Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

15.4.2014

M 04.1.07 Vorschläge und Maßnahmen der EU

Die Europäische Union ist sich des Problems der Jugendarbeitslosigkeit bewusst. Der Auszug aus dem Jahreswachstumsberichtes 2014 der Europäischen Kommission verdeutlicht den Schülerinnen und Schülern, wie dieses Problem in Zukunft angegangen und gelöst werden soll. Anhand dessen können die Schülerinnen und Schüler kritisch hinterfragen, ob die Maßnahmen ausreichen und wie sie ggf. verbessert werden können.

Vorschläge und Maßnahmen der EU zur Verbesserung des Arbeitsmarktes [...] Der Arbeitsmarkt und das soziale Gefüge in Europa werden sich nur langsam von der Krise erholen. Daher sind jetzt, da die Wirtschaft wieder Fuß fasst, gezielte und entschiedene Stützungsmaßnahmen nötig. An oberster Stelle sollte dabei eine zielstrebige Umsetzung von Reformen (einschließlich entsprechender Folgemaßnahmen) stehen, die das Funktionieren des Arbeitsmarkts betreffen, damit die Erwerbsbeteiligung verbessert werden kann. Hierzu zählen unter anderem die Erschließung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten in Wachstumsbranchen und die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitskräfte (einschließlich der Langzeitarbeitslosen und der schwächsten gesellschaftlichen Gruppen) unter anderem durch aktive Förderung und Ausbildung arbeitsloser Menschen und durch Sicherstellung, dass die sozialen Sicherheitsnetze ihre Funktion erfüllen. In Anbetracht einer alternden Erwerbsbevölkerung sind adäquate Kenntnisse und Fähigkeiten, lebenslanges Lernens und ein positives Arbeitsumfeld wichtige Faktoren für ein längeres und erfülltes Arbeitsleben; [...]

Die Mitgliedstaaten haben verschiedene weitreichende Reformen zur Modernisierung ihrer Arbeitsmärkte und zur Verbesserung der Erwerbsbeteiligung auf den Weg gebracht. Wenn sich die makroökonomischen Gegebenheiten verbessern, dürften auch die positiven Auswirkungen dieser Reformen sichtbar werden.

Um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: Im Rahmen der Bemühungen um eine Umverteilung der Steuerlast sollte die Besteuerung des Faktors Arbeit, insbesondere für Niedrigverdiener und junge Arbeitnehmer, gesenkt werden; es muss sichergestellt werden, dass die Lohnentwicklung mit der Produktivitätsentwicklung im Einklang steht und sie sowohl die Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten als auch die Gesamtnachfrage begünstigt; die Rechtsvorschriften zum Beschäftigungsschutz müssen weiter modernisiert werden, um der anhaltenden Segmentierung der Arbeitsmärkte entgegenzuwirken und Schwarzarbeit zu bekämpfen. Die grüne Wirtschaft, die Digitalwirtschaft und das Gesundheitswesen sind Bereiche, in denen in den nächsten Jahren eine große Zahl von Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen wird. Deshalb müssen strategische Rahmen entwickelt werden, bei denen arbeitsmarkt- und ausbildungspolitische Maßnahmen entscheidend dazu beitragen, neue Arbeitsplätze in diesen Sektoren zu schaffen und die Anpassung an diese neuen Wachstumsmuster zu ermöglichen.

Eine engere Zusammenarbeit und ein gestärktes EURES-Netz, das Unternehmen dabei unterstützt, neue Möglichkeiten in anderen Mitgliedstaaten zu finden, und Arbeitsuchenden bei der Stellensuche im Ausland hilft, wird der Arbeitskräftemobilität, einschließlich der grenzübergreifenden Mobilität, zugutekommen.

Handlungsbedarf besteht zudem in Bezug auf Bildungsabschlüsse und spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten. Die EU hat ihre 2020-Ziele in Bezug auf Hochschulabschlüsse und die Senkung der Quote der frühen Schulabgänger noch nicht erreicht. Zudem ist laut OECD bei 20 % der EU-Erwerbsbevölkerung ein erheblicher Bildungsrückstand (darunter schlechte Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse) festzustellen. 25 % aller Erwachsenen verfügen zudem nicht über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten, um die IKT sinnvoll zu nutzen.

Dies führt in zahlreichen Beschäftigungsfeldern und Berufen zu Engpässen und Diskrepanzen und schränkt insgesamt die Möglichkeiten der Erwerbsbevölkerung in der EU ein, sich an die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt anzupassen und beruflich voranzukommen.

Es muss unbedingt in die Modernisierung der Bildungs- und Ausbildungssysteme (einschließlich der Systeme des lebenslangen Lernens) und insbesondere in Systeme des dualen Lernens investiert werden. Ferner gilt es, den Übergang von der Schule in das Erwerbsleben zu erleichtern, insbesondere indem dafür gesorgt wird, dass gute Praktika und Ausbildungsplätze angeboten werden. Deshalb sollten die Mitgliedstaaten ihre Umsetzungspläne für Ausbildungsgarantien für Jugendliche (Jugendgarantien) zügig verabschieden und die damit verbundenen Finanzierungsprogramme (Jugendbeschäftigungsinitiative und Europäischer Sozialfonds) so schnell wie möglich fertigstellen. [...]

Die Kommission hat folgende Prioritäten festgelegt:
  • Intensivierung der aktiven Arbeitsmarktmaßnahmen, insbesondere der aktiven Förderung und Ausbildung von Arbeitslosen; Verbesserung der Leistung der staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen und Umsetzung einer Jugendgarantie.
  • Weitere Reformen zur Sicherstellung, dass die Lohnentwicklung mit der Produktivitätsentwicklung im Einklang steht und sie sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Gesamtnachfrage fördert, zur Überwindung der Segmentierung des Arbeitsmarktes (insbesondere durch eine Modernisierung des Arbeitsschutzrechts), zur Förderung neuer Arbeitsplätze in wachstumsstarken Branchen und zur Förderung der Arbeitskräftemobilität.
  • Eine weitere Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung, einschließlich des lebenslangen Lernens, der beruflichen Bildung und der Systeme des dualen Lernens.
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Sozialschutzsysteme, insbesondere durch eine stärkere Verknüpfung von Sozialhilfe und Aktivierungsmaßnahmen durch stärker personalisierte Leistungen (z. B. durch eine zentrale Anlaufstelle) und Bemühungen um vereinfachte und gezielte Leistungen unter besonderer Berücksichtigung der Lage der schwächsten Bevölkerungsgruppen.


Aus: Europäische Kommission, Jahreswachstumsbericht 2014, S.14-16 http://ec.europa.eu/europe2020/pdf/2014/ags2014_de.pdf (Abruf vom 20.3.2014)

Arbeitsaufträge:

  1. Welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit schlägt die EU vor? Ergänze deine Einträge in dem Auswertungsplakat entsprechend.
  2. An welchen Stellen sind Jugendliche betroffen?
  3. Diskutiert die These: "Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsmarktes verbessern auch die Berufsaussichten von Jugendlichen." (kurzfristig/mittelfristig)
  4. Formuliere die Perspektiven (wie wird es weitergehen mit der Jugendarbeitslosigkeit unter Berücksichtigung der verschiedenen Maßnahmen).
  5. Fällt abschließend in eurer Gruppe bitte ein Urteil zur Jugendarbeitslosigkeit, wie ihr die Lage in den betroffenen Ländern und in Europa beurteilt. Berücksichtigt dabei auch die Frage, wie es mit der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit weitergehen würde, wenn es die EU nicht gäbe.


Das Arbeitsmaterial ist PDF-Icon hier als PDF-Dokument abrufbat.


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