Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

23.4.2014

M 04.4.05 Kein Ende der Schuldenkrise

Aufbauend auf den vorigen Text stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Ausweg für Griechenland gibt. Mithilfe der Beispiele Irland, Spanien und Portugal lässt sich ein positiver Weg in der Krise zeichnen. Für die Schülerinnen und Schüler gilt es hierbei zu hinterfragen, ob ein solcher Weg auch für Griechenland denkbar ist.

Gerade hat sich Griechenland am Kapitalmarkt erstmals seit vier Jahren über eine Staatsanleihe Geld geliehen. Ein Zeichen für Kreditwürdigkeit ist das nicht, analysieren Freiburger Forscher.

Die Euroländer haben Griechenland schon mit vielen Milliarden unter die Arme gegriffen.

Die griechische Rückkehr auf den Kapitalmarkt ist kein Hinweis auf eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes. Denn seine Fähigkeit, Auslandsschulden zu bedienen, hat sich auch im vergangenen Jahr weiter stark verringert. Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg in einer noch unveröffentlichten Analyse unter dem Titel „Ist Griechenland wirklich wieder kreditfähig?“.

Darin heißt es: Der erfolgreiche Verkauf der griechischen Staatsanleihe am Donnerstag sei nicht auf erfolgreiche griechische Reformen zurückzuführen, sondern darauf, dass die marktwirtschaftlichen Kräfte durch die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre außer Kraft gesetzt worden seien. Die Kapitalmärkte rechneten damit, dass die Entscheidungsträger in der Eurozone eine Insolvenz des Landes um jeden Preis verhindern würden – auch deshalb, weil bei einem abermaligen Schuldenschnitt sehr wahrscheinlich auch öffentliche Gläubiger (also letztlich die Steuerzahler) betroffen wären.

Durch die Anleihe würden wieder Risiken von privaten zu öffentlichen Gläubigern umverteilt, schreiben die Freiburger Wissenschaftler Lüder Gerken und Matthias Kullas. Sie halten die erzielte Verzinsung von weniger als fünf Prozent für die Anleihe angesichts der „weiterhin desolaten Lage des Landes“ nicht für dem Risiko angemessen.

Irland, Spanien und Portugal machen Fortschritte

Wenn Griechenland die Anleihe nicht aus eigener Kraft bedienen könne, werde der Europäische Rettungsfonds ESM oder die Europäische Zentralbank eintreten müssen. Der Zins von knapp 5 Prozent für die Anleihe führe jedoch dazu, dass dann mehr Geld gezahlt werden müsse als für einen Kredit des ESM.

Das CEP untersucht die Kreditfähigkeit der Euro-Krisenländer regelmäßig an Hand eines selbst entwickelten „Default-Index“. Dieser misst die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, ihre Auslandskredite zurückzuzahlen. Sie hängt vor allem an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Weltmärkten. Nach diesem Index ist Griechenland immer weniger in der Lage, seine Kredite zu bedienen, während sich Irland, Portugal und Spanien, die ebenfalls Finanzhilfen bekommen haben, deutlich verbesserten.

Griechenland verarme zunehmend. Da Investitionen fehlten, schrumpfe der griechische Kapitalstock immer stärker. Damit entferne sich das Land immer weiter von der Möglichkeit, über Wirtschaftswachstum zu gesunden und die Krise zu überwinden. Die Konsumquote sei die höchste in der Europäischen Union: Sie liege seit 2002 ausnahmslos über dem verfügbaren Einkommen, 2013 habe sie den Rekordwert von 119 Prozent erreicht.

„Eine Wiedererlangung der Kreditfähigkeit ist nur möglich, wenn die Konsumquote drastisch sinkt. Dafür gibt es keine Anzeichen,“ heißt es in der Studie. Das ernüchternde CEP-Fazit lautet: „Angesichts dieser Entwicklung gibt es keine Hoffnung und kein Anzeichen, dass Griechenland in absehbarer Zeit wieder kreditfähig werden könnte.“

Aus: Heike Göbel: Griechenlands Kreditwürdigkeit bleibt schlecht, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11.4.2014, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/studie-griechenlands-kreditwuerdigkeit-bleibt-schlecht-12891659.html (Abruf vom 23.4.2014); © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

Arbeitsaufträge
  1. Wie schätzt die Autorin die Lösung der Finanzkrise in Griechenland ein? Teilt ihr die Auffassung der Autorin?
  2. Diskutiert vor diesem Hintergrund die Kritik von Peter Gauweiler (CSU): „Griechenland ist nach wie vor strukturell überschuldet. Wenn jetzt die Emission griechischer Staatsanleihen am Kapitalmarkt auf großes Interesse stößt, dann liegt das einzig und allein daran, dass die privaten Investoren sich darauf verlassen können, dass ESM und EZB für die Risiken geradestehen. Dafür streichen sie jetzt risikolose 4,75 Prozent Zinsen ein, während die Euro-Staaten sich mit durchschnittlich 1,5 Prozent Zinsen für ihre Hilfskredite begnügen. Finanzpolitisch ist das ein Alarmsignal: Die Marktteilnehmer haben schon wieder jedes Risikobewusstsein verloren. Die Investoren wiederholen exakt die Fehler, die die Krise verursacht haben: Sie finanzieren einen Schuldner, der zur Rückzahlung definitiv nicht in der Lage sein wird. Bezahlen müssen diesen Wahnsinn die Steuerzahler der Geberländer. [...] Die Euro-Krise wird durch diese Politik verschärft.“ (SZ vom 11.4.2014).
  3. Ist diese Kritik berechtigt? Berücksichtigt in der Diskussion, welche Alternativen Frankreich und Italien vorschlagen (s. M 04.4.06).
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