Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

22.3.2019 | Von:
Andrea Szukala
Sabine Kühmichel
Cornelius Knab

Modul 2: Wissen und Einstellungen zur EU - Was wisst und haltet ihr von der EU?

Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich in diesem Modul mit der Frage, warum Wissen über die EU wichtig ist – bzw. was die Konsequenz ist, wenn Menschen nichts oder nur wenig über die EU und ihre Aufgaben wissen. Anschließend führen Sie eine Umfrage durch, um herauszufinden, welches Wissen über und welche Einstellungen zur EU und Europawahl vorherrschen.

Zitat:

Wissen

"Wer nichts weiß, muss alles glauben."


Marie von Ebner-Eschenbach - Aphorismen. Aus: Schriften. Bd. 1, Berlin: Paetel. 1893. S. 21.

Lernziele


Die Schülerinnen und Schüler …
  • können anhand von verschiedenen Materialien (Karikatur, Aussagen, Text, Experteninterview) die Art der Kampagnenführung im Vorfeld des Brexit-Referendums analysieren und als tendenziell auf Emotionalität und auf Lügen bzw. Halbwahrheiten basierend identifizieren.
  • sind - unterstützt durch Informationen aus einem Experteninterview - in der Lage vom Beispiel des Brexit-Referendums abzuleiten, warum Wissen bzw. Informiertsein wichtig ist, wenn es um politische Entscheidungen geht.
  • setzen sich mit ihren eigenen (je nach Umfrageart auch denen anderer EU-Bürgerinnen und -Bürger) Meinungen und Einstellungen sowie Wissen im Hinblick auf Europa und Europawahlen auseinander.
  • lernen Vorgehensweisen der empirischen Sozialforschung und die Bedeutung von Befragungen kennen.
  • erheben fragegeleitet Daten und Zusammenhänge mit Hilfe empirischer Methoden der Sozialwissenschaften.
  • wenden statistische Verfahren der Datenauswertung an (einfache Häufigkeitsauszählung / Erstellen einer Kreuztabelle) und werten die Daten fragegeleitet im Hinblick auf Aussage- und Geltungsbereiche, Darstellungsarten, Trends und Gesetzmäßigkeiten aus.
  • stellen selbst erarbeitete Sachverhalte korrekt und verständlich mithilfe ausgewählter Präsentationsformen dar.
Im ersten Teil des Moduls beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler exemplarisch mit dem Brexit-Referendum, bei dem deutlich wird, welche Konsequenzen begrenztes Wissen zur EU haben kann. Vermutlich war vielen Briten nicht klar, was der Austritt aus der EU mit allen Auswirkungen letztlich bedeutet, was den Erfolg der auf Emotionalität und Halbwahrheiten basierenden Kampagnen erklären könnte.

Einstieg: Karikatur zu den Brexit-Kampagnen:
Brian Adcock karikiert das Brexit Referendum bzw. die Kampagnen zu diesem als Tomatensoße - bestehend aus überwiegend Lügen, Angst und Idiotie  - und mit bitterem Nachgeschmack.Brian Adcock karikiert das Brexit Referendum als Tomatensoße mit bitterem Nachgeschmack. (© Brian Adcock)
Zum Einstieg beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit einer Karikatur (M 02.01) zu den Kampagnen vor dem Brexit-Referendum, in der deutlich wird, dass bei den Kampagnen mit Angstmacherei und Lügen gearbeitet wurde.

Erarbeitung: Darauf aufbauend analysieren die Schülerinnen und Schüler im Material „Alles Lüge?“ (M 02.02) Schlagzeilen und Aussagen aus den Brexit-Kampagnen. Die Schülerinnen und Schülern überprüfen mithilfe einer Internetrecherche die Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt und untersuchen und bewerten die Strategien in der Kampagnenführung.

Das Material bietet eine Möglichkeit zur Binnendifferenzierung. Während bei einigen Aussagen recht schnell der Wahrheitsgehalt überprüft werden kann, ist dies bei anderen etwas schwieriger. Man kann den Schülerinnen und Schülern daher ggf. freistellen, welche und wie viele Aussagen sie überprüfen wollen und anschließend im Plenum zusammentragen.

Auch wenn bei einigen Aussagen aufgrund der Komplexität nicht eindeutig gesagt werden kann, dass gelogen wurde, wird deutlich, dass die Kampagnen vornehmlich mithilfe von Halbwahrheiten und sehr verkürzter Darstellung der jeweiligen Problematik geführt wurden und das Ziel hatten, Emotionen zu schüren und Vorurteile zu bedienen. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, den Sachverhalt detaillierter zu überprüfen.

In der Besprechung der Ergebnisse geht es neben der Überprüfung des Wahrheitsgehalts außerdem um eine Analyse und Bewertung der Strategien bei der Kampagnenführung. In Info M 02.02 erhalten Lehrkräfte Hintergrundinformationen zur Beurteilung und Einordnung der Aussagen. Bei eher leistungsschwächeren Klassen oder nur wenig zur Verfügung stehender Zeit kann die Bearbeitung dieses Materials auch ausgelassen werden und nach der Einstiegskarikatur direkt mit dem Ergebnis des Brexit-Referendums weitergemacht werden.

In diesem Schritt untersuchen die Schülerinnen und Schüler, wie das Brexit-Referendum letztlich ausgegangen ist.

Erarbeitung: Wie haben die Briten abgestimmt?

Grafik zum Ergebnis des Brexit-ReferendumsGrafik zum Ergebnis des Brexit-Referendums (© Team "Forsche mit GrafStat")
Mithilfe von ausgewählten Diagrammen zum Ergebnis des Brexit-Referendums (M 02.03) untersuchen die Schülerinnen und Schüler, wie die britische Bevölkerung beim Brexit-Referendum abgestimmt hat. Bei der Analyse der Daten wird deutlich, dass in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen (je nach Alter, Bildungsabschluss oder Parteipräferenz) eindeutige Tendenzen für oder gegen den Brexit zu verzeichnen sind. Die Bearbeitung des Materials kann mithilfe des Arbeitsblattes in Einzelarbeit oder aber auch in Form eines Think-Pair-Shares durchgeführt werden. Nach der Besprechung der Ergebnisse in der Klasse, schließt sich die Frage an, welche Rolle Wissen bzw. Unwissenheit über die EU bei der Brexit-Entscheidung und hinsichtlich der Wirksamkeit der Kampagnen gespielt hat.

Karikatur von Christian Adams in der sowohl ein Vertreter der Leave als auch ein Vertreter der Remain-Brexit-Kampagne einem im Bett liegenden Kind Angst macht mit dem Spruch: "Wenn du die EU nicht verlässt ... bzw. nicht in der EU bleibst, dann holt dich der Bogeyman!"The Bogeyman von Christian Adams (© Telegraph Media Group Limited 2016)
Ein vertiefender Text (M 02.04) erläutert noch einmal detaillierter die Kampagnenführung sowie die Rolle von Wissen und Informationen bei politischen Entscheidungsprozessen. Beim Brexit-Referendum war vielen wahrscheinlich nicht bewusst, welche Konsequenzen der Brexit letztlich hat. (Folge: Vertrauen auf Richtigkeit der Kampagnenaussagen)


Zusatzmaterial: Experteninterview mit Prof. Dr. Oliver Treib (Universität Münster)
Zusatzmaterial: Experteninterview mit Prof. Dr. Oliver Treib Im Experteninterview erläutert Professor Treib am Beispiel des Brexit-Referendums die Rolle von Wissen und Information der Bürgerinnen und Bürger durch Politik und Medien im Vorfeld von politischen Entscheidungsprozessen, z.B. vor einer Volksabstimmung wie dem Brexit-Referendum. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© Cornelius Knab)
Im Experteninterview geht Professor Treib (Politikwissenschaftler mit Professur für „Vergleichende Policy-Forschung und Methoden empirischer Sozialforschung“ an der Universität Münster) dieser Frage nach. Er greift dabei viele Aspekte, die die Schülerinnen und Schüler in Modul 2 hinsichtlich des Brexit-Referendums und der Kampagnen schon kennengelernt haben, auf und präzisiert die Rolle von Wissen und Information der Bürgerinnen und Bürger durch Politik und Medien im Vorfeld von politischen Entscheidungsprozessen z. B. vor einer Volksabstimmung. Das Interview eignet sich daher sowohl für eine Festigung des bisher Gelernten als auch für eine Vertiefung.

Fazit dieses ersten Teils des Moduls: Wissen über die EU ist wichtig, insbesondere, wenn es darum geht, verantwortungsvoll politische Entscheidungen zu treffen.

Befragungsprojekt

Im zweiten Teil des Moduls ermitteln die Schülerinnen und Schüler wie es um das Wissen über die EU und die Europawahl in ihrer Klasse bzw. der Bevölkerung bestellt ist und welche Meinungen und Einstellungen über die EU vorherrschen.

Überleitung: Die Impulsfrage zur Überleitung aus dem ersten Teil könnte folgendermaßen lauten: „Wie sieht das allgemein mit dem Wissen über die EU und Ihre Aufgaben aus? Wie kann man herausfinden, was Menschen über die EU wissen und denken?“

Im Unterrichtsgespräch wird gemeinsam nach Möglichkeiten der Überprüfung gesucht. Sehr wahrscheinlich wird auch eine Umfrage als Möglichkeit genannt.
Im Folgenden bietet es sich an, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsam eine eigene Umfrage zum Thema „Einstellungen und Wissen zur EU durchführen“ planen, durchführen und auswerten. Für den deutschsprachigen Unterricht bietet sich die Software GrafStat (kostenlos für den öffentlichen Bildungsbereich: www.grafstat.de) als Hilfsmittel an.[1]

Die Durchführung und Auswertung der Befragung kann von den Schülerinnen und Schülern eigenständig geplant und umgesetzt werden.

Vorschau des Musterfragebogens "Europa" (M 02.05)Vorschau des Musterfragebogens "Europa" (M 02.05) (© Team Forschen mit GrafStat)
Für die Befragung steht ein Musterfragebogen (M 02.05) bereit, der geeignete Items zur Verfügung stellt, die sowohl Einstellungen als auch Wissen zur EU abfragen. Der Musterfragebogen liegt als PDF-Icon PDF und als GrafStat-Fragebogen (ZIP-Datei) vor und kann bei Bedarf von den Schülerinnen und Schülern mit der Software noch modifiziert werden. (Löschen von vorhandenen und Ergänzen von eigenen Fragen etc.)

Für den Fall, dass man einen eigenen Fragebogen von den Schülerinnen und Schülern selbst entwickeln lassen möchte, empfiehlt es sich, im Vorfeld nach vergleichbaren Studien zu suchen. Dies bietet sowohl die Möglichkeit, sich bei der Fragebogenkonstruktion an erprobten Items zu orientieren, als auch ggf. in der Datenauswertung auf Vergleichsdaten für eine Einordnung der eignen Ergebnisse zurückgreifen zu können.

Eine Sammlung von hilfreichen Informationen zum Einsatz der Software GrafStat im Unterricht (Fragebogenerstellung, Befragung planen, Datenauswertung etc.) kann die Planung und Durchführung der Befragung unterstützen.

Arbeitsblatt, Hilfe für die DatenauswertungArbeitsblatt, Hilfe für die Datenauswertung (© Team "Forschen mit GrafStat")
Für die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse stehen Hilfsmittel (M 02.06, M 02.07 und M 02.08) zur Verfügung.

Für die Auswertung der Daten bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an.
Eine mögliche Gruppeneinteilung kann nach folgenden thematischen Schwerpunkten des Fragebogens erfolgen:
  • Gruppe I: Grundhaltung zur EU (Fragen 5 bis 8 und 29)
  • Gruppe II: Informiertheit über die EU (Fragen 9, bis 12 und ggf. 13)
  • Gruppe III: Wissen über die EU (Fragen 14 bis 18)
  • Gruppe III: Interesse und Vertrauen in Europa (Fragen 22 bis 27)
  • Gruppe IV: Einstellung zur Europawahl (Fragen 19 bis 21 und 28)
Als zusätzliche übergeordnete Leitfragen für die Auswertung bieten sich folgende an:
  • In welchem Zusammenhang stehen Wissen über EU und Einstellungen zur EU? Positiv oder negativ? (Kreuztabelle)
  • Gibt es Unterschiede im Generationenvergleich? (Kreuztabelle)
  • Müssen wir mehr wissen? (Wissensfragen)
  • etc.
Die Ergebnisse der Datenanalyse werden abschließend in der Klasse präsentiert. Die Präsentation können die Arbeitsgruppen mithilfe eines wachsenden Plakats vorbereiten und dann in Form eines Museumsgangs den anderen Schülerinnen und Schülern vorstellen und erläutern.

Im anschließenden Modul 3 geht es dann um den Erwerb von Wissen zur EU und Europawahl.

Eine tabellarische Übersicht der Planung des Moduls steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.

Fußnoten

1.
Die Software zur Erstellung der Fragebögen und Auswertung der Daten ist auf Deutsch, Fragebögen können aber auch in anderen Sprachen verfasst werden.