Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

5.10.2012

MW 02.12 Vorzüge und Auswirkungen der Mehrheitswahl

Vorzüge der Mehrheitswahl
  1. Verhütung der Parteienzersplitterung: Das System der relativen Mehrheit enthält eine versteckte „Sperrklausel“: Parteien, welche die relative Mehrheit der Wählerstimmen nicht auf sich vereinigen können, scheiden automatisch aus. Minderheitenparteien haben daher nur in ihren Hochburgen die Chance, ein Mandat zu erlangen.
  2. Stabile Regierungen: Ein Mehrheitswahlsystem führt tendenziell zu Zweiparteiensystemen und somit zur Bildung stabiler Regierungen.
  3. Förderung politischer Mäßigung: Da die Wähler der Mitte eine Wahl entscheiden, sind die konkurrierenden Parteien gezwungen, sich in ihrer Programmatik an der gemäßigten Wählerschaft der Mitte zu orientieren.
  4. Förderung des Wechsels in der Regierungsausübung: Bereits kleine Veränderungen in den Stärkeverhältnissen der Parteien nach Wählerstimmen können […] große Veränderungen an Mandaten auslösen.
  5. Personenwahl: Aufgrund der Einteilung des Wahlgebietes in Wahlkreise entsteht eine enge Verbindung zwischen Wähler und Kandidat. Der Wähler entscheidet bei seiner Stimmabgabe eher über Personen als über Parteien.
  6. Direkte Wahl der Regierung: Der Wähler entscheidet bei der Wahl unmittelbar über Regierung und Opposition, so dass nicht die Parteien in Koalitionsverhandlungen die Regierungsführung aushandeln.
  7. Unabhängigkeit des Abgeordneten gegenüber seiner Partei: Durch die direkte Wahl im Wahlkreis wahrt der Abgeordnete eine unmittelbare Verbindung zum Wähler.
Aus: Wichard Woyke: Stichwort Wahlen. Wähler, Parteien, Wahlverfahren, 8., völlig neu bearbeitete Auflage, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1994, S. 36f.

Auswirkungen der Mehrheitswahl
  • Zweiparteiensystem
  • parteiliche Mehrheitsbildung
  • stabile Regierungen
  • eindeutige Zurechnungsfähigkeit der politischen Verantwortung
Eigener Text nach: Wichard Woyke: Stichwort Wahlen. Wähler, Parteien, Wahlverfahren, 8., völlig neu bearbeitete Auflage, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1994, S. 38.