Projekt KlassenCheckUp

Ergebnisse des "KlassenCheckUps!"

Auswertung der (nicht-repräsentativen) Online-Befragung


11.7.2012

Wer hat alles an der Befragung teilgenommen?


Über 300 Klassen aus ganz Deutschland – vereinzelt auch aus Österreich und der Schweiz – haben mit Hilfe des KlassenCheckUp!-Projekts untersucht, wie die Stimmung und das Klima in ihrer Klasse aussieht.

Von Oktober 2010 bis Mai 2012 wurden mit Hilfe eines Onlineformulars über 7.000 gültige Fragebögen erhoben. Die so erhobenen Daten sind zwar nicht repräsentativ für Schülerinnen und Schüler allgemein, zeichnen aber dennoch ein aufschlussreiches Bild über das Klassenklima in den untersuchten Schulen.

Es haben Klassen aus den Jahrgangsstufen 5 bis 12 von überwiegend weiterführenden Schulen teilgenommen. Das Geschlechterverhältnis war sehr ausgewogen, es nahmen 3.488 Jungen und 3.486 Mädchen an der Befragung teil, zudem 63 Personen, die keine Angaben zum Geschlecht gemacht haben.


Ergebnisse


Grafik: Gute KlassengemeinschaftAbb.: Gute Klassengemeinschaft (© Team "Forschen mit GrafStat")
Positiv kann festgehalten werden, dass insgesamt gut die Hälfte (51%) der befragten Schülerinnen und Schüler ihr Klassenklima bzw. ihre Klassengemeinschaft als gut empfinden.

Bei diesem zunächst erst einmal erfreulichen Befund, sollte jedoch nicht vernachlässigt werden, dass aber auch immerhin fast ein Viertel der Befragten (24,3%) die Klassengemeinschaft als eher schlecht empfindet.
Grafik Schulfreude und KlassengemeinschaftAbb.: Schulfreude je nach Klassengemeinschaft (© Team "Forschen mit GrafStat")
Handlungsbedarf wird hier deutlich.

Die Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Klassen das Projekt durchgeführt haben, hatten vermutlich einen „guten Riecher“, d.h. evtl. schon eine Ahnung bzgl. des Klassenklimas und damit einen Grund für die Durchführung des KlassenCheckUps!.

Es zeigte sich, dass das Klassenklima tendenziell Einfluss darauf hat, ob Schülerinnen und Schüler gerne zur Schule gehen.
Über 50% der Schülerinnen und Schüler, die ihr Klassenklima als gut bis sehr gut empfinden, gehen gerne in die Schule. Bei denjenigen, die das Klima als eher schlecht empfinden, reduziert sich diese Zahl auf 31,2%. Schülerinnen und Schüler aus Klassen mit eher schlechtem Klassenklima gehen zu 40,4% eher ungern in die Schule.

Umgang miteinander und das Klassenklima störende Faktoren
Grafik Umgang miteinander - StörfaktorenAbb.: Umgang miteinander - Störfaktoren (© Team "Forschen mit GrafStat")
Die Befragung zeigte auch, welche das Klassenklima störende Aspekte an den Schulen dominieren.

Sich über Mitschülerinnen und Mitschüler lustig zu machen, ist sehr verbreitet. Knapp über die Hälfte der Befragten (51,8%) gab an, dass sie dieses Verhalten in ihrer Klasse beobachten können.

Ein weiterer Aspekt, welcher sich negativ auf die Stimmung in der Klasse auswirken kann, ist die Lästerei. Knapp die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler (46,8%) stimmen zu, dass in ihrer Klasse viel über andere gelästert wird.

Immerhin fast ein Drittel der Befragten (32,4%) gibt zudem an, dass sich viele heimlich freuen, wenn jemand einen Fehler macht.

Grafik.: Ausschluss von Mitschülern und sich über andere lustig machenAbb.: Ausschluss von Mitschülern und sich über andere lustig machen (© Team "Forschen mit GrafStat")
Auffällig ist, dass knapp 40% der Befragten angibt, dass einzelne Schülerinnen oder Schüler ausgeschlossen werden (39,2%) oder manche in der Klasse versuchen gut dazustehen, indem sie andere schlecht machen (38,8%). Aspekte, die das Klassenklima sicher negativ beeinflussen.

Erfreulich ist hingegen, dass fast zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler (64%) der Aussage, dass in der Klasse viel Neid in Bezug auf Kleidung, Noten, Handy etc. herrscht, nicht zustimmen.

Und auch die gewaltfreie Lösung von Konflikten überwiegt mit knapp 50%. Dabei ist jedoch nicht zu vernachlässigen, dass immerhin auch ein Viertel (25,2%) der Schülerinnen und Schüler angibt, dass in ihrer Klasse Streitereien nicht gewaltfrei gelöst werden. Hier herrscht auf alle Fälle Handlungsbedarf.



Grafik: tonangebende Cliquen je nach KlassengemeinschaftAbb.: Cliquen, die den Ton angeben, je nach Klassengemeinschaft (© Team "Forschen mit GrafStat")
Interessant ist in dieser Hinsicht auch, dass die Schülerinnen und Schüler, welche das Klassenklima als eher schlecht einstufen, zu 50% angeben, dass es in ihrer Klasse Cliquen oder Schülerinnen bzw. Schüler gibt, welche den Ton angeben.

Demgegenüber gaben von den Schülerinnen und Schülern, welche das Klassenklima als angenehm empfinden, nur 27% an, dass es in ihrer Klasse „Tonangeber“ gibt.

Es lässt sich dementsprechend ein Zusammenhang zwischen einem gleichberechtigten Miteinander und dem Klassenklima vermuten.
Grafik Umgang miteinander - ToleranzAbb.: Umgang miteinander - Toleranz (© Team "Forschen mit GrafStat")


Weitere erfreuliche Befunde sind, dass über die Hälfte der Befragten (57,7%) bestätigt, dass die Klasse zusammenhält, wenn es drauf ankommt.

Und auch scheint Toleranz in den Klassen vorzuherrschen, zumindest, was die Meinungsäußerung angeht. 63,4% der Befragten bestätigt, dass in ihrer Klasse jeder seine Meinung sagen darf. (Lediglich 14,7% sehen dies nicht so.)

Dass man in der Klasse ruhig anders sein darf, bestätigen allerdings nur noch 44,9%, während über ein Viertel der Befragten (26,5%) sogar der Meinung ist, dass das nicht stimmt.


Unterrichtsstörungen
Grafik: UnterrichtsstörungenAbb.: "In unserer Klasse wird selten im Unterricht gestört" (© Team "Forschen mit GrafStat")
Ein Aspekt mit Auswirkung auf das Klassenklima sind sicher auch Unterrichtsstörungen und der Umgang damit.

Circa 65% der Schülerinnen und Schüler gaben an, dass in ihrem Unterricht gestört wird. Lediglich 13,4% erleben in ihrer Klasse selten Störungen. Vielen Schülerinnen und Schülern (60,9%) ist es im Unterricht zudem zu laut.
Grafik: UnterrichtsregelnAbb.: "In unserer Klasse gibt es klare Verhaltensregeln" (© Team "Forschen mit GrafStat")


Interessant ist die Frage, wie versucht wird, diesen Störungen zu begegnen. Die Einführung von Klassenregeln wäre eine Möglichkeit. Die Frage, ob in der Klasse Verhaltensregeln eingeführt worden sind, bejahten fast die Hälfte (49,6%) der befragten Schülerinnen und Schüler.

Dass die bloße Formulierung von Regeln nicht immer ausreichend ist, zeigte sich bei der nächsten Frage; lediglich 27,2% der Schülerinnen und Schüler aus Klassen mit klaren Verhaltensregeln (Filter bei Frage 25) gaben an, dass in ihrer Klasse diese Regeln auch eingehalten werden. Über ein Drittel (35,7%) sagen hier jedoch klar, dass die Regeln eher nicht eingehalten werden.

Grafik: FeedbackregelnAbb.: "In unserer Klasse haben wir (Feedback-)Regeln, um anderen eine Rückmeldung zu geben, z.B. zu Wortbeiträgen im Unterricht." (© Team "Forschen mit GrafStat")
Grafik.: Feedbackregeln und ins Wort fallenAbb.: Feedbackregeln und ins Wort fallen (© Team "Forschen mit GrafStat")
Die Befragung zeigte darüber hinaus, dass spezielle Feedback-Regeln nicht zum Standard-Repertoire jeder Klasse gehören. Nur 30,4% der Schülerinnen und Schüler gaben an, solche Regelungen, z.B. für Rückmeldungen zu Wortbeiträgen im Unterricht, zu haben.

Aus der Befragung wird allerdings die bessere Kommunikationskultur in Klassen mit Feedback-Regeln deutlich; ohne diese Regeln fallen die Schülerinnen und Schüler sich häufiger (64%) ins Wort als mit Regeln (36%).

Die Lehrer/innen
Grafik: Lehrer/innen um angenehme Atmosphäre bemühtAbb.: "Unseren Lehrer/innen ist es wichtig, ein freundliche und angenehme Atmosphäre in der Klasse zu schaffen." (© Team "Forschen mit GrafStat")
Fast zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler (62,6%) bescheinigte ihren Lehrkräften, dass die meisten sich bemühen, eine freundliche und angenehme Stimmung in der Klasse zu schaffen. Dieses Bemühen sehen 11,8% der Befragten nur bei sehr wenigen Lehrkräften, 25,7% fanden, dass dies nur teils teils auf die Lehrkräfte zutrifft.

Grafik LehrerverhaltenAbb.: Fragen zum Lehrerverhalten (© Team "Forschen mit GrafStat")
Die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler sich von den Lehrkräften gerecht behandelt fühlen, bejahten 46,6% der Befragten. Insgesamt fühlt sich weniger als jeder vierte Schüler (22,7%) von nur wenigen Lehrkräften gerecht behandelt. Da die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung auch als Vorbildfunktion für die Beziehungen der Schüler untereinander dient, bietet dieser Wert einen Anreiz, auf das Gerechtigkeitsempfinden der Schülerinnen und Schüler mehr einzugehen.

Wünsche der Schülerinnen und Schüler
Grafik Wünsche der Schüler/innen für das KlassenklimaAbb.: Wünsche der Schüler/innen (© Team "Forschen mit GrafStat")
Gefragt, was sie Schülerinnen und Schüler hinsichtlich des Klimas in ihrer Klasse wünschen, ist: mehr Spaß (61,6%).

Doch auch eine Verbesserung des Klassenklimas scheint den Schülerinnen und Schülern am Herzen zu liegen, was der ausgeprägte Wunsch der Schülerinnen und Schüler nach mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt in der Klasse nahelegt. 55%, also gut die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler, äußerten diesen Wunsch und zeigen damit, wie wichtig ihnen das Klassenklima ist.

In dieses Bild passt auch, dass fast die Hälfte der Befragten (48,6%) sich weniger Lästereien wünschen.

Ebenfalls über die Hälfte der Befragten (54,1%) wünschen sich zudem weniger Lärm im Unterricht, einen Wunsch, den sie sicher mit ihren Lehrkräften teilen.



 

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