Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

22.3.2019

Modul 4: Vote! - Wählermobilisierung: "Get the European people(s) out to vote!"

Im letzten Modul sollen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst über die Wahlbeteiligung bei Europawahlen und anschließend über verschiedene Möglichkeiten zur Wählermoblisierung informieren. Dann werden sie selbst aktiv: Zum Abschluss des Projektes organisieren sie selbstständig Aktionen oder nehmen an bestehenden Projekten zur Wählermobilisierung teil.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • analysieren ländervergleichend die Entwicklung der Wahlbeteiligung bei den letzten Europawahlen und können Faktoren für eine hohe oder niedrige Wahlbeteiligung benennen.
  • setzen sich kritisch damit auseinander, was ihnen im Hinblick auf Europa und die Europawahl wichtig ist.
  • entwerfen Ideen für mögliche Maßnahmen oder Aktionen zur Wählermobilisierung.
  • entwickeln sinnvolle Kriterien, um die entworfenen Maßnahmen zu beurteilen und gemeinsam demokratisch zu entscheiden, welche Maßnahme sie umsetzen wollen.
  • planen eigenständig eine oder mehrere eigene Maßnahmen zur Wählermobilisierung bzw. zur Förderung des Interesses an und Engagement für Europa.
  • lernen, eine Maßnahme gemeinsam im Team zu planen und durchzuführen.

Einstieg

Grundidee des Moduls: Jugendliche entwickeln eigene Maßnahmen zur Wählermobilisierung oder setzen sich mit ihnen auseinander, um das Interesse an und das Engagement für Europa zu wecken. Überleitung aus Modul 3: Die Teilnahme an der Europawahl ist eine Möglichkeit, seine Interessen in Europa zu vertreten - vorausgesetzt, die EU-Bürgerinnen und -Bürger machen von ihrem Wahlrecht auch wirklich Gebrauch.

Wahlbeteiligung Europawahl 2014Wahlbeteiligung Europawahl 2014 (© Team Forschen mit GrafStat)
Wie sah die Wahlbeteiligung bei den letzten Europawahlen aus? Die Schülerinnen und Schüler analysieren eine Statistik zur Wahlbeteiligung bei der Europawahl (M 04.01). Dabei ordnen sie die Wahlbeteiligung der eigenen Bevölkerung im Ländervergleich ein und arbeiten heraus, in welchen EU-Staaten die Wahlbeteiligung eher hoch bzw. eher gering ist. Hierzu entwickeln sie Ideen zu möglichen Gründen (z.B. Wahlpflicht, Politikverdrossenheit, geringes Interesse an Europapolitik etc.) für eine hohe oder niedrige Wahlbeteiligung und diskutieren diese in der Klasse.

Erarbeitung

In einem Brainstorming entwickeln die Schülerinnen und Schüler Ideen, wie man Menschen mehr für die Europawahl bzw. Europa insgesamt interessieren kann. Beim Brainstorming ist zunächst einmal alles erlaubt, Einschränkungen wie Kosten oder Umsetzungsschwierigkeiten werden ausgeblendet, um der Kreativität freien Lauf zu lassen und möglichst viele sowie ausgefallene und kreative Ideen zu entwickeln. Das Brainstorming kann methodisch unterschiedlich durchgeführt werden, z. B. in Kleingruppen in Form eines Brainwritings auf Plakaten oder in einem Think-Pair-Share. Die Ergebnisse werden anschließend in der Klasse besprochen und grob sortiert.

Falls es in der Klasse wenig Ideen gibt oder nur wenig Zeit zur Verfügung steht, kann die Lehrperson ergänzend zur Unterstützung eine Liste (M 04.02) mit möglichen Projekten und Aktionen zur Wählermobilisierung bzw. für Europa generell nutzen. So besteht auch die Möglichkeit, an bereits vorhandenen Aktionen teilzunehmen, anstatt eigene Projekte zu entwickeln. Zur Auswahl stehen z.B. die folgenden Aktionen:

  • Beim Projekt Diesmal wähle ich! der EU [multilingual] sind Menschen aufgerufen, zu Wahlaufrufer/innen zu werden. Wie man konkret zur Wahl aufruft, ob einfach nur durch Weiterleiten des Aufrufs an Freunde und Bekannte oder mit einer eigenen aktiven Aktion, ist einem dabei freigestellt. Eigene Aktionen werden z.B. durch ein Toolkit mit Plakaten und Broschüren unterstützt. Darüber hinaus bieten organisierte Treffen in verschiedenen Städten die Möglichkeit zum Austausch und Entwickeln von Mitmachaktionen etc.
  • Die Kampagne Europa machen von der Europa-Union Deutschland e.V. und den Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland e.V. zur Wählermobilisierung für die Europawahl fordert u.a., dass zukünftig TV-Duelle von europäischen Spitzenkandidaten von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern zur Hauptsendezeit übertragen werden.
  • Bilder- oder Plakate-Aktion: Schülerinnen und Schüler entwickeln - ähnlich wie in der Aktion Diesmal Wähle ich! (vom Europäischen Parlament) - "Werbeplakate", die zur Teilnahme an der Wahl aufrufen.
Auch die Art und Weise, wie man aktiv wird, muss entschieden werden. Zu diesem Zweck steht der Lehrperson eine weitere Liste (M 04.03) mit Aktionsformen zur Verfügung, die sich insbesondere zur Nutzung bei Projekten mit Jugendlichen anbieten:

  • Podcast erstellen (digitaler Wahlaufruf)
  • #Twitter-Kampagne, Twitter-Staffel bzw. Twitter-Wall
  • Flyer erstellen
  • Plakatkampagne
  • Flashmob oder Smartmob organisieren und durchführen
  • Barcamp durchführen (mit Etherpad, siehe auch hier oder hier). Die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit stellt ein BarCamp-Tool mit zugehöriger Broschüre zur Verfügung.
  • Erklärfilm zur Europawahl oder über den Wahlomat für Wähler/innen erstellen (Informationen zum Filmerstellen)
  • weitere Aktions-Methoden mit Anleitungen findet man im Partizipationsprojekt Partizipation 2.0
Wichtig dabei ist, dass die Schülerinnen und Schüler anschließend gemeinsam entscheiden, welches Projekt bzw. welche Aktion durchgeführt werden soll. Hier geht es um eine gemeinsame demokratische Entscheidung. Der Entscheidungsprozess sollte dabei nicht nur eine reine Abstimmung sein, sondern im Sinne von kritischer Urteilsbildung zunächst eine Analyse der zur Verfügung stehenden Ressourcen (Zeit, Talente und Fähigkeiten, Kontakte etc.) beinhalten. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dazu Kriterien, auf deren Basis dann ein fundiertes Urteil gefällt werden kann.

Je nach Ressourcen können auch mehrere Projekte ausgewählt und in Kleingruppen bearbeitet werden (Planung, Aufgabenverteilung, ggf. Ansprechpartner und Formales klären etc.). Am Ende des Moduls sollte mindestens ein gemeinschaftliches Projekt der Schülerinnen und Schüler stehen, das sie gemeinsam geplant und durchgeführt haben. Ein solches Projekt soll nicht nur die Teamfähigkeit der Schülerinnen und Schüler fördern, sondern darüber hinaus das Feld ihrer politischen Handlungsmöglichkeiten erweitern - für ihre persönliche Entwicklung, aber auch zum Wohle des Gemeinschaftprojektes Europa.

Für eine abschließende Reflexion können die Schülerinnen und Schüler aufgefordert werden, ihr Projekt zu dokumentierten, um es noch einmal Revue passieren zu lassen, aber auch um zu reflektieren und zu diskutieren, was in den Phasen der Planung und Durchführung gut und was weniger gut gelaufen ist.

Eine tabellarische Übersicht der Planung des Moduls steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.