GrafStat Fußball

11.6.2014

Info 04.04.01 Interview mit dem Fußballer und Politiker Romário

Dieses Info-Material bietet eine beispielhafte Auswertung der Fragestellung aus Material 04.04.01. Es kann als Lösungsskizze oder aber auch ergänzend bzw. bei Zeitknappheit alternativ zu Material 04.04.01 verwendet werden.

A) FRAGEN FÜR DAS INTERVIEW (VORSCHLAG)

Frage 1: Herr Romário, ich freue mich, Sie in dieser Runde begrüßen zu dürfen. Ihre Meinung zur Fußball-WM 2014 in Brasilien ist uns besonders wichtig. 1994 haben Sie in der WM einen genialen Fußball gespielt, Sie wurden weltweit bewundert und Ihre brasilianische Mannschaft ist Weltmeister geworden. Niemand rechnete damals damit, dass aus dem begnadeten Fußballer ein Mitglied Brasiliens Nationskongress und ein engagierter Politiker würde, der sich engagiert für die Rechte des Volkes einsetzt. Wie ist aus dem Fußballer ein Vorzeigepolitiker des Landes geworden?


Frage 2: Sie haben sich dann für die Partido Socialistica Brasileiro entschieden, also für die sozialistische Partei. Sind Sie nun ein Sozialist geworden?


Frage 3: Die Welt des Fußballs und die Welt der Politik unterscheiden sich deutlich. In beiden haben Sie Fuß gefasst. Wie haben Sie das geschafft? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Romário, dem Fußballer und Romário dem Politiker?

Frage 4: Ihre scharfe Kritik an der WM überrascht mich etwas. Als Brasilien im Jahr 2007 den Zuschlag bekam, standen Sie noch auf der Seite der Regierung und des nationalen Fußballverbandes. Wie kommt es, dass Sie nun zu den schärfsten Kritikern gehören?

Frage 5: Missstände und Vergehen öffentlich zu machen, wie Sie es offensichtlich machen, ist doch ein wichtiger Schritt, um die Übel zu beseitigen. Wie sehen Sie das?


B) FRAGEN UND ANTWORTEN – ein fiktives Interview mit dem Fußballer und Politiker Romário

Frage 1: Herr Romário, ich freue mich, Sie in dieser Runde begrüßen zu dürfen. Ihre Meinung zur Fußball-WM 2014 in Brasilien ist uns besonders wichtig. 1994 haben Sie in der WM einen genialen Fußball gespielt, Sie wurden weltweit bewundert und Ihre brasilianische Mannschaft ist Weltmeister geworden. Niemand rechnete damals damit, dass aus dem begnadeten Fußballer ein Mitglied Brasiliens Nationskongress und ein engagierter Politiker würde, der sich engagiert für die Rechte des Volkes einsetzt. Wie ist aus dem Fußballer ein Vorzeigepolitiker des Landes geworden?

„Zunächst mal gibt es da ja nicht viel Konkurrenz. Letztlich ist das alles meiner Tochter zu verdanken, die mir gezeigt hat, dass ich auf andere Weise gebraucht werde. Als sie auf die Welt kam, habe ich mit vielen anderen Eltern geredet, die auch Kinder mit Downsyndrom haben. Sie baten mich, meine Popularität zu nutzen und in der Gesellschaft ein besseres Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Also entschloss ich mich, in die Politik zu gehen, und habe jetzt die Chance, etwas Gutes zu tun.“

Frage 2: Sie haben sich dann für die Partido Socialistica Brasileiro entschieden, also für die sozialistische Partei. Sind Sie nun ein Sozialist geworden?

„Kommt darauf an, was man unter Sozialismus versteht. Ich bin dunkelhäutig, stamme aus einer armen Familie und bin in einer Favela aufgewachsen. Ich bin kein reicher weißer Kerl aus dem Mittelstand. Ich weiß, was es heißt, arm zu sein. Ich kämpfe für Chancengleichheit, in diesem Sinne bin ich Sozialist.“

Frage 3: Die Welt des Fußballs und die Welt der Politik unterscheiden sich deutlich. In beiden haben Sie Fuß gefasst. Wie haben Sie das geschafft? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Romário, dem Fußballer und Romário dem Politiker?

„Keiner von uns beiden kann seine Klappe halten. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann sage ich es auch. Ich habe kein Problem damit, Abgeordnete zur Rede zu stellen, die Steuermittel veruntreuen und nichts anderes als Diebe sind. Denn genau das sind sie! Das neue Nationalstation in Brasilia beispielsweise ist das teuerste Stadion von allen – und das in einer Stadt, deren bester Verein i der dritten Liga spielt! Nur ein Zehntel der Bausumme hätte gereicht, um sämtliche Patienten in Brasilien zu versorgen. Oder man hätte das Geld in die Bildung investieren können, damit die Schulen in der Lage sind, ein kostenloses Mittagessen anzubieten, Klimaanlagen zu installieren und ihre Lehrer vernünftig zu bezahlen. Ich habe schon mehrfach gesagt: Die WM ist der größte Raubzug in der Geschichte Brasiliens.“

Frage 4: Ihre scharfe Kritik an der WM überrascht mich etwas. Als Brasilien im Jahr 2007 den Zuschlag bekam, standen Sie noch auf der Seite der Regierung und des nationalen Fußballverbandes. Wie kommt es, dass Sie nun zu den schärfsten Kritikern gehören?

„Ich habe gesehen, dass es den meisten meiner Kollegen im Kongress nur darum geht, so viel abzukassieren wie möglich. Sie haben mehrfach versucht, mich auf ihre Seite zuziehen, doch mit ihren Machenschaften will ich nichts zu tun haben. Ich möchte, dass Brasilien das schönste Turnier aller Zeiten ausrichtet, aber es sind zu viele Menschen daran beteiligt, die dem Fußball schaden. Der neue Verbandspräsident ist nichts weiter als ein übler Verbrecher, der vor nichts zurückschreckt und an den Folgerungen beteiligt war, die Dilma Rousseffs Ehemann zur Zeit der Diktatur über sich ergehen lassen musste. Und an der Seite dieses Ganoven soll Dilma demnächst die Madaillen überreichen? Niemals!“

Frage 5: Missstände und Vergehen öffentlich zu machen, wie Sie es offensichtlich machen, ist doch ein wichtiger Schritt, um die Übel zu beseitigen. Wie sehen Sie das?

Ich habe es immer wieder versucht. Hier ein Auszug aus meiner Rede im Parlament: „Verehrte Kollegen, vor nicht allzu langer Zeit war der Verkauf von Spielern und Fernsehrechten die beste Möglichkeit, um mit dem Fußball Geld zu verdienen. Das hat sich mittlerweile geändert. Heute haben es die Geschäftsleute nämlich auf die Taschen der Fans abgesehen. Es gibt keine Stehplätze mehr, und unsere leidenschaftlichsten Anhänger können es sich nicht leisten, am Wochenende zum Fußball zu gehen. Ich möchte Sie auf ein Problem aufmerksam machen, das mich zutiefst betrübt: Die Eliten sind dabei sich unser schönes Spiel unter den Nagel zu reißen.“

Die wörtlichen Zitate von Romário stammen aus: Henrik B. Hönsson: Romário. Die wundersame Wandlung vom Bad Boy zum seriösen Politiker, in: 11 Freunde. Magazin für Fußballkultur 14 Jg. (2013) H. 12 S. 93-98. (s. M 04.04.01)

Arbeitsaufträge:
  1. Lies Dir die Fragen und Antworten durch und fass die wichtigen Aussagen von Romário thesenartig zusammen.
  2. Erstelle auf dieser Basis einen Spickzettel, damit du in deiner Rolle als Romário auf entsprechende Fragen antworten kannst (z.B. in einer Talkshow).
  3. Wenn diese Rolle des Romário dir etwas ungewohnt ist, solltest du das Frage-Antwort-Spiel in deiner Vorbereitungsgruppe einmal durchspielen und dich so auf deinen Auftritt in der Talkshow vorbereiten.
Eine Druckversion des Arbeitsblatts steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.


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