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Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

MJ 02.06 Wahlflashmob planen und durchführen

26.10.2012
"Flashmobs" werden politischer
Dem Mitarbeiter des Sportartikelgeschäfts entfährt ein "Ey Alter, was geht denn hier ab?". Irritiert lässt der schlaksige Mann mit der Baseballmütze den Blick durch den Laden schweifen. Vor ihm liegt eine junge Frau auf dem Betonboden, sie schläft. Daneben lehnt ein bärtiger Mann an einem Kleiderständer mit Sportjacken. Er ist augenscheinlich im Stehen eingenickt. An einem Regal hat sich ein Mädchen zusammengerollt, das seinen Kopf auf einen Stapel T-Shirts gelegt hat. 20 Menschen liegen in dem Sportgeschäft in der Berliner Innenstadt. Müde waren sie alle nicht - im Gegenteil. Sie wollen Menschen aufrütteln. Mit ihrer "Flashmob"-Aktion wollen die Schlafenden kurz vor den Olympischen Spielen in Peking auf die Arbeitsbedingungen in großen Sportkonzernen aufmerksam machen. Bei "Flashmobs" verabreden sich viele Menschen, in der Regel per Handy oder im Internet, zu scheinbar spontanen Aktionen an einem bestimmten Ort. Meist dauert das Ganze nur ein paar Minuten. Dann wird beispielsweise gleichzeitig applaudiert, telefoniert - oder eben geschlafen. Eine Trillerpfeife weckt nach zwei Minuten die Schlafenden. Sie stehen auf und halten sich wortlos Flugblätter über den Kopf. "Play Fair" steht darauf geschrieben. Dann verlassen sie das Sportgeschäft.

Geschichte der "Flashmobs"
"Flashmobs" gab es erstmals im Jahr 2003 in den USA. In der Lobby eines New Yorker Hotels klatschten 150 Leute zur Verblüffung der Gäste urplötzlich 15 Sekunden lang grundlos Beifall. Dann verschwanden sie so schnell, wie sie gekommen waren. In Berlin bestellten mehrere hundert Menschen kürzlich gleichzeitig mehr als 10.300 Burger in einem Fast-Food-Restaurant. In London trafen sich im Jahr 2003 in einem Möbelgeschäft etwa 2000 "Flashmobber" und sagten gleichzeitig "Oh, was für ein Sofa". "Solche Aktionen haben keinerlei Sinn, außer die Passanten zu irritieren, die meist nur verwirrt oder fassungslos dastehen und sich das Geschehen überhaupt nicht erklären können", schreiben Anhänger der Aktionskunst auf der Internetseite "www.online-flashmobs.de".

Immer häufiger werden "Flashmob"-Aktionen aber politisch genutzt. Im September vergangenen Jahres haben Demonstranten am Berliner Hauptbahnhof auf Trommeln und Topfdeckel geschlagen und zerrissen Schilder mit der Aufschrift "183=13". Mit der willkürlichen Zahlengleichung wollten sie darauf aufmerksam machen, dass die Bundesregierung die Bahn unter Wert privatisieren wolle.

"Smart Mobber" mit politischer Mission
Eine Sonderform sind "Smart Mobber", die mit ihren Aktionen die Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam machen wollen. Der Begriff geht auf das Buch "Smart Mobs: The Next Social Revolution" des US-Medienexperten Howard Rheingold zurück. Der Sozialforscher schreibt den Mobbern, die sich dank SMS und Internet schnell und spontan zusammenfinden können, eine gewaltige soziale Macht zu - nützlich und zerstörerisch zugleich. Denn mobilisierte Massen könnten seiner Ansicht nach alles und jeden "smartmobben", sprich Präsidenten stürzen, aber auch Spenden für Tsunami-Opfer sammeln. Auch die Berliner Demonstranten wollen "Flashmobs" mit Nachricht. "Es ist doch spannend, Flashmobs mit politischen Inhalten zu besetzen", sagt die 27-jährige Demonstrantin Magdalena. "Einen Dialog" erhofft sich Berndt Hinzmann von der Aktion in dem Berliner Sportgeschäft. Er gehört zum Verein Inkota, einem ökumenischen Netzwerk, das die Aktion organisierte. "Flashmobs erregen einfach Aufmerksamkeit." In dem Berliner Sportartikelladen hat das Phänomen noch nicht ganz die von dem US-Experten Rheingold befürchteten Ausmaße angenommen. Aber politisch war es, und sogar Spaß hat es gemacht, finden die Demonstranten. "Ist doch besser, als mit einem Pappschild durch die Stadt zu laufen und finster angeschaut zu werden", sagt Hinzmann.

Aus: Patricia Driese: Ein Nickerchen im Sportladen, in: dpa, 05.04.2008, http://www.n-tv.de/politik/dossier/Flashmobs-werden-politischer-article259948.html (08.10.2012).

Flashmob: mobilisieren und aktiv werden



Grobkonzeption / Methodik
Die ca. 40köpfige Gesamtgruppe teilte sich nach einem einführenden Plenum in vier Untergruppen auf, die jeweils einen Aspekt eines […] Projektes vorbereiteten. Beim Projekt handelte es sich um einen Flashmob in einem Einkaufszentrum, durch das Öffentlichkeit vor Ort und via Medien auf die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern aufmerksam gemacht werden sollten. Die vier Gruppen:
  • Eine Gruppe "Theater" entwarf und erprobte eine Dramaturgie für den Ablauf vor Ort.
  • Eine Gruppe "Vernetzung und Aktivierung" versuchte, über Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter die Veranstaltung schon vorab bekannt zu machen und Außenstehende für die Teilnahme am Flashmob zu gewinnen. Als zentrale Plattform des Projektes setze sie außerdem ein öffentliches Blog auf.
  • Eine Gruppe "Information und Medien" entwarf einen Handzettel mit Informationen zum Projekt und zur Leiharbeit, der die zentralen inhaltlichen Botschaften zusammenfasste. Darüber hinaus versuchte diese Gruppe, Journalisten für eine Berichterstattung vom Flashmob zu gewinnen.
  • Eine Gruppe "Video" erlernte die Grundlagen der Arbeit mit Videokameras, Livestream, Videoschnitt und Online-Veröffentlichung. Die Gruppe filmte, livestreamte und dokumentierte die Aktion als Video.
Nach der durchgeführten Aktion wurde zunächst in den Gruppen nachbereitet und anschließend im Plenum reflektiert.

Aus: Jöran Muuß-Merholz: Flashmob: mobilisieren und aktiv werden, 10.08.2011, http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/methodik-didaktik/web-2-0/71411/workshop-projektarbeit (08.10.2012).

§ 32 Unzulässige Wahlpropaganda und Unterschriftensammlung, unzulässige Veröffentlichung von Wählerbefragungen (1) Während der Wahlzeit sind in und an dem Gebäude, in dem sich der Wahlraum befindet, sowie unmittelbar vor dem Zugang zu dem Gebäude jede Beeinflussung der Wähler durch Wort, Ton, Schrift oder Bild sowie jede Unterschriftensammlung verboten. (2) Die Veröffentlichung von Ergebnissen von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung ist vor Ablauf der Wahlzeit unzulässig.

Aus: §32 Bundeswahlgesetz, http://www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/__32.html (11.10.2012).

Arbeitsaufträge:
  1. Recherchiert nach politisch oder sozialkritisch angelegten Flashmobs und Smart Mobs im Internet. Welche Ideen haben euch gefallen? Wie bewertet ihr die Aussagekraft und die Öffentlichkeitswirksamkeit der Aktionen?
  2. Wie könnte man mit einem Flashmob (Jung-)Wähler auf das Thema Wahl aufmerksam machen bzw. zur Wahl motivieren? Entwickelt in der Gruppe Ideen.
  3. Was muss bei der Planung, Bewerbung, Durchführung und Dokumentation beachtet werden? Wer könnte euch bei der Durchführung unterstützen?