Büroutensilien

24.5.2014 | Von:
Siegfried Heinemann

Im Praxistest: Themenblätter im Unterricht "Mahnmal Erster Weltkrieg" (Nr. 103)

Die Rezension

Das Thema „Erster Weltkrieg“ ist auch für ältere Schülerinnen und Schüler weit weg und kaum fassbar. Die in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Jugendlichen kennen eine Zeit des Krieges nur aus Erzählungen anderer Generationen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, oder von Altersgenossen, die aus Krisengebieten nach Deutschland kamen. Das Thema „Erster Weltkrieg“ ist allenfalls durch Medienberichte zum 100-jährigen Jubiläum präsent. Das Themenblatt „Mahnmal Erster Weltkrieg“ greift einzelne Aspekte auf und vermittelt Jugendlichen Fakten darüber, wie es zu diesem Krieg kam und welche Lehren wir daraus ziehen können. Außerdem wird die Fragen gestellt, wie nach dem Ende eines Krieges Frieden möglich ist und wie die Erinnerung an die Auswirkungen dieses Krieges auch heute noch wach gehalten werden kann.

Coverbild Mahnmal Erster WeltkriegNeben historischen Fakten bietet das Themenblatt Diskussionsansätze zu Formen heutiger Erinnerungskultur. (© bpb)

Konzeption des Materials

Mit Begeisterung und großem Enthusiasmus zog Deutschland unter Kaiser Wilhelm II 1914 in den Ersten Weltkrieg. Dieser wurde von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, In Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren geführt und kostete rund 17 Millionen Menschen das Leben. Der schnell erwartete Sieg blieb aus. Im Laufe der Jahre prägten Tod, Gewalt, Not und Elend das Leben der Menschen an der Front bzw. in der Heimat. Die Themenmappe „Mahnmal Erster Weltkrieg“ zeigt den Ersten Weltkrieg aus historischer Perspektive, verweist aber auch auf die Möglichkeiten heutiger Erinnerungskultur und auf die Chancen von internationaler Jugend- und Versöhnungsarbeit in diesem Bereich. Es präsentiert außerdem (praktische) Ansätze für den Unterricht, um sich dem Thema zu nähern.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Das doppelseitige Arbeitsblatt ist in zwei Schwerpunkte aufgegliedert:
  • Welche Lehren man aus dem Ersten Weltkrieg ziehen kann hinsichtlich der Kriegsvermeidung und
  • welche Schritte zu Frieden und Versöhnung möglich sind.
Zu Beginn setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit der damals herrschenden Kriegsbegeisterung und Kriegsrealität auseinander, als Material dienen unterschiedliche Fotos, zu denen Arbeitsaufgaben formuliert sind. Die Schüler befassen sich außerdem mit lokalen Krieger- oder Kriegsdenkmälern, auch hier sind Arbeits- und Beobachtungsaufgaben (Erkundung/Interpretation/Recherche)angegeben. Die Auseinandersetzung mit der Kriegsgräberfürsorge, hier dargestellt durch informierende Texte, soll den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, dass überall in Europa sehr viele Friedhöfe existieren, auf denen die Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges begraben sind. Die Lernenden sollen sich außerdem mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr auseinandersetzen und erfahren in einem Text Möglichkeiten der Verständigung zwischen Jugendlichen in Europa. Zu allen Texten bzw. Bildern sind kurz Arbeitsaufgaben notiert. Die Lehrerblätter 01-06 bieten der Lehrkraft wichtige und hilfreiche Hintergrundinformationen und praktische Ratschläge für den Unterricht, besonders die methodischen Hinweise für die Beschäftigung mit Denkmälern sind sehr hilfreich.

Anregungen

Die Idee ist einleuchtend und nachvollziehbar: Jugendliche setzen sich mit den Schrecken des Ersten Weltkries auseinander, erfahren über die Chancen der Kriegsvermeidung und erhalten praktische Beispiele von der Friedens- und Versöhnungsarbeit unter Jugendlichen. Gerade Jugendliche, die sich in einem Suchprozess und einer Orientierungsphase befinden, erhalten hier Anregungen, wie und wo sie sich engagieren können. Einsetzbar ist das Unterrichtsmaterial ab Klasse 9, eine gewisse Lesekompetenz bzw. die Fähigkeit zum Umgang mit Texten sollte gegeben sein. Neben der „normalen“, im Stundenplan verankerten Geschichtsunterricht, ist das Material gut geeignet für Wahlpflichtkurse oder Projektgruppen. Bei einem Einsatz im Sekundarbereich II muss ergänzendes Material dazugenommen werden. In vielen Bundesländern wird das Fach Geschichte im Sekundarbereich oft nur einstündig oder kombiniert mit anderen Fächern unterrichtet. Die hier vorliegenden Materialien ermöglichen einen exemplarischen Einstieg – sowohl rückblickend als auch in die Zukunft gerichtet. Sinnvoll und einleuchtend ist eine Zusammenarbeit mit anderen Fächern:
  • Werden Denkmäler vor Ort aufgesucht, können Elemente der Stadtgeographie eingebaut werden.
  • Für den Schwerpunkt Friedenssicherung bietet sich das Fach Politik an.
  • Im Religionsunterricht spielt das Stichwort „Erinnerungskultur“ eine zentrale Rolle; viele Inschriften auf Denkmälern enthalten religiöse Formulierungen ( für „Gott und Vaterland“).
  • Im Deutschunterricht kann die sprachliche Gestaltung der Inschriften auf Kriegerdenkmälern in den Blick genommen werden.
  • Der Kunstunterricht kann seinen Beitrag zu Fragen der ästhetischen Gestaltung leisten.
Schüler, die über entsprechende Lesekompetenz verfügen, dürften mit den angegebenen Texten keine Schwierigkeiten haben, während für leseschwache Schüler nicht alles verständlich sein wird. Hier muss geeignetes Anschauungsmaterial zur Verfügung gestellt werden; z.B. Fotos, die im Lehrerteil vorhanden sind. Anregungen dazu liefern auch die angegebenen Internetadressen.

Aktuell: Besonders geeignet und sehr lohnenswert ist auch das gerade erschienene Heft der Informationen zur politischen Bildung "Zeitalter der Weltkriege" (Heft 312).

Zum Themenblatt

Das Themenblatt ist im Mai 2014 erschienen und umfasst 11 Seiten, davon ein doppelseitiges Arbeitsblatt im Abreißblock (31 Stück), Lösungen und didaktische Hinweise sowie Zusatzinformationen für die Lehrkraft, Hinweise auf weiterführende Literatur und Internetadressen. Die Ausgabe "Mahnmal Erster Weltkrieg" ist im Shop kostenlos bestellbar und steht darüber hinaus dort auch zum Download bereit.


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