Fahnen der EU-Mitgliedsländer wehen am Eingang zum Europaparlament in Strassburg

1.10.2008

ME 05.09 Wie wichtig sind die Jungwähler?

Wer die Stimmen der Jugend hat, besitzt auch die Zukunft. So etwa lautet grob formuliert die Version einer gängigen Binsenweisheit. Doch welche (rechnerische) Bedeutung haben die Stimmen der Jungwähler tatsächlich für die Parteien. Diese Frage steht im Mittelpunkt dieses Textes.

Wer die Stimmen der Jugend hat, besitzt auch die Zukunft. So etwa lautet grob formuliert die Version einer gängigen Binsenweisheit. Und regelmäßig werden die Anteile der Parteien bei den Jungwählern mit besonderer Freude oder Häme von politischen Repräsentanten oder Journalisten in die Waagschale geworfen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass jüngere Wähler auf Dauer ihrer einmal getroffenen Wahlentscheidung treu bleiben würden. Doch gerade die Erst- und Jungwähler zeichnen sich nicht nur durch geringe Wahlbeteiligung, sondern durch eine enorme Wechselwahlbereitschaft aus. Der Blick auf die langfristigen Tendenzen und Entwicklungen in der Wählerschaft zeichnet ein anderes Bild des Wahlverhaltens dieser Wählergruppe: Der Jungwähler hat demnach für Parteien eine zwar symbolisch hohe, in der Auswirkung auf das Wahlergebnis aber eher geringe Bedeutung.

Verluste bei den älteren Wählern sind für Parteien kaum durch Gewinne bei jüngeren Wählern auszugleichen. Dies liegt daran, dass für den Ausgang von Wahlen das Abstimmungsverhalten der älteren Wähler aufgrund der reinen Anzahl an Wahlberechtigten ein ungleich größeres Gewicht hat, als alle anderen Altersgruppen. Durch die demographische Entwicklung wird die Bedeutung dieser Altersgruppe in Zukunft noch steigen. 2002 sind in der Altersgruppe der über 50jährigen Wähler bereits 46,8 Prozent der Wahlberechtigten, [2005:48 Prozent] wobei der Anteil der über 60jährigen Wähler bereits bei 32,1 Prozent der Wahlberechtigten [2005: 32,4 Prozent] liegt.

Betrachtet man nur die Gewinne und Verluste in Prozentpunkten, wird verschleiert, wie stark die tatsächlichen Verluste an Wählerstimmen sind. Es mag sich vielleicht dramatisch anhören, wenn "nur" 32 Prozent der 18-25jährigen für die Union aber 38,1 Prozent für die SPD votieren und die Union somit 6,1 Prozentpunkte weniger als die SPD erreicht. Doch dieses Ergebnis entscheidet nicht über Sieg oder Niederlage. Denn aufgrund der unterschiedlichen Gruppengrößen sind Verluste in der einen Gruppe nicht durch Gewinne in der anderen Gruppe aufzuwiegen.

Hierzu ein Beispiel: Die Altersgruppe der über 60jährigen stellt 2002 12.400.700 Wähler. Wenn sich 10 Prozent dieser Wählergruppe gegen eine Partei entscheiden, entspricht dies 1.240.007 Wählern. Der Altersgruppe der 18-30jährigen gehören 5.514.200 Wähler an. Ein Gewinn von 10 Prozent mehr Wählern entspricht 551.420 Stimmen. Entscheiden sich 10 Prozent der Erstwähler (18-21 Jahre) anders, entspricht dies nur 143.180 Stimmen. Allein dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Blick auf die prozentualen Zugewinne in unterschiedlichen Altersgruppen über die tatsächliche Auswirkung auf das Wahlergebnis wenig sagt.

Aus: Viola Neu: Alter gegen Geschlecht. Was bestimmt die Wahlentscheidung? Arbeitspapier Nr. 123/2004. St. Augustin: Konrad Adenauer Stiftung 2004. http://www.kas.de/wf/doc/kas_4505-544-1-30.pdf (29.07.2008).

Arbeitsaufträge:

  1. Wodurch zeichnen sich Jung- und Erstwähler aus?
  2. Warum ist es für eine Partei erfolgversprechender, die Gruppe der älteren Wähler im Wahlkampf und in der Politik besonders zu berücksichtigen?


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