GrafStat Fußball

29.7.2008 | Von:

Auswertung der (nicht-repräsentativen) Online-Befragung zur EM 2008

Jugend und Nationalbewusstsein

Die Fußball-EM bietet - wie auch schon die Weltmeisterschaft - in den Augen der Jugendlichen eine gute Gelegenheit, Nationalbewusstsein unbefangen öffentlich zu zeigen. Dies wird auch am Ergebnis der Online-Befragung im Rahmen dieses Projektes deutlich.

Auf die Frage "Stell dir vor, du siehst ein Spiel deiner Nationalmannschaft: Kleidest oder schminkst du dich in den Nationalfarben?" stimmen 36,6% der Befragten "auf jeden Fall" und 29,5% "ja, vielleicht" zu. Nur für 12,9% kommt das "auf gar keinen Fall" in Frage. Vergleicht man die Antworten der beiden Geschlechter auf diese Frage, stimmen die Mädchen der nationalfarbenen Kleidung sogar noch häufiger zu als die Jungen – schwarz-rot-gold oder rot-weiß sind in Deutschland und Österreich zumindest während derartiger Sportereignisse scheinbar zum "Modetrend" geworden (siehe Abb. 8). Österreichische Jugendliche kleiden sich zu 41,9% "auf jeden Fall" in Nationalfarben. Bei den deutschen Befragten sind es mit 32,7% deutlich weniger.





Die farbenfrohen Fanauftritte werden mehrheitlich positiv bewertet: 35,7% aller Befragungsteilnehmer meinten "Jeder sollte zeigen, welchem Land er angehört" und 45,2% äußerten "bei einer EM gehört das einfach dazu". Auch diejenigen, die sich selbst nicht derartig kleiden würden, stehen den Fans in den Nationalfarben tolerant gegenüber: Der Aussage "Für mich selbst ist das nichts, aber die anderen können das ruhig machen?" stimmen 16,4% zu, nur 2,3% lehnen die Fan-Auftritte als "unpassend" ab.









Nicht nur die Nationalfarben, auch die Nationalhymne spielt bei der EM eine große Rolle. Mit der Frage nach den Empfindungen der Jugendlichen beim Abspielen der Hymne finden Gefühle wie Stolz (20,5%) oder Freude (17,3%) die weitaus größte Zustimmung. 19,7% der Jugendlichen singt die Hymne mit (siehe Abb. 9); bei den deutschen Jugendlichen sind es mit 20,9% mehr als bei den österreichischen mit 13,9%.Auch wenn es darum geht, einfach nur zuzuhören, liegen die deutschen Schülerinnen und Schüler mit 15,1% deutlich vor den österreichischen mit 8,9%. Negative Reaktionen wie "ich höre gar nicht hin", "ich kenne die Hymne meines Landes gar nicht" oder "ich drehe den Ton ab" werden von allen Befragten insgesamt nur sehr selten genannt.





Der Fragebogen enthält auch einige Fragen zur Verbundenheit mit dem Heimatland und zum Nationalstolz. Österreichische Jugendliche fühlen sich zu 60,2% "sehr eng" mit ihrem Land verbunden, bei den deutschen Schülerinnen und Schülern sind es 41,1% . Auf die Frage "Wie stolz bist du, Deutscher (bzw. Österreicher, Schweizer) zu sein?" antworten die meisten Jugendlichen zustimmend "sehr stolz" (34,8%) oder "ziemlich stolz" (43,5%). Die befragten Jungen sind im Vergleich zu den Mädchen noch etwas stolzer auf ihr Land: als "sehr stolz" bezeichnen sich 39,6% der Jungen, aber nur 29,1% der Mädchen (siehe Abb. 10). Auch bei beim Ländervergleich sind deutliche Unterschiede auszumachen (siehe Abb. 11).





Konkretisiert man die Frage und fragt danach, auf was die Jugendlichen im eigenen Land besonders stolz sind, bekommt der "Sport" bei weitem die meiste Zustimmung. Es folgen die "Art und Weise, wie die Demokratie funktioniert", der "politische Einfluss des Landes in der Welt" und die "gerechte und gleiche Behandlung aller gesellschaftlichen Gruppen" mit relativ hohen Werten. In der Zwischenauswertung zeigte sich, dass die (zu diesem Zeitpunkt noch fast nur aus Deutschen bestehenden Befragten) wenig stolz sind, wenn es um die "Geschichte" des Landes geht. Die These, dass es sich wahrscheinlich um ein typisch deutsches Empfinden handelt, kann zumindest im Rahmen dieser nicht-repräsentativen Befragung bestätigt werden. 38,6% der deutschen Befragten sind "überhaupt nicht stolz" auf die Geschichte ihres Landes, während sich bei den Österreichern lediglich 4,3% so strikt äußern. Dagegen sind 37% der befragten Jugendlichen aus Österreich "sehr stolz" auf die Geschichte und bei den Deutschen nur 11,4% (vgl. Abb. 12 und Abb. 13).

Der Stolz auf das eigene Land wird von den Jugendlichen mit überwältigender Mehrheit von "Nationalismus" abgegrenzt: Die Aussage "Man kann stolz auf sein Land sein und das hat nichts mit Nationalismus zu tun." erhält 90% Zustimmung, "Die Aussage "Ich bin stolz auf dieses Land" ist überholter Nationalismus." dagegen nur 10%. Bei den Mädchen ist die Zustimmung noch etwas höher als bei den Jungen (98,6% gegenüber 87,4%).

Das Thema "Sport und Nationalbewusstsein" bleibt auch nach der Fußball-Europameisterschaft 2008 spannend für die Beschäftigung im sozialwissenschaftlichen Unterricht. Große Sportereignisse, wie z.B. die Olympischen Spiele 2008 in Peking, bieten auch in Zukunft einen guten Anknüpfungspunkt für die (auch kritische) Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich.


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