Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

Didaktische Konzeption


5.5.2014
Im Zentrum der Unterrichtsreihe "Europawahl 2014 – Jugend und Europa" seht die Durchführung einer Klassenbefragung, in der die Jugendlichen ihre Einstellungen und Vorstellungen zu Europa artikulieren, um so die "Wahrnehmung" von Europa (Idee, Politik, Probleme, Perspektiven) aus der Sicht der Jugendlichen thematisieren zu können. Dies dient als Anknüpfungspunkt für den Vergleich mit repräsentativen Studien. Zugleich kann so die sich heute abzeichnende Zunahme der europaskeptischen Einstellungen ernstgenommen und inhaltlich aufgearbeitet werden.

Die in der hier vorgestellten Unterrichtsreihe angestrebten Ziele liegen auf zwei Ebenen: Auf der inhaltlichen Ebene sollen die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse über Geschichte, Motive und Ziele der EU, sowie über deren Aufbau, aber auch über aktuelle Problemlagen und Lösungsbestrebungen gewinnen. Einerseits wird dabei exemplarisch die "unsichtbare" Bedeutungszunahme des politischen Europas für das alltägliche Leben deutlich gemacht. Andererseits sollte jedoch auch nicht verschwiegen werden, dass trotz der Erfolgsgeschichte des europäischen Einigungsprozesses in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg viele Probleme im Innenverhältnis und in der Beziehung zu angrenzenden Ländern noch zu lösen sind und es folglich im Eigeninteresse der Jugendlichen liegt, sich weiterhin verstärkt für Europa zu interessieren und zu engagieren.

Auf methodischer Ebene sollen die Schülerinnen und Schüler ein zentrales Instrument der sozialwissenschaftlichen Forschung durch die Durchführung einer eigenen Befragung – das Format Forschen-mit-GrafStat - aus erster Hand kennen lernen und es in einem eigenen Projekt zu erproben sowie zu einer Beurteilung dieses Instrumentes hinsichtlich seiner Vorzüge aber auch seiner Grenzen befähigt werden.

Die eigene Befragung zu Europa steht im Zentrum

Im Zentrum des hier vorgeschlagenen Unterrichtsprojektes stehen Planung, Durchführung und Auswertung einer Klassen-Befragung zu den Einstellungen der Jugendlichen zu Europa mit Hilfe der Befragungssoftware GrafStat.

Die Befragung kann dabei mehrere Funktionen erfüllen: In erster Linie soll sie die Schülerinnen und Schüler motivieren, eigene Fragestellungen in den Unterricht einzubringen und eigenständig zu untersuchen. Dabei gewinnen die Schülerinnen und Schüler nicht nur Aufschluss über die Interessen sowie die Meinungen und Einstellungen der Jugend zu Europa bzw. zur europäischen Politik, sondern sie erwerben auch wertvolles methodisches Wissen über ein bedeutendes Instrument der sozialwissenschaftlichen Forschung.

empty-imageJugendliche führen die Befragung durch. Foto: Universität Münster
Die Konzeption unterstützt damit in hohem Maße die Eigenständigkeit und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Mit der Durchführung einer eigenen Jugendbefragung werden die Einstellungen Jugendlicher zu Europa und zur europäischen Politik in der Klasse forschend erkundet und die Anbindung an die unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler gewährleistet. Gleichzeitig wird der Computer als ein wichtiges Werkzeug in den Politikunterricht eingebunden. Das vorgestellte Unterrichtsprojekt orientiert sich wesentlich am Konzept der "Öffnung von Schule". Die Schülerinnen und Schüler sollten jedoch von Beginn an bei der Planung und prozesshaften Gestaltung des Unterrichts beteiligt werden. Auf diese Weise wird ihnen – sowohl von der interessierten Öffentlichkeit, als auch von der Lehrperson im Unterricht – die Erfahrung vermittelt, dass ihre Erfahrungen und Vorstellungen ernst genommen werden und Berücksichtigung finden.

Die Baustein-Struktur

Es handelt sich bei den hier vorgestellten Inhalten nicht um eine in sich abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden muss, sondern um ein nach dem Bausteinprinzip aufgebautes inhaltliches Angebot, das entsprechend den situativen Erfordernissen variabel einsetzbar ist. Die einzelnen Bausteine stellen dabei keine einzelnen, abgeschlossenen Unterrichtsstunden dar, sondern Sequenzen, deren Bearbeitung in der Regel mehrere Unterrichtsstunden in Anspruch nimmt. Die Lehrperson kann die Schwerpunkte ganz nach den Anforderungen des eigenen Unterrichts anpassen, indem sie einige Sequenzen auswählt und intensiver behandelt, andere hingegen kürzt, variiert oder ggf. auf ihre Bearbeitung verzichtet.

Steht nur wenig Zeit zur Verfügung, so ist es möglich lediglich den "Kern" der Reihe, also die Durchführung einer eigenen Befragung zum Thema Europa, in Angriff zu nehmen – dafür würde beispielsweise nur der Baustein 1 benötigt werden. Die übrigen Bausteine B2,B3, und B4 bieten inhaltliche Schwerpunkte und sollen ergänzend zur eigenen Europa-Befragung das nötige Hintergrundwissen vermitteln. Genauso wie die Beschränkung auf den Befragungsbaustein, ist es natürlich ebenso möglich, sich aus diesen inhaltlichen Angeboten die wesentlichen Teile auszuwählen, um sie im Unterricht zu behandeln.

Die Bausteine im Überblick

Baustein 1 führt direkt in die Thematik ein, indem in der Klasse eine Befragung zum Thema Europa mit Hilfe eines vorbereiteten Fragebogens durchgeführt und die Ergebnisse als Basis für eine Thematisierung von Europa im Bewusstsein der Klasse genutzt wird. Die eigenen Einstellungen werden methodisch reflektiert aufgearbeitet und können nun mit repräsentativen Umfrageergebnissen verglichen werden, wodurch eine Verortung des eigenen Meinungsspektrums in einem Vergleichshorizont möglich wird. Auch können so typische Veränderungen in den Einstellungen herausgestellt werden.

In Baustein 2 geht es um die Motive, die den europäischen Einigungsprozess nach dem zweiten Weltkrieg in Gang gesetzt haben, sowie um die geschichtlichen Meilensteine des Integrationsprozesses bis in die Gegenwart. Hier werden wichtige Etappen jeweils mit geeigneten Karikaturen in Verbindung gebracht, so dass die Phasen auch bildlich eingeordnet und mnemotechnisch verortet werden können.
empty-image50 Jahre Bürgernähe (M 02.01). Zeichunung: Oliver Schopf


Baustein 3 ist eher institutionenkundllich orientiert. Im ersten Teil dieses Bausteins geht es um den Charakter der Europawahl und um die Frage, ob sie die Bezeichnung "Wahl dritter Klasse" verdient. Im zweiten Teil wird anhand der Frage, wer die Macht in der EU besitzt, Grundlagenwissen zu den Aufgaben und Kompetenzen der wichtigsten Organe der EU erarbeitet.

Baustein 4 stellt die Fragen nach der zukünftigen Entwicklung von Europa. Diese komplexe Frage, die für Jugendliche besonders wichtig sein dürfte, da sie später in und mit Europa leben werden, wird für Schülerinnen und Schüler bearbeitbar gemacht, indem vier konkrete Probleme der Europapolitik aufgegriffen werden: Jugendarbeitslosigkeit, Klimawandel, Asylpolitik und die Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier wird die Frage exemplarisch angegangen und arbeitsteilig in vier Gruppen erarbeitet. Die Ergebnisse werden auf einheitlich strukturierten Auswertungsplakaten vorgestellt und diskutiert. So werden anhand exemplarischer Probleme der EU der Stand und die Dynamik der Politik in der EU ansatzweise nachvollziehbar. Die Arbeit in den einzelnen Gruppen und die Diskussion in der Klasse sollen die selbstständige Urteilsbildung in Sachen Europa attraktiv machen und zugleich schrittweise voranbringen. Anhand dieser inhaltlichen Kontroversen können gängige Vorurteile und unbegründete pessimistische Einschätzungen überwunden werden.

Die einzelnen Bausteine enthalten ein in Phasen gegliedertes Artikulationsschema des Unterrichtsverlaufs (Vorschlag) sowie didaktische Planungshinweise zu Inhalt, möglichen Intentionen, Methoden und Medien. Die zur Bearbeitung benötigten Materialien sind in dem Planungsschema verlinkt, so dass Sie schnell zu diesen Angeboten (meist im pdf-Format) springen können. An einigen Stellen in den didaktischen Planungshinweisen finden sich Querverweise zu den anderen bzw. weiterführenden Themen und Materialien dieses Angebotes.

Allgemeine Materialien und Unterrichtsideen, insbesondere zu den Wahlkampfmaßnahmen der Parteien und zur Berichterstattung in den Medien, finden sie im Vorfeld der Europawahl 2014 im Internet unter den Stichworten Wahlen in der Demokratie, Wahlkampfanalyse, Wahlprognose, und Jugend und Politik unter auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung insbesondere unter http://www.bpb.de/grafstat.



 

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