Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

5.10.2012

MW 02.10 Die Mehrheitswahl

Im Laufe der Zeit haben sich zwei verschiedene Grundtypen von Wahlsystemen herausgebildet, die beide jeweils bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen: das Mehrheitswahlsystem und das Verhältniswahlsystem (vgl. MW 02.14).

Bei einem Mehrheitswahlsystem wird das Land, für das ein Parlament gewählt werden soll, in eine gewisse Anzahl von Wahlkreisen unterteilt. Dabei entspricht in der Regel die Anzahl der gebildeten Wahlkreise der Anzahl der zu vergebenden Sitze im Parlament. Sollen also 200 Volksvertreter in das Parlament gewählt werden, dann wird das Land in 200 Wahlkreise eingeteilt. In jedem der Wahlkreise treten verschiedene Kandidaten unterschiedlicher Parteien (mitunter aber auch parteilose Bewerber) gegeneinander an. Wer aber bekommt nun den Platz im Parlament?

Beim relativen Mehrheitswahlsystem, wie es beispielsweise in Großbritannien angewendet wird, ist die Sache ziemlich einfach. Nehmen wir an, in einem Wahlkreis treten vier Bewerber (A, B, C und D) aus unterschiedlichen Parteien gegeneinander an. Am Ende des Wahltages wird das Ergebnis ausgezählt:

A: 14.137 Stimmen
B: 18.231 Stimmen
C: 6.539 Stimmen
D: 17.967 Stimmen

Wer von den vier Kandidaten wird wohl ins Parlament einziehen? Natürlich B, denn er konnte die meisten Stimmen erringen. Genauso wird in den anderen 199 Wahlkreisen verfahren. Am Ende des Wahltages hat in jedem Wahlkreis derjenige Kandidat gewonnen, der die Mehrheit der Stimmen erzielt hat. Die Stimmen für die Kandidaten der anderen Parteien gehen gänzlich verloren und werden dementsprechend bei der Sitzverteilung im Parlament nicht berücksichtigt.

Eigener Text