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Rückblick WM 2014


10.8.2014
  1. Der sportliche Weg zum „Goldenen Pokal“

    Und wieder gehörte die deutsche Elf zu den vier besten Mannschaften der Welt. Doch dieses Jahr 2014 präsentierte sich die Nationalmannschaft anders als in den Jahren zuvor. Nach einem begeisternden Spiel gegen Portugal erwarteten viele Fans noch weiteren Hurra-Fußball, ganz so wie es 2006 und 2010 auch schon war. Aber schon in dem verflixten zweiten Spiel schien sich die Mannschaft gegen Ghana schwer zu tun und kam nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Spätestens in dem letzten Gruppenspiel gegen die Klinsmann-Elf aus den USA zeigte Deutschland, was sie in diesem Turnier auszeichnete: Ruhe, Erfahrung und Konstanz. In seinem Interview nach dem Algerien-Spiel hat Per Mertesacker den Nagel auf den Kopf getroffen: „Wat wolln se? Wolln se ne erfolgreiche WM oder solln wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?“[1]
    Die deutschen Fans wollen am liebsten beides. Eine Nationalmannschaft, die schönen Fußball spielt, euphorisierende Siege wie 2010 gegen England und Argentinien einfährt und zugleich Weltmeister wird. Die aktuelle Spielweise geht jedoch mehr über Kampf und Einsatz und eine mannschaftliche Geschlossenheit, die eher an den italienischen Fußball erinnert. Wie wir alle wissen, sind die Italiener damit 2006 Weltmeister geworden.
    Einen wesentlichen Vorteil, den die Deutsche Elf womöglich gegenüber den anderen Halbfinalisten hat, ist die internationale Erfahrung, die Führungsspieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker mitbringen. Seit der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat sich die Mannschaft im Grunde kaum verändert. Einige Talente von damals (Thomas Müller, Jerome Boateng, Toni Kroos) haben sich zu souveränen Stammspielern entwickelt. Und zu guter Letzt hat Deutschland den Welttorhüter in seinen Reihen: Manuel Neuer ist seit 2010 die unangefochtene Nummer 1 im Deutschen Tor und hat in Brasilien gezeigt, weshalb er ausnahmslos zu den Besten gehört.
    Insgesamt ist aus der Truppe von 2010 eine Mannschaft geworden, die noch weiter zusammengewachsen, und vor allem reifer geworden ist. Schließlich ist es alles schön und gut, seit 2002 bei jeder Weltmeisterschaft mindestens im Halbfinale gestanden zu haben, aber irgendwann muss einfach mal ein Titel her. Das wünschen sich die Fans und dafür arbeitet die Mannschaft. Wenn nun am Ende der Titel rausspringt, wird niemand mehr danach fragen, was für einen Fußball die Mannschaft gespielt hat. Diesmal ist nicht der Weg das Ziel, sondern nur der Titel.

    Aber alles der Reihe nach:

    Auftaktspiel: Deutschland gegen Portugal 4:0 (3:0)

    Vor dem ersten Weltmeisterschafts-Spiel der deutschen Mannschaft waren die Erwartungen hoch. Im Auftaktspiel stand der Deutschen Mannschaft mit Portugal gleich ein Gegner bevor, der den weiteren Verlauf des Turniers für die Deutschen bestimmen könnte. Mit einem Sieg nimmt man den Druck, mit einer Niederlage würde dieser ins Unermessliche steigen, weil in der Gruppenphase die anderen beiden Spiele gewonnen werden müssten. Deutschland zeigte sich in diesem Spiel einmal mehr als wahre Turniermannschaft. Nach den Vorbereitungsspielen kam es nicht unerwartet, dass Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld als Sechser und Thomas Müller im Angriff als falsche Neun agierten. Dagegen war es schon ein wenig überraschend, dass Joachim Löw auf einen gelernten Außenverteidiger verzichtete und mit vier Innenverteidigern die Abwehrreihe bildete. Portugal schien ebenso überrascht und hatte der kompakt spielenden Deutschen Mannschaft kaum etwas entgegenzusetzen. Bei tropischen Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit in Salvador spielten das frühe Elfmeter-Tor durch Thomas Müller und der Platzverweis für Pepe in der ersten Halbzeit den Deutschen in die Karten. Das Konzept von Bundestrainer Joachim Löw ging voll auf. Portugals Superstar Cristiano Ronaldo wurde fast komplett von Jerome Boateng aus dem Spiel genommen und mit Mats Hummels war ein weiterer Verteidiger sogar als Torschütze erfolgreich. Der Matchwinner war jedoch ein anderer: Thomas Müller. Der Torschützenkönig der WM 2010 knüpfte nahtlos an Südafrika an und spielte, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Bei seinen drei Toren stand er da, wo ein Mittelstürmer stehen muss. So ist Deutschland schließlich mit einem 4:0 gegen Portugal in die Weltmeisterschaft gestartet. Ein Auftakt nach Maß, der zugleich die Erwartungen in Deutschland noch weiter erhöhte, aber auch nicht überbewertet werden darf, da die deutsche Mannschaft von einige glücklichen Umständen profitierte.

    Zweites Gruppenspiel: Deutschland gegen Ghana 2:2 (0:0)

    Man könnte es als unsinnigen Aberglauben abtun, dass Deutschland sich bei jedem großen Turnier im zweiten Gruppenspiel schwer tut. Aber in Brasilien konnte keine neue Erkenntnis darüber gewonnen werden. Nach dem torreichen Auftakt sollte der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht werden. Doch wozu gibt es denn drei Gruppenspiele, wenn man sie nicht auch ausgiebig nutzt?
    So mancher Fan hätte sich die Spannung und den offenen Schlagabtausch gegen Ghana gerne erspart. Bundestrainer Löw schickte dieselbe Startelf in das Spiel, einen Grund für Veränderungen gab es nicht. Allerdings hatte Ghana nicht geschlafen und sich das Spiel der Deutschen gegen Portugal sehr genau angeguckt. So brachten die schnellen Außenstürmer der Afrikaner die Deutschen Verteidiger ein ums andere Mal in Verlegenheit und es entwickelte sich zunächst ein kampfbetontes Spiel. Ghana war nach der Auftaktniederlage gegen die USA zu einem Sieg verdammt. Nach der 1:0-Führung durch Mario Götze kurz nach der Halbzeit hatten sie nichts mehr zu verlieren und spielten mit offenem Visier nach vorne. Durch zwei individuelle Fehler der deutschen Hintermannschaft konnte Ghana das Spiel drehen und brachte nun Deutschland in Zugzwang. Und dann kam der Torjäger vom Dienst. Löw brachte mit Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose zwei Spieler, die frischen Wind in das Spiel bringen sollten. Klose ließ es sich dann nicht nehmen, den Spielverlauf wieder in die richtige Bahn zu bringen. Mit seinem 15. Treffer bei einer Weltmeisterschaft stellte er nicht nur den Rekord des Brasilianers Ronaldo ein, sondern markierte zugleich den so wichtigen 2:2-Ausgleich. In der Folge ging es hin und her, beide Teams wollten gewinnen und hatten auch einige Möglichkeiten dazu, doch letztendlich blieb es bei der Punkteteilung, mit der Deutschland sicher besser leben konnte. Der in Berlin geborene ghanaische Nationalspieler Kevin-Prince Boateng brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Es war ein überragendes Spiel für die Fans.“ Die deutschen Fans hätten sich aber vielleicht ein Spiel mit weniger Nervenkitzel gewünscht.

    Drittes Gruppenspiel: Deutschland gegen USA 1:0 (0:0)

    In dem letzten Gruppenspiel ging es um alles. Deutschland gegen USA und Löw gegen Klinsmann. Die Voraussetzungen waren jedoch alles andere als einfach für die Teams. Beiden Mannschaften genügte ein Unentschieden um in die K.O.-Phase einzuziehen und die gesamte Fußball-Welt erinnerte sich an ein Spiel der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Ein Spiel, das als die „Schande von Gijón“ in die Geschichte einging. Deutschland traf damals im letzten Gruppenspiel auf Österreich und gewann nach einem frühen Tor mit 1:0. Dieses Ergebnis reichte beiden Teams für das Weiterkommen und die restliche Spielzeit wurde der Ball nur noch in den Abwehrreihen hin- und hergeschoben.
    Deutschland hätte diesmal sogar eine Niederlage gereicht, da der 4:0-Sieg gegen Portugal ein guter Puffer war. Die USA hingegen waren bei einer Niederlage davon abhängig, wie das Parallelspiel Ghana gegen Portugal ausgehen würde.
    Die gemeinsame Vergangenheit der beiden Trainer Löw und Klinsmann, die die deutsche Mannschaft bei der Heim-WM 2006 coachten, lieferte dafür weiteren Nährboden. Es wurde im Vorfeld zwar viel geredet, das Spiel wird aber immer noch auf dem Platz entschieden. Der Bundestrainer brachte im Vergleich zu den vorherigen Spielen mit Schweinsteiger für Khedira und Podolski für Götze zwei neue Spieler, aber das Ziel blieb unverändert: Drei Punkte mussten her. Deutschland hatte das Spiel von Beginn an im Griff, konnte aber das amerikanische Tor in der ersten Halbzeit nicht ernsthaft in Gefahr bringen, weshalb der Bundestrainer zur Pause einen neuen Impuls ins Spiel brachte und Klose für Podolski einwechselte. Nach einer gelungenen Eckstoß-Kombination konnte Tim Howard den Kopfball von Per Mertesacker zunächst noch entschärfen, aber gegen den sehenswerten Schlenzer von Thomas Müller war er im Anschluss chancenlos. Beide Mannschaften schienen mit dem Ergebnis zufrieden, das deutsche Team tat nicht mehr als es musste und, da Portugal Ghana mit 2:1 besiegte, reichte den Amerikanern diese 0:1-Niederlage, um ins Achtelfinale einzuziehen.
    Es war wie im Spiel gegen Ghana wieder keine spielerische Glanzleistung der Deutschen, allerdings haben sie gewonnen und als Gruppensieger den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Wie elegant sie das geschafft haben, danach fragt spätestens zu diesem Zeitpunkt niemand mehr!

    Achtelfinale: Deutschland gegen Algerien 2:1 n.V. (0:0,0:0)

    Endlich, Achtelfinale, die K.O.-Spiele gehen los. Ab sofort geht es um Alles oder Nichts. Es kann nur einen Sieger geben. Und schon wieder schwirrt die „Schande von Gijón“ durch die Luft. Die damals benachteiligte Mannschaft war nämlich niemand anderes als der jetzige Gegner: Algerien. Und die Wüstenfüchse wollen diesmal die Deutschen rauskegeln.
    Wohl kaum einer hatte erwartet, dass Algerien die K.O.-Runde erreichen würde. Gegen eine deutsche Mannschaft war sie folglich krasser Außenseiter und zog sich aber hervorragend aus der Affäre. Im Vergleich zum Spiel gegen die USA musste Joachim Löw auf Mats Hummels verzichten, Jerome Boateng rückte in die Innenverteidigung und Shkodran Mustafi übernahm die rechte Seite. In Fußball-Deutschland stieß diese Entscheidung nicht grad auf Begeisterung, viele forderten Philipp Lahm auf der rechten Verteidigerseite und sahen sich nach dem Algerien-Spiel bestätigt.
    Algerien spielte vermehrt über ihren linken Flügel und setzte dadurch den unerfahrenen Mustafi, der zu allem Überfluss keinen guten Tag erwischte, unter dauerhaften Druck. Sie hatten ihre Rechnung jedoch ohne Manuel Neuer gemacht. Der deutsche Schlussmann antizipierte mehrfach die langen Bälle und klärte Gefahrensituationen weit außerhalb seines Strafraums. Er war einmal mehr ein sicherer Rückhalt. Als sich Mustafi in der 70. Spielminute verletzte, erhörte Löw die Forderungen der Fans und setzte Lahm auf die Position des rechten Verteidigers. Dem deutschen Spiel brachte diese Umstellung erkennbar die Sicherheit zurück, dennoch spielte Algerien weiter frech nach vorne. In der Offensive tat sich der Favorit lange gegen kompakt stehenden Afrikaner schwer und benötigte 92 Minuten, bevor Andre Schürrle zu Beginn der Verlängerung den erlösenden Führungstreffer erzielte. Die Partie wurde in der Folge offener, weil Algerien aufmachen musste und aufopferungsvoll um den Ausgleich kämpfte. Özil nutzte kurz vor Schluss eine der zahlreichen Möglichkeit zur Erleichterung aller zum 2:0. Dieser Treffer wurde umso wertvoller, als Algerien in der letzten Spielminute noch auf 2:1 verkürzen konnte.
    Damit war der nächste Schritt getan. Es war kein Torreigen, wie es die Paarung hätte vermuten lassen können, was einer sehr guten Leistung Algerien zu schulden war. Wieder vermissten viele ein befreites Spiel nach vorne mit spielerischen Glanzpunkten. Es bleibt aber festzuhalten: Das Viertelfinale ist erreicht und ein Gegner besiegt, der ein gutes Spiel gemacht hat und Deutschland in die Verlängerung zwang.

    Viertelfinale: Deutschland gegen Frankreich 1:0 (1:0)

    Das Viertelfinale hält einen echten Klassiker bereit. Frankreich hatte souverän die Gruppe gewonnen und im Achtelfinale gegen Nigeria eine Pflichtaufgabe erfüllt.
    Gleich auf drei Positionen wurde die deutsche Startelf verändert. Mustafi fiel nach seiner Verletzung im Achtelfinale aus, für den Lahm als Rechtsverteidiger spielte und Khedira neu in der Startelf den Platz als Sechser einnahm. Erstmals im Turnier musste Mertesacker auf der Bank Platz nehmen und der wiedergenesene Hummels bildete mit Boateng die Innenverteidigung. In der Offensive rückte Müller auf rechts und Klose fing anstelle von Götze in der Spitze an.
    Es entwickelte sich ein taktisch geprägtes Spiel. Der frühe Führungstreffer durch Mats Hummels spielte Deutschland in die Karten. Frankreich war gezwungen, mehr für das Spiel zu tun, verzweifelte aber unzählige Male an der kompakt stehenden deutschen Verteidigung oder an dem brillant aufgelegten Manuel Neuer. Deutschland brachte die Führung über die Runden, weil Frankreich kein Mittel fand, den Ball im Tor unterzubringen. Bestes Beispiel dafür: Benzema tank sich im Strafraum durch und kommt aus kurzer Distanz zum Abschluss, Neuer reißt die rechte Hand hoch und verhindert damit den Ausgleich. Im Halbfinale wartete nun der Gastgeber aus Brasilien.

    Halbfinale: Deutschland gegen Brasilien 7:1 (5:0)

    Was für ein Spiel! Es sollte ein Halbfinale auf Augenhöhe werden. Zusammen haben Deutschland und Brasilien insgesamt 8 WM-Titel geholt, Brasilien mit 5 Erfolgen sogar zwei mehr als Deutschland. Doch was an diesem Tag in Belo Herizonte geschah, damit hatte nun wirklich niemand gerechnet und es hat ganz Brasilien in das Tal der Tränen gerissen.
    Joachim Löw schickte ganz nach dem Motto „Never change a winning team“ dieselbe Mannschaft in das Spiel wie schon im Viertelfinale gegen Frankreich. Brasilien musste ohne ihren beiden zentralen Spieler auskommen: Superstar Neymar fehlte verletzungsbedingt, weil ihm im Viertelfinale bei einem heftigen Foul ein Wirbel gebrochen wurde, und Kapitän Thiago Silva, der Kopf der Verteidigung, musste eine Gelb-Sperre absitzen. Dennoch starteten sie ganz euphorisiert, denn die Selecao wollte unbedingt den Titel bei der Heim-WM holen. 90 Minuten, die die politischen und sozialen Schwierigkeiten rund um die Weltmeisterschaft vergessen machen sollten. Es schien jedoch, dass sie ihr Pulver schon nach wenigen Minuten verschossen hatten. Die ersten Angriffe brandeten an der deutschen Verteidigung ab. Ganze 18 Minuten benötigten die „Adlerträger“, um sämtliche brasilianische Titelträume zu begraben. Thomas Müller begann den Torreigen (mal wieder nach einer Standardsituation) und nach 29 Minuten stand es bereits 5:0. Die Fußball-Welt rieb sich vollkommen verblüfft die Augen. Hat sich das grad wirklich zugetragen? Wurde die brasilianische Elf soeben nach allen Regeln der Fußball-Kunst auseinander genommen?
    Die zweite Halbzeit ging dann gemäßigter vonstatten. Das Spiel war gewonnen, daran hatte niemand mehr Zweifel. Den Brasilianern gelang beim historischen Zwischenstand von 0:7 in der Nachspielzeit nur noch der Ehrentreffer. Dann war es vollbracht: Deutschland steht im WM-Finale! Und da war er wieder, der Zauberfußball!

    FINALE: Deutschland gegen Argentinien 1:0 n.V. (0:0, 0:0)

    „Wir“ sind wieder Weltmeister! 24 Jahre und 5 Tage hatte eine ganze Fußball-Nation seit dem letzten WM-Triumph in Rom 1990 auf diesen Moment gewartet. Am 13. Juli 2014 um 23:35 Uhr kannte dann der Jubel in Deutschland keine Grenzen mehr. Die deutsche Nationalmannschaft hat sich ihren vierten Stern nach 1954, 1974 und 1990 geholt. Noch bis in die frühen Morgenstunden feierten die Fans in ganz Deutschland den knappen 1:0-Sieg über Argentinien. Die jungen Fans können diesen Moment kaum realisieren, sie haben so etwas noch nie erlebt, zu lange ist der letzte Titel bei einem großen Turnier her. Den letzten Titel holte die Bundesrepublik kurz bevor Deutschland wiedervereinigt wurde. Aber je öfter man es sagt, desto greifbarer wird es nicht nur für die Fußball-Fans: Deutschland ist Fußball-Weltmeister 2014!
    Doch vorher musste Fußball-Deutschland 120 Minuten voller Spannung, Nervenkitzel und einem emotionalen Auf und Ab durchleben. Einen ersten Schockmoment galt es noch vor dem Anpfiff zu verkraften. Sami Khedira konnte nicht spielen, weil er sich beim Aufwärmen verletzt hatte. Für ihn rückte der junge und unerfahrene Christoph Kramer, der zunächst gar nicht im WM-Kader stand und nachnominiert wurde, in die Startelf. Es entwickelte sich für die Deutschen ein nervenaufreibendes Geduldsspiel, wie sie es auch schon gegen Algerien erlebten. Argentinien stand in der Abwehr sehr eng und ermöglichte der deutschen Elf kaum ein Durchkommen. Stattdessen setzten sie immer wieder gefährliche Stiche und hatten eine Großchance als Higuaín nach einem Kroos-Fehler alleine auf Neuer zusteuerte. Deutschland konnte von Glück reden, dass die Argentinier diese Geschenke nicht annahmen. Neuling Kramer musste noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden, nachdem er durch einen massiven Check eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Die größte deutsche Chance hatte Benedikt Höwedes unmittelbar vor der Halbzeit, doch sein wuchtiger Kopfball landete nur am Pfosten. In der zweiten Halbzeit eröffneten sich beiden Teams weitere Chancen, die jedoch nicht den Weg ins Tor fanden. Nach der regulären Spielzeit war kein Weltmeister gefunden worden. In der Verlängerung gestalteten die Mannschaften das Spiel etwas offener, ohne dabei aber ihre Ordnungen aufzulösen. Jedes Team bekam noch eine Chance, um das Spiel für sich zu entscheiden. Palacio setzte seinen Heber über Neuer hinweg neben das Tor. Und dann kam sie, die 113. Spielminute: André Schürrle tankt sich auf links gegen zwei Gegenspieler nach vorne durch, flankt den Ball nach innen auf Mario Götze. Der nimmt den Ball mit der Brust an und legt ihn volley am argentinischen Schlussmann vorbei ins Tor. Es steht 1:0 für Deutschland. Mit einer kämpferischen Meisterleistung und einem geschlossenen Mannschaftsgefüge holt sich dieses Team, was sie sich so sehr erarbeitet und was sich ganz Fußball-Deutschland seit einer gefühlten Ewigkeit ersehnt hat: den Weltmeister-Titel.



  2. Fußnoten

    1.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/mertesacker-interview-herzlichen-glueckwunsch-boris-buechler-13020438.html

     
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