Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

Planungshinweise


21.9.2012
Um dem Projektcharakter Rechnung zu tragen, wird in Kapitel 4 "Forschen mit GrafStat - Befragungen im Unterricht" auf eine in Phasen gegliederte Verlaufsplanung verzichtet. Vielmehr werden die notwendigen Arbeitsschritte in Form einer "Checkliste" angelegt, die wiederum um eine Fülle hilfreicher Hinweise und praktischer Tipps für Sie als Lehrkraft ergänzt wird.

Schon im Planungsgespräch wird im günstigsten Fall zusammen mit der Lerngruppe entschieden, ob eine eigene Befragung durchgeführt werden soll und wenn ja, welcher Art diese Befragung sein soll. Soll eine repräsentative Befragung zur Erstellung einer Wahlprognose für den eigenen Wahlkreis oder aber eine weniger umfangreiche Befragung spezieller Zielgruppen, z. B. eine Jugendbefragung aller Jugendlichen der Oberstufe oder aber einer ganzen Jahrgangsstufe, durchgeführt werden, um deren Meinung und Einstellungen zu Politik und Wahlen zu erforschen und zu analysieren (vgl. jeweils Baustein 1 in Kapitel 1 und Kapitel 2)?

Die Entscheidung für oder gegen eine eigene Befragung wird dabei letztlich auch von der zur Verfügung stehenden Zeit und dem mit dem jeweiligen Befragungsvorhaben verbundenen – zum Teil nicht zu unterschätzenden – organisatorischen Aufwand mitbestimmt (Aufwand und Ertrag). Wer sich für die Durchführung einer eigenen Befragung vor Ort entschieden hat, findet hier die Beschreibung der wichtigsten Schritte, die für ein solches Vorhaben notwendig sind.

Zur Erleichterung der Organisation einer eigenen Befragung werden in diesem Kapitel verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. So bietet das Planungsraster zur Projektplanung (MG 01.02) eine gute Übersicht über die einzelnen Phasen und Arbeitsschritte des Befragungsprojektes. Dieses Planungsraster kann schon im Planungsgespräch zusammen mit den Schülerinnen und Schülern entweder komplett entwickelt oder auch nur um spezifische Aspekte (Zeitplan, Verantwortlichkeiten etc.) ergänzt werden. Das Planungsraster dient im weiteren Verlauf des Projektes als Orientierungshilfe (Fahrplan/Checkliste).

Des Weiteren werden zu den beiden möglichen Befragungsvarianten praxisorientierte Musterfragebögen mit den Schwerpunkten "Jugend und Politik" (MG 01.04) sowie "Wählerbefragung zur Bundestagswahl" (MG 01.05) angeboten – jeweils im Druckformat als Kopiervorlage sowie als GrafStat-Dateien. Diese können für das eigene Befragungsprojekt genutzt und bei Bedarf leicht angepasst werden, sodass für die Erstellung bzw. Bearbeitung des Fragebogens in der Regel nicht mehr als eine Unterrichtsstunde benötigt wird.

Eine Übersicht über alle Materialien mit Kurzbeschreibung finden Sie in diesem PDF-Icon PDF-Dokument zum Download.

Vorschau MG 01.02 PlanungsübersichtVorschau MG 01.02 Planungsübersicht
Planungsschritte für die Durchführung einer Befragung

Das Befragungsprojekt lässt sich in folgende sieben Phasen einteilen:
  1. Ziel und Art der Befragung festlegen
  2. Erstellung und Bearbeitung des Fragebogens
  3. Bestimmung der Stichprobe bzw. der Zielgruppe
  4. Durchführung der Befragung
  5. Dateneingabe und Gewichtung
  6. Auswertung und Analyse der Daten
  7. Präsentation der Ergebnisse

1. Ziel und Art der Befragung festlegen



Um Ziel und Art der Befragung zu klären, erfolgt auch zu Beginn dieses Befragungsbausteins ein kurzes kooperatives Planungsgespräch von Lehrperson und Jugendlichen – je nach Entscheidung unter der Perspektive, eine lokale Wählerbefragung bzw. eine Befragung Jugendlicher durchzuführen –, in welchem ein Aufgabenkatalog erstellt werden soll, der die einzelnen Arbeitsschritte des gesamten Projektes enthält.

1a) Planungsgespräch für die Wählerbefragung

Mit diesem Planungsgespräch vor der Durchführung der eigentlichen Befragung wird die Intention verfolgt, dass sich die Schülerinnen und Schüler genau über Ziele und Fragestellung des Vorhabens im Klaren sind und gleichsam ein gemeinsames Handlungsprodukt festlegen: "Was wollen wir herausfinden? Welche Aufgaben müssen wir lösen, um dies alles zu erreichen?"

Nach der Aufstellung des Aufgabenkatalogs schließt sich eine grobe Gesamtplanung mit Phasen, Terminen, Aktivitäten, Verantwortlichkeiten etc. des Projektes an – bspw. in Form einer Wandzeitung, welche im Klassenraum für alle sichtbar aufgehängt werden sollte. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, die Planungsarbeit für eventuell später auftretende Teilprobleme offen und revisionsfähig zu gestalten.

Wann soll die Wählerbefragung durchgeführt werden?
Die Festlegung des zeitlichen Rahmens bzw. das Festlegen des Termins für die Befragung ist insbesondere dann wichtig, wenn man eine Wählerumfrage mit dem Ziel einer Wahlprognose für den eigenen Wahlkreis erstellen möchte. Die Veröffentlichung der Prognose wird vor dem Wahltag angestrebt, daher sollte die Wählerbefragung etwa zwei bis drei Wochen vorher durchgeführt werden, um anschließend genügend Zeit für die Auswertung und Ergebnisveröffentlichung zur Verfügung zu haben.

Bei Kooperationsprojekten zwischen mehreren Schulen bzw. Klassen sollte jedoch in beiden Fällen unbedingt eine Vereinbarung über einen einheitlichen Fragebogen und einen gemeinsamen Befragungszeitraum von etwa einer Woche getroffen werden (s. auch MG 01.09).

Die Befragung erfolgt in der Regel außerhalb des Unterrichts, u. a. wegen der besseren Erreichbarkeit der Berufstätigen. Wenngleich die Wählerbefragung von den Jugendlichen einen nicht unbeträchtlichen zusätzlichen Arbeitsaufwand verlangt, hat die Erfahrung gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler in dieser Arbeitsphase besonders motiviert sind, da sie nach gezielter theoretischer Vorbereitung nunmehr in der Rolle des praktischen Wahlforschers tätig werden, was gemeinhin einen großen Anreiz für die Lerngruppe darstellt.

Wie führen wir unsere Befragung durch?
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten der Befragung, die jeweils mit gewissen Vor- und Nachteilen verbunden sind. Je nach Ziel bzw. Zielgruppe der Befragung bieten sich unterschiedliche Befragungsarten an. (Ausführliche Hinweise zu den Befragungsarten finden Sie in MG 02.01.)

Alternative 1: Telefonbefragung
Am besten geeignet für: Repräsentative Befragung der Wählerschaft

Alternative 2: Straßenbefragung
Am besten geeignet für: Erfassung von Stimmungsbildern der Bevölkerung bzw. von Jugendlichen zu ausgewählten Themen

Alternative 3: Schriftliche Befragung
Am besten geeignet für: Befragungen mit großen Stichproben und Vollerhebungen, da viele Personen in vergleichsweise kurzer Zeit und kostengünstig befragt werden können (z.B. Schülerbefragung)

Alternative 4: Internetbefragung
Am besten geeignet für: Befragung von konkreten Gruppen mit ausreichender Internetkompetenz (z.B. Schulabgänger-Befragung, Meinungsumfrage an der Schule etc.)

1b) Planungsgespräch für die Jugendbefragung

Schüler bei der StraßenbefragungSchüler bei der Straßenbefragung (© Foto: Wolfgang Sander)
Zu Beginn wird in einem Planungsgespräch zwischen Schülerinnen und Schülern und der Lehrperson geklärt, wozu, wie und in welchem Rahmen die Befragung durchgeführt werden soll. Das Ziel sollte dabei sein, dass alle Beteiligten sich genau über Ziele und Fragestellung des Vorhabens im Klaren sind und gleichsam ein gemeinsames Handlungsprodukt festlegen: "Was soll am Ende stehen? Was wollen wir erreichen? Welche Aufgaben müssen wir lösen, um das zu erreichen?"

Wozu führen wir eine Befragung durch?
Dies ist eine weitere wichtige Frage, von der viele andere Entscheidungen direkt oder indirekt abhängen. Der Hauptzweck einer Befragung liegt dabei selbstverständlich auf der Hand: Es gilt, Aufschluss über Einstellungen und Meinungen einer bestimmten Zielgruppe zu erhalten. Dem Thema wird hohe Aufmerksamkeit gewidmet (aktivierendes Moment der Befragung). Neben diesem übergeordneten Zweck der Befriedigung der eigenen wissenschaftlichen Neugier sollten jedoch auch weiterführende Zielperspektiven des Befragungsprojektes festgelegt werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wozu man die Daten der Befragung nutzen kann. Man könnte sich u. a. vorstellen, …
  • eine Ausstellung zum Thema in der Schule zu organisieren, auf der auch die Ergebnisse der Befragung präsentiert werden sollen.
  • einen (oder mehrere) Politiker (junge Politiker / Politikerinnen, Wahlkreiskandidaten Wahlkreiskandidatinnen) in den Unterricht einzuladen und die Befragungsergebnisse dort zu präsentieren und somit als Grundlage einer Diskussion zu verwenden.
  • Politiker / Politikerinnen im Rahmen einer E-Mail, eines Chats oder eines Briefes mit den Ergebnissen zu konfrontieren.
  • einen Radiobeitrag über die Ergebnisse der Befragung zu produzieren, der im Bürgerfunk des Lokalradios gesendet wird.
  • die Ergebnisse in der lokalen Zeitung oder in der Schülerzeitung zu veröffentlichen.
  • die Ergebnisse auf der Schulhomepage zu veröffentlichen.
Wer soll befragt werden?
Abhängig von der bestimmten Zielperspektive bzw. den bestimmten Zielperspektiven gilt es nun festzulegen, wer die genaue Zielgruppe der Befragung sein soll. Es gibt eine Reihe von möglichen Ansätzen:
  • Komplettbefragung aller Schülerinnen und Schüler unserer Schule, einer Klasse/eines Kurses oder einer Jahrgangsstufe
  • Befragung von Jugendlichen in unserer Stadt
  • Befragung von Jugendlichen an unterschiedlichen Schulen im Stadtgebiet und Vergleich der Ergebnisse
  • Jugendbefragung in der Fußgängerzone
Wie wollen wir befragen?
Sind bezüglich der ersten beiden Fragen hinreichend konkrete Entscheidungen getroffen und auf Folie festgehalten worden, geht es noch um die genaue Art der Durchführung der Befragung. Diese hängt im Wesentlichen von der vorher festgelegten Zielsetzung ab. Zu klären ist unter anderem, ob ein repräsentativer Querschnitt benötigt wird. Davon hängt wiederum die Entscheidung ab, ob eine Straßen-, Telefon- oder Onlinebefragung durchgeführt wird. Jede dieser Befragungsarten hat spezifische Anwendungsgebiete bzw. Vor- und Nachteile (MG 02.01). Auf der Grundlage aller nun getroffenen Vereinbarungen kann ein erster Arbeitsplan erstellt werden, der neben der zeitlichen Abfolge der einzelnen Projektschritte auch weitere spezielle Aufgabenverteilungen und Termine enthalten sollte.

2. Erstellung und Bearbeitung des Fragebogens



MG 01.05 Musterfragebogen "Wählerbefragung"Vorschau Musterfragebogen "Wählerbefragung"
Das Erstellen eines guten Fragebogens bedarf großer Sorgfalt und ausreichend Zeit, welche im Unterrichtsalltag nicht immer gegeben ist. Um das Verfahren abzukürzen, bietet es sich an, den Schülerinnen und Schülern als Orientierungshilfe den jeweiligen Musterfragebogen (MG 01.04 bzw. MG 01.05) vorab an die Hand zu geben und nach den erarbeiteten Vorgaben für das eigene Befragungsprojekt modifizieren zu lassen. Dies ist ein Vorgehen, das auch in der wissenschaftlichen Forschungspraxis üblich ist. Die Endredaktion, das Layout und die Vervielfältigung des Fragebogens sollte die Lehrkraft übernehmen, es sei denn, dazu erklären sich Jugendliche bereit.

Lehrende mit wenig Zeit für die Durchführung der Reihe oder mit wenig Erfahrung im Umgang mit Umfragetechniken sollten auf jeden Fall auf den Musterfragebogen zurückgreifen und dort nur partielle Veränderungen vornehmen.

Wichtig: Alle Änderungen müssen ebenfalls in der GrafStat-Datei des entsprechenden Fragebogens vorgenommen werden, um die spätere Dateneingabe zu gewährleisten!

Soll der Fragebogen hingegen doch zuerst zusammen mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt werden, so kann in einer Art Brainstorming erarbeitet werden, welche Angaben von den Befragten benötigt werden, um aussagekräftige Daten für die Analyse des Wählerverhaltens bei der bevorstehenden Bundestagswahl bzw. für die Beurteilung der Meinungen und Einstellungen Jugendlicher zur Politik zu gewinnen. Die bekannte "Sonntagsfrage" wird für die Wahlprognose dabei sicher an der Spitze stehen; sie allein wird für eine Analyse des Wahlverhaltens aber nicht ausreichen.

Auf der Grundlage der bisher erworbenen Kenntnisse – und je nach gewählter Projektvariante – können die Schülerinnen und Schüler erfahrungsgemäß selbstständig viele weitere wichtige Aspekte für die Befragung nennen.

Die gesammelten Themenaspekte des Fragebogens werden auf einer Folie gesichert, damit sie ggf. später noch einmal präsentiert bzw. ergänzt oder – wenn nötig – zusammengefasst werden können.

Für das weitere Vorgehen empfiehlt es sich anschließend, die von den Schülerinnen und Schülern erstellte Sammlung mit dem Musterfragebogen (MG 01.04 für das Jugend-Politik-Barometer, MG 01.05 für die Wählerbefragung) zu vergleichen, auch um sich bspw. bei Kooperationsprojekten in Absprache mit anderen Kursen bzw. Schulen auf einen endgültigen Fragenkatalog zu verständigen (s. MG 01.09).

Da der Umfang des Fragebogens aus Praktikabilitätsgründen auf ein Blatt mit ca. 20 Einzelfragen beschränkt werden sollte, wird es erfahrungsgemäß notwendig sein, auf einige zuvor genannte Befragungsgesichtspunkte zu verzichten. (Weitere Tipps und Tricks zur Erstellung eines Fragebogens finden sich in MG 01.03.)

3. Bestimmung der Stichprobe bzw. der Zielgruppe



Nach Fertigstellung der endgültigen Fassung des Fragebogens stellen sich die Schülerinnen und Schüler sicher die Frage, wie sie an die Personen kommen, die diesen ausfüllen sollen. Hat man sich für die Durchführung einer Befragung aller Jugendlichen z.B. ab 16 Jahren an der eigenen Schule entschieden, ist das Problem vergleichsweise gering. Für eine Wählerbefragung mit Wahlprognose bedeutet es jedoch, dass angesichts begrenzter Befragungskapazität aus der Grundgesamtheit aller Wahlberechtigten ein repräsentativer Personenkreis herausgefiltert, also eine Stichprobe gezogen werden muss (vgl. MG 02.11).

Für die später noch durchzuführende Gewichtung der erhobenen Daten ist es zudem notwendig, Vergleichszahlen zu besorgen. Benötigt werden die Angaben der wahlberechtigten Bevölkerung nach Alter und Geschlecht für den heimischen Wahlkreis. Was bei der Gewichtung sonst noch alles zu beachten ist, können Sie dem Material MG 02.14 entnehmen. Hinweise zur Stichprobenziehung für Telefonbefragungen finden Sie in Material MG 02.08.

4. Durchführung der Befragung



Vorbereitung der Interviews
Bevor die eigentliche Umfragephase beginnen kann, sollten die Schülerinnen und Schüler für ihre Rolle als Sozialforscher vorbereitet werden.

Sie erhalten jeweils
  • für die Telefonbefragung eine Liste mit Telefonnummern, die nach dem Zufallsprinzip aus dem Telefonbuch ausgewählt wurden, bzw. eine Liste mit den Quoten für die Straßenbefragung und das Begleitschreiben (MG 02.07);
  • eine ausreichende Anzahl an Protokollbögen (MG 02.09);
  • eine ausreichende Anzahl an ausgedruckten Fragebögen (MG 01.04 bzw. MG 01.05) für die Erfassung und Dokumentation der Interviews.
Interview bei einer StraßenbefragungInterview bei einer Straßenbefragung (© Foto: Andrea Meschede)
Darüber hinaus erhalten sie zur Vorbereitung eine schriftliche Anleitung für die Durchführung der Interviews (je nach Befragungsart MG 02.04 oder MG 02.05). Sie enthält grundlegende Verhaltensregeln, die sich zum einen auf die Wahrung der Anonymität der Befragung beziehen und zum anderen den Schülerinnen und Schülern eine Anregung geben, in welcher Form sie die zu Befragenden möglichst freundlich ansprechen können, um deren Antwortbereitschaft zu gewinnen.

In der Vergangenheit hat es sich zudem als sinnvoll erwiesen, die Jugendlichen mit Hilfe eines Rollenspiels (s. Rollenkarten MG 02.02 bzw. MG 02.03) auf die Interviews vorzubereiten. Das Rollenspiel kann genutzt werden, um
  • die Schülerinnen und Schüler auf denkbare Schwierigkeiten und Ausnahmesituationen während der Befragung vorzubereiten (z.B. Belästigung durch einen Interviewpartner).
  • den Schülerinnen und Schülern die Ernsthaftigkeit der Umfrage bezüglich des Umgangs mit den Befragten zu verdeutlichen.
  • möglichen Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen (z.B. sollte den Schülerinnen und Schülern bei der Wählerbefragung die farbliche Kennzeichnung der Parteien bekannt sein).
Unabhängig vom Rollenspiel sollten die Schülerinnen und Schüler über die "Sicherheitsauflagen" einer Umfrage informiert werden:
  • Bei Zweifel der Befragten sollte auf die Telefonnummer des Schulsekretariats verweisen werden.
  • Sicherung der Anonymität der Befragung stellt einen Vertrag zwischen der Interviewerin/ dem Interviewer und den Befragten dar, d h., es ist sicherzustellen, dass eine Reanonymisierung unterbleibt, selbst wenn es technisch möglich wäre (s. auch MG 02.10).
  • Den Schülerinnen und Schülern sollte verdeutlicht werden, dass Seriosität die entscheidende Voraussetzung für die Genauigkeit der Umfrageergebnisse darstellt.
  • Den Schülerinnen und Schülern soll bewusst sein, dass mögliche Fälschungen der Antworten die Aussagefähigkeit der Befragung gefährden. Als Regel gilt: Es liegen besser zu wenige als gefälschte Antworten vor.
  • Tipp: Bei Telefonbefragungen könnte ggf. eine Kontrolltelefonnummer eingebaut werden als Möglichkeit der Überprüfung.
So präpariert können die Schülerinnen und Schüler an das Telefon oder auf die Straße geschickt werden, um die Interviews durchzuführen.

5. Dateneingabe und Gewichtung



Einweisung in die Handhabung des Programms GrafStat
Nach der Erhebung der Daten geht es im nächsten Arbeitsschritt darum die Schülerinnen und Schüler mit der Nutzung des Programms GrafStat für die Eingabe und Auswertung der Daten ihrer Befragung vertraut zu machen.

GrafStat - EingangsbildschirmGrafStat - Eingangsbildschirm
Aufgrund der großen Benutzerfreundlichkeit des Programms GrafStat sind bei entsprechender Vorbereitung und vorhandenen PC-Grundkenntnissen erfahrungsgemäß keine nennenswerten Schwierigkeiten zu erwarten.

Hinweis: Die Dateneingabe entfällt, sofern eine Online-Umfrage (vgl. MG 02.06) durchgeführt wird, bspw. für das Jugendbarometer. Für eine Wählerbefragung mit Wahlprognose ist eine Umfrage über das Internet eher nicht geeignet (vgl. MG 02.01).

Angesichts der Datenfülle, die bei großen Umfragen (z.B. Wählerbefragung mit dem Ziel einer Wahlprognose) entsteht, empfiehlt es sich, die Daten arbeitsteilig von den Schülerinnen und Schülern erfassen zu lassen und später alles zu einem Gesamtdatensatz zusammenzufügen. Detailliertere Hinweise finden Sie zur Dateneingabe (inkl. Zusammenfügen) in MG 02.13 und zur Gewichtung in MG 02.14, eine kurze Anleitung für die Schülerinnen und Schüler zur Dateneingabe liegt in MG 02.12 vor.

Insgesamt sei für die Einarbeitung in die Handhabung von GrafStat auch auf das Handbuch und die umfangreiche Kontext-Hilfe des Programms hingewiesen. Darüber hinaus bietet der Programmierer von GrafStat Uwe Diener auf seiner Internetseite (www.grafstat.de) eine kurze Power-Point-Präsentation an, die in die Handhabung des Programms einweist.

6. Auswertung und Analyse der Daten



6a) Erstellung einer Wahlprognose oder "Welches Wahlergebnis ist aufgrund der erhobenen Daten zu prognostizieren?"

Die Erstellung der Wahlprognose für den Ausgang der bevorstehenden Bundestagswahl im heimischen Wahlkreis stellt für die Schülerinnen und Schüler in den meisten Fällen eine Art Höhepunkt der Unterrichtsarbeit dar.

Arbeitsschritte zur Erstellung einer Wahlprognose im Überblick:
  1. Rohdatenauszählung
    Die Rohauszählung der Daten kann mittels Grundauszählungsfunktion von GrafStat erfolgen.
  2. Überprüfung der Datenqualität
    Sind die Befragten nach Alter, Geschlecht, Beruf bzw. Bildungsabschluss einigermaßen repräsentativ für den Durchschnitt der Wahlbevölkerung (-> Vergleich mit der amtlichen Bevölkerungsstatistik)? Stimmt das Ergebnis der Rückerinnerungsfrage (-> Parteipräferenz bei der vorangegangenen Bundestagswahl) mit dem tatsächlichen Wahlergebnis von 2009 überein? Ist der Anteil der voraussichtlichen Nichtwähler zuverlässig genug erfasst worden (-> Anhaltspunkt: Anzahl der Antwortverweigerer bei der Sonntagsfrage)?
  3. Gewichtung der Daten
    Wie müssen die Daten nun noch mit Hilfe von sozialstatistischen Vergleichsdaten gewichtet werden, um ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu erzielen?
  4. Ausdruck einer gewichteten Prognose
    Auswertung der "Sonntagsfrage" sowie ggf. Veröffentlichung in der Lokalpresse
Die von den Schülerinnen und Schülern durchgeführte Analyse der Daten erschöpft sich jedoch nicht darin, eine Antwort auf die "Sonntagsfrage" zu suchen. Es gilt, darüber hinaus zu untersuchen, welchen Aufschluss das Datenmaterial über die Zusammensetzung der Parteianhänger, über das Stammwählerpotential der Parteien bzw. über absehbare Wählerwanderungen, über erkennbare Motive der Wahlentscheidung, über die Akzeptanz der Spitzenkandidaten usw. zu geben vermag. Mögliche Analysefragen und -aspekte:
  • Nach welchen Gesichtspunkten kann das voraussichtliche Wählerverhalten näher analysiert werden?
  • Welche Daten müssen zu diesem Zweck in Beziehung gesetzt werden? Erstellung und Analyse von Kreuztabellen zur Ermittlung von Zusammenhängen von Geschlecht, Alter, Konfession, Beruf bzw. Bildungsgrad mit der Parteipräferenz; Ermittlung von Wählerwanderungen (-> vergangenes vs. beabsichtigtes Wahlverhalten)
  • Auf welche Wählerschichten können die Parteien sich stützen?
  • Wie ist das Jungwählerverhalten zu charakterisieren?
  • Welche Rolle spielen rechtsextreme Parteien?
  • Welche Themen besitzen für die Wahlentscheidung eine besondere Bedeutung?
  • Welche Einstellungen der Befragten zur Politik lassen sich bestimmen?
Die genannten Vorschläge werden anschließend in einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit umgesetzt, indem die Schülerinnen und Schüler am Computer die Daten auswerten (s. MG 03.01 - MG 03.08) und bspw. auf die einzelnen Parteien bezogene Kreuztabellen erstellen sowie kurze schriftliche Analysen darüber anfertigen. Je nach Schülerinteresse können dabei auch bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden, z.B. auf die Wahlbereitschaft und die Parteipräferenz von Jungwählern. Die Resultate der Gruppenarbeit werden dann im Unterrichtsgespräch zusammengefasst und an der Tafel bzw. auf einer Folie in Form einer Matrix (MG 03.07) gesichert, mit deren Hilfe die Schülerinnen und Schüler die Wählerstruktur der Parteien leicht übersehen und vergleichen können.

Schüler bei der DatenauswertungSchüler bei der Datenauswertung (© Foto: Wolfgang Sander)
Für eine zielgerichtete, methodisch korrekte Datenauswertung (MG 03.01) empfiehlt sich insbesondere die Methode der hypothesenorientierten Datenauswertung (vgl. MG 01.06 - MG 01.08). Mit dem Sechs-Punkte-Schema zur hypothesenorientierten Auswertung von Umfragedaten (MG 03.03) wird den Schülerinnen und Schülern ein methodisches Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem sie auch in anderen Untersuchungen relativ selbstständig und in angemessener Zeit Daten auswerten können.

Wichtig ist vor allem die Vermittlung der Erkenntnis, dass sie zuerst eine Hypothese formulieren müssen (s. auch MG 01.06 und MG 01.08) und erst dann die Daten auswerten sollten. Wird dieser Schritt unterlassen, werden häufig nur wahllos bunte Grafiken erstellt, ohne dass ein "roter Faden" die Ergebnisse strukturiert. Aufgrund der Fülle der Daten besteht die Gefahr, den Überblick über das verfolgte Unterrichtsziel, sozialwissenschaftliche Aussagen über die untersuchte/befragte Gruppe zu treffen, zu verlieren. Des Weiteren ist aufgrund von Zeitknappheit eine ziel- und ergebnisorientierte Auswertung der Daten wünschenswert. Die Schülerinnen und Schüler sollten am Ende der Auswertung Ergebnisse präsentieren und Erfolge erleben können. Dieses Auswertungsschema wurde bereits vielfach im Unterricht erprobt und hat sich immer wieder bewährt. Eine anschließende vertiefende Diskussion stellt sodann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen (Wähler-/Jugend-)Gruppen heraus. Im Rahmen der Wählerbefragung kann der interessanten Frage nachgegangen werden, inwieweit sich Spezifika des zurückliegenden Wahlkampfes, wie die Themen und Kontroversen, die Ansprache bestimmter Zielgruppen, die Zugkraft der Spitzenkandidaten und -kandidatinnen und andere wichtige Einflussfaktoren, im prognostizierbaren Wählerverhalten niederschlagen.

Überprüfung der Zuverlässigkeit der Wahlprognose
Hat man die Wählerbefragung mit dem Ziel durchgeführt, eine eigene Wahlprognose zu erstellen, stellt sich folgende Frage: "Wie zuverlässig und genau ist unsere Wahlvorhersage ausgefallen?"

Ein möglicher Fragenkatalog für die Zuverlässigkeits- und Fehleranalyse könnte wie folgt aussehen:
  • Welches Wahlergebnis haben die einzelnen Parteien erzielt? Wie groß ist die jeweilige Abweichung von der Prognose?
  • Enthält das Wahlergebnis Überraschungen und lässt sich ein Trend bzw. Trendwechsel feststellen?
  • Wo liegen die "Hochburgen" der Parteien?
  • War die Stichprobe repräsentativ?
  • Ist der Anteil der Nichtwähler korrekt erfasst worden?
  • Lag der Zeitpunkt der Befragung evtl. zu früh und gibt es Hinweise auf einen Meinungsumschwung in letzter Minute?
  • Hätten Fehler vermieden werden können?
  • Wie kann die Qualität der geleisteten Forschungsarbeit im Nachhinein beurteilt werden?
  • ...
Schüler präsentieren ihre ErgebnisseSchüler präsentieren ihre Ergebnisse (© Foto: Wolfgang Sander)
Nach den vielen Vorarbeiten, die sie geleistet haben, werden die Schülerinnen und Schüler dem Wahlabend mit einiger Erwartung entgegensehen und darauf gespannt sein, die Genauigkeit ihrer Prognose am tatsächlichen Wahlausgang zu messen. Lehrer und Schüler können sich auch schon am Wahlabend im Rathaus (Wahlamt) oder zu einer der vielen Wahlpartys treffen.

Im Unterricht sollte auf die Gelegenheit zur Evaluation der Genauigkeit der Prognose nicht verzichtet werden. Die dem Wahltag unmittelbar folgende Unterrichtseinheit kann genutzt werden, das amtliche Ergebnis zu analysieren, den Grad der Übereinstimmung mit der Prognose zu bestimmen und nach möglichen Fehlerquellen zu suchen.

Das Abwägen möglicher Fehlerquellen wird evtl. stärkere Anregung und Steuerung durch die Lehrerin / den Lehrer erfordern und muss daher möglicherweise in einem gelenkten Unterrichtsgespräch erfolgen. Als Materialgrundlage für beide Arbeitsschritte können Berichte und Kommentare der Tagespresse herangezogen werden, die gewöhnlich nicht nur das reine Wahlergebnis mitteilen, sondern auch auf die besonderen Umstände und den politischen Bedeutungsgehalt des Wahlausgangs eingehen. Wenn es gelingt, plausible Gründe ausfindig zu machen, mit denen sich Abweichungen zwischen Prognose und amtlichem Endergebnis erklären lassen, so wäre damit ein Erkenntnisziel erreicht, das in gewissem Maß für die unvermeidliche Ungenauigkeit der Prognose zu entschädigen vermag.

Um einer etwaigen ungerechtfertigten Enttäuschung seitens der Schülerinnen und Schüler vorzubeugen, sollte die Lehrerin / der Lehrer auf jeden Fall daran erinnern, dass jede Wahlprojektion u. a. auch mit statistischen Unsicherheitsfaktoren belastet ist und eine ganz exakte Vorhersage selbst professionellen Meinungsforschern nur in seltenen Fällen gelingt (vgl. MB 03.22 - MB 03.24 sowie MG 02.11). Vor diesem Hintergrund wird es den Schülerinnen und Schülern dann möglich sein, zu einem angemessenen Urteil über die Qualität ihrer eigenen Forschungsarbeit zu gelangen.

6b) Erstellung eines Jugendbarometers zum Thema "Jugend und Politik"

Für die Jugendbefragung wird ähnlich vorgegangen. Der Unterschied besteht darin, dass sich die Untersuchungsaspekte an Fragen zu den Meinungen und Einstellungen der Jugendlichen zu Politik orientieren.

Hypothesenbildung
Auch hier müssen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Fragebogen zunächst vertraut machen. Hierzu wird der Fragebogen (MG 01.04) im Plenum gemeinsam besprochen. Ausgehend vom Fragebogen sollten anschließend Hypothesen formuliert werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um eine strukturierte und zielgerichtete Auswertung der erhobenen Daten zu gewährleisten (vgl. MG 01.06 - MG 01.07). Die Schülerinnen und Schüler können anhand des Fragebogens (MG 01.04) weitere Hypothesen formulieren, wobei der Bezug zur eigenen Lebenswelt hilfreich sein kann. Ein Arbeitsblatt mit Beispielen für mögliche Hypothesen sowie der Möglichkeit, eigene Hypothesen zu entwickeln, finden Sie in MG 01.07.

7. Präsentation der Ergebnisse



Für die Präsentation der Umfrageergebnisse gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich je nach Ort, Zeit, Adressaten und anderen Bedingungen besonders anbieten. Denkbar wären z. B.:
  • Ausstellung mit Grafiken und Texten auf Stellwänden (Grafiken GrafStat ausdrucken)
  • Pressemitteilung oder umfangreicher Ergebnisbericht (Anfertigen eines Berichts mithilfe einer Textverarbeitung und die benötigten Grafiken aus GrafStat importieren)
  • Internetpräsentation (Erstellen einer HTML-Dokumentation im Auswertungsmodus von GrafStat, MG 03.08)
  • Präsentation für den Bildschirm oder Beamer (Erstellen einer Präsentation mit Power Point o. ä.)
  • Erstellung eines kurzen Films mit dem Handy (Handy als Dokumentationsmedium)
All diese Formen der Präsentation sind problemlos mit dem Programm GrafStat und seinen Zusatzmodulen vorzubereiten, ohne weitere Computerprogramme (abgesehen von einer Textverarbeitung) zu benötigen. Einen Überblick über weitere mögliche Präsentationsmethoden finden Sie im Methodenteil des Bandes (auf CD).