Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

MW 04.03 Einführung des Frauenwahlrechts in Europa

26.10.2012
Die Einführung des Frauenwahlrechts in Europa vollzog sich in den europäischen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Den Anfang machen die Finninnen, welche erstmals 1906 wählen durften. Es folgten Norwegen im Jahr 1913, Dänemark und Island im Jahr 1915 sowie Estland im Jahr 1917. Die Ursachen dafür, dass die skandinavischen Länder das Wahlrecht für Frauen als Erste einführten, sind eng verknüpft mit den damaligen politischen Strömungen und Neuerungen. Finnland wurde zum Vorreiter des Frauenwahlrechts in Europa, nachdem der russische Zar, dem der finnische Landtag damals unterstand, eine Reform des Wahlrechts versprach. Die Frauenrechtsbewegung in Finnland und anderen skandinavischen Ländern war zu diesem Zeitpunkt brandaktuell. So kam es, dass die Forderungen der finnischen Frauen nach einem Stimmrecht im Zuge der Reform berücksichtigt wurden.

Im Jahr 1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs, erlangten die Frauen gleich in mehreren Staaten, darunter Deutschland, Österreich, Polen, Luxemburg und Lettland, dieselben Rechte an einer politischen Abstimmung teilzunehmen wie ihre männlichen Mitbürger. Mitteleuropa war vor allem durch Revolutionen oder neue Staatsgründungen im Umbruch. Der politische Neustart erfolgte auf der Grundlage einer demokratischen Basis, welche die Einführung des Frauenwahlrechts begünstigte.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde auch den Frauen in den Niederlanden (1919), in Schweden (1921), in Spanien (1931) und in Großbritannien (1928, uneingeschränktes Wahlrecht) das aktive und passive Wahlrecht zuteil. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Frauenwahlrecht in Bulgarien Ungarn und Slowenien (1945) eingeführt. In Frankreich hatten die Frauen sogar vor Kriegsende (1944) das Wahlrecht erhalten. Italienerinnen wiederum kamen 1946 zum vollen Wahlrecht (seit 1925 hatten sie bereits ein kommunales Wahlrecht inne) und die Griechinnen durften sich ab 1952 politisch involvieren.

Was erstaunlich erscheinen mag, ist die Tatsache, dass das Wahlrecht den Frauen in der Schweiz erst nach einer eidgenössischen Abstimmung im Jahre 1971 und in Liechtenstein erst 1984 verliehen wurde.

Eigener Text nach: Botschaft von Finnland, 100 Jahre Parlament und Frauenwahlrecht in Finnland, 04.06.2006, www.finnland.de/public/default.aspx?contentid=121123&nodeid=37052&contentlan=33&culture=de-DE (11.09.2012).

Deutscher Bundestag (Hrsg.): Einführungsdaten des Frauenwahlrechts in 20 europäischen Ländern, www.bundestag.de/kulturundgeschichte/ausstellungen/parl_hist/frauenwahlrecht/einfuehrung.html (11.09.2012).

Monika Storm: 90 Jahre Frauenwahlrecht in Europa, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (Hrsg.), Mainz 2009, www.politische-bildung-rlp.de/fileadmin/download_neu/Frauenwahlrecht.pdf (11.09.2012).

Arbeitsaufträge:
  1. Partnerarbeit: Vergleicht die Datierung zur Einführung des Frauenwahlrechts für die einzelnen europäischen Länder mit eurer Sortierung auf dem Zeitstrahl (s. MW 04.02) und korrigiert ggf. eure Einträge. An welcher Stelle hattet ihr etwas anderes vermutet?
  2. Gruppenarbeit: Benennt Ursachen, die dazu führten, dass in Finnland das Wahlrecht sehr früh eingeführt wurde.