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15.4.2014

M 04.2.01 Die Polkappen schmelzen und der Meeresspiegel steigt

Die Klimaerwärmung lässt die Polkappen schmelzen. Forscher haben die Daten zahlreicher Satellitenmissionen ausgewertet - und kamen auf 4.000 Milliarden Tonnen Eis, die seit 1992 verschwunden sind.

Es muss nicht erst ein Eisberg am Nordseestrand vorbeidriften, bis wir merken, wie eng unser Verhältnis zu Arktis und Antarktis ist. Die Polarregion spürt sie längst, die Gegenwart des Menschen: Der Klimawandel lässt sie buchstäblich verschwinden. […]

Das Eis schmilzt

[…] Mit 250 Metern sind sie fast so hoch wie der Eiffelturm, dazu mehrere hundert Meter breit und mehrere hundert Kilometer lang: Britische Wissenschaftler haben im antarktischen Schelfeis riesige Kanäle entdeckt, die wahrscheinlich von Schmelzwasser gegraben wurden. Anfang Oktober 2013 haben sie ihre Erkenntnisse, die sie durch Satellitenaufnahmen, Radarmessungen und Luftbilder erlangt haben, veröffentlicht.

Die Eisschilde in der Antarktis und in Grönland haben in knapp zwanzig Jahren etwa 4.000 Milliarden Tonnen an Masse verloren. Deren Schmelzwasser hat den Meeresspiegel um rund elf Millimeter steigen lassen, was etwa einem Fünftel des Gesamtanstiegs entspricht. Das geht aus einer Studie hervor, an der unter anderem Forscher der Technischen Universität München und der Universität München beteiligt waren. Das Team analysierte die Daten von mehr als dreißig auf Satellitenbeobachtungen basierenden Untersuchungen zur Eisdicke an den Polkappen aus den Jahren 1992 bis 2011. Diese belegen auch, dass die Eisdicke in manchen Regionen zunimmt, in anderen jedoch rapide sinkt. In Grönland beispielsweise schmilzt etwa fünfmal so viel Eis ab wie in den 1990er Jahren, während in der Antarktis die Beschleunigung etwas langsamer vor sich geht.

Das Wasser steigt

Doch auch die Gletscher der Antarktis wandern immer schneller zum Meer und verlieren in jedem Jahr über 100 Milliarden Tonnen Eismasse. Das entspricht 100 Billionen Liter Wasser. Schon jetzt steigt der Meeresspiegel jährlich um drei Millimeter. Und es wird noch schlimmer: Eine Studie vom Mai 2011 sagt Furchterregendes voraus: Bis zum Ende des Jahrhunderts soll der Meeresspiegel laut der Prognose des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) um 0,9 bis 1,6 Meter steigen.

Bis 2300 ist ein Anstieg von 3,5 Metern möglich

Einen globalen Anstieg um 80 Zentimeter bis zum Jahr 2100 sagt auch ein internationales Forscherteam in einer Studie vom Juni 2012 voraus: Die Wissenschaftler vom Forschungsinstitut Climate Analytics in Berlin, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Universität Wageningen in den Niederlanden und der Aalto-Universität in Finnland haben für ihre Prognosen Klimamodelle mit Messwerten des Meerresspiegelanstiegs der letzten tausend Jahre verknüpft. Damit ermittelten sie auch Langzeitprognosen für die Pegel bis zum Jahr 2300: Wird die Erwärmung auf zwei Grad begrenzt, würde der Meeresspiegel immer noch rund 2,7 Meter über dem Niveau des Jahres 2000 liegen. Wenn es gelänge, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, würden die Pegel bis 2300 um etwa 1,5 Meter ansteigen, nur gut halb so viel. Eine Katastrophe wäre dagegen eine Erwärmung um zwei bis drei Grad: Dann wäre mit einem Anstieg von durchschnittlich 3,5 Metern zu rechnen. Als Hauptgrund für den rasanten Anstieg wird vor allem das beschleunigte Abschmelzen der arktischen Gletscher und des grönländischen Inlandeises ausgemacht. 2014 machte eine internationale Studie deutlich, dass auch die bisher als stabil geltenden Gletscher im Nordosten Grönlands riesige Eismassen verlieren. […]

Mehr Wetterextreme in Europa

Seit etwa 1980 stellen Forscher fest, dass die Eisfläche der Arktis schrumpft. In jedem Jahrzent ist die Eisdecke bei ihrem jährlichen Minimalwert im September um etwa acht Prozent zurückgegangen. Die Arktisfläche hat zwischen 1979 und 2011 pro Jahrzehnt um knapp 18 Prozent abgenommen. Gleichzeitig gab es in der Vergangenheit viele Extremwetterereignisse in den mittleren Breiten, etwa die verheerenden Regenfälle und Überschwemmungen in Großbritannien 2007 und 2012 oder die Hitzewelle in Russland 2010. Die abtauenden Eis- und Schneeflächen der Arktis führen Experten zufolge nicht nur zu eisigen Wintertagen in Europa, sondern auch zu Dürren und Fluten im Sommer. Den Zusammenhang zwischen den schwindenden Eisflächen im Nordpolargebiet und Kälteeinbrüchen im Winter hatten einige Klimatologen bereits gezogen. Anfang Dezember 2013 schlussfolgerte ein Team aus China und den USA aus Satellitenbildern und atmosphärischen Daten, dass die schmelzende Arktis auch sommerliches Extremwetter begünstige: Durch den Rückgang der Schnee- und Eisdecke verändere sich die Luftzirkulation in der Atmosphäre. Den Wissenschaftlern um Qiuhong Tang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (Peking) zufolge lassen die Winde in der oberen Atmosphäre nördlich von 60 Grad nördlicher Breite nach. Außerdem verlagere sich der Jetstream weiter nach Norden. Dadurch würden die Wetterlagen stabiler und Extremwetter-Ereignisse im Sommer auf der Nordhalbkugel - in Europa, Asien und Nordamerika - wahrscheinlicher.

Flutkatastrophen

Wenn die zwei großen Süßwasserreservoirs der Erde schmelzen, drohen weltweit Flutkatastrophen. Die flachen Küstenregionen Polens sind gefährdet. Und die deutsche Insel Sylt muss schon jetzt jedes Jahr frischen Sand heranbaggern, weil die Fluten die Insel buchstäblich abtragen. Dazu wird das Ökosystem Ozean aus dem Gleichgewicht gebracht, weil beispielsweise der Salzgehalt des Wassers abnimmt.

Aus:Westram, Heike: Bayerischer Rundfunk vom 17.03.2014 (Abruf vom 03.04.2014) http://www.br.de/themen/wissen/klimawandel-schmelzende-pole100.html

The Keeling Curve: CO2-Konzentration seit 1700 nach Messungen der Universität San Diego

CO2-Konzentration seit 1700. Veröffentlicht auf der Webseite "The Keeling Curve" http://keelingcurve.ucsd.edu/CO2-Konzentration seit 1700. Veröffentlicht auf der Webseite "The Keeling Curve" http://keelingcurve.ucsd.edu/ des Scripps Instituts für Ozeanographie der Universität UC San Diego.

Daten aus: Etheridge et al.: Changes in CO2 over the last 1000 years. In: Journal of Geophysical Research, Vol. 101, Nr. D2, S. 4115-4128, 20. Februar 1996, und aus fortlaufenden Messungen des Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien. (© Scripps Institution of Oceanography, California, http://keelingcurve.ucsd.edu/)



Jahresmitteltemperaturen (Deutscher Wetterdienst)

Jahresmitteltemperaturen in DeutschlandJahresmitteltemperaturen in Deutschland (© Deutscher Wetterdienst)



Arbeitsaufträge
  1. Nehmt das Auswertungsplakat zu Hilfe und klärt, worin die Aufgabe eurer Gruppe besteht und verständigt euch, wie ihr vorgehen wollt.
  2. Die vorliegenden Materialien für eure Gruppe enthalten die Informationen, um den Klimawandel zu kennzeichnen und wie die Krise innerhalb der EU gelöst werden soll. Verschafft Euch daher einen ersten Überblick über diese Materialien.
  3. Im ersten Schritt geht es darum, das Ausmaß des Klimawandels zu kennzeichnen und zu beschreiben, inwiefern die europäischen Länder davon betroffen sind. Tragt eure Ergebnisse stichwortartig in das Auswertungsplakat (unter Pkt.1) ein.


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