Lernparcours des jfc Köln

13.3.2018 | Von:
jfc Medienzentrum

Wie können wir aktiv werden?

Vielfach löst die Auseinandersetzung mit dem Thema Gefühle von Ratlosigkeit und Ohnmacht aus. Das ist verständlich, denn mit der Digitalisierung erleben wir eine tiefgreifende technische und gesellschaftliche Wende. Große kommerzielle und staatliche Interessen treiben diese Entwicklung voran. Sie ist von globaler Verflechtung und hoher technischer Dynamik geprägt. Einzelne Personen und die Zivilgesellschaft sind hier zunächst in einer schwachen Position.

1. Abstinenz:

Smartphone wegwerfen, abkoppeln und aussteigen?
Abstinenz IconAbstinenz (© jfc)


Ein Selbstversuch mit Datenfasten macht schnell klar, das Aussteigen kaum möglich ist. Selbst wenn man individuell jede aktive Datenerzeugung vermeiden möchte, gerät man in der digitalisierten Umwelt, die uns umgibt schnell an Grenzen, spätestens bei der Bank, beim Arzt, im öffentlichen Verkehr, wenn wir den Personalausweis nutzen, etc. Zudem wäre man privat und bei der Arbeit schnell isoliert.

Gesellschaftliche Teilhabe wäre deutlich eingeschränkt.

2. Aufklärung:

Kritische Einordnung, bewusste Datenperformance, gegen Diskriminierung
Aufklärung IconAufklärung (© jfc)


Aufklärung über die Zusammenhänge und der bewusste Umgang mit der wachsenden Transparenz unseres Lebens und dem Vorhandensein von Angeboten, die auf BDA und ADM beruhen, sind ein erster Schritt.

Selbst wenn sich die Mediennutzung dadurch zunächst nicht verändert, beobachten wir genauer, wo uns das Wissen um Transparenz, Vergleich und Kontrolle durch Tracking und Selbsttracking beeinflusst. Vielleicht inszenieren wir uns noch bewusster?

Das Wissen um den personalisierten Charakter vieler Angebote kann uns zu kritischeren Verbrauchern machen, die nicht so leicht zu manipulieren sind und nicht in einer „Filterbubble“ verharren.

Wir nehmen wacher wahr, wo Datenanalyse Menschen diskriminiert.

3. Digitale Selbstverteidigung:

Datensparsamkeit, Kryptografie
Selbstverteidigung IconSelbstverteidigung (© jfc)


Mit ihrem Buch „Mich kriegt ihr nicht! Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung“ (2013) stellten Steffan Heuer und Pernille Tranberg die wichtigsten Möglichkeiten zusammen.

Digitale Selbstverteidigung bedeutet:
  • den sparsamen Umgang mit Daten
  • die Nutzung aller Möglichkeiten zum Datenschutz (Cookies löschen, Trackingverbote aktivieren, Mikro ausschalten...)
  • die Nutzung mehrerer Browser und Suchmaschinen
  • die Verschlüsselung von Kommunikation
Das kann man bei KryptoParties lernen. Das sind Events, bei denen in unterhaltsamer Form möglichst abhörsichere verschlüsselte Kommunikationsformen vorgestellt werden. http://de.wikipedia.org/wiki/CryptoParty Anleitungen findet man bei digitalcourage: https://digitalcourage.de/digitale-selbstverteidigung

Digitale Selbstverteidigung bleibt individuell und wird unterlaufen

Selbstverteidigung Icon rechtsSelbstverteidigung (© jfc)


  • Diese Strategien werden durch Tracking der Metadaten und die Neukombination von Daten unterlaufen. Auch bei Kryptografie (Verschlüsselung) fallen Metadaten an, z.B. bei What´s App.
  • Alternative Software und Dienste können sich oft schwer durchsetzen, weil viele Nutzer Kommunikation gern da platzieren, wo „alle“ sind und weil die „Großen“ bequem sind.
  • Digitale Selbstverteidigung erfordert gute Anwenderkenntnisse und viel Selbstdisziplin und schließt dadurch Gruppen aus.
  • diese individuellen Ansätze verlagern die Verantwortung für die Risiken auf die einzelnen NutzerInnen. Sie haben sich im Zweifelsfall nicht ausreichend geschützt, nicht alle „Privacy-Optionen“ angeklickt und doch sowieso den AGB´s zugestimmt...

Politisches Engagement

Politik IconPolitik (© jfc)


Wenn digitale Selbstverteidigung nur für überdurchschnittlich sachkundige und selbstdisziplinierte Menschen praktikabel ist, dann verstärkt eine Gesellschaft, in der digitale Selbstverteidigung nötig ist, tendenziell Diskriminierung und Ungleichheit.

Auf politischer Ebene muss z.B. ausgehandelt werden:

  • Wer darf welche Daten sammeln und weitergeben?
  • Unter welchen Bedingungen? Wie lange?
  • Welche Nutzungsformen/ Produkte aus Datenanalyse sind ethisch o.k.?
  • Wer trackt die Tracker? Welche Strukturen brauchen wir um eine so globale, technisch anspruchsvolle Entwicklung zu kontrollieren?

Wo kann man politisch aktiv werden?

Sprechblase AnimationSprechblase (© jfc)


Engagement als BürgerIn – über die Parteien Nehmen Sie die demokratischen Parteien in die Pflicht! Prüfen Sie, wie sich die Parteien zu Fragen von Datenanalyse äußern, nehmen Sie Einfluss!

Engagement als BürgerIn - zivilgesellschaftlich Wir brauchen viele gute Ideen, Fantasie, Initiative und Aktionsformen. Vielleicht macht es Sinn, vor Ort selbst etwas zu starten?! Es gibt aber auch schon zahlreiche Organisationen, die sich mit der Gestaltung der digitalen Gesellschaft auseinandersetzen, und die Rechte der Nutzer stärken wollen.

Engagement als VerbraucherIn Positionieren Sie sich kritisch und bewusst. Fordern Sie besseren Verbraucherschutz und unterstreichen Sie das durch das eigene Kauf- und Nutzungsverhalten.

Bundesverband der Verbraucherzentralen www.vzbv.de

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Plattformen im Netz

Klicksafe.de

Seit 2004 setzt Klicksafe den Auftrag der EU-Kommission um, Internetnutzern die kompetente und kritische Nutzung von Internet und Neuen Medien zu vermitteln.

In der ethischen Handlungsempfehlung von klicksafe.de wird ein Vier-Punkte-Programm vorgeschlagen, in dem digitale Selbstverteidigung der erste Schritt ist; es folgen politisches Engagement und die Etablierung eines Big-Data-Kodex, um schließlich „Privacy by Design“ zu erreichen.
www.klicksafe.de/themen/medienethik/privatsphaere-und-big-data/was-koennen-wir-tun/


ccc.de

Der Chaos Computer Club e. V. (CCC) ist die größte europäische Hackervereinigung und seit über dreißig Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen.


netzpolitik.org

ist eine Plattform für digitale Freiheitsrechte. Wir thematisieren die wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik und zeigen Wege auf, wie man sich auch selbst mit Hilfe des Netzes für digitale Freiheiten und Offenheit engagieren kann.


Tipps zur Vertiefung

Methoden
  • DIGITOPIA
    Zukunftswerkstatt, Planspiel. Für 8-40 Personen, ab 16 Jahre.
  • Tools zur Verschlüsselung
    Broschüre mit Tipps und hilfreiche Tools, die bei der Verschlüsselung von Daten und Absicherung eigener Geräte unterstützen sollen.


Video


Publikation

Arbeitshilfe für die Jugendarbeit

Das jfc Medienzentrum Köln hat eine kostenlose Arbeitshilfe für die Jugendarbeit zum Thema Big Data entwickelt. Sie behandelt grundlegende Fragen zum Thema, stellt praktische Methoden für die Jugendarbeit vor und verschafft einen Überblick über weitere Informationen rund um das Thema.

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Übersicht

Tools zur Verschlüsselung

Viele Daten, die online verschickt werden, können mitgelesen werden – von Dienst-Anbietern, Hackern oder Geheimdiensten. Digitale Spuren, die bei der Internetnutzung automatisch hinterlassen werden, sind nachvollziehbar und auswertbar. Das "SIN-Studio im Netz" hat in einer Broschüre Tipps und hilfreiche Tools zusammengestellt, die bei der Verschlüsselung von Daten und Absicherung eigener Geräte unterstützen sollen.

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Datenbank

Medienkompetenz-Datenbank

Die Medienkompetenz-Datenbank bietet einen Überblick über die Vielfalt an länderübergreifenden, überregionalen und regionalen Angeboten zur Förderung der digitalen Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es ist eine systematische Sammlung von nachhaltigen institutionalisierten nicht kommerziellen Angeboten, deren erklärtes Ziel es ist, Medienkompetenz als Kernkompetenz zu fördern.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Überwachung, Tracking, Datenschutz

Alarmismus, antiamerikanische Reflexe, Paranoia oder berechtigte Angst vor der Aushöhlung des Rechtsstaats und der Übermacht technisch hochgerüsteter Geheimdienste? Die Debatte zum Thema Überwachung und Datenschutz ist kompliziert. Netzdebatte vergleicht Positionen, erörtert Hintergründe und diskutiert Perspektiven.

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Viktor Mayer-Schönberger bei den Bonner Gesprächen 2016

Viktor Mayer-Schönberger, der weltbekannte Wissenschaftler und Autor mehrerer Grundsatzwerke zu "Big Data" führte bei den Bonner Gesprächen mit seiner faszinierenden Vortragsweise in das herausfordernde Thema ein.

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einfach Internet

einfach Internet: Online-Leitfäden in einfacher Sprache

Teilhabe mit Medien für alle. Die "Internet-Leitfäden in einfacher Sprache" sind für alle Menschen, die noch wenig Erfahrung mit dem Internet gemacht haben: Die ersten Schritte ins Netz, Facebook, YouTube, WhatsApp selbständig nutzen. Einfache Sprache soll dabei helfen, Informationen besser zu verstehen.

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Dossier

Die Politik des Suchens

Beherrschen Suchmaschinen nicht nur Märkte, sondern auch unser Denken? Am Beispiel von Google untersucht das Dossier deren Bedeutung und innere Systematik. Es diskutiert angemessene Reaktionen in Gesellschaft, Gesetzgebung und Politik sowie von Verbraucherseite.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Internet der Dinge

In ziemlich naher Zukunft werden die Dinge unseres Alltags miteinander kommunizieren und uns das Denken abnehmen. Unser Haus regelt dann selbstständig Wärme und Strom, unser Auto erkennt seinen Fahrer und lenkt uns autonom zur Arbeit. Wie das unser Leben gravierend verändern wird, zeigt der Schwerpunkt „Internet der Dinge“ auf Netzdebatte.

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Mediathek

Evgeny Morozov: Big Data and You

Vortrag und Diskussion in englischer Sprache mit Evgeny Morozov in der neuen Staffel der Reihe Die Neue Weltbühne der Bundeszentrale für politische Bildung am 07.10.2013 in Berlin.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Wer regiert das Netz?

Seit den Anfängen des Internets wird viel und gerne darüber diskutiert, wer im Netz das Sagen hat. Wer regelt den Zugang zum Netz? Wer bestimmt die Spielregeln? Im Schwerpunkt "Wer regiert das Netz" blickt Netzdebatte auf die aktuellen Entwicklungen und Debatten um die Netzinfrastruktur und Netzneutralität.

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Open & Big Data

Open und Big Data - zwei Begriffe, deren Bedeutung für die Gesellschaft momentan sehr unterschiedlich verhandelt wird. Während Open Data in der öffentlichen Wahrnehmung zumeist für Offenheit und Transparenz steht, verbindet man mit Big Data riesige, undurchsichtige Datenmengen, die von Geheimdiensten wie Unternehmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verarbeitet werden. Was steckt tatsächlich dahinter?

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Schwerpunktthema "Die Netzdebatte"

Brauchen wir die Vorratsdatenspeicherung?

Die Vorratsdatenspeicherung steht in Deutschland wieder zur Debatte. Auch ein Alleingang, ohne Abstimmung mit Brüssel, scheint nicht undenkbar. Zeit, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Diskutieren sie mit, hier bei uns auf netzdebatte.bpb.de!

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