Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

21.9.2012 | Von:
Wolfgang Sander
Angela Gralla
Sabine Kühmichel
Julia Haarmann

Didaktische Konzeption

Das vorliegende Kapitel "Wahlen in der Demokratie" bietet grundlegende Materialien zu den Themen "Demokratie", "Wahlen und Wahlrechtsgrundsätze", "Wahlrechtssysteme" sowie zur historischen Entwicklung der Wahlen und des Frauenwahlrechts in der BRD. Diese können vorbereitend und ergänzend zur Bundestagswahlreihe (Kapitel 2) eingesetzt werden. Zudem kann mit Hilfe dieser Materialien auch unabhängig von konkreten Wahlterminen das Thema "Wahlen" im Unterricht behandelt werden.

Baustein-Struktur

Es handelt sich bei den hier vorgestellten Inhalten nicht um eine in sich abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden muss, sondern um ein nach dem Bausteinprinzip aufgebautes inhaltliches Angebot, das entsprechend den situativen Erfordernissen variabel einsetzbar ist. Die einzelnen Bausteine stellen dabei keine einzelnen, abgeschlossenen Unterrichtsstunden dar, sondern Sequenzen, deren Bearbeitung in der Regel mehrere Unterrichtsstunden in Anspruch nimmt. Der Lehrer / die Lehrerin kann die Schwerpunkte ganz nach den Anforderungen des eigenen Unterrichts anpassen, indem sie einige Sequenzen auswählt und intensiver behandelt, andere hingegen kürzt, variiert oder ggf. auf ihre Bearbeitung verzichtet.
Kuppel des ReichstagsKuppel des Reichstags (© Wolfgang Sander)


Die Bausteine im Überblick

Baustein 1 bietet einen Einstieg in das Thema "Demokratie". Er behandelt schwerpunktmäßig die grundlegenden Merkmale der Demokratie in Abgrenzung zu autoritären Staatsformen. Anhand von praxisnahen Beispielen erlernen die Jugendlichen die Grundprinzipien einer demokratischen Entscheidung. Dabei wird die Notwendigkeit der repräsentativen Demokratie für Staaten deutlich. Nach Erarbeitung zentraler Merkmale in Form einer Checkliste wenden die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen an. Sie überprüfen die Kennzeichen der Demokratie anhand eines Berichtes über die Wahlen in Myanmar (früher Birma) und diskutieren die Vor- und Nachteile der Demokratie.

Angeknüpft an der Problemfrage "Wie souverän ist der Wähler?" stehen in Baustein 2.1 die Funktion von Wahlen in der Demokratie und die Wahlgrundsätze gemäß Artikel 28 GG im Mittelpunkt. Dabei erfolgt zum Abschluss eine Reflexion, in der sich die Jugendlichen kritisch mit dem Spannungsverhältnis von normativem Verfassungsanspruch der Wahlfunktionen und tatsächlicher Verfassungswirklichkeit auseinandersetzen. Thema des Bausteins 2.2 sind die zwei Grundformen moderner Wahlsysteme: das Mehrheitswahlsystem und das Verhältniswahlsystem. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die Wahlsysteme und ihre Unterschiede kennen und diese mit Hilfe von erarbeiteten Kriterien kritisch beurteilen und bewerten können.

Die WahlgrundsätzeDie Wahlgrundsätze
Baustein 3 fokussiert sich auf ausgewählte Entwicklungsschritte in der Geschichte der Wahlen in Deutschland. Dabei erarbeiten die Schülerinnen und Schüler exemplarisch anhand verschiedener Beispiele die Entwicklung des heutigen Wahlverfahrens in Deutschland. Die Auswirkungen des jeweiligen Verfahrens (Zensuswahlrecht, Mehrheitswahlrecht (Kaiserreich), Wahlen in der Weimarer Republik, in der NS-Zeit und in der Bundesrepublik Deutschland) werden mit Hilfe einer Visualisierungsphase deutlich. Dazu schlüpfen die Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Bürgers, der wegen der zugewiesenen Attribute entweder wählen darf oder nicht bzw. dem ein gewisses Stimmgewicht zugeordnet worden ist. Die Güte des jeweiligen Wahlverfahrens hinsichtlich der Faktoren Volkssouveränität und Repräsentativität wird deutlich.

Baustein 4 nimmt die Geschichte des Frauenwahlrechts in den Fokus. Hierbei erhalten die Schülerinnen und Schüler zunächst einen Überblick über die Entwicklung des Frauenwahlrechts in Europa, um dann die speziellen Ereignisse in Deutschland genauer in den Blick zu nehmen. Mittels authentischer Zitate aus der Debatte um die Einführung des Frauenwahlrechts erschließen sich die Jugendlichen die damaligen Pro- und Contra-Argumente, die sie daraufhin in einem Rollenspiel anwenden können. Anschließend richten die Schülerinnen und Schüler ihre Aufmerksamkeit auf die Aktualität der Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Entwicklung des Frauenanteils im Deutschen Bundestag (2009: 32,8 %) wirft die Frage auf, inwiefern die Repräsentanz von Frauen in der Politik auch in Zukunft gefördert werden sollte.

Die einzelnen Bausteine enthalten ein in Phasen gegliedertes Artikulationsschema des Unterrichtsverlaufs sowie einen Planungshinweis zu Inhalt, möglichen Intentionen, Methoden sowie Medien und darüber hinaus alle zur Behandlung des Bausteins notwendigen Materialien. An einigen Stellen in den didaktischen Kommentaren finden sich Querverweise zu den weiterführenden Themen und Materialien dieses Bandes.