Kinderparlament

Zukunftswerkstatt (allgemein)

Methodentyp:
Spezifische Partizipationsmethode

Kurzbeschreibung:
In einer Zukunftswerkstatt erarbeitet eine Gruppe von Kindern oder Jugendlichen Lösungsvorschläge oder Umsetzungsstrategien zu einem Thema oder einem Problem. Hierbei wird nach einem dreiteiligen Phasenaufbau (Kritik-Ideen-Umsetzung), sowie nach fantasiefördernden Regeln und Methoden vorgegangen.

Altersgruppe: 8 - 99 Jahre
Gruppengröße 12 - 30
Gruppeneigenschaften Kinder, Jugendliche, Erwachsene
Dauer: mehrtägig (zusammen)
Ort: drinnen
Verfahren: schreiben, zeichnen und malen, bauen und formen, mit einfachen Symbolen
Personal: Moderator/in
Vorbereitungsaufwand: hoch
Ziele: Kopf frei zu bekommen für die Phantasiephase
Materialbedarf: hoch
Sozialform: individuelles Arbeiten, in Paaren, in Kleingruppen, in der Gesamtgruppe
Inhaltlich offen: nein
Beteiligungsstufe: hoch
Teilnehmerrekrutierung: ausgewählte TeilnehmerInnen/Gruppen, feste Gruppen, gewählte TeilnehmerInnen/Vertreter/Delegierte


Verlauf / Beschreibung:
Eine Zukunftswerkstatt besteht immer aus drei Hauptphasen (Kritik-, Fantasie- und Utopiephase, Umsetzungsphase) plus einer Einstiegs- und einer Ausstiegsphase. Je nach Teilnehmergruppe können die Phasen auch umbenannt werden (bei Kindern zum Beispiel in: Meckerphase, Wunsch- und Traumphase, Losleg-Phase).

Im folgenden werden nun die einzelnen Phasen mit ihren jeweiligen Zielsetzungen kurz beschrieben. Außerdem stehen am Ende jeder Phase Verweise zu Methoden, die sich für die jeweilige Phase anbieten.

1. Einstiegsphase

Sie soll der Gruppe das Ankommen und Orientieren am Anfang der Zukunftswerkstatt erleichtern. Wichtig sind aktivierende Methoden, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst tätig werden, miteinander ins Gespräch kommen und langsam in das Thema einsteigen.

Methoden sind z. B.: Kennlernspiele, Metaphern und Satzanfänge auf Wandzeitungen.

Außerdem sollten eine Vorstellungsrunde, eine kurze Einführung in die Zukunftswerkstatt ("Was ist eine Zukunftswerkstatt?", "Welche Regeln gibt's?", "Was wollen wir heute machen?") und die Klärung des Organisatorischen erfolgen (siehe Beispiel).

2. Kritikphase ("Meckerphase")

In der Kritikphase wird unter einer (oder mehreren) Fragestellung(en) ordentlich Dampf abgelassen. Diese Phase dient eher dazu, Kritik zu sammeln, und nicht der detaillierten Analyse der Kritik.

Ziel ist es, den Kopf für Neues frei zu bekommen und die Grundlage für Assoziationen bei der kreativen Ideenentwicklung in der folgenden Fantasiephase zu legen. Ein angstfreies Klima ist in der Kritikphase wichtig. Alles darf gesagt, geschrieben und kritisiert werden.

Geeignete Methoden: Kritiksammlung auf Moderationskarten, Klagemauer, Kritikcollage, Kritikzeichnungen, Matrix-Bewertung: Sauerei des Monats, Jugend-TÜV.

3. Fantasie- und Utopiephase (Wunsch- und Traumphase)

Hier geht es darum, die Gegenwelt zur Kritik zu schaffen, Problemlösungen und neue Ideen zu entwickeln. "Wie wäre es ideal?", "Was wünsche ich mir?", "Was erträume ich mir?", "Wie könnten wir es besser machen?" sind die Fragen in dieser Phase. Alles kann erträumt werden, nichts ist unmöglich.

In der Fantasiephase sind Fantasielockerungen und Kreativmethoden wichtig, um den Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen das häufig ungewohnte Träumen und Spinnen zu erleichtern. Die Fantasiephase muß sehr deutlich von den anderen Phasen getrennt werden! Kritik an den Ideen und Wünschen oder die Überprüfung der Realisierbarkeit haben im Kern der Fantasiephase nichts zu suchen!

Gut geeignete Methoden: Planungssprint, Erfindungsspiel, Brainstorming, Modellbau.

4. Umsetzungsphase ("Losleg-Phase")

Nach den Höhenflügen in der Fantasie- und Utopiephase geht's nun "auf den Boden der Tatsachen" zurück. In dieser Phase wird geschaut, welche Ideen, Wünsche weiterbearbeitet werden sollen und für die Gruppe am wichtigsten sind. Danach steht die Frage im Vordergrund, wie die Umsetzung dieser Ideen angegangen werden kann. Nach Möglichkeit sollte diese Phase mit einem Handlungsplan ("Was müssen wir erledigen?" und "Wer macht was?") enden. Ziel ist es, die Teilnehmenden auch über die Zukunftswerkstatt hinaus zum aktiven Handeln zu motivieren.

Geeignete Methoden: Handlungsplan, Wandzeitungssammlung mit Zuruffrage, Mehrpunktentscheidung.

Variante zur Umsetzungsphase:

Findet die Zukunftswerkstatt im Rahmen einer umfassenden Beteiligungsspirale statt, wird die Umsetzungsphase der Zukunftswerkstatt durch eine Präsentationsphase ersetzt. Hierdurch verlagert sich die Erarbeitung von konkreten Handlungsschritten in einen nachfolgenden Planungszirkel. Die Zukunftswerkstatt endet bei dieser Variante mit einer öffentlichen Präsentation der Ergebnisse aus der Fantasiephase.

Zur Präsentation ergeht eine Einladung an die für die Umsetzung des Projekts wichtigen Leute und weitere Interessierte (Politiker, Experten, Planer, Eltern, Anwohner usw.). Außerdem dürfen die Medien nicht fehlen.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass die Besucher und Besucherinnen der Präsentation meist von der positiven, emotionalen Stimmung, die bei der Zukunftswerkstatt entsteht, angesteckt werden und so in Zukunft dem Projekt und seiner Umsetzung sehr aufgeschlossen und wohlwollend gegenüberstehen.

Die eigentliche Umsetzungsphase findet in dieser Variante bei den nächsten Treffen der Gruppe im Planungszirkel statt.

5. Ausstiegsphase ("Abschiedsphase")

Mit dieser Phase endet die Zukunftswerkstatt.

Es findet vor allem ein Gesamtfeedback statt.

Geeignete Methoden: z. B. Einpunktentscheidung, Beantwortung von Auswertungsfragen auf Moderationskärtchen.

Hinweise zur Durchführung:
  • Für welche Situation geeignet? a) zur Entwicklung von Projektideen mit Kindern und Jugendlichen b) Gestaltung eines Skate- oder Spielgeländes, Jugendzentrums, Gestaltung eines Baugebietes, eines Marktplatzes, Bürgerparks etc. c) um Kritik, Bedürfnisse, Wünsche, Ideen und Vorschläge von Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit ihnen herauszufinden d) geeignet für Themen, von denen die Kinder und Jugendlichen direkt betroffen sind e) wenn phantasievoll und trotzdem ergebnisorientiert gearbeitet werden soll
  • Vorteile: kreativitätsfördernd, aktivierend, handlungs- und teilnehmerorientiert, demokratisch; befähigt zu Eigenverantwortung und Selbstinitiative; ergebnisorientiert; mobilisiert und motiviert langfristig.
  • Nachteile: hoher Aufwand, immer ein gewisser Zeitdruck, nur mit in der Methode ausgebildeten Moderatorinnen/Moderatoren durchführbar.
  • Zukunftswerkstätten können nur durch ausgebildete Moderatorinnen und Moderatoren durchgeführt werden.
Pädagogische Hinweise:
keine

Vorbereitungen:
Unter Berücksichtigung verschiedener Zukunftswerkstattprinzipien (Phasenaufbau, Wechsel von Kleingruppe und Plenum, Fragen stellen statt vorgefertigte Antworten geben ...) muss ein Konzept für die Zukunftswerkstatt erarbeitet werden. Diese Planung erfolgt spezifisch und maßgeschneidert für das jeweilige Thema bzw. Problem und die Teilnehmergruppe. Bei der Konzepterarbeitung ist es wichtig, für jede Phase der Zukunftswerkstatt präzise Leitfragen zu formulieren, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bearbeitet werden sollen. Das Material wird vor der Veranstaltung sorgfältig zusammengestellt, und die Räume, in denen die Zukunftswerkstatt stattfinden soll, werden nach Möglichkeit schon am Abend vor der Werkstatt hergerichtet (offener Stuhlkreis, Pinnwände oder Wandzeitungen, Material bereitstellen, Tische weitgehend hinausstellen).

Varianten:
keine

Sonstiges:
keine Angaben

Benötigtes Material:
Die Materialien und Hilfsmittel sind je nach Thema, Zielsetzung und Gruppengröße verschieden. Hier einige Beispiele und Denkanstöße für die Materialbeschaffung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
große Papierbögen,
Pinnwände,
Nadeln,
Stifte,
dicke Filz- oder Wachsmalstifte,
Moderationskarten,
Kassettenrecorder/CD-Player (CDs, Kassetten),
Essen und Getränke

Quelle:
Quelle

Personelle Erfordernisse:
zwei Moderatoren, die in der Methode der Zukunftswerkstatt ausgebildet sind, ein bis zwei Helfer


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