aktuellen Entwicklungen und Debatten um die Netzinfrastruktur und Netzneutralität.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Open & Big Data

Open und Big Data - zwei Begriffe, deren Bedeutung für die Gesellschaft momentan sehr unterschiedlich verhandelt wird. Während Open Data in der öffentlichen Wahrnehmung zumeist für Offenheit und Transparenz steht, verbindet man mit Big Data riesige, undurchsichtige Datenmengen, die von Geheimdiensten wie Unternehmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verarbeitet werden. Was steckt tatsächlich dahinter?

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Brauchen wir die Vorratsdatenspeicherung?

Die Vorratsdatenspeicherung steht in Deutschland wieder zur Debatte. Auch ein Alleingang, ohne Abstimmung mit Brüssel, scheint nicht undenkbar. Zeit, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Diskutieren sie mit, hier bei uns auf netzdebatte.bpb.de!

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