Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

Baustein 1: Europa & ich: Einstellungen Jugendlicher zu Europa und zur EU


4.4.2014
Was denken die Menschen über die EU? In Anlehnung an diese Einstiegsfrage beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit ihren eigene Einstellungen zur EU. Sie führen dazu mithilfe eines Fragebogens eine Klassenbefragung durch und werten diese hypothesenorientiert mit der Software GrafStat aus. Im Anschluss daran vergleichen sie ihre Ergebnisse mit Ergebnissen repräsentativen Vergleichsstudien.

Lernziele
Die Schülerinnen und Schüler …
  • artikulieren ihre eigenen Interessen am Thema Europa und bringen diese in ein gemeinsames Planungsgespräch ein,
  • lernen Vorgehensweisen der empirischen Sozialforschung und die Bedeutung von Befragungen kennen,
  • erheben fragegeleitet Daten und Zusammenhänge mit Hilfe empirischer Methoden der Sozialwissenschaften,
  • wenden statistische Verfahren der Datenauswertung an (einfache Häufigkeitsauszählung/Erstellen einer Kreuztabelle),
  • werten fragegeleitet Daten und deren Aufbereitung im Hinblick auf Datenquellen, Aussage- und Geltungsbereiche, Darstellungsarten, Trends, Korrelationen und Gesetzmäßigkeiten aus,
  • beschreiben und analysieren Statistiken,
  • werden in die Lage versetzt, die Ergebnisse der Befragung hypothesenorientiert auszuwerten und entsprechende Ergebnisgrafiken zu erstellen sowie zu interpretieren,
  • wandeln, ausgehend vom Musterfragebogen, Fragestellungen zu den Einstellungen der Menschen zur EU in überprüfbare Hypothesen um,
  • werden sich ihrer eigenen Einstellungen und ihres eigenen Wissens über die EU bewusst,
  • vergleichen ihre eigene Einstellung mit der ihrer Klassenkameraden und anderer Bürger der EU,
  • erkennen zeitliche Entwicklungen der Einstellungen zu Europa anhand von repräsentativen Studien und
  • erschließen Sinn und Zweck einer Befragung zum Thema Europa.
Was meint ihr zu Europa? (Einstieg)
Start und Ausgangspunkt des Unterrichtsprojekts bildet Baustein 1. Im Sinne der Schülerorientierung wird das Interesse der Lerngruppe am Themenkomplex „Europa“ durch die Durchführung und Auswertung einer eigenen, klasseninternen Befragung gefördert. Diese bietet sowohl einen ersten thematischen Überblick über das Thema als auch den anwendungsbezogenen Einsatz des Instruments der Befragung zur Ermittlung von Aussagen und Informationen. Durch die selbstständige, kooperative und methodengeleitete Auswertung der Klassenbefragung mit anschließenden Präsentationen der Ergebnisse wird dem Prinzip des handlungs- und produktorientierten Lernens in besonderer Art und Weise Rechnung getragen. Im Sinne der Vernetzung findet eine Vertiefung der einzelnen thematischen Blöcke im Fragebogen zu Europa in den folgenden Bausteinen statt.

Was denken Menschen über die EU?Was denken Menschen über die EU? (© Neele Böckmann)
Zum Einstieg in den Baustein präsentiert die Lehrperson (über Beamer, interaktives Whiteboard oder auf OHP) den Schülerinnen und Schülern das Bild „Einstellungen zur EU“ (). Nach der Beschreibung und Interpretation dient das Bild der Entwicklung der Leitfrage des Bausteins: „Was denken die Menschen über die EU?“. Im Fokus stehen dabei im Sinne der Adressatenorientierung die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler selbst zu Europa, welche mithilfe eines GrafStat-Fragebogens ermittelt und ausgewertet werden und in einem zweiten Schritt mit repräsentativen Studien verglichen werden. Dieses Vorgehen wird der Klasse im Sinne der Transparenz nach der Entwicklung der Leitfrage vorgestellt. Die Befragung in der Klasse wird im direkten Anschluss an die Bildanalyse durchgeführt und ohne das Thema „Europa“ im Unterrichtsgespräch weiter zu vertiefen, um allen Jugendlichen der Klasse die Möglichkeit zu geben, möglichst unbeeinflusst und ohne großen Aufwand ihre eigene Meinung zum Thema Europa im Fragebogen wiederzugeben. Die Lehrperson kann sich hier zwischen zwei Varianten der Befragung entscheiden:
  1. Schnell und ohne Aufwand - Das Bildschirminterview
    Das Bildschirminterview ist die komfortabelste GrafStat-Oberfläche für die Datenerfassung. Diese Art der Eingabemethode kann verwendet werden, wenn die Befragung direkt am Bildschirm durchgeführt werden soll. Die GrafStat-Befragungsdatei dafür können hier heruntergeladen werden. Dabei ist zu beachten, dass die Eingabe durch die Schülerinnen und Schüler am selben Computer nacheinander erfolgen muss. Der Vorteil liegt darin, dass die Lehrkraft keine Daten mehr selbst eingeben muss.
  2. Ausgedruckt und kopiert – Die Befragung auf Papier
    Alternativ zur Onlinebefragung kann die Befragung auch traditionell mit einem ausgedruckten Fragebogen (M 01.02) durchgeführt werden. Ein kleiner Nachteil dieser Variante auf Papier ist, dass die Antworten der Schülerinnen und Schüler manuell in GrafStat eingegeben werden müssen. Für diese Dateneingabe können hier die GrafStat-Befragungsdateien heruntergeladen werden. Die Lehrkraft kann die Daten der Schülerinnen und Schüler entweder über die Listeneingabe oder das Bildschirminterview eingeben (siehe Handbuch von GrafStat)
Aufstellen von Hypothesen
Nach der Durchführung der Befragung in der Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler die Definition, Funktion und das Aufstellen von Hypothesen als eine der zentralen Vorgehensweise der empirischen Sozialforschung kennen. Hierfür erarbeiten sie sich die Grundlagen mithilfe einer Textanalyse (M 01.03), um das Erlernte in einem nächsten Schritt direkt an dem eigenen Fragebogen (M 01.02) anzuwenden, indem sie vier eigene Hypothesen formulieren. Dabei arbeiten die Jugendlichen arbeitsteilig in fünf Arbeitsgruppen, welche sich jeweils auf einen der thematischen Blöcke des Fragebogens beziehen:
  1. Grundhaltung zu Europa (Frage 01 bis 04)
  2. Wissen über Europa (Frage 05 bis 12)
  3. Europawahl (Frage 12 bis 17)
  4. Interesse/Vertrauen in Europa (Frage 18 bis 24)
  5. Zukunft der EU (Frage 25 bis 28)
Die aufgestellten Hypothesen werden anschließend im Plenum vorgestellt und gegebenenfalls durch die anderen Gruppen ergänzt oder korrigiert. Die Überprüfung der hier formulierten Hypothesen erfolgt nach der einfachen Auswertung der Befragungsdaten.

Deskriptive Statistik
Für ein erstes Verständnis der einfachen Häufigkeitsauszählung fragt die Lehrperson nach der Einschätzung der Schülerinnen und Schüler, wie sie das Ergebnis der eigenen Umfrage zu einer Hypothese zur einfachen Häufigkeitsauszählung einschätzen. Die Lerngruppe könnte z.B. über folgende Hypothese per Handzeichen abstimmen: „Wer geht davon aus, dass die EU bei dem Großteil der Klasse ein positives Bild hervorruft?“ Diese Beispielhypothese dient im Folgenden der Demonstration der einfachen Häufigkeitsauszählung mit GrafStat durch die Lehrkraft an einem Computer (Info 01.01 und Info 01.02). Die Gegenüberstellung des tatsächlichen, mithilfe von GrafStat dargestellten Evaluationsergebnisses mit dem Abstimmungsergebnis leitet dabei abschließend zur detaillierten Besprechung der Grafik über. Nach diesem ersten Eindruck von den Möglichkeiten der Auswertungsfunktion der Evaluationssoftware GrafStat erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler die Grundlagen des Lesens und Auswertens von Statistiken mithilfe der Erstellung einer „Checkliste“ auf Grundlage einer Textanalyse (M 01.05). Mindestens ein Schülerteam hält dabei das Ergebnis auf Folie fest. Als mögliche binnendifferenzierende Maßnahme für besonders schnelle Gruppen dient ein zusätzlicher Text zu den Fehlerquellen und Tücken von Statistiken (M 01.06). Die hier erarbeiteten Ergebnisse in Form einer Anleitung zur Fehlervermeidung sollten ebenfalls auf Folie festgehalten werden und können sich gegebenenfalls an die Präsentation der „Checkliste“ anschließen und diese ergänzen.
Vertrauen IIVertrauen II (© Europäische Kommission: Standard-Eurobarometer (Herbst 2013))
Zur Vertiefung der Kenntnisse zur Auswertung von Statistiken und praktischen Anwendung der Auswertungsfunktionen von GrafStat erstellen die einzelnen Arbeitsgruppen im nächsten Schritt jeweils die Grafiken zu ihren thematischen Blöcken zu Europa und interpretieren diese. Unterstützende Funktion hat dabei das vorstrukturierte Arbeitsblatt M 01.07, welches den Gruppen das Vorgehen bei der Analyse und Interpretation der einzelnen Grafiken erleichtert. Anschließend werden die ausgefüllten Arbeitsblätter der Gruppen jeweils auf der linken Seite eines „wachsenden“ Plakats angebracht, welches im weiteren Verlauf des Bausteins sukzessive erweitert wird. Um der Lerngruppe das weitere methodische Vorgehen mit dem „wachsenden Plakat“ transparent zu machen, bietet sich ein Beispiel an (Info 01.03). In den Gruppen wird damit selbstständig ein Handlungsprodukt erstellt, welches zum einen der Visualisierung für die sich anschließende Präsentation dient als auch als Strukturierungshilfe die einzelnen methodischen Schritte des Bausteins abbildet. Somit wird den Lernenden ihr eigener Lernprozess bewusst und es wird deutlich, welche Schritte bereits erfolgreich unternommen wurden.

Da es für das weitere Vorgehen in den Gruppen vorteilhaft ist, dass alle Mitglieder der Klasse die Ergebnisse des Fragebogens kennen, werden die Plakate mithilfe eines Info-Marktes den Mitschülerinnen und Mitschülern präsentiert. Die Hälfte der Gruppe bleibt bei ihrem Plakat, die andere Hälfte wandert zu den anderen Info-Ständen. Die jeweils Verbleibenden erläutern den Besuchern in 3-4 Minuten die Ergebnisse ihrer Statistikanalyse, und die Ankommenden lesen das Plakat. Danach haben sie kurz Zeit, Fragen zu stellen bzw. diese beantwortet zu bekommen. Nach 5-7 Minuten wandern die Besucher weiter. Sie können den Weg und die Zeit pro Verbleib vorgeben, lockerer ist aber eine unkoordinierte, freie Wanderschaft. Nach der Hälfte der Zeit erfolgt ein Zeichen, dann werden die Rollen getauscht, die Wanderer kehren zurück an ihr Plakat und die anderen wandern.

Nach der Auswertung der deskriptiven Statistik als ersten Schritt des Plakates folgt nun die Überprüfung von Zusammenhängen mithilfe von in M 01.04 formulierten Hypothesen (Zusammenhang zwischen 2 Merkmalen). Eine Beispielhypothese, z.B. „Diejenigen Schüler, die sich ausreichend über die EU informiert fühlen, würden auch eher an der Europawahl teilnehmen.“ greift die Lehrperson für den Einstieg auf und bittet die Lerngruppe um Vorschläge zur empirischen Überprüfung dieser Vermutung mithilfe von Daten. Diese werden aufgegriffen, wenn die Lehrkraft anschließend die Erstellung einer Kreuztabelle und Überprüfung der Beispielhypothese am Computer bzw. Beamer präsentiert (Info 01.04). Das vorgestellte Beispiel versuchen die Schülerinnen und Schüler abschließend an ihren Computern in Partnerarbeit nachzustellen. Im Sinne der Binnendifferenzierung ist es dabei erwünscht, wenn leistungsstärkere Teams leistungsschwächere bei der Erstellung der Kreuztabelle unterstützen.

In der folgenden Erarbeitungsphase überprüfen die Schülerinnen und Schüler in den Arbeitsgruppen ihre selbst formulierten Hypothesen mithilfe eines weiteren vorstrukturieren Arbeitsblatts (M 01.08) und einer Methoden-Information (M 01.09). Die Ergebnisse werden grafisch und textlich auf den „wachsenden“ Plakaten festgehalten und bilden hier den zweiten und vorletzten Baustein für die Visualisierung der erarbeiteten Inhalten und Methoden.

Die Vorstellung erfolgt hier im Rahmen einer Wirbelgruppenpräsentation. In jeder thematischen Erarbeitungsgruppe erhält jedes Gruppenmitglied hierfür einen Buchstaben von A bis E. Die neuen „Buchstaben“-Gruppen gehen im Uhrzeigersinn nach einem festgelegten Zeitrhythmus nacheinander zu jedem Plakat. Das Gruppenmitglied, das an der Erstellung des jeweiligen Plakats mitgewirkt hat, erläutert den anderen die Ergebnisse. Alle Teilnehmer informieren sich über die Ergebnisse der anderen Gruppen und können lockere, zwanglose Gespräche führen. Die Wirbelgruppenpräsentation sollte ohne Nachbearbeitung im Plenum auskommen.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Daten und Zusammenhänge ihrer eigenen Klassenbefragung gewonnen haben, folgt als letzter Schritt der Vergleich ihrer Auswertung mit repräsentativen Statistiken zu den gleichen Fragen. Hierfür stehen jeder thematischen Arbeitsgruppe jeweils 2-4 repräsentative Statistiken zur Verfügung (M 1.10-14). Diese werden ebenfalls auf dem Plakat angebracht und hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur entsprechenden Frage der Klassenbefragung ausgewertet. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse in Referatsform anhand einer Stafettenpräsentation nacheinander. Die folgende Arbeitsgruppe geht zu Beginn ihrer eigenen Präsentation auf die der ersten Arbeitsgruppe ein, hebt dabei positive Aspekte hervor, z.B. was sie beeindruckt hat. Die erste Gruppe äußert sich am Schluss noch einmal zu den Ergebnissen der letzten Gruppe. Durch das abgestufte Feedback erfährt alles, was in der Gesamtgruppe erarbeitet wurde, eine Resonanz.

Überleitung zu Baustein 2
Den Abschluss des Bausteins bildet die gemeinsame Planung des weiteren Vorgehens in der Unterrichtsreihe. Durch die Durchführung und Auswertung der eigenen Befragung sowie den Vergleich mit den repräsentativen Statistiken haben die Schülerinnen und Schüler einen ersten Einblick in relevante Themenbereiche zu Europa bekommen. Ausgehend davon wird die Lerngruppe aufgefordert, Fragen zu formulieren, die sich für sie im Verlauf des Bausteins ergeben haben und im weiteren Unterrichtsverlauf geklärt werden sollten. Diese dienen der Lehrkraft zur Feststellung der Schülerinteressen und ermöglichen eine Planung des weiteren Unterrichtsverlaufs auf Grundlage dieser. Besonders motivierenden Charakter hat es dabei, diese Fragen (z.B. auf einem Plakat oder auf Folie) zu notieren und nach den einzelnen Bausteinen die hier beantworteten Fragen „abzuhaken“. Dieses Vorgehen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern das Erkennen des eigenen Lerngewinns in der Unterrichtsreihe und dient ebenso der Lehrkraft als Diagnosemöglichkeit für das Verständnis der Lerngruppe und das Erreichen der (inhaltlichen) Lernziele.

Eine tabellarische Übersicht über den Verlauf des Bausteins 1 steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.



 

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