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Dossierbild: Planspiele

1.4.2010 | Von:
Dr. Stefan Rappenglück

Zeitlicher Rahmen

Die Simulationsmethodik in der außerschulischen Bildungsarbeit ist eine didaktische sogenannte "Großmethode", die mit einer umfassenden Vorbereitung und einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden ist. Außerdem muss genügend und flexible Zeit zur Verfügung stehen.

Während die Simulationsmethodik in der außerschulischen Bildungsarbeit über eine lange und ergiebige Tradition verfügt, wird sie in Schulen erst seit kürzerer Zeit eingesetzt, weil sie eine didaktische sogenannte "Großmethode" darstellt, die mit einer umfassenden Vorbereitung und einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden ist.

Außerdem muss genügend und flexible Zeit zur Verfügung stehen, die in der Schule mit ihrem regulären 45-Minuten-Schulstundentakt oft nur eingeschränkt vorhanden ist. In der Praxis hat es sich bewährt, mindestens acht Stunden (ein Seminartag) für die Durchführung eines Planspiels anzusetzen: fünf Stunden als reine Spielzeit und jeweils 90 Minuten für die Vor- und Nachbereitung der Simulation.

ABLAUFSCHEMA
Elemente Zeit
EINFÜHRUNG
Einführung in die Planspielmethode, Zielsetzung der Simulation, Rollenverteilung Organisatorische Fragen, Einarbeitung in die Rollen, ggf. Infos zur EU und zum Politikfeld 90 Minuten
SIMULATION
Wechselseitiger Verhandlungs- und Entscheidungsprozess unter Beteiligung des Rates der Europäischen Union, Vertretern des Europäischen Parlamentes, der Europäischen Kommission, weiteren Interessensvertretern (je nach Politikfeld und Entscheidungsverfahren) und medialer Begleitung durch Pressevertreterinnen und -vertreter.

Aktionsformen: Diskussionen und Interaktionen, Pressekonferenzen, Beratungen, Anhörungen, Abschlussreden
300 Minuten
AUSWERTUNG
Persönliche Ebene
Inhaltliche Ebene
90 Minuten


Je nach Teilnehmerzahl und Spielanlage können Simulationen auch mehrere Tage dauern, wie beispielsweise das "Modell United Nations" [1], oder die Großsimulation "Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren" im Deutschen Bundestag oder den Planspielansatz: "Die Schule als Staat" [2]. Einen Mittelweg bestreitet das Planspiel: "Der Landtag sind wir!" Dieses im Auftrag des Besucherdienstes des Bayerischen Landtags entwickelte Planspiel zur Vermittlung des Gesetzgebungsprozesses wird von Teamerinnen und Teamern des Centrums für angewandte Politikforschung der LMU München jährlich an 90 allgemeinbildenden Schulen bayernweit in einem knappen und straffen Zeitbudget von 5 Schulstunden durchgeführt [3].

Um die Planspielmethodik vermehrt auch im Unterricht einsetzen zu können, werden zunehmend Kurzplanspiele entwickelt und durchgeführt. Es stellt sich jedoch die berechtigte Frage, ob es sich hierbei noch wirklich um Simulationen im eigentlichen Sinne handelt, oder es nicht eher Rollenspiele sind.

Um die Lernziele von Simulationen optimal erreichen zu können, sollten Planspiele in der Schule entweder im fächerübergreifenden Unterricht, an Projekttagen oder einer Projektwoche durchgeführt werden.

Die Planspielkonzeption ermöglicht einzelne Abschnitte zeitlich zu straffen oder zu erweitern, um auf die spezifischen Wünsche der jeweiligen Teilnehmenden (z.B. Wunsch nach längerer Beratungszeit und Teamarbeit) und möglichen strukturellen Rahmenbedingungen eingehen zu können. Es ist sinnvoll, während des Spielverlaufs flexibel mit den anberaumten Konferenzzeiten umzugehen und Pausen für "informelle Gespräche" einzuplanen. Essenszeiten sollten spieltechnisch in den Ablauf eingebunden werden, z.B. als Arbeitsessen.

In der flexibleren außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung sollten – um einen realitätsnahen Verhandlungs- und Entscheidungsprozess und einen nachhaltigen Lernprozess zu ermöglichen – Planspiele an zwei Tagen angeboten werden. Hierbei kann am ersten Seminartag intensiver auf den Politikgegenstand und die beteiligten Akteure mit ihren Interessen eingegangen werden (die sog. theoretische Aufbereitung), während das Planspiel am zweiten Tag dann ausführlicher durchgeführt und evaluiert werden kann.

Fußnoten

1.
Vgl. Wesel, Reinhard/ Blätte, Andreas: Simulation von politischen Prozessen. Einsatz des Planspiels: Modell United Nations, in: Polis 1/2001, S. 16-19.
2.
Vgl. Michael Marker: Die Schule als Staat. Demokratiekompetenz durch lernendes Handeln. Schwalbach 2009, S.143/144.
3.
Vgl. zum Konzept und Umsetzung: Rappenglück, Stefan: Den Bayerischen Landtag spielerisch vermitteln: In: Forum Politikunterricht. 1/2008, S.8-12; http://www.bayern.landtag.de.
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